************************************************************************ * USS Victory * * Auswertung 21 / 05012009 * * 24052380 * * Vendetta, hastig ausgesprochen * ************************************************************************ --- Deck 1, Brücke, 17:00 Punkt 1700 betrat Crewman Biber die Brücke. Er war bisher erst einmal hier gewesen, als er einen Bericht an der OPS hatte abliefern sollen. Und das war auch nur in der Delta-Schicht gewesen, als keiner der momentan Anwesenden Dienst hatte. Vielleicht war das auch gut so, dass ihn niemand hier kannte. Denn so wirklich wusste er nicht, warum ihn der Captain zu sich zitiert hatte. Hatte er etwas getan? Den ganzen Nachmittag war deswegen schon am Rätseln gewesen. Er war doch nur ein kleines Rädchen in der Verwaltung. War etwa die letzten Luftgüte- und Recyclingberichte nicht zu seiner Zufriedenheit ausgefallen? Sah sich der Captain diese Berichte überhaupt an? Er wischte seine feuchten Handflächen noch einmal an seiner Hose ab, bevor er sich zum Bereitschaftsraum wandte. Wieso musste er dem Captain auch unter so merkwürdigen Umständen zum ersten Mal auf Armeslänge gegenüberstehen. Gerade als er die Hand zum Türmelder heben wollte, sah er, dass Yates noch auf der Brücke war. Biber wurde nervöser, aber was sollte er machen. Er atmete noch einmal tief durch und trat dann in den Sichtbereich des Captains. "Crewman Biber meldet sich wie befohlen, Sir." Er nahm Haltung an und salutierte, vielleicht ein wenig zu hastig vor lauter Nervosität. James sah den Crewman an, er musste einen Augenblick überlegen, um was es hier noch einmal ging und ließ den Tag rückwärts laufen. Irgendwann kam er an einen Punkt an - vor der Geiselnahme. Ein schöner Punkt, seine Erinnerungen ließen intime Momente mit Deirdra wieder wach werden, die sie abgebrochen hatten. Seine Laune, die gerade aufhellte und wieder schlechter. Und jetzt wusste er auch wieder, wozu der Crewman gehörte. "Crewman Biber." James rief die Protokolle der internen Sensoren auf, die Bereiche vor den Quartieren und Büros der Führungsoffiziere wurden 24 Stunden gespeichert. Er sah wie er mit Deirdra das Büro betrat. Crewman Biber ganz in der Nähe - Sichtkontakt würde man es nennen können. Und als er das Büro verließ war er immer noch da, selbst als Deirdra das Büro wenig später verließ, stand er ganz nah an einer Wand. "Nun. Mich würde interessieren, was Sie heute morgen auf Deck 2 in der Nähe des Büros des ersten Offiziers zu tun hatten. Sie haben sich dort immerhin relativ lange aufgehalten. Und dann würde mich natürlich interessieren, was Sie so erzählen können, was dort in der Zeit passiert ist." Betonung, Stimmlage und Körperhaltung sprachen Bände und dienten vor allem mal der Einschüchterung. --- CIS Liato, Quartier des Gul Geduld und Disziplin waren der Schlüssel zum Erfolg. Letzteres hatte ihm nie Probleme bereitet. Nur hatte er es in all den Jahren nie zur jemanden gebracht, der die Geduld in Person war! Selbst sein alter Lehrmeister war hierbei bei ihm auf Granit gestoßen. So war es nicht verwunderlich, dass Mujata unruhig in seinem Quartier auf und ab ging, seine Schritte lediglich für ein Glas Kanar unterbrechend. Er wusste aus eigener Erfahrung zu gut, dass die Wiederherstellung von Computerdaten, die absichtlich gelöscht wurden durchaus viel Zeit in Anspruch konnte, aber nach einem Tag brannte es ihm wie Feuer und den Nägeln. Sein Strategischer Offizier hatte ihm bereits mitgeteilt, dass die Wiederherstellung der Daten so gut wie abgeschlossen war - dass war vor zwei Stunden gewesen. Die Verhöre dieser Söldner waren durchaus ergiebig gewesen - für den Anfang. Es würde noch Zeit brauchen bis sie wirklich alle relevanten Informationen aus ihnen herausbekommen hatten. Das, was Sie jedoch wussten, hatte Mujata soweit in seiner Annahme bestärkt, dass er jeden freien Mann an der Datenwiederherstellung arbeiten lies. Die Föderation trieb ein abgekartetes Spiel und im Bordcomputer des Söldnerschiffes lagen die Beweise! Das Türsignal riss ihn aus seinen Überlegungen. "Eintreten!" Die Tür öffnete sich und sein strategischer Offizier betrat den Raum. "Gul, wir konnten rund 82% des Datenspeichers wieder herstellen. Eine offizielle Nachricht der Sternenflotte konnten wir unter diesen Daten nicht finden. Die Indizien sind jedoch eindeutig und decken sich mit den Aussagen der Gefangenen!" Er reichte Mujata ein Datenpadd, was dieser ihm neugierig aus der Hand riss und augenblicklich überflog. Mit jeder Zeile, die Mujata gelesen hatte, wurde seine Mimik immer triumphierender. Die Datenauflistung sprach Bände: Detaillierte Sternenkarten strategisch wichtiger Sektoren mit Vermerken der Langstreckenhorchposten, die aktuelle Flottenstärke der in dieser Gegend operierenden Schiffe, detaillierte Baupläne cardassianischer Schiffstypen und sogar die aktuellen Patrouillenpläne für zwei neuralgische Sektoren - das konnten sich diese Söldner niemals alleine beschafft haben - die Föderation musste sie ihnen zugespielt haben! "Gute Arbeit, Karsay! Sehr gute Arbeit! Diese Informationen untermauern, dass was ich bereits geahnt habe. Das Oberkommando wird sich sehr für diese Informationen interessieren!" Er legte das PADD auf seinen Tisch. "Doch zunächst sollten wir Gul Telmar informieren." --- CIS Liato, Brücke "Eine Kom-Verbindung zur USS Victory öffnen!", bellte Mujata, kaum dass er die Brücke betreten hatte, "Melden Sie, wir wünschen Gul Telmar zu sprechen!" --- Deck 1, Hauptbrücke Deirdra hatte James angeboten, einen Teil seiner Schicht und Bereitschaft auf der Brücke zu übernehmen. Nach ihrer Mittagspause hatte sie ihren Papierkram in kürzester Zeit erledigt gehabt, er dagegen war die meiste Zeit auf der Brücke festgehalten worden. Kein Wunder, wenn die Brücke im Moment zum Großteil durch die Bereitschaft besetzt war. "Ma'am.", meldete sich der MCPO an der OPS zu Wort, ein älterer Kobheerianer. "Wir empfangen einen Ruf von der CIS Liato." Deirdra horchte auf. "CIS Liato? Was für ein Schiff ist das?", unterbrach sie. Der Unteroffizier schien etwas nachzusehen. "Es handelt sich um ein cardassianisches Schiff, eine Galor-Klasse." Er projizierte die Daten auf den Hauptmonitor. "Die CIS Liato sollte Gul Telmar zu uns bringen, allerdings traf die Victory früher als geplant auf sie, als die Agamemnon an Bord genommen wurde." Deirdra winkte ab, sie hatte den Bericht kurz überflogen und erinnerte sich wieder. "Danke. Was wollen sie?", setzte sie wieder an, wo sie den Kobheerianer vorhin unterbrochen hatte. "Der Kommandant, Gul Mujata, möchte Gul Telmar sprechen.", er spielte die Nachricht ab. "Nach unseren Informationen hat Gul Mujata eine Weile unter Gul Telmar gedient.", fügte er noch hinzu. "In Ordnung. Dann wollen wir ihm mal sagen, wo sich Telmar befindet. Öffnen Sie den Kanal." Deirdra strich noch einmal ihre Uniform glatt und warf die Haare zurück. "Ein kleiner Ausschnitt im Hauptschirm genügt.", fügte sie noch schnell hinzu. Sie mochte es nicht, ihre Gesprächspartner überlebensgroß auf dem Hauptmonitor herangezoomt zu sehen. Als die Verbindung stand, begann Sie zu sprechen. "Hier ist die USS Victory, Sie sprechen mit dem Ersten Offizier. Ich grüße Sie, Gul Mujata. Was ist Ihr Anliegen?" --- CIS Liato, Brücke "Das was wir mit unserem Ruf bereits angekündigt haben, Commander." erwiderte Mujata eisig, "Ich habe wichtige Informationen für Gul Telmar. Wo ist er?" --- Deck 1, Brücke Deirdra setzte ihr nettes Lächeln auf, das sie daheim auf Risa für nörgelige Gäste reserviert hatte. "Es tut mir leid, Ihnen mitteilen zu müssen, dass Gul Telmar nicht zu sprechen ist. Er sitzt in einer unserer Arrestzellen. Kann ich Ihnen weiterhelfen?" --- CIS Liato, Brücke Als die Information Izamis in Mujatas Sprachzentrum verarbeitete war, setzte sein Gehirn augenblicklich einen Adrenalinschub frei. Die Erregung stand im lilafarben im Gesicht. "Sie sind Gäste in unserer Republik und wagen es einen der wichtigsten cardassianischen Kommandanten unserer Zeit in gefangen zu halten?!", fauchte er. "Ich kann mir auch schon denken warum! Ihre Leute waren beim Löschen des Computersystems ihrer uns übergebenen 'Handelspartner' nicht sonderlich gründlich. Das was wir gefunden haben und uns die Crew mitgeteilt hat zeigt, dass die Föderation ein Komplott gegen das cardassianische Volk geschmiedet hat! Ich verlange die sofortige Freilassung Telmars und anschließend werden Sie ihr Schiff nehmen und unser Territorium auf direktem Wege verlassen!" --- Deck 1, Brücke Deirdra spitzte die Ohren. 'Ein Komplott gegen das cardassianische Volk?', fragte sie sich. Nun, wahrscheinlich war es eine der üblichen haltlosen Anschuldigungen, die in Situationen wie diesen ausgetauscht wurden. Aber dennoch, nach diesem Gespräch würde sich ein Team Techniker die Nacht um die Ohren schlagen müssen, soweit es aus den Berichten hervorging, standen der Victory die Computerdaten des Söldnerschiffs ebenfalls zur Verfügung. Ob Telmar wirklich einer der bedeutendsten cardassianischen Kommandanten dieser Zeit war, ließ sie einmal unkommentiert stehen. In immer noch dem gleichen freundlichen Tonfall, in dem man Gästen versuchte schonend beizubringen, dass das Recyclingsystem ihrer Suite aufgrund unsachgemäßer Verwendung streikte, fuhr sie fort. "Ich kann mir vorstellen, warum Sie aufgebracht sind, Gul Mujata. Doch es liegt nicht in meiner Macht, noch der des Captains, Gul Telmar wieder auf freien Fuß zu setzen. Durch die Annahme des Postens als Verbindungsoffizier auf diesem Schiff hat er sich mit den Vorschriften der Sternenflotte einverstanden erklärt, wonach sein Fall unter föderale Jurisdiktion fällt. Sollten Sie offiziell Einspruch einlegen wollen, rate ich Ihnen dringend, sich mit dem diplomatischen Corps Ihres Volkes in Verbindung zu setzen. Unterdessen, kann ich Ihnen versichern, wird Gul Telmar kein Haar gekrümmt werden." --- CIS Liato, Brücke Mujata schien den 1. Offizier der Victory mit dem bloßen Augen töten zu wollen. Er bellte einem seiner Getreuen einen Befehl auf cardassianisch zu. Dies führte zu einer regen, für den Sternenflottenoffizier kaum zu übersehenden Aktivität auf der cardassianischen Brücke. "Diese Regularien sind gegenstandslos, wenn sich die Föderation der Spionage und Sabotage an unserem Volk mitschuldig gemacht hat, Commander. Ich werde das Oberkommando informieren. In 6 Stunden werden wir bei ihrer Position eintreffen. Bis zu einer Entscheidung des Oberkommandos haben Sie ihre Position zu halten. Sollten sie versuchen, sich von Ihrer Position zu entfernen, wird jedes Schiff in der