************************************************************************ * USS Victory * * Auswertung 19 / 26102007 * * 24052380 * * Zwei Cardassianer sind mindestens einer zuviel * ************************************************************************ --- Deck 6, Krankenstation Hudson hielt sich, seit der erste Schuss im Isolationszimmer abgegeben wurde, knapp neben der Tür auf. Zwei Sicherheitsmänner knieten neben dem geöffneten Eingang, jedoch außer Sichtweite von Ferom. "Ensign Hudson?", fragte plötzlich einer der beiden Männer. "Ja, was gibt es?" "Hören Sie das nicht auch?" "Was?", fragte Kyle ungehalten. "Dieses Summen... klingt fast als würden in dem Isolationszimmer Phaser überladen..." Kyle runzelte die Stirn, bevor er näher zur Tür trat und ebenfalls angestrengt lauschte. "Oh, Schei...!" Hudson tippte einmal auf seinen Kommunikator. "Ensign Hudson an Commander Yates. Sir, wir registrieren im Isolationszimmer das Überladen von Phaserwaffen. Wir brauchen hier unten einen Befehl, das Isolationszimmer zu stürmen und unsere Leute da hinaus holen zu dürfen." Hudson nahm sein Gewehr von den Schultern und entsicherte, während er auf Yates' Entscheidung wartete. --- Deck 1, Brücke Mila sah auf ihre Sensorenwerte und nickte Yates zu, "Ich kann das nur bestätigen. Die Sensoren registrieren einen raschen Energieanstieg, der in den nächsten Sekunden zur Überladung der Waffe führen werden - wenn sie niemand rechtzeitig stoppt. Zeitgleich registriere ich immer unregelmäßigere Lebenszeichen von der Cardassianerin.", pflichtete sie Hudson verbal bei. "Dieser Cardassianer." brummte Yates. "Wie konnte ich ihn nur da runter schicken. Da gebe ich ihm die Möglichkeit sich zu beweisen, dass er mit unserer Taktik zurechtkommt und was macht er." Ärgerlich schlug James mit der Faust auf die Vorderseite der Taktikkonsole, vor der er stand. "Eine Arrestzelle für den Gul sollten wir bereit halten..." Aber wie sollte er handeln? Er würde das Stürmen des Zimmers erlauben müssen. --- Deck 6, Krankenstation, Isolationszimmer Eines musste man Ferom lassen. Telmars Lächeln war ungehemmt. "Eines muss man Ihnen lassen, Ferom. Aufgeben gehört nicht zu ihrem Charakter." In weniger als einer Minute würde sich der Phaser von Telmar atomisieren und hierbei würde auch Feroms Phaser mitexplodieren. Die Energie reichte, um das halbe Deck wegzusprengen. Ihr Auftreten war für jemanden, der aus medizinischer Sicht angegriffen war, sehr fest in seiner Darstellung. Aber vielleicht spielte sie auch nur die Starke, vielleicht aber auch nicht. Telmars Aufmerksamkeit wurde durch auf Feroms Hüfte gelenkt. Hatte Sie gerade gezittert. Er war sich nicht sicher. Wenn ja, war es nur Schauspielerei. Jemand ihres Kalibers und ihrer Entschlossenheit würde kein Zittern als Körperreaktion zeigen, wenn sie nicht schwächeln würde - er rejustierte den immer noch auf die Cardassianerin gerichteten Phaser. Telmar überlegte, fokussierte jeden einzelnen Teil von Feroms Körper um irgendetwas zu finden, was seine bruchstückhafte Wahrnehmung bestätigen würde, doch er fand nichts... 'Kein Sieg ohne Risiken', dachte er. "Wenn das ihr Wunsch ist, soll es so geschehen, Ferom.", und richtete seinen Blick auf den gefangenen Sicherheitswächter. "Ich werde Commander Yates von ihrer Tapferkeit berichten, Soldat...", sprach er, zielte auf Feroms Schädel und feuerte. Hastig duckte sich die junge Ärztin, als der heiße Schuss dicht an ihr vorbei sauste, was ihre Schulter jedoch mit starken Schmerzen quittierte, die ihr fast das Bewusstsein raubten. Das war irgendwie zu viel. Als würde nicht schon Ferom reichen, musste auch noch dieser Cardassianer daher kommen, der vermutlich überhaupt erst die Schuld daran trug, gefolgt von den Sicherheitlern, dass Ferom überhaupt hier auf der Krankenstation gelandet war. Lexi hörte nur noch das Sirren der beiden