Flotte in diesem Sektor den Befehl erhalten, sie anzugreifen. Im übrigen können Sie beten, Commander. Sollte das Oberkommando zum Entschluss kommen, dass die mir vorliegenden Beweise ausreichender Grund sind, das Friedenabkommen aufzukündigen, werden Sie Ihre Heimat nicht mehr wiedersehen." --- Deck 1, Brücke "Ihre Drohung ist registriert, Gul Mujata.", antwortete Deirdra. Ihr Lächeln war inzwischen so gut wie verschwunden und sie verschränkte die Arme. "Darf ich Sie daran erinnern, dass wir uns auf Wunsch Ihrer Regierung auf dieser Mission befinden? Wir können hier die nächsten 6 Stunden warten. Lassen Sie mich kurz überlegen: Als die Nachricht uns erreichte, lebten auf Trelka V etwa 15.000 Zivilisten. Bei ausgefallenem Terraforming nimmt die Temperatur rapide ab, der Notstand ist bereits ausgerufen. Ich bezweifle, dass wir alle 15.000 Zivilisten noch lebend antreffen, wenn wir uns jetzt mit Höchstgeschwindigkeit auf den Weg machen würden." Ihr Ton wurde verärgerter: "Aber ich denke, es wird ein Trost für Ihre Mitbürger sein - die 6 weitere Stunden in der Kälte, dem Regen und der dünner werdenden Atmosphäre ausharren müssen, die mit ansehen müssen, wie Kinder und Alte diesen Umständen nicht gewachsen sind - dass das Friedensabkommen, das ihre Rettung bedeutet würde, gerade in Frage gestellt und womöglich aufgekündigt wird. Wollen Sie verantwortlich sein für dieses Leid?" --- CIS Liato, Brücke "Diese Siedler kennen die Gefahren einer vorzeitigen Besiedlung." erwiderte Mujata unnachgiebig, "Und es sind bereits Schiffe unterwegs - wir sind also nicht auf die scheinheilige Föderation als Hilfesteller angewiesen. Erst recht nicht, wenn Sie die Gelegenheit nutzen könnten, um noch weitere Daten zu erheben und irgendwelchen anderen Ihrer 'Handelspartner' zugänglich zu machen. Sie rühren sich nicht von Ihrer Stelle! Nach unserem Eintreffen erwarte ich die bedingungslose Auslieferung Gul Telmars." --- Deck 1, Brücke Langsam wurde es Deirdra zuviel. Dieser Gul war wohl der aufgeblasenste Fatzke, der ihr je über den Weg gelaufen war. Sie konnte es nicht glauben, was er sich hier herausnahm, nur weil sein ach so heiß geliebter Gul Telmar berechtigterweise hinter Gittern saß. "Und Gul Telmar kennt die Gefahren eines Verbindungsoffiziersposten.", erwiderte sie fast schon etwas patzig. "Ich werde diese Verbindung gleich schließen. Nutzen Sie die Gelegenheit, nachzudenken, was sie sich hier gerade herausgenommen haben, wem Sie hier drohen und was sie fordern. Bevor nicht ihr Zentralkommando das Sterneflottenhauptquartier oder die Föderationsdiplomaten kontaktiert hat und wir offizielle Anweisungen erhalten haben, werden wir unseren Auftrag nicht abbrechen. USS Victory - Ende." Sie bedeutete der OPS, den Kanal zu schließen. Eine Aufforderung, der der MCPO auch sofort nachkam. Dann kontaktierte sie James, der noch im Bereitschaftsraum war. --- Deck 1, Bereitschaftsraum Biber war dem Captain in den Bereitschaftsraum gefolgt, mit einem Kloß im Hals, denn er wusste noch immer nicht, wieso er überhaupt hierher zitiert worden war. "Ich...", stammelte er, als er erfahren hatte, worum es dem Captain ging - wovon er allerdings auch nicht schlauer wurde. ".. ich bin für die Überprüfung gemäß der Luftreinhaltungs- und Recyclingvorschriften zuständig.", begann er stockend zu erklären. "Von meinem Vorgesetzten hatte ich den Auftrag erhalten, Messungen in diesem Bereich vorzunehmen.", er schluckte immer noch an dem Kloß im Hals. "In der Werft wurde vergessen, an den Lüftungsanlagen die Prüfsiegel anzubringen und ohne diese Prüfsiegel können wir nicht wissen, ob alles vorschriftsgemäß funktioniert und ich musste die Messungen für die Neuzertifizierung machen." Dann fasste er seinen Mut zusammen, er spürte, wie ihm der Schweiß auf die Stirn trat. "Ich bin mir keiner Schuld bewusst...", bevor er ein abschließendes ".. Sir." anhängen konnte, wurde er von einem Kom-Ruf unterbrochen. "Izami an Yates. Gul Mujata macht Probleme.", meldete sie in aller Kürze. "Da haben Sie Glück gehabt.", murrte James noch den Crewman an. "Höre ich Gerede auf dem Schiff, weiß ich ja,, von wem es kommt. Wegtreten." Hinter dem Crewman verließ er den Raum und trat zu Deirdra auf die Brücke. Erleichtert folgte Biber dem Captain aus dem Bereitschaftsraum hinaus und wandte sich dann schnurstracks zum Turbolift. Erst als dessen Türen sich hinter ihm geschlossen hatten, wagte er es, tief durchzuatmen. --- Deck 1, Brücke James trat neben Deirdra die vor seinem Stuhl stand. "Wer ist Gul Mujajt?", fragte er knapp und verwirrt. Der Name sagte ihm grob etwas, er hatte den Namen mal gelesen. Aber ihm fehlte gerade die Verbindung. "Gul Mujata ist Kommandant der CIS Liato. Er hat Gul Telmar zur Victory chauffiert, außerdem war er an dem Vorfall mit dem Söldnerschiff beteiligt. Wie es aussieht, hat er auch eine Weile unter Gul Telmar gedient.", erläuterte sie. "Was die Probleme angeht, sieh selbst." Dann spielte sie die Aufzeichnung ihres Gesprächs mit Gul Mujata ab. --- CIS Liato, Brücke Ein Wutschrei erfüllte die Brücke der Liato. Die Sternenflottenoffizierin, die gerade trotzig die Verbindung unterbrochen hatte, würde sich wundern, was ihr geschehen würde. "Geben Sie eine allgemeine Meldung heraus. Code Vendetta, Ziel ist die USS Victory. Wenn diese Föderation meint, über allem erhaben zu sein, dann wird sie die Stärke Cardassias zu spüren bekommen. Informieren Sie das Oberkommando, dass wir starke Indizien haben, dass die Föderation und mit Ihr die Victory ein falsches Spiel mit uns treiben." "Mit Verlaub, Gul Mujata." wandte sich sein erster Offizier an ihn, "Mit dem Vendetta-Befehl wird die Victory vogelfrei und könnte im Kampf zerstört werden. Das würde die diplomatische Situation des Oberkommandos nicht gerade erleichtern, wenn die Föderation doch nicht schuldig sein sollte. Und was wird mit Gul Telmar?" "Sollte die Föderation, die von uns gefundenen Indizien glaubhaft entkräften können, sollte sie entweder schnell genug sein oder die Crew der Victory vernünftig genug, sich doch an meine Anweisung zu halten. Wenn nicht hat Gul Telmar seinen Dienst für Cardassia bis zum Tod ausgeführt." --- Turbolift Biber fragte sich immer noch, was der Captain eigentlich von ihm gewollt hatte. Es kam ihm so absurd vor. Was für ein Gerede hatte der Captain gemeint, das es auch dem Schiff geben könnte? Während der Turbolift die Strecke bis zu seinem Quartier auf Deck 12 zurücklegte, lehnte sich der Crewman mit geschlossenen Augen an die Wand und ließ den Tag noch einmal Revue passieren. Als er sich die Szene auf Deck 2 noch einmal durch den Kopf gehen ließ, fiel es ihm wieder ein. Eine Frau war vor Commander Yates in den Raum gegangen und nach ihm wieder hinausgekommen. Und, wenn er sich nicht täuschte, ging sie in einer blauen Uniform hinein und kam in einer roten hinaus. Der Turbolift hielt und die Türen gingen auf. Biber trat hinaus und machte sich auf zum Quartier, dass er sich mit einem Kameraden teilte. Unterwegs nahm er an einer Replimatstation noch etwas zu essen mit. Während er es verzehrte, würde er noch einmal den ganzen Vorfall durchdenken, vielleicht fand er ja auch heraus, wer die Frau war, die er mit Yates gesehen hatte. --- Deck 1, Brücke James hatte sich in seinen Sessel gesetzt, die Hände verschränkt und ein nachdenkliches Gesicht aufgesetzt während er das Gespräch anhörte. "Der Mann scheint etwas zu wissen, was wir nicht wissen. Oder er glaubt zumindest etwas zu wissen." Er sah zu Deirdra. Sie war noch nicht an Bord gewesen. als man das kleine Intermezzo mit den Söldnern hatte. "Alle freien Mitarbeiter sollen die Daten sichern, die wir aus dem Computer des Söldnerschiffes haben. Irgendetwas das uns, die Victory, die Sternenflotte oder die Föderation in schlechtem Licht dastehen lässt." Die ganze Situation gefiel ihm nicht. "Was meinst du?", fragte er Deirdra. "Der Mann hört sich entschlossen an. Wir sollten ihn und alle cardassianischen Schiffe im Auge behalten und auf gelben Alarm gehen, sobald jemand Kurs auf uns setzt roter Alarm. - Und jetzt ... sollte ich nochmal mit Mujata sprechen und wir in der Zeit Telmar hierhin holen." Vielleicht war der Gul jetzt doch noch nützlich und würde aus seinem alten Freund herauslocken, um was es ihm überhaupt ging. "Eine Kopie des Gesprächs mit aktuellen Koordinaten und taktischen Informationen an das Oberkommando wären sicher auch nicht verkehrt." Hatte er etwas vergessen? Noch ein Versagen wollte er sich heute nicht leisten und die Victory war im Gefecht auch nur einem Schiff der Galor Klasse überlegen, wenn die Liato alleine käme - aber wenn andere dem Beispiel folgen würden - dann sah es übel aus. Deirdra hatte sich an James' Seite niedergelassen. Sie sah nachdenklich aus. "Ich glaube nicht, dass es sinnvoll wäre, Gul Mujata sofort wieder zu kontaktieren. Ich würde sagen, er braucht einen Moment, um seine Laune wieder in den Griff zu kriegen. Was den gelben Alarm angeht - da gibt es keine Einsprüche von meiner Seite." Dann tippte sie etwas auf dem kleinen Display neben ihrem Sessel und rief den taktischen Bericht für diesen Sektor auf. "Gul Mujata hat recht mit seiner Aussage, dass er erst in 6 Stunden hier eintrifft. Die anderen Schiffe sind noch weiter entfernt, das heißt wir haben noch etwas Zeit, bevor es brenzlig werden kann." Sie schloss den Bericht wieder. "Wenn Sie zu Gul Telmar gehen, mache ich derweil die Berichte fertig, kontaktiere die Technik und setze sie auf die Daten des Söldnerschiffes an.", sagte sie schließlich und kam sich ein bisschen seltsam vor, James zu siezen, aber daran würde sie sich gewöhnen. "Vermutlich haben Sie Recht, Gul Mujata soll bloß nicht denken, dass wir hier wegen seinen haltlosen Androhungen in Panik verfallen." James tippte auf seine kleine Konsole und leitete die aufgezeichnete Nachricht an der Oberkommando weiter, mit höchster Priorität und einer kleinen Notiz dazu wie er nun weiter verfahren würde. "Kümmern Sie sich um die Technik und die Auswertung und behalten Sie im Auge ob und wann wir hier mit Ärger rechnen können." Wieder tippte er auf seiner Konsole rum und schickte eine Eil-Mitteilung an alle Abteilungsleiter >Feindliche Schiffe auf Abfangkurs. ETA 6 Stunden. Gefechtsbereitschaft herstellen.< war die knappe Mitteilung. Er seufzte "Dann sprech ich also mit Telmar. Eigentlich wollte ich ihn etwas länger schmoren lassen." "Aye, Captain." Deirdra blickte James noch einen Moment nach, wie er in Richtung Bereitschaftsraum ging, dann berührte sie ihren Kommunikator. "Brücke an Technik. Ensign Perel, ich hoffe, Sie haben nichts weiter dringendes anliegen. Es gibt eine neue Aufgabe für ihre Mannschaft. Erinnern Sie sich noch an das Söldnerschiff Agamemnon?" --- Hautpmaschinenraum Kaum hatte ihn diese Kurznachricht erreicht, war Dan wieder zurück in den Hautpmaschinenraum geeilt. Das war es wohl, was der Captain mit 'Mehr Arbeit für den gleichen Sold' gemeint hatte. Andererseits hatten Cardassianer die Angewohnheit, unangenehme Gegenspieler zu sein. "Hier Perel, nur recht dunkel - ich persönlich hatte nur relativ wenig mit diesem Schiff zu tun. Um was geht es?", beantwortete er den eintreffenden Ruf Izamis. --- Deck 1, Brücke "Nehmen Sie jeden Techniker, der nicht mit einer lebenswichtigen Aufgabe betraut ist und analysieren Sie die Daten, die von diesem Schiff heruntergeladen oder über das Schiff erstellt wurden. Wir brauchen alles, woraus jemand uns, der Sternenflotte oder der Föderation einen Strick drehen könnte. Sie haben noch...", Deirdra warf einen Blick auf die Uhr und zog noch einige Minuten für Präsentation der Daten und Entscheidungsfindung des Captains ab. "... 5 Stunden und 35 Minuten." --- Hautpmaschinenraum "Na, besser als gar nichts.", erwiderte Dan und nickte einem seiner Computer-Spezialisten zu, sich bereit zu halten, "Die reinen Daten zu sichten dürfte kein Problem sein, auch die Laufwege der Subraumnachrichten anhand der Protokolle zu rekonstruieren wird nicht das große Problem sein. Die Verifikation wird das Problem sein. Denn wenn die Föderation oder die Sternenflotte wirklich an einem Komplott gegen die Cardassianer beteiligt sein sollten, wird man uns sehr wahrscheinlich Steine in den Weg legen.", gab der Bajoraner zu bedenken und wandte sich kurz seinem Techniker zu, damit dieser nicht zu lange warten musste. "Suchen Sie in den Datenbeständen, die wir von der Agamemnon haben, nach Hinweisen, dass Sternenflotten- oder Föderationsbedienstete Kontakt mit dem Söldnerschiff hatten. Schlüsseln Sie einfach die Laufwege aller eingehenden Subraumnachrichten auf. Fertigen Sie aber vorher eine Sicherheitskopie an - ich habe nicht vor, durch eine Falle die Daten zu verlieren.", wies er ihn an und konzentrierte sich wieder auf das Gespräch mit der Brücke. "Wie dem auch sei - wir beeilen uns, und sobald wir was haben, geben wir Ihnen Bescheid.", versprach er Izami. --- Deck 1, Brücke "In Ordnung.", quittierte Deirdra kurz und schloss dann die Verbindung. --- Deck 1, Bereitschaftsraum Die Sicherheit hatte den Auftrag bekommen, den Gul aus der Arrestzelle abzuholen und zum Bereitschaftsraum zu bringen. Zwei bewaffnete Aufpasser würden Telmar schon zeigen in welcher Situation er sich befand. Er musste ja nicht unbedingt wissen, dass er jetzt vielleicht doch wieder nützlich sein würde. Es dauerte nicht lange bis die Männer von der Sicherheit mit ihrem Gast auf der Brücke erschienen und sich die Tür öffnete. James deutete an, dass die beiden draußen warten konnten und bot Telmar einen Platz an, ohne ihn dabei anzusehen, seine Blicke hingen auf den Informationen, die man über Mujata hatte. "Gul Mujata.", betonte er das Gesprächsthema "Sie haben zusammen mit diesem Mann gedient und er hat Sie zur Victory gebracht." James scrollte ein wenig. "Ihr alter Freund hat uns so eben gerufen und einige interessante Standpunkte vertreten. Meiner Meinung nach riskiert er, wenn er nicht blufft, gerade einen weiteren Krieg zwischen der Föderation und Cardassia. Er spricht, als würde er den regierungsuntreuen Rebellen in dieser Region angehören, droht, hält relativ wenig von diplomatischen und humanitären Bemühungen und... er fordert natürlich ihre Freilassung und Auslieferung." Eine kleine Kunstpause. "Wahrscheinlich bevor er und die gesamte cardassianische Flotte uns angreifen - wie er uns verspricht, sobald wir uns bewegen." James hatte vom Oberkommando noch keine Nachricht, wie er mit Telmar umgehen sollte, er war Gast auf dem Schiff und der Umgang mit ihm war diplomatisch gesehen äußerst schwierig, aber die Bedeutung seiner Aktionen beim Tod eines seiner Crewmitglieder war noch nicht aufgeklärt. Er musste ihn mit Samthandschuhen anfassen. Und bisher hatte er Telmar wieder nur Informationen gegeben, die ihm zeigten, dass es um die Victory schlecht stand und dass er als Kommandant gerade nicht so recht weiter wusste. "Ich gebe zu: Telmar, ich weiß nicht, was ihren Kameraden so in Aufruhr gebracht hat, richtig mit ihm zu reden ist jedenfalls nicht. Und warum ich Sie bis zur vollständigen Aufklärung der heutigen Ereignisse nicht einfach gehen lassen kann, das dürfte auch klar sein." Es fiel James schwer, es sich selbst einzugestehen, aber vermutlich traf Telmar keine nachweisbare Schuld, er selbst hätte wissen müssen, dass Telmar in der Situation ein Risikopunkt sein würde. Und so hat es sich dann auch entwickelt, mit verheerenden Folgen, aber so war das nun einmal. "Daher schlage ich vor, während unsere Technik versucht herauszufinden was ihn so aufregt, versuchen wir beide gemeinsam das gleiche, indem wir Gul Mujata einfach fragen. Und ihm - und das soll mein guter Wille sein - zeigen, dass Sie nicht mehr in Arrest sitzen, zumindest nicht mehr in einer Zelle, ihr Quartier halte ich für angemessener. Rein diplomatisch versteht sich." Ein kurzes gehaltvolles Lachen klang aus Telmars Kehle. "Mujata, war schon als mein Steuermann eine recht aufbrausende Natur.", sagte er schließlich, "Doch wenn er so aufgebracht ist, dann wird es wohl seine Gründe haben, Commander Yates. Ich selbst habe ihm vor meinem Beamen auf die Victory die Anweisung gegeben, die Computerdaten ihrer Handelspartner wieder herzustellen und zu untersuchen und mich dann zu informieren. Eine Eigenschaft, die er sich bis heute nicht abgewöhnen konnte, ist die der Geradlinigkeit - Bluffen ist nicht seine große Stärke. Aber ich nehme gerne mit ihm Kontakt auf." Nach einer längeren Pause fügte er hinzu: "Was meine eigene Situation angeht, so habe ich vollstes Verständnis für Ihr Vorgehen. Für einen Mann der Tat, ist eine Zelle nicht allzu viel langweiliger als eines Ihrer Quartiere, einmal abgesehen, dass es farblich nicht so eintönig ist. "Haben Sie die Liato schon gerufen?" Telmar war entgegenkommend, das überraschte Yates ein wenig, andererseits waren sie jetzt endlich auf einem Niveau angekommen wo die gemeinsame Arbeit und der Respekt füreinander funktionieren konnte. Vielleicht hatte es die Zwischenfälle gebraucht. "Noch nicht. Allerdings hat die Liato Kurs auf uns genommen, wir erwarten Sie hier in 6 Stunden." Er tippte noch einmal auf seinen Computer. "Was die Daten des Söldnerschiffes angeht. Wir haben der Diagnose nicht eine solche hohe Priorität eingeräumt, bis dato hat sich niemand intensiv damit beschäftigt, die Technik ist dabei, das nachzuholen." In Hinblick auf das sicher bevorstehende Gespräch zwischen Telmar und Mujata. "Es würde helfen, wenn wir wüssten wonach wir suchen und für was wir uns hier überhaupt verteidigen müssen." Auf dem Schirm seines Tischcomputers war nun das Kommunikationsmenü und die Liato ausgewählt, er drehte das Display zu Telmar, mit einer Taste würde die Verbindung aufgebaut - und das Gespräch gespeichert. Mit entspannter Miene wandte sich der Gul dem Display zu und sprach in die offene Kom-Verbindung: "Gul Telmar von der USS Victory ruft die CIS Liato! Gul Mujata, antworten Sie!" Es dauerte einige Augenblick ehe das Gesicht seines alten Untergebenen auf dem Display erschien "Hier ist Mujata, anscheinend hat sich der Kommandant der Victory kurzfristig umentschieden..." Telmar lachte: "Nicht ganz, aber man fürchtet den Ausbruch eines neuen Krieges, Mujata. Commander Yates hat mir mitgeteilt, dass Sie entsprechende Erkenntnisse aus dem Datenspeicher des Söldnerschiffes gewonnen haben. Ich hatte frühestens morgen mit einer Mitteilung von Ihnen gerechnet Mujata - meine Hochachtung!" Ganz wie in früheren Zeiten, wenn auch nun als Gul etwas würdevoller, zeigte sich Mujata durch die Anerkennung seines Mentors erfreut, blieb jedoch sachlich: "Ich nehme an, man hört unser Gespräch mit?" Telmar nickte und lies ihn fortfahren. "Meine Mannschaft konnte trotz der entsprechenden Speicherlöschung durch die Victory einen Großteil der Daten wieder herstellen, Telmar. Das was wir gefunden haben, ist Grund genug die Beziehung zur Föderation einzufrieren und die Victory samt Ihrer Crew festzuhalten. Ich habe bereits den Vendetta-Befehl an die Flotte gesendet." Telmar wurde nachdenklich. Wenn Mujata den Vendetta-Befehl ausgegeben hatte, mussten die Beweise erheblich sein. "Was haben Sie alles gefunden, Mujata?" "Der Datenspeicher umfasst Daten über unsere strategische Aufstellung in 8 Grenzsektoren zur Föderation und die dahinter folgenden 6 Sektoren und das mit einer derartigen Genauigkeit und Aktualität, dass es unmöglich ist, dass diese von ein paar kleinen Söldnern ohne entsprechende Hilfe zusammengetragen werden kann. Wir fanden detaillierte Angaben über unsere Flottenstärke, Schiffsnamen und -typen, die in den Sektoren patrouillieren, Angaben zu unseren offenen und versteckten Sensor- und Verteidigungsphalanxen von 3 Sektoren und sogar teilweise die Patrouillenpläne der letzten 2 und kommenden 3 Wochen für die Sektoren 34a und 37c. Ich habe bereits das Oberkommando informiert und erwarte dessen Entscheidung über das weitere Vorgehen." "Durchaus interessant.", befand der Gul und warf Yates forschenden Blick zu. "Angesicht dessen ist Ihre Entscheidung vollkommen richtig, Mujata. Angesichts der vorliegenden Fakten, werde ich hier wohl einiges mit Commander Yates zu klären haben. Sie werden von mir hören. Bis dahin tun Sie ihre Pflicht, mein Freund!" Damit war alles gesagt. Mujata wusste, dass Telmar die möglichen Konsequenzen, die sich aus der ausstehenden Entscheidung des Oberkommandos ergeben konnten, kannte. Im Zweifelsfall würde er die Victory angreifen und zerstören müssen, ganz gleich ob Telmar an Bord war oder nicht. "Sollten Ihnen etwas zustoßen, werde ich Ihre Familie informieren, Telmar. Lang lebe Cardassia!" "Tod seinen Feinden!" Damit schloss Telmar die Verbindung zur Liato und wandte sich Yates zu. "Sie widersprechen nicht? Telmar - Sie sind hier um mit uns zusammen zu arbeiten, nicht um einen Angriff auf dieses Schiff abzunicken." Yates war sauer. "Es drängt sich der Verdacht auf, dass Sie wie Mujata nicht an einer Zusammenarbeit mit der Föderation interessiert sind, sondern einmal mehr den militärischen Konflikt suchen." James drehte den Computer wieder zu sich und sicherte die Nachricht, um sie an das Hauptquartier zu senden. Wenigstens wusste