sich aufladenden Phaser in ihren Ohren schrillen, die Stimmen um sie herum verschwammen zunehmend in einen unverständlichen und unwichtigen Brei. MCPO Kerr schluckte schwer, er war schon lange bei der Sicherheit, aber eine Geiselnahme hatte er aus dieser Perspektive bisher noch nicht erlebt. Die ganze Zeit hatte er versucht, neutral zu reagieren und nicht eigenmächtig irgendetwas zu unternehmen, was seinen Kollegen da draußen die Arbeit nur erschweren würde. Außerdem war sein Kopf immer noch etwas benebelt von dem Zeug, das diese Cardassianierin in seine Adern gepumpt hatte. Zu benebelt, um sie zu überwältigen. Nur seit dieser andere Cardassianer - der Verbindungsoffizier, wie er sich erinnerte - aufgetaucht war, hatte er ein immer schlechteres Gefühl. Zwei Cardassianer in einem Raum, das waren mindestens einer zuviel. Die beiden schienen sich gegenseitig anzustacheln und er konnte nichts dagegen unternehmen. Er konnte nicht einmal richtig schlucken, so presste sie ihm das Skalpell an den Hals, geschweige denn einen Ton herausbringen. Er konnte nur versuchen, sich möglichst synchron mit seiner Geiselnehmerin zu bewegen, er passte sogar seinen Atemrhythmus dem ihren an. In seiner Freizeit tanzte er ganz gerne, genoss das harmonische Zusammenspiel zweier Körper, und dies erinnerte ihn nun an eine sehr makabere Abart des Paartanzes. Oder fühlte es sich so an, wenn man geführt wurde? Diese ablenkenden Gedankengänge fanden ein jähes Ende, als er Telmars Phaser auf sich oder sie - so genau konnte man das nicht sagen - gerichtet sah. Er sah, wie sich die Finger des Cardassianers bewegten. "Sie verda...", dann ging alles so schnell, dass er zu dem "..mmter Hundesohn!" nicht mehr kam. Er warf sich zur Seite oder versuchte es zumindest, schrie laut auf, als er spürte, wie das Skalpell in seinen Hals drang und Spritzer seines Blutes beschmutzen noch die Wand und die Umstehenden, bevor ihn der Schuss erwischte und er zu Boden ging. Ferom schrie ebenfalls auf. Durch eine schnelle, instinktive Bewegung ihrerseits und der Reaktion des Sicherheitlers, war sie aus der direkten Schussbahn geraten. Der Sicherheitler hatte den größten Teil der Ladung erhalten, doch alle ihre Körperteile, die mit ihm in Berührung gewesen waren, und ihre Kleidung waren versengt oder hatten Phaserverbrennungen erlitten. Durch den Schuss, die Überraschung, die schnellen Bewegungen, war sie gegen die Wand geschleudert worden. Schmerzen zuckten durch ihren Körper, aber dennoch hielt sie ihren Phaser fest umkrampft. Ihre Haut brannte, sie zitterte am ganzen Körper, die Schmerzen von vorhin waren schon beinahe nicht mehr erwähnenswert. Mit einem Stöhnen rutschte sie an der Wand hinab und sackte auf dem Boden zusammen und blieb in einem Haufen liegen, die Hand mit dem Phaser unter sich begraben. Aber lange blieb sie nicht in dieser Position, sondern krallte die rot verbrannten und mit Metallspritzern des verdampften Skalpells übersäten Finger ihrer freien Hand in den weichen hellgrauen Teppich der Krankenstation. Mit einer letzten Kraftanstrengung versuchte sie sich wieder aufzurichten. Sie wollte Telmar in die Augen sehen, wenn sie starb und nicht wie ein getretener Hund in der Ecke verrecken. --- Deck 1, Brücke "Brücke an Hudson, sofortiger Zugriff. Sobald Sie diesen Phaser entschärft und Ferom weggeschafft haben, entwaffnen Sie Gul Telmar und nehmen Sie ihn unter Gewahrsam.", befahl Mila, sowie der Cardassianer seinen Phaser abgefeuert hatte, der Sicherheitswächter getroffen worden war und Ferom nun verletzt auf dem Boden lag. Yates schaute nicht schlecht, wäre das doch eigentlich sein Befehl gewesen. Die Halbbajoranerin sah zum Captain, um ihre Anweisung zu rechtfertigen, "Sir, dieser Bastard hat seinen Phaser auf Ferom und den Sicherheitswächter abgefeuert, den die Cardassianerin als Schutzschild verwendet hat - auf Maximum eingestellt. Auf DS Nine hätte ich ihn als Mörder festgenommen. Schließlich hat er den Tod unseres Mannes billigend in Kauf genommen." "Zügeln Sie sich Lieutenant. Der Vorfall wird geklärt werden.", Yates trat hinter Patterson und sah die Sensordaten an, die Sicherheit hatte die Krankenstation gestürmt, der überladende Phaser war deaktiviert. Er nickte zufrieden, auch wenn er es nicht war. "Brücke an Shuttlehangar, Lieutenant Commander Izami, sie können die Shuttle-Präparation beenden, die Geiselnahme wurde gewaltsam beendet, kommen Sie zurück auf die Brücke." Er sah zu Patterson "Lassen sie Gul Telmar von Mr. Hudson in eine Arrestzelle bringen. Sofern Ferom noch lebt, wird sie ebenfalls in eine Arrestzelle gebracht - von dem Gul räumlich getrennt. Keine Kommunikationsmöglichkeit. Sie soll notdürftig versorgt werden, das sie so eben überlebt." Er sah sich auf der Brücke um. "Counselor, würden Sie bitte auf die Krankenstation gehen, ich denke Dr. Haris und Dr. Miller könnten ihre Unterstützung benötigen." "Natürlich, Sir", murmelte Daniel und beeilte sich dem Befehl nach zu kommen. Endlich war die Geiselnahme vorbei, sicher nicht so, wie es zu hoffen gewesen wäre, doch wenigstens vorbei. Schwer würde es jetzt für die Geiseln werden, die Situation zu verarbeiten und damit zu Recht zu kommen. Daniel würde sein möglichstes tun, um sie dabei zu unterstützen. Stocksauer über den Ablauf verließ James die Brücke in seinen Bereitschaftsraum, das war mehr als schief gelaufen. Er hatte ein Crewmitglied verloren und seine Kompetenz in den abgesprochenen Entscheidungen war zutiefst untergraben worden. --- Deck 6, Krankenstation "Verlassen Sie sich darauf, Ma'am.", antwortete Hudson. Er konnte es nicht fassen, dass Telmar mit der Geiselnehmerin ein Feuergefecht anzetteln würde, ohne auf das Leben der zwei Ärztinnen und Kerr Rücksicht zu nehmen. "Erste Gruppe mit mir, wir greifen uns Telmar und Ferom und machen den Phaser unschädlich. Die zweite Gruppe unter Chief Dos Santos holt die Geiseln raus. Wenn Telmar Faxen macht, dann schalten Sie ihn aus. Ich geh kein Risiko mehr ein. Entsichern und los!" --- Deck 6, Krankenstation, Isolationszimmer Die Sicherheitsleute brachen mit einem lauten Gebrüll durch die Tür und in das Isolationszimmer. Hudson konnte in dem Rauch, der durch die verschiedenen Phaserschüsse entstanden war, kaum etwas sehen. Aber er konnte Ferom ausmachen, die auf dem Boden saß, neben Ihr Telmar. Kaum war der Schuss abgefeuert, deaktivierte Telmar den sich überladenden Phaser, warf ihn mit dem anderen beiseite und eilte zu Ferom. Sie hatte immer noch den Phaser fest in Ihrer Hand. Das Surren wurde immer ohrenbetäubender. Für Zynik blieb keine Zeit. Kurzerhand beugte er sich über sie und schlug mit aller Kraft die Faust in ihr Gesicht. Feroms Phaser fiel zu Boden, Telmar erhaschte sich ihn und lies das todbringende Surren mit einer hektischen Bewegung verstummen. 'Das war knapp', dachte der Cardassianer, ließ sich auf den Boden sacken und warf den Phaser weg. Auch die reingestürmten Sicherheitswachen, die nun die Phaser auf ihn richteten interessierten ihn nicht sonderlich. Teilnahmslos stand er auf und folgte ihren Anweisungen und fragte sich insgeheim, ob er langsam doch zu alt wurde, um solche risikoreichen Situationen richtig einzuschätzen. Kyle bedeutete zwei seiner Leute Ferom nach draußen zu tragen, während er selbst Lexi in die Arme nahm und aus dem Isolationszimmer trug. Shyla hatte sich so auf die Untersuchung von Lexi konzentriert, dass sie den Wortwechsel zwischen Ferom und Telmar nur am Rande mitbekam. Sie hörte einzelne Wortfetzen heraus und merkte wie die Stimmung sich auflud und in dem Surren des Phasers endete. Schockiert sah sie Telmar an ohne etwas zu sagen und ein Wortwechsel später vernahm sie das zweite Summen von Ferom. Zwei sich