er halbwegs, was die Liato gefunden hatte und schickte die entsprechende Stelle des Gesprächs an die Technik. "Möchten wir noch über etwas sprechen?" fragte er Telmar, er würde ihn auch gerne zurück in die Zelle oder das Quartier bringen lassen, aber damit war ihm ja auch nicht geholfen. Wobei Telmar bis dato sich auch nicht als Hilfe entpuppte. Die letzten Sätze Yates' waren wie eine Beleidigung in Telmars Ohren. Ungewohnt scharf konterte er: "Commander Yates, zunächst einmal, sind Sie derjenige, der die Anschuldigungen Mujatas widerlegen muss, nicht ich! Fakt ist, dass es ein interessanter Zufall war, dass uns die Verfolgung der Agamemnon ausgerechnet zu Ihnen geführt hat. Und wenn Mujata wirklich diese Daten gefunden hat, dann habe ich selbst momentan meine Zweifel an den guten Absichten der Föderation." "Darüber hinaus müsste Ihnen genauso klar sein, dass meine Anweisungen an Mujata nichts wert sind. Ich befinde mich auf dem Schiff, dass momentan unter dem Verdacht der heimtückischen Spionage steht und gelte darüber hinaus, wenn auch aus anderem Grund, als inhaftiert. Würden Ihre Leute Ihnen ihre Worte abkaufen, wenn Sie auf meinem Schiff inhaftiert wären und wir unter Verdacht stünden, Spionage betrieben zu haben?!" "Darüber hinaus gilt momentan der Vendetta-Befehl. Dieser Befehl wird nur in sehr heiklen Situationen wie diesen ausgegeben. Inhaltlich ist der Befehl kurz zusammengefasst: Jedes fremde Schiff, das ohne ausdrückliche Erlaubnis durch unseren Raum kreuzt, abzufangen und gegebenenfalls mit Waffengewalt an der weiteren Passage zu hindern. Alle bisherigen Befehle sind aufgehoben bis das Oberkommando entsprechend eine andere Anweisung gibt. De facto könnte ich Mujata alles mögliche erklären oder befehlen. Es würde nichts nützen in dieser Situation. Sollte sich die Victory oder irgendein anderes nicht-cardassianisches Schiff, das hier im Sektor sich aufhält, trotz Warnung nicht seine Position halten, wird es zwangläufig als Bedrohung eingestuft. Und hierbei spielt es keinerlei Rolle, ob ich an Bord dieses Schiffes bin oder nicht - es liegt also in Ihren Händen, ob Sie, ich und Ihre Crew bis zur Klärung der Verhältnisse am Leben bleiben." "Ich selbst hänge an meinem Leben und würde gerne wieder in einigen Monaten meine Familie sehen, anstatt als tote Biomasse im Weltraum zu treiben. Ich schlage daher in aller Höflichkeit vor, Sie halten die Position und setzen ihre Leute darauf an, die kopierten Daten auszuwerten und eine schlüssige Erklärung dafür zu finden, warum dieses Söldnerschiff so hervorragend mit Informationen ausgestattet war und unbedingt mit Ihnen Kontakt aufnehmen musste und schicken dies dem cardassianischen Oberkommando, damit der Vendetta-Befehl aufgehoben wird. Andernfalls werden wir allesamt Abschiedsbotschaften an unsere Familien verfassen können!" 'Na endlich.', war wohl der Gedanke, den der Commander jetzt fasste. Endlich hatte er eine Art gefunden, wie er mit Telmar sprechen konnte, so dass dieser auch so reagierte, wie er es erwartete. Yates hatte nicht die Erfahrungen mit Diplomatie, die es jetzt brauchte und schon gar nicht, wenn es um Cardassianer ging. Er lernte das alles gerade erst auf die harte Schule. Aber auf aggressive Argumente sprang der Gul an und wurde ihm langsam warm, es war jetzt ein offeneres Gespräch als das durch die Blume sprechen der vergangenen Tage, wo man sich nur zeigte, wie wenig man von dem anderen hielt und ihn, seine Art und sein Volk verachtete. "Dann habe ich Ihnen etwas voraus, ich bräuchte keine Abschiedsbotschaften schreiben. Niemand an Bord dieses Schiffes wird das müssen. Sollte ein Schiff in diesen Sektor kommen und Kurs auf uns nehmen, kann es damit rechnen, dass wir uns verteidigen. Und wenn das cardassianische Militär meint, dass es für sie nur die Lösung gibt, eine Vendetta, eine Blutrache, auszurufen, dann wird es mit den Konsequenzen rechnen müssen. Indizienbeweise aus einem Speicher eines Söldnerschiffes rechtfertigen wohl in keinster Weise die aktuellen Bemühungen der Föderation in diesen Sektoren aufs Spiel zu setzen und gar ein Sternenflottenschiff anzugreifen. Dann wird man sich auf Cardassia auf langfristige Spannungen einstellen müssen und ich möchte nicht wissen wo Mujata dann seine Zeit absitzt, wenn, wie ich annehme, heraus kommt, dass an seinen Beschimpfungen und Anmaßungen nichts dran ist." Eine Text-Nachricht kündigte sich mit Audio-Signal an, James öffnete die Nachricht von der Erde sofort. "Wie ich angenommen habe, es gibt kein offizielles Kommunique seitens der Föderation oder der Sternenflotte an das aufgegriffene Söldnerschiff." Er sah zu Telmar. "Ich könnte mir allerdings vorstellen, dass gewisse Abteilungen die nicht direkt dem Oberkommando unterstellt sind, an den Daten interessiert sind. Wer sagt denn, dass die Söldner die Daten bekommen haben, vielleicht haben Sie die Daten ja auch beschafft." Er sah auf die Uhr. "Wir haben noch fast 6 Stunden. Ich erwarte in einigen Stunden ein Feedback aus der Technik über die gezielte Analyse der gesicherten Daten. Wenn es soweit ist würde ich Sie wieder dazu holen, wir werden Gul Mujata danach sicher etwas zu sagen haben. Telmar hatte sich mittlerweile wieder etwas gefasst. "Angesicht der Tatsache, dass sie offenkundig immer noch nicht begriffen haben, dass die cardassianische Mentalität eine andere ist, wird es wohl das beste sein, wenn ich anwesend bin, Commander." erwiderte er, "Nur sollten Sie dem Oberkommando nicht mit der Aussage kommen, dass 'gewisse andere Abteilungen' eventuell die Söldner angeheuert haben. Einem Cardassianer ist der Weg gleichgültig. Nur das Ziel zählt. Sollte das Oberkommando angesichts der dichten Informationslage zum gleichen Schluss wie Mujata kommen, ist es ihm vollkommen gleich, ob es das Sternenflottenkommando selbst oder irgendein föderaler Geheimdienst war, der mit diesen Söldnern interagiert hat. Was zählt ist die Spionage, nicht wer von Ihren Leuten es tatsächlich getan haben könnte." Er musste Telmar zugestehen, dass er sich mit der Mentalität immer noch nicht abgefunden hatte, genau so wenig wie er, Telmar, es mit seiner getan hatte. Die Föderation und die Cardassianische Union waren noch sehr weit voneinander entfernt, wenn selbst die Militärs es waren, die fanden ja meist schneller zusammen als Diplomaten. "Sie haben recht, wir würden vermutlich ähnlich reagieren. Aber eben nur ähnlich, die Drohungen Mujatas sind für mich nach wie vor inakzeptabel und absolut unangebracht, das lasse ich unter den Bemühungen der Annäherung der Regierungen auch nicht mit der Mentalität entschuldigen." Die Sache war für Yates jetzt erstmal fertig. Er braucht Ergebnisse aus der Technik. "Sie können in Ihr Quartier gehen, aus gegebenem Anlass sind sie dort vorerst unter Arrest, mit Sicherheit vor der Tür, und ohne Computerzugriffe. Es würde einfach auch an die Crew falsche Zeichen setzen, wenn ich nicht alle Aspekte prüfe bevor Sie nicht mehr verdächtig sind. Sie werden über Ergebnisse der Forschung von mir unterrichtet und dann zähle ich auf eine konstruktive Zusammenarbeit. Danke Gul Telmar." Mit einem Knopfdruck an seinem Tisch öffnete er die Türen des Bereitschafstraumes und die Sicherheitsleute traten ein, um Telmar in sein Quartier zu geleiten. Telmar nickte nur und trat den beiden Wächtern entgegen, drehte ich dann aber nochmals um: "Um eines nochmals klar zu stellen, Commander Yates. Ich bevorzuge es zwar, am Leben zu bleiben, doch nicht um jeden Preis. Sollten Ihre Leute keine Begründung finden, die mich überzeugt, werde ich nicht ihr Maskottchen spielen und versuchen das Oberkommando davon zu überzeugen. Auf einen schnellen Erfolg ihrer Leute!" Dann verließ er mit seiner Eskorte den Raum. Innerlich war durchaus gespannt, was die Crew der Victory für Entlastungsgründe hervorbringen würde. Die Situation war mehr als kritisch und auch wenn es Yates noch nicht einsehen wollte. Die Situation für ihn und seine Crew war nicht so einfach, als dass sie es durch bloßes Diplomatengeschwätz hätten aus der Welt schaffen konnten. --- Deck 1, Brücke Nachdem Telmar Deck 1 verlassen hatte war James zurück auf die Brücke gekehrt. "Yates an Perel, wie sieht es aus? Wir haben hier ziemlich Druck!" --- Hautpmaschinenraum "Hier Perel, wir haben gerade eine Sicherungskopie aller Daten der Agamemnon abgelegt - für den Fall, einen Löschmechanismus auszulösen - und sind bei den ersten Analysen. Was wir auf jeden Fall sagen können, ist, dass einige eher kleinere Sternenflotten-Außenposten Kontakt mit diesem Schiff hatten - allerdings sind die Mitteilungen verschlüsselt, so dass wir wohl oder übel das gegebene Zeitlimit von fünfeinhalb Stunden voll ausreizen müssen. Und selbst dann können wir nicht mit Gewissheit sagen, wirklich relevante Nachrichten herausgepickt zu haben.", beantwortete Dan die Frage des Kommandanten. Die Anweisung Izamis war zu dem Zeitpunkt gerade mal fünf Minuten alt, und bisher hatten sie noch keinen Datensatz gefunden, der DIE heiße Spur sein konnte. "Alles in allem könnten wir die Sache beschleunigen, wenn Sicherheit und Technik einige ihrer Krypto-Spezialisten für diese Aufgabe abstellen.", schlug er dem Captain schließlich vor. --- Deck 1, Brücke Die Zeit abzuwarten war völlig ausgeschlossen, er brauchte mindestens eine Stunde vor Ankunft von Mujata Ergebnisse, um sich alleine und mit Telmar eine Taktik zurecht zu legen. Immerhin würde er erst Telmar überzeugen müssen, damit dieser ausnahmsweise zusammen mit ihm arbeitete, um diese Sache abzuwenden und Mujata wieder auf den rechten Weg zu bringen. "Sie bekommen jeden, den Sie brauchen, nehmen sie Kontakt mit den Leuten auf und holen Sie sich alles was hilft, ihre Aufgabe hat allerhöchste Priorität." --- Hautpmaschinenraum "Vielen Dank, Captain. Wir werden uns beeilen.", versprach Dan und sah zu seinen Leuten, die noch immer fieberhaft nach einem Zugang suchten. Sicher, die Daten mussten auf irgend eine Weise verschlüsselt sein, wie es bei der Sternenflotte gebräuchlich war, doch ohne auch nur den geringsten Inhalt zu kennen, war Brute Force die einzige Methode, die übrig blieb - eben mit der Gefahr, einen unbekannten Abwehrmechanismus auszulösen. Doch vielleicht gab es einige findige Köpfe an Bord, die einen zündenden Gedanken hatten. "Hautpmaschinenraum an Sicherheit und Wissenschaft, wegen der Entschlüsselung der Daten von der Agamemnon brauchen wir jeden Krypto-Spezialisten, den wir kriegen können. Die Aufgabe hat höchste Priorität beim Captain.", rief er die Abteilungsleiter der Wissenschaft und der Sicherheit. --- Deck 5, Quartier Hudson, 18:00 Kyle hatte den Nachmittag mit Sauna, heißen Bädern und etwas beruhigendem Iaido verbracht, bevor er in sein Quartier zurückgekehrt war. Er hatte sich geduscht und trug nun wieder seine Uniform, bevor er in Richtung Offiziersmesse schritt. --- Deck 3, Offiziersmesse Wie immer war er pünktlich und setzte sich an einen leeren Tisch. Er hoffte Ensign Kara würde ihn nicht zu lange warten lassen. Kara beeilte sich zur Offiziersmesse zu kommen. Sie versuchte im Gehen noch mal ihre Haare zu überprüfen, bis ihr auffiel, wie lächerlich so ein Verhalten war. So etwas kannte sie gar nicht von sich. Wie immer war sie später dran, als sie vorgehabt hatte. Ihr war noch etwas eingefallen und sie war noch einmal ins Labor zurückgekehrt und hatte eine Kultur angelegt. Morgen würde sich zeigen, ob es sich gelohnt hatte. Und wie immer, wenn sie arbeitete, hatte sie die Zeit vergessen. Zum Glück war es ihr gerade rechtzeitig noch aufgefallen. Sie betrat nun die Messe. Ihr Blick suchte nach dem Gesicht von Hudson. Hudson wartete ungefähr zwei Minuten, bevor Kara eintraf und sich suchend nach ihm umblickte. Er winkte ihr kurz zu und sie setzte sich lächelnd an seinen Tisch. "Hallo, Ensign Hudson.", sagte sie. "Haben Sie Ihren Dienst gut hinter sich gebracht?" "Nennen Sie mich Kyle", antwortete Hudson und lächelte. "Um ganz ehrlich zu sein hatte ich heute Nachmittag keinen Dienst mehr. Yates hat mir frei gegeben. Der Einsatz auf der Krankenstation heute morgen hat mich doch mehr mitgenommen, als ich gedacht habe. Wollen wir bestellen?" Sie blicke ihn an. "Ja gerne. Was bestellen sie?" fragte sie und versuchte ihn nicht zu sehr anzublicken. Doch ihr Blick klebte an ihm fest. Ihr gefiel sein Haar und kurz fragte sie sich, wie es sich anfühlen würde, dann schalt sie sich für solche Gedanken. Sie war keine 13 mehr. "Haben sie sehr lange schon gewartet?" fragte sie. "Nein.", antwortete Kyle wahrheitsgemäß. "Ich bin selbst eben erst gekommen." Währenddessen kam eine Kellnerin auf sie zu, um die Bestellungen aufzunehmen. "Wissen Sie schon, was ich Ihnen bringen darf?", fragte sie. Hudson blickte Kara kurz an und meinte dann: "Bitte, Kara, ich lasse Ihnen den Vortritt." "Danke." Sie überlegte kurz. "Ich habe auf der Erde Geschmack an der irdischen Küche gefunden.", erklärte sie kurz Hudson und erst dann fiel ihr auf wie idiotisch dieser Satz war. Sie blickte nun konzentriert die Kellnerin an. "Ich hätte gerne einen Salat mit Putenstreifen. Dazu bitte ein Wasser. Und als Nachspeise Zitroneneis." Sie blicke zu Hudson und war gespannt, was er nehmen würde. "Ähm... ich hätte gern das Filetsteak. Medium, bitte. Und ein Bier." "Gerne", sagte die Kellnerin und entfernte sich von ihrem Tisch. "Es tut mir leid, dass ich mich heute nach unserem Treffen nicht mehr von Ihnen verabschieden konnte, Kara.", sagte Kyle. "Die ganze Situation wurde plötzlich etwas stressig für uns und nachdem die Geiselnahme beendet war, befahl mir der Commander, sofort in die Sicherheitszentrale zurückzukehren." Er lächelte kurz. "Ich bin sehr froh, dass sie daran gedacht haben, mich zum Abendessen einzuladen." Als er sie anlächelte, errötete sie kurz. "Das verstehe ich." Sagte sie bloß schlicht. "Ich freue mich auch mit Ihnen Essen gehen zu können. Um ehrlich zu sein, hab ich schon gedacht, dass sie es vergessen hatten, Kyle.", sie dehnte das letzte Wort etwas und schmeckte den Wortlaut. Es war das erste Mal, dass sie ihn beim Vornahmen nannte, soweit sie sich erinnern konnte. Es schaffte sofort eine Vertrautheit, so als ob sie ihn nie anders genannt hätte. Und es fühlte sich völlig richtig an. Sie versuchte ihn nicht allzu sehr anzustarren. Trotzdem schenkte sie ihm auch ein Lächeln, etwas, das ungewohnt für sie war. Sie hoffte, dass es so ankam, wie es beabsichtigt war. Er erwiderte ihr Lächeln. Er war froh hier sitzen zu können und sich von all den Strapazen des Tages zu erholen. Kyle genoss Karas Gesellschaft und fand es schön, sie lächeln zu sehen. "Nein, ich habe es nicht vergessen." Währenddessen brachte ihnen die Kellnerin ihre Getränke. "Kommst du direkt von Bajor?", fragte er Kara schließlich. Sofort erstarb ihr Lächeln. "Ja ich bin in der Provinz geboren. In einem Dorf. " Traurig schaute sie ihn an. Böse Erinnerungen krochen in ihr Gedächtnis, immer wenn sie an ihre Heimat dachte. Sie versuchte sie zu vertreiben. Sie wollte sich nicht den Abend davon verderben lassen. Betont munter frage sie nun zurück. "Und du bist von der Erde?" Sie nippte etwas an ihrem Getränk. 'Hoppla', dachte Hudson. Da hatte er wohl in ein Hornissennest gestochen. Scheinbar schien sie nicht gerne über ihre Heimat reden zu wollen. "Ja, ich bin von der Erde. San Francisco um genau zu sein. Man kann also sagen, ich war schon von Geburt an prädestiniert dazu, zur Sternenflotte zu gehen." Kyle blickte Kara verschwörerisch an und lächelte. "Dabei sah es für mich die meiste Zeit auf der Akademie, von meinen Noten her, nicht so aus, als würde ich wirklich mein Offizierspatent bekommen. Ich erbrachte eigentlich immer nur gute Leistungen in Sicherheit und Taktik. Die haben mir bereits angeboten, mich nur als normalen Crewman in die Sternenflotte aufzunehmen, aber ich war wohl zu stur und beendete die Akademie. Wenn auch mehr schlecht als recht." Unwillkürlich musste sie zurück lächeln. Sie fand es schön, wenn er es tat. Dieses Mal war es nicht erzwungen. "Bei mir war es eher umgekehrt. Ich war nicht schlecht, aber auch nicht übermäßig gut. Aber was Technik anbelangt, bin ich eine Null. Um ehrlich zu sein, da hatte ich bei den Prüfungen die meiste Angst vor. Ein Freund auf der Akademie hat mir geholfen, um da überhaupt zu begreifen, was es damit auf sich hat .Ich bin eher jemand, der sich mit der Natur auskennt." Die Angespanntheit von eben war wieder vorüber, wie ihr schien. Und im Geiste dankte sie ihm, dass er nicht versucht hatte, weiter erfahren zu wollen, was es mit ihrer Vergangenheit auf sich hatte. "Natur?", fragte Kyle, "Kalifornien hat einige großartige Nationalparks und natürlich wunderschöne Strände. Die können zwar nicht mit Risa mithalten, aber es gibt kaum einen Ort, an dem ich lieber meinen Urlaub verbringe." Währenddessen brachte ihnen die Ordonnanz ihr Essen. Kyle begann auch sofort, sich über seinen Teller herzumachen. Sie wartete noch etwas. Wollte nicht all zu gierig sein. "Ja? Ich war noch nie dort. Und auf Risa auch nicht. Aber ich glaube es würde mir gefallen. Nicht mal auf dem Holodeck. Es fehlte mir immer die Zeit.", sagte sie. Dann begann auch sie zu Essen, wobei sie ihn immer wieder verstohlen anguckte. Die beiden Offiziere leerten ihre Teller. Sie waren bereits ziemlich am Ende angekommen, als Kyle Kara fragte: "Wie wärs wenn wir auf Holodeck 1 gehen und ich dir den Strand von Orange County zeige?" Kara sah ihn etwas unsicher an. Sie überlegte ob sie ihn begleiten sollte. Kyle lächelte zuversichtlich und nahm sanft ihre Hand in die seine. Dann meinte er: "Es wird dir gefallen; ich verspreche es." --- Deck 5, vor Quartier Haris, 18:00 Anna drückte auf den Türmelder. Sie hatte Lexi vor etwa einer halben Stunde alleine gelassen. Sie hatte sich kurz frischgemacht, etwas Ziviles angezogen, ein Holodeck organisiert und ihren Urlaubsantrag an den Captain geschickt - sie glaubte kaum, dass es dabei Probleme geben würde - und war wieder zu Lexi zurückgekehrt. --- Deck 5, Quartier Haris Lexi hatte nicht so recht etwas mit sich anzufangen gewusst, duschen brauchte sie nicht, Hunger hatte sie auch keinen, also war sie in ihrem Quartier auf und ab gewandert und hatte aufgeräumt, wo es nötig war und Gegenstände verrückt, als der Türsummer wieder ertönte. "Komm rein.", forderte sie den Besucher auf, sich fast sicher, dass Anna zurück war. Anna betrat das Quartier. Sie ging zu Lexi und umarmte sie zur Begrüßung. "Na, wie geht es? Bereit für das Holodeck?" Lexi erwiderte die Umarmung zaghaft, aber war froh, dass Anna wieder da war. "Geht so, ich fühl mich grad wieder etwas nutzlos.", meinte sie schulterzuckend und nickte. "Ja, ich bin soweit. Alles was wir brauchen, sollten wir ja dort bekommen." "Genau.", antwortete Anna lächelnd. "Und ich habe es wirklich für die ganze Nacht bekommen. Wir können uns also soviel Zeit lassen, wie wir möchten." Sie legte Lexi ihren Arm um die Schultern und zog sie sanft Richtung Tür. "Schön. Ich bin gespannt, wo du mich hin entführst", erwiderte Lexi und legte ihren Arm ihrerseits um Annas Taille, ließ sich von ihr führen. Sie verließen das Quartier und machten sich auf den Weg zum Holodeck 5. Es war recht klein, aber für sie würde es mehr als ausreichend sein. --- Deck 14, Holodeck 5 "Da wären wir.", kündigte Anna an und würde gleich den Türöffner drücken, das Programm war bereits aktiviert. Lexi blickte kurz zu Anna auf, legte ihr dann ihren Kopf kurz auf Annas Schulter und schloss die Augen. "Danke." --- Deck 14, Holodeck 5 Die Türen öffneten sich. Anna nahm Lexi an der Hand und zog sie mit sich, hinein in die wartende Szenerie. Anna hatte einen interessanten Einsteig gewählt. Sie traten hinaus auf ein felsiges Plateau. Es bestand aus riesigen dunklen Felsbrocken die aussahen, als hätte ein Riese sie hier zu einem Hügel aufgeschichtet. Aus den Zwischenräumen wuchs Gestrüpp - kleine Büsche, Bodendecker, Flechten - alles sah sehr robust aus, mit knorrigen Zweigen, und kleinen harten Blättern, dies war keine sehr regenreiche Gegend. Aber dennoch hatte sie ihre eigene Schönheit, über all den harten Gehölzen hatten sich kleine weiße Knospen einer Schlingpflanze ausgebreitet. Nachts würden sie sich zu kleinen sternförmigen Blüten öffnen und einen herbsüßen Duft verströmen - aber das würde Lexi erst später merken. "Komm mit.", Anna nahm Lexi mit über einen schmalen Pfad bis an den Rand des Plateaus. "Sonst verpassen wir noch den Sonnenuntergang." Noch wenige Schritte und sie waren da. Anna hielt den letzten Busch zur Seite, damit Lexi vorbeigehen konnte. Anna hatte dafür gesorgt, dass auf den Felsplatten bequeme Kissen und Decken bereit lagen, außerdem war in einer Grube ein kleines Feuer angezündet, auf dem ein Tontopf stand und vor sich hin köchelte. Jetzt war es noch ziemlich warm, aber nachts konnte es auch etwas kühler werden, deshalb lagen noch ein paar Holzscheite parat, um das Feuer später noch etwas größer anfeuern zu können. Außerdem stand noch ein Korb parat, der mit einem Tuch abgedeckt war. Sie kamen genau richtig - nun ja, es war ja auch ein Holodeck-Programm. Die Sonne hatte gerade den Horizont berührt. Vor ihnen breiteten sich