überladende Phaser. Die beiden spielten russisches Roulette. Sich aufhetzende Cardassianer auf einem Föderationsschiff, sie wurde regelrecht wütend darüber, doch es hatte ihr die Sprache verschlagen. Als Telmar schließlich abdrückte, warf sie sich über Haris. Nach dem Schuss sah sie auf, Kerr lag auf der Seite, Blut rann aus seinem Hals, seine Augen geöffnet und unbewegt, die Uniform und Haut stark verbrannt. Der Phaserstrahl hatte ihn offenbar nicht voll getroffen, aber zum Töten hatte es gereicht, der Skalpell Schnitt in seinen Hals tat den Rest. Jetzt wich sie nicht mehr von Haris' Seite und begann sofort mit der medizinischen Behandlung, nachdem Kyle sie auf ein Biobett gelegt hatte. Er lächelte kurz, bevor er sagte. "Sie sind sehr tapfer gewesen, Dr. Haris. Das hätten nicht viele durchgehalten." Miller sah zu Hudson, den Satz hätte er sich schenken können, Haris hatte nur so gerade überlebt, war schwer verletzt und stand unter Schock. Ihr selbst ging es gemütsmäßig gerade nur mäßig besser. Immerhin lag Haris nun, einige Meter vom Mittelpunkt des Geschehens abseits auf einem intakten und sauberem Biobett und konnte endlich behandelt werden. Nach der Sicherheit waren auch mehrere Assistenzärzte hinein gekommen um Shyla zu assistieren. Sie gaben Lexi die nötigen Substanzen um ihren Kreislauf zu beruhigen, die Schmerzen zu stillen und die Wirkungen der Injektionen durch Ferom aufzuheben. Sogleich begann sich das Team um die Verletzungen an Arm und Schulter zu kümmern. Gebrochen war offensichtlich nichts, aber sie hatte starke Prellungen. Um die psychischen Probleme würde man sich später kümmern. "Doktor?" Einer der jüngeren Assistenzärzte kam zu Shyla. "Ferom hat schwer verletzt überlebt, aber ich denke wir kriegen sie durch ... wenn wir sollen." Shyla sah ihn an. Egal was Ferom getan hatte und wie sehr sie diese Frau hasste, sie war eine lebende Person. "Wir müssen. Nicht nur für unseren Eid. Auch damit sie ihre gerechte Strafe bekommt." Sie nickte dem jungen Kollegen zu der den Raum hastig verließ. Daniel erreichte die Krankenstation und blickte sich fassungslos um. Den ersten Schreck überwand er schnell und ließ sich auch nicht anmerken, wie sehr es ihn traf. Knight bemerkte Miller, die immer noch mit Haris zu tun hatte, und ging näher heran. "Was denken Sie, Miss Miller", erkundigte sich der Counselor: "Wo kann ich mich am besten nützlich machen?" Danach drehte Hudson sich um und ging auf Gul Telmar zu, der das Isolationszimmer ebenfalls verlassen hatte. "Gul Telmar! Auf Befehl von Lt. Patterson nehme ich Sie hiermit fest. Sie haben offen gegen die Befehle eines Vorgesetzten verstoßen und den Tod mehrere Crewmitglieder in Kauf genommen." Hudson schluckte einmal, bevor er etwas weniger offiziell hinzufügte: "Was sollte der Mist? Sie hätten uns beinahe alle umgebracht!" Telmar wirkte erschöpft wie nach einem 20km-Lauf. Die angespannte Situation hatte ihn doch mehr Kraft gekostet, als es während der Situation schien. "Ich habe bereinigt, was Ihre Leute erst gar nicht hätten zulassen sollen, Hudson." antwortete er. "Die Gefangene hätte erst gar nicht in die Lage kommen dürfen, sich Geiseln zu nehmen. Und ihre Vorschriften hätten dafür gesorgt, dass sie seelenruhig mit einem Shuttle dieses Schiff verlässt." Während der ganzen Situation war Hudson innerlich so ruhig geblieben wie nötig. Er war auf solche extremen Stresssituationen trainiert und bereit dafür. Doch Telmars Anspielungen auf die Sicherheit brachten ihn nun endgültig auf die Palme. "Schwachsinn, Telmar. Sie hatten es darauf angelegt, von dem Moment an als Sie die Krankenstation betreten hatten. Ich hätte Sie bereits aufhalten sollen, als Ferom auf Sie und Dr. Miller das erste Mal geschossen hatte. Und was unsere Vorschriften betrifft: Die sind genau dafür da, damit so etwas nicht geschieht... Kerr ist wegen Ihnen tot