Kornfelder über die Hügel aus, die im sanften Wind wogten. Im dunkelorangenen Licht der Sonne sah es aus wie ein Meer glühender Lava. Anna schüttelte ein paar der Kissen auf und legte sie auf einen Felsblock, der groß genug für beide war. "Mach es dir schon mal bequem.", sagte sie zu Lexi. "Hast Du Durst?" Als sich die Türen des Holodecks hinter den beiden Frauen geschlossen hatten, sah Lexi sich für einen Moment um, die Hand immer noch in der Annas. Bevor sie überhaupt realisiert hatte, dass Anna sie angesprochen hatte, folgte sie ihr schon über die unebene Felslandschaft. Immer wieder blickte sie sich um und versuchte darauf zu achten, nicht in eine der vermeintlichen, kleinen Spalten zu treten. Sie trat nach den wenigen Schritten an dem letzten Busch vorbei und blieb auf der Ebene stehen. Es war einfach traumhaft hier aus. Anna schien so ziemlich an alles gedacht zu haben. Lexi blieb noch einen Moment stehen und blickte auf die glutroten Felder. "Ja, ein wenig", antwortete sie schließlich und ging zu dem Felsblock, ließ sich dort auf die weichen Kissen sinken, zog die Beine an ihren Körper und blickte wieder zu der glutroten Sonnenscheiben am Horizont. Anna strich Lexi zärtlich über die Haare, dann ging sie zu dem Korb, der im Hintergrund wartete. Sie nahm eine Flasche und zwei Gläser heraus, füllte sie mit der perlenden hellroten Flüssigkeit - einem alkoholfreien Fruchtwein - und trug beide wieder zu Lexi. "Hier.", sie drückte eines in Lexis Hand, das andere stellte sie erst einmal auf den Boden. Dann setzte sie sich rittlings auf den Felsblock und rückte nah hinter Lexi. Sie schlang die Arme um sie, zog sie dicht an sich und legte ihr Kinn auf Lexis Schulter. Einen Moment blickte sie einfach hinaus auf die Felder. "Ich fand immer, dies ist ein Ort, an dem ich die Welt und ihre Probleme für eine Weile vergessen konnte." "Danke.", erwiderte Lexi und schnupperte kurz an dem Wein und nippte einen kleinen Schluck, als sie auch schon Anna dicht an ihrem Körper spürte. Sie stellte das Glas vorsichtig zwischen den Kissen ab und griff nach den Händen der anderen Frau. "Es ist auf jeden Fall schön hier.", antwortete Lexi und wandte ihren Kopf zu Anna um, gab ihr einen Kuss auf die Wange, bevor sie ihren Blick wieder in Richtung der Felder wandte. "Und für eine Weile einfach vergessen wäre schon schön, ich hoffe, es gelingt", erwiderte sie seufzend und zog Annas Arme enger um ihren Körper. "Verrätst du mir, wohin du mich entführt hast?" Anna schmiegte sich nah an Lexi und genoss ihre Wärme. "Das ist schwer zu sagen. Diesen Ort gibt es nur hier. Er ist eine Mischung vieler Orte und meiner Fantasie. Ich habe ihn entworfen, kurz nachdem ich auf die Erde zurückgekommen war." "Es ist jedenfalls schön hier.", erwiderte Lexi und lehnte ihren Kopf schließlich an den Annas, ohne ihren Körper noch weiter an Anna zu lehnen, sie wollte schließlich nicht, dass Anna hinten überkippte. Sie griff im gleichen Augenblick nach Annas Hände und drückte sie leicht. Sie hoffte, dass sie mit Anna und dem von ihr ausgewählten Ort wirklich für eine Weile einfach vergessen konnte. Die Sonne sank langsam immer weiter den Horizont hinab und Lexi ließ sich ein wenig von dem Farbenspiel beeindrucken, während ihre Finger über die Annas strichen. Die beiden saßen dicht aneinandergelehnt, bis die letzten Strahlen der Sonne am Horizont verschwunden waren und nur noch der Mond und das unstete Flackern des Feuers die Szenerie beleuchtete. Jetzt begannen die ersten kräftig leuchtenden Sterne zu funkeln. Am Himmel über ihnen und auf den Felsen unter ihnen, wo sich eine nach der anderen die Blüten im Mondlicht öffneten. "Und wie fühlst Du Dich?", fragte Anna vorsichtig nach. Sie wollte Lexi nicht bedrängen, keine zweite Counselor-Sitzung einläuten. Sie wollte einfach signalisieren, dass sie da war, wenn Lexi über ihre Erfahrungen sprechen wollte. Lexi hatte schweigsam in den Sonnenuntergang gesehen und einfach nur ab und zu mit ihren Hände über Annas gestrichen. Sie blickte jetzt wo es dunkel war, hatte sie ihren Blick auf das flackernde Feuer gerichtet und ließ sich von dem langsam süßherben Duft der Pflanzen ein wenig einlullen. Als Anna wieder sprach, drückte sie deren Hände noch etwas dichter an ihren eigenen Körper. "Im Augenblick geht's, ich bin auf jeden Fall froh, dass du bei mir bist.", erwiderte Lexi und schloss kurz die Augen, den Duft der Blumen immer wieder unbewusst einatmend. "Ansonsten versuch ich ein wenig die wieder aufkeimende Angst zu verjagen, es besteht ja keine Gefahr mehr.", erwiderte sie und schmiegte sich wieder an Anna an. "Hoffe ich zumindest." Anna lächelte und drückte Lexi an sich. "Nein, ich denke nicht, dass du hier vor etwas Angst haben musst. Wir können sogar das Licht wieder anknipsen, wenn es Dir zu dunkel wird." Sie rutschte etwas auf dem Felsen herum, zog ein Bein wieder auf die andere Seite des Felsblocks, bevor es einschlief. "Aber...", fing sie noch einmal an. "... würde es dir etwas ausmachen, wenn ich etwas esse? Die Kürbissuppe heute war zwar gut, aber für mich eher eine Vorspeisenportion.", sagte sie lächelnd. Vielleicht würde Lexi auch wieder etwas Appetit bekommen, sie hatte seit heute morgen ja auch kaum etwas gegessen. "Nein, so wie es jetzt ist, ist's doch schön hier.", erwiderte Lexi. "Der Mond erhellt doch ausreichend. Und wenn, ich hab doch dich hier.", erwiderte sie und ließ Annas Hände los, als sie sich umsetzte. "Hm... Was hast du denn eingepackt?" erwiderte sie und rieb sich kurz über die Arme, nutzte die Gelegenheit, nahm ihr Glas und setzte sich näher ans Lagerfeuer heran. Sie beobachtete Anna, während sie sich was zu essen raus suchte und begann mit einem Blick auf Anna zu erzählen, was ihr so auf der Seele lastete. Auch, zum wiederholten Male, dass ihre Stimme über die Komm ihr die nötige Kraft gegeben hatte, dass sie die ganze Sache irgendwie durchgehalten hatte. --- Deck 12, Quartier LaPlace Nach Dienstschluss machte sich Silvy auf den Weg in ihr Quartier. Was für ein Tag. So etwas Schreckliches hatte sie noch nie erlebt, sie hatte mit Kerr zwar nicht so viel zu tun gehabt, aber das Ganze ging ihr trotzdem sehr nahe. In ihrem Quartier eingetroffen sah sie eine Nachricht von Dave. Zum Glück hatte er heute Abend Zeit für sie, sie hatte wirklich keine Lust den Abend alleine zu verbringen. Etwas Ablenkung konnte ihr nicht schaden und sie freute sich auf seine angenehme Gesellschaft. Dave hatte geschrieben, er würde sie um 19.30 Uhr in ihrem Quartier abholen. Aber was er vorhatte, hatte er nicht verraten. Das war bekleidungstechnisch schwierig, aber Silvy hatte sich für eine Lösung entschieden, in der sie problemlos überall auftauchen konnte: Eine schwarze, eng anliegende Jeans und ein dazu passendes Oberteil, rot mit einem Muster vorne auf der Brust. Nun saß sie auf der Couch und sah nervös auf die Uhr, es war schon fast halb acht. --- Deck 11, Quartier Bowman Als Dave die Nachricht an Silvy geschickt hatte, um ihr zu sagen, dass sie den Abend zusammen verbringen würden, wusste er noch nicht genau, was sie machen sollten. Also hatte er einfach gar nichts geschrieben. Aber eine Deadline hatte er sich selbst gesetzt. Halb acht wollte er sie abholen. Pünktlich Feierabend zu machen war heute kein Problem gewesen. Die ganze Crew war aufgekratzt wegen dem, was alles passiert war. Und Dave hatte das Gefühl, gerade in der Sicherheit war es durch den Zwischenfall und Tod des Crewmitgliedes zu einer gewissen Beklemmung gekommen. Wenn so was an Bord passieren konnte war irgend etwas nicht in Ordnung mit der Sicherheit. Waren Sie in Gefahr? Hier mitten im cardassianischen Raum? Wahrscheinlich, deshalb waren Sie ja alle beim Militär. Aber man musste das beste daraus machen, und deshalb wollte Davy heute Abend Silvy ein bisschen amüsieren und nach Möglichkeit auch etwas verführen. In seinem Quartier hatte er sich geduscht, seine Haare neu gestyled und stand dann relativ lange nur in Boxershorts vor seinem offenem Kleiderschrank. Er nahm beige-karierte Stoffhose heraus die etwas an einen Golfer erinnerte - das hatte er schon lange nicht mehr gespielt, fiel ihm dabei ein. Dazu suchte er nach einem besonderem Stück. Ein weißes Polo-Shirt einer großen Designermarke der Erde, die ein kleines Krokodil auf die Brust des Shirts nähte. Nach etwas längerer Suche fand er auch dazu passende weiße Lederschuhe. "Computer, ist Holodeck 2 noch gebucht?" "Positiv, Holodeck 2 ist mit Priorität gebucht durch CPO Bowman, Technik. Reparatursimulation der Notbrücke." "Läuft derzeit ein Programm?" "Negativ, Holodeck in Stand-by. Kein Programm geladen." 'Sehr gut.' Er hatte eine Idee. "Computer, Remote Zugriff auf Holodeck 2." "Holodeck 2 ist mit Priorität gebucht du..." "Berechtigung durch Stimmenauthentifizierung." "Aktiv." "Chief Petty Officer Dave Bowman" "Positiv. Remote Zugriff aufgebaut." "Lade Golf Programm 'PGA Tour'." "Wählen Sie einen Platz." "Lade ' Kapalua Resort's Plantation Course' auf Hawaii." "Geladen." "Spule Programm vor auf Sonnenuntergang, halte Programm an, lade ein Picknick Set auf das Green von Loch 18." Von dort aus konnte man über das Meer zu einer Nachbarinsel schauen über dessen Berge die Sonne untergehen würde. Die Spiegelungen im Wasser waren toll. "Ausgeführt und geladen." Über den Bildschirm in Dave's Quartier sah er wie es gerade auf dem Holodeck 2 aussah. Wunderbar. "Speichere derzeitige Situation ab unter 'Bowman Late Night Golf 1'." "Gespeichert." "Beende Remote Zugriff." "Zugriff beendet." Dave sah auf die Uhr. 'Oh Gott.', entfuhr es ihm, schon kurz vor halb. Er schnappte sich schnell noch seine Uhr als Accessoire, trug etwas Parfum auf, schnappte sich die weiße Rose die er besorgt hatte und verließ sein Quartier. Glücklicherweise musste er nur ein Deck tiefer zur Silvys Quartier und so stand er, wenn auch etwas aus der Puste, absolut pünktlich vor ihrer Tür. Die Blume hinter dem Rücken versteckt klopfte er an. --- Deck 12, Quartier LaPlace Lange hatte sie nicht warten müssen bis es klingelte. Schnell stand sie von der Couch auf und ihr Herz begann, schneller zu schlagen. 'Reg dich ab, du bist kein Schulmädchen mehr!', versuchte sie sich auf dem Weg zur Tür einzureden, doch es half nichts. Sie war aufgeregt. Die Tür öffnete sich und Dave stand vor ihr. Er sah wieder umwerfend aus, er hatte bei der Wahl seiner Kleidung einfach einen guten Geschmack, das musste man ihm lassen. Silvy lächelte ihn an. "Hi! Schön, dass du da bist!" "Hey, grüss dich." Er hatte sich den Weg hierhin gar nicht genau überlegt was er sagen oder machen wollte, aber sein Selbstbewusstsein wuchs gerade über sich heraus, so trat er einen Schritt auf Silvy zu, nahm sie in den Arm, drückte sie kurz an sich, gab ihr einen Kuss auf die Wange und trat einen halben Schritt wieder zurück. Gerade soweit das er sie mit seinen Händen an den Schultern festhielt und Sie einmal von oben bis unten angucken konnte. "Super siehst du aus.", hauchte er ihr entgegen. "Hast du etwas dagegen wenn ich dich an einen fernen Platz entführe?" Silvy errötete. 'Meine Güte, du stellst dich vielleicht an...', schoss es ihr durch den Kopf als Dave sie kurz umarmte. Ein schönes Gefühl! Zum Glück ließ er sie nicht gleich wieder los, sie genoss die Berührung. "Danke" hauchte sie. "Du hast dich ja auch schick gemacht!", antwortete sie lächelnd. "Und entführen lasse ich mich von dir gerne, ich bin gespannt, was du dir Schönes überlegt hast!", sagte sie. Viel reden um ihre Nervosität zu überspielen, diese Taktik schien zu funktionieren. Ihr Herzschlag normalisierte sich wieder und sie freute sich auf einen schönen Abend. "Ich bin mir sicher es wird dir gefallen. Bist du schon fertig?" Bei Frauen konnte man sich da ja nie so sicher sein ob nicht noch was an den Haaren gemacht werden musste, nochmal Parfum auflegen oder Schuhe nochmal wechseln. Für ihn sah sie 'fertig' aus. "Wir müssen auch nicht weit. Deck 8." Und da war Freizeitmäßiges außer den Holodecks eigentlich nichts. Also ging Dave davon aus, dass ihr das was sagte. Er konnte Überraschungen nur sehr schwer für sich behalten. "Na klar!", antwortete Silvy lächelnd und trat einen Schritt in Richtung Tür. "Von mir aus kann es losgehen. Deck 8 hört sich gut an!", sagte sie freudig. Ein schöner Abend auf dem Holodeck war genau das richtige, da waren sie etwas mehr unter sich als im Casino. "Ich bin mal gespannt, was du dir Schönes ausgedacht hast!", sagte sie. --- Korridor "Na dann mal los." Er wartete bis Silvy das Licht ausgemacht hatte und nahm sie an die Hand. Bis zum Lift waren es nur wenige Meter. Er legte daraufhin seine Hand um ihre Hüfte und drückte sie leicht an sich. Lächelnd sah er sie beim gehen an. Während der Arbeit hatte er immer wieder an sie gedacht und auch darüber nachgedacht warum er das tat. Und langsam wurde ihm klar, dass Silvy ihm verdammt viel bedeutete, nur noch nicht wie viel genau. Für ihn war das Neuland, sie kannte Partnerschaften und hatte ein Kind. Sie konnte garantiert niemanden gebrauchen, der sich nicht über seine Gefühle im klaren war. Und bevor er das nicht war, so sagte sich Dave, wollte er einfach ein paar schöne unbeschwerte Stunden mit ihr verbringen und die Leichtigkeit genießen, die er immer verspürte, wenn er in ihrer Nähe war und er sie und ihr schönes, etwas schüchternes, Lächeln anschauen konnte. Sie stiegen zusammen in den Turbolift, natürlich ließ er ihr den Vortritt. --- Turbolift "Deck 8, Holodeck 2." Sagte Dave nur knapp, lehnte sich an die Wand gegenüber von ihr und sah ihr einfach nur ganz tief in die Augen. Beide mussten dabei lachen und versuchten ihren Blicken auszuweichen, aber es gelang ihnen nicht. 'Das ist es wohl, wenn man sagt, dass es gefunkt hat.' Er wusste wirklich nicht was diese Frau hatte - aber sie hatte es. Der Lift stoppte. "Nach dir." ließ er ihr wieder den Vortritt. Die Tür war schon in Sichtweite und selbst auf die Entfernung sah Dave an den Kontrollleuchten des Displays das sein Programm immer noch im Pause-Modus wartete, dass die Tür geöffnet wurde. Silvy genoss den Körperkontakt zu Dave. Schon lange nicht mehr hatte sie jemand so liebevoll berührt. Die meisten Männer, die sie kennen gelernt hatte, waren durch ihren Sohn abgeschreckt worden. Sie hatte bis heute nicht verstanden wieso. Schließlich lebte er nicht bei ihr sondern bei seinem Vater auf der Erde und sie sah ihn nur selten. Natürlich war sie darüber etwas traurig, doch mit der Zeit hatte sie sich daran gewöhnt und konnte es sich auch gar nicht mehr anders vorstellen. Im Turbolift flirtete sie mit Dave - oder er mit ihr, so genau ließ sich das nicht sagen. Sie genoss das Gefühl von einem Mann begehrt zu werden. Wie stark diese Begierde bei Dave war, konnte sie noch nicht recht einschätzen, aber sie dachte, dass der heutige Abend darüber sicherlich Aufklärung bringen würde. Sie hatten nun den Turbolift verlassen und standen vor dem Holodeck. Ein Programm schien schon aktiviert zu sein. Erwartungsvoll blickte sie zu Dave und hauchte ihm ein Küsschen auf die Wange. Dann strahlte sie ihn an. "Wollen wir?" 'Und wie ich dich will.', dachte sich Dave und ihm wurde klar, dass das ein typischer Spruch war, wie man ihn von einem aus der Technik erwartete. "Gerne.", brachte er also nur unter breitem Grinsen heraus, tippte kurz das Display an und spielte das Programm durch das Öffnen der Türen ab. --- Deck 8, Holodeck 2 Die Sonne hing knapp über den Bergen auf Kalawao, der Nachbarinsel von Maui auf der sich Kapalua befand. Das dortige Golfressort hatte er sich ausgesucht. Er nahm Silvy an die Hand und ging mit ihr durch die Tür, die sich schloss. "Willkommen auf Hawaii." Sagte er zu ihr, nahm sie in den Arm, drückte sie an sich und gab ihr einen Kuss auf die Stirn. "Wir sind im Nordwesten von Maui, das da vorne...", er zeigte auf die Insel gegenüber. "... ist Kalawao." Langsam ging er mit Silvy über das kurz geschnittene Green. Der Rasen war von der Sonne die gerade erst unterging noch warm und trotzdem frisch von der täglichen Pflege. Dave zog sich die Schuhe und Socken aus und krempelte die Hose hoch. Hier war es einige Grad wärmer als auf dem Schiff. Nach einigen Metern konnte er Loch 18 erkennen und das Picknick Set. Die rote karierte Decke lag ausgebreitet neben der Fahne des Loches. Sekt, ein Frucht und ein gemischter Korb mit Essen und Trinken standen bereit. Dave entschied sich dafür, es ihr gleich zu zeigen und hinterher noch was zu schlendern, wenn sie dazu kamen, er hatte langsam auch etwas Hunger. Und den Nachtisch brachte er ja gerade mit. Begeistert sah Silvy sich um. Sie schienen sich auf einem Golfplatz zu befinden, und Silvy blickte direkt in einen wunderschönen Sonnenuntergang. Als Dave seine Schuhe auszog tat sie es im gleich und sie schlenderten Hand in Hand über das Gras. Das Gefühl an ihren Füßen war angenehm. Nach einem Augenblick kamen sie an ein Golfloch und Silvy sah, dass dort eine Picknickdecke ausgebreitet war, neben der ein Korb stand. "Hier ist es schön!", sagte sie und drehte sich zu Dave. "Und etwas zu essen scheint es auch zu geben" freute sie sich. Ihr leerer Magen machte sich langsam bemerkbar. Da hatte jemand also genau soviel Hunger, wie er selbst auch. Gut, das sparte etwas Zeit die man sonst noch aus Anstand wartete, bevor man Zugriff. "Ich muss zugeben, dass ich gar nicht weiß, was alles im Korb drin ist." Dave setzte sich auf die Decke, nachdem Silvy es sich bequem gemacht hatte. Aus dem Korb schaute zumindest eine Flasche Sekt und zwei Gläser hervor. Ziemlich witzig, die Gläser hatten keinen Ständer, der Stil war aber länger und spitz, man konnte sie relativ leicht in das Gras pieksen. Auf der Decke wären sie wohl eh umgefallen. Zuerst schenkte er also beiden ein Glas ein. Die Sonne senkte sich weiter über die Insel und spiegelte sich im Wasser zwischen den beiden Inseln, dunkel wurde es dadurch nur ein bisschen. Sie hatten noch einige Zeit, und Kerzen hatte Dave beim herausnehmen der Sektflasche auch schon im Korb gesehen. Er strich Silvy über die Hand und reichte ihr das Glas. "Nach dem Tag können wir das sicher beide gut gebrauchen - diesen Abend. Also...", er hob sein Glas "...auf einen schönen Abend mit einer bezaubernden jungen Frau." "Na dann bin ich mal gespannt.", antwortete Silvy und ließ sich auf der Decke nieder, während Dave den Sekt einschenkte. Dann nahm sie das Glas von ihm entgegen. Sie errötete leicht, als er sie als bezaubernd bezeichnete. "Ja, auf einen schönen Abend.", antwortete sie nur. Sie prosteten sich zu und Silvy trank einen Schluck von dem Sekt. Er prickelte auf der Zunge. Sie hatte das Gefühl, als ob ihre Haut an der Stelle an ihrer Hand wo Dave sie berührt hatte, genau so prickelte. Als sie das Glas abstellen wollte, fiel ihr auf, dass es keinen Ständer hatte aber einen spitzen Stiel. Sie piekste das Glas also in das Gras neben der Decke. "Sieht stabil aus" verkündete sie lächelnd. "Dann lass uns doch mal schauen, was da noch so in dem Korb ist.", sagte sie dann. "Alles klar." Dave beugte sich nach vorne und zog das Tuch vom Korb, welches den Inhalt abdeckte. Es war noch Wein im Korb, Croissants, ein Fladenbrot, ein Baguette, verschiedene Käse und Schinken, kleine Frikadellen, gerollte Pfannkuchen, Tomaten, Salz und Pfeffer, etwas Obst wie Weintrauben und ein paar Aufstriche und Dips, hauptsächlich aus Kräutern. Die bauchigen Kerzen holte er auch schon aus dem großen Korb und verteilte sie auf der Decke zwischen dem vielen Essen welches Silvy während seines Auspackens schon schön arrangiert hatte. "Das sollte reichen.", lachte Dave über die Vielfalt, wie das alles da rein gepasst hatte war ihm ein Rätsel. "Was möchtest du zuerst probieren?" "Bei so viel Auswahl weiß ich ja gar nicht wo ich anfangen soll.", sagte Silvy und sah sich die Speisen an, die sie auf der Decke ausgebreitet hatten. "Ich glaube, ich fange mit den Frikadellen an. Möchtest du auch ein Stück Brot?" fragte sie während sie zu dem Weißbrot griff. Dabei sah sie Dave an und lächelte. Nicht nur die Landschaft war wunderschön, sondern auch das Essen mit Dave. Er hatte sich wirklich große Mühe gegeben. "Ja, ich nehm auch ein Stück Brot." Er nahm es entgegen, noch dazu etwas Käse und Tomaten und baute sich ein kleines mediterran anmutendes Brot. "Ich dachte wir könnten hier in etwas Ruhe weiterreden, gestern Abend im Casino war es echt nett mit dir, aber man fühlte sich doch irgendwie gestört." Es war für ihn schwer einfach zuzugeben, dass er etwas mehr Zeit zu zweit mit ihr verbringen wollte, und sich auch gut vorstellen konnte, das noch viel öfter zu tun. Er fand Silvy nett und attraktiv und hatte die Nacht sogar von ihr geträumt. Im Dienst war es ihm nicht aufgefallen, aber im Quartier drehten sich seine Gedanken nur um sie. Er aß sein Brot, nahm sich noch das ein und andere aus dem Korb und trank noch etwas von dem Sekt. "Findest du, wir flirten?", fragte er sie direkt - er war offen und sagte was er dachte, das brachte ihm oft Ärger und meist fragte er sich auch hinterher, warum er sich nicht anders ausgedrückt hatte oder besser den Mund gehalten hätte, aber manchmal bekam man auch offene Antworten zurück. Und wenn sie es auch fand ... niemand flirtete ohne an mehr zu denken. Auch Silvy begann zu essen und probierte sich durch die verschiedenen Sachen, die auf der Decke ausgebreitet waren. Es war alles sehr lecker und sie genoss die schöne Aussicht auf den Sonnenuntergang. Das Kerzenlicht machte es ihnen auf der Decke schön gemütlich. Silvy hatte gerade einen Schluck Sekt im Mund als Dave ihr eine Frage stellte. Sie musste sich beherrschen um nicht vor Lachen herauszuprusten. Sie schaffte es, den Sekt hinunterzuschlucken und sah Dave dann lachend an. 'Typisch Mann.', dachte sie. 'Aber auch irgendwie süß!' "Flirten? Ich würde sagen, wir würden getrost jede Meisterschaft darin gewinnen!", sagte sie und grinste. Gut, er hatte sich jetzt lächerlich gemacht. Das machte es für ihn nun etwas einfacher. "Gut.", kommentierte er ihre Antwort augenzwinkernd. "Dann find ich es toll. Wir kennen uns noch nicht so lange aber, ich mag dich." Und in sich fühlte Dave, dass da mehr als nur Kameradschaft war, mehr als nur die üblichen Bekanntschaften die man knüpfte wenn man zusammen arbeitete, er merkte es jedes mal wenn er sie sah wie sie lachte, ihre Augen, ihre Haare, ihr Gesichtsausdruck und wie sie sich bewegte, es zauberte ihn immer ein kleines Lächeln auf die Lippen und er suchte schnell verwegen etwas anderes zum Wegsehen. Die Sonne spiegelte sich im Meer mittlerweile komplett und Bowman schob sich auf der Decke etwas zu Silvy rüber. Nach dem Sonnenuntergang, wenn die ersten Winde vom Meer über den Platz zogen, wurde es einem mal ein wenig frisch obwohl die Luft immer noch weit über 20 Grad hatte. Für alle Fälle wollte er aber da sein, um Silvy einen wärmeren Arm anzubieten. Und wenn ihr nicht kalt war, würde er seine Hand einfach trotzdem in ihre Taille legen. Das lag jetzt auch an ihr, wie weit der Flirt gehen durfte. "Ich mag dich auch.", sagte Silvy etwas schüchtern und wurde dabei ein wenig rot. Sie legte ihren Arm ebenfalls um seine Taille und lehnte sich mit ihrem Kopf an seine Schulter. "Hier ist es so schön dass ich noch stundenlang hier sitzen könnte.", sagte sie dann. Sie genoss Daves Nähe und Körperwärme. Die Sonne war jetzt vollständig untergegangen und es wurde ein wenig kühler. Der Boden war jedoch von den Sonnenstrahlen des Tages noch schön warm, so dass es sich gut aushalten ließ. Es war jetzt wohl Zeit die Kerzen aus dem Korb zu nehmen und anzuzünden, aber er wollte seine Hand nicht von Silvy nehmen. Er hatte noch nicht viele Frauen im Arm gehabt, und es war aufregend und fühlte sich gut an, seine Hormone tanzten Samba. Er rückte also noch etwas näher an sie heran und strich ihr mit seiner freien Hand durch die Haare, während er ihrem Gesicht langsam näher kam. Ein leichter Schauer lief Silvy über den Rücken. Kein unangenehmer Schauer, sondern ihre Haut prickelte angenehm. Dave war noch ein Stück näher an sie herangerückt und strich ihr sanft durch die Haare. Silvy genoss jede Berührung und hoffte, dass dieser Augenblick noch ewig dauern würde. Sie hatte ihren Arm ebenfalls um seine Taille gelegt und strich nun mit sanften Bewegungen über seinen Rücken. Sie drehte ihr Gesicht in seine Richtung. Sein Gesicht war dem ihren sehr nah. Sie sah ihm in die Augen und lächelte ihn liebevoll an. Dabei wurde sie ein klein wenig rot. Es war irgendwie schwer sich länger in die Augen zu sehen, sie beide mussten lachen und schauten verwegen schnell wieder weg. Eigentlich genossen sie den Moment, Dave fand es wunderbar und schön, Silvy fühlte sich so gut an, es war aufregend, sie im Arm zu halten, und ihre Gefühlswelt sah vielleicht gerade genau so aus, aber keiner brachte einen Ton heraus. Seine Gedanken überschlugen sich, seine Fantasie drehte auf, doch seine Schüchternheit hielt ihn ab, etwas zu tun. Es wäre keine durchdachte Aktion, sondern eine aus dem Bauch heraus und er hatte nicht den Mut dazu, er wollte ja nichts überstürzen und dadurch kaputt machen. Doch wenn er sie wieder ansah, ihre wunderschönen Augen, das Lächeln, was einfach nur ansteckend war, ihre Haare und wie sie sich bewegte - sobald er die Augen schloss, stellte er sich vor wie sie sich küssten, wild und lang. Er stellte sich vor wie sie auf seinem Schoß saß, ihre Arme um seinen Hals geschlungen und seine um ihren und wie sie untrennbar waren. Ein so verlockender Gedanke, dass er verschmitzt lächelnd die Augen nach der Sekunde, die er sich gegönnt hatte, wieder öffnete und sie aus dem Augenwinkel ansah und lächelte. Mit seinem Finger strich er etwas Sahne aus einer Schüssel und tupfte es auf ihre Nase und kicherte. "Hey!" rief Silvy aus als Dave ihr die Sahne auf die Nase tupfte. Mit ihrem Finger strich sie die Sahne von der Nase, führte den Finger zum Mund und schleckte die Sahne ab. "Das war ganz schön frech! Und außerdem... Wenn du das noch öfters machst und ich den ganzen Topf Sahne verputzen muss werde ich kugelrund.", scherzte sie und lachte Dave an. Es tat gut, dass sie sich mit ihm so unbefangen unterhalten konnte, irgendwie hatte sie das Gefühl, dass sie ihm vertraute, obwohl sie ihn noch nicht so lange kannte. "Soviel Sahne haben wir nicht hier, damit du kugelrund wirst.", meinte er augenzwinkernd und zog den Finger wieder durch die Sahne und machte mit dem Finger kreisende Bewegungen, während sich die Sahne wieder ihrer Nase näherte, dann aber doch noch absackte und ihr die Sahne auf die Lippen drückte. "Hey!", rief Silvy erneut aus, als sie Daves Finger mit der Sahne schon auf ihren Lippen spürte. Sie öffnete den Mund, schleckte die Sahne von seinem Finger und biss ihn anschließend leicht, woraufhin er den Finger schnell zurückzog. Lachend sah sie ihn an. "Das hast du jetzt davon!", grinste sie. "Oh, so schlimm fand ich das jetzt nicht." Und schon wieder war sein Finger in der Sahne, stupste es ihr auf die Lippen und beugte sich zu ihr nach vorne und leckte ihr die Sahne von den Lippen. Es kribbelte und war wie ein Feuerwerk. Dave sah Silvys wunderbaren Augen vor sich, strich ihr durch die Haare mit einer Hand und küsste sie. Wirklich überrascht war Silvy nicht als Dave sie plötzlich küsste. Es hatte schon den ganzen Abend und auch die Tage davor zwischen ihnen geknistert. Sie erwiderte seinen Kuss leidenschaftlich und legte ihre Arme dabei um seinen Hals. Sie war fast ein wenig traurig, als dieser schöne Moment dann vorbei war, obwohl es ihr so vorgekommen war, als hätte es ewig gedauert. Liebevoll lächelte sie ihn nun an. "Ich mag dich!" --- Deck 14, Holodeck 5 Noch die letzte Teigtasche verspeisend blickte Lexi in das prasselnde Feuer. Das einzige Licht wurde von dem Feuer, den Mond und den Sternen gespendet. Erst hatte Lexi nichts essen wollen, aber der Duft aus dem Topf hatte sie immer mehr zum Essen verführt. Jetzt stellte sie das Geschirr neben sich. Während sie weiter erzählte, fuhr sie mit ihrem Finger über die Stelle, wo Ferom das Skalpell angesetzt und eingeritzt hatte. Inzwischen war von dem Schnitt nichts mehr zu sehen oder zu fühlen, es war als wäre nie etwas geschehen. "Ich hätte lieber zuerst mit dir gesprochen, als mit dem Counselor.", murmelte Lexi leise vor sich hin und blickte zu Anna, in deren Augen sich der Schein des Feuers spiegelte. Immer wieder strich sie mit ihrem Finger über die Stelle am Hals, seit sie Anna davon erzählt hatte. "Er hat die ganze Zeit durchblicken lassen, dass er offenbar denkt, ich hätte Vorurteile Männern gegenüber." Lexi seufzte leise. "Counselor sind auch nur Menschen.", sagte Anna seufzend. "Am besten nehme ich ihn mal unter die Lupe.", fügte sie zwinkernd hinzu. "Und was das Reden angeht, ich bin ja da, vergiss ihn einfach." Ihre Augen hingen noch an Lexis Hals, genauer, an ihrer Hand, die dauernd daran entlang fuhr. Anna beschloss, dass es endlich Zeit für eine Ablenkung wurde. Sie rutschte näher zu Lexi und nahm ihre Hand sanft aber entschlossen in die ihre und gab Lexi einen Kuss auf die Stelle, die ihre Fingerspitzen anvisiert hatten. "Wenn das so einfach wäre.", erwiderte Lexi. "Er will mich übermorgen wieder sehen oder sobald irgendwas ist oder ich Alpträume habe.", seufzte Lexi. "Er hat meine Diensttauglichkeit in der Hand." Sie wollte sich kurz dagegen wehren, dass Anna ihre Hand wegzog, aber ließ es dann doch geschehen, noch mehr Kämpfe wollte und konnte sie heute nicht ausfechten, auch wenn der mit Anna sicherlich liebevoll gemeint wäre. Als sie Annas Lippen an ihrem Hals, an der Stelle, wo Ferom sie verletzt hatte, spürte, keimte ein leichtes Zittern auf und sie spürte Tränen in ihren Augen. Sie tastete mit ihren Händen nach Anna und zog sie noch dichter zu sich. "Ach Mädel.", sie drückte Lexi an sich. "Du brauchst Dich noch nicht um deine Diensttauglichkeit sorgen. Und wenn Du ein paar Tage mehr brauchst, um dich wieder zu erholen, was macht das schon für einen Unterschied? Und um permanent dienstuntauglich zu sein, musst Du Dir schon einiges mehr leisten, das habe nicht mal ich geschafft." Sie zauste Lexi zärtlich an den Haaren, als ihr Kopf ihrer Schulter ruhte. Holodecks waren außerordentlich praktische Einrichtungen, in Kombination mit einem Programm, in das jemand viel Zeit gesteckt hatte. Mit wenigen Gesten ließ Anna den Fels auf dem sie saßen umgestalten, sodass er einer Liege glich, sie jetzt eine Lehne im Rücken hatte und die Füße bequem hochlegen konnte. Und anschmiegsamer als normaler Fels wurde er auch. Anna zog Lexi mit sich nach hinten und bettete Lexis Kopf auf ihren Arm. Über ihnen erstrahlte inzwischen ein funkelnder, fremder Sternenhimmel. Langsam ließ sich Lexi auf Annas Arm sinken, kuschelte sich dicht an ihren Körper und schlang ihren Arm um Annas Körper, als wolle sie diese so schnell nicht wieder los lassen. Sie wandte ihren Blick kurz zum Sternenhimmel, jedoch erkannte sie keinerlei bekannte Sternbilder. "Ja, ich weiß, ich sollte während meiner Freizeit mehr abschalten.", murmelte Lexi schließlich. "Aber heute fällt's umso schwerer." Sie schloss die Augen und sog den fremdartigen Blumenduft ein. Sie war wenigstens froh, dass jemand vertrautes, jemand liebes da war, der ihr jetzt Beistand leistete. Sie drehte sich weiter zu Anna um, spürte wie der Fels unter ihr nachgab, wo es von Nöten war. Als sie mit ihrer Nase schließlich dicht an Annas Gesicht war hielt sie in der Drehung inne. "Ich dank dir jedenfalls, dass du das Programm mit mir teilst.", flüsterte sie Anna zu und hauchte ihr einen Kuss auf die Wange, bevor sie sich mit ihrer Nase an das warme Gesicht der anderen Frau lehnte. (c) Spielergemeinschaft des PbEM-RPGs USS Victory http://www.uss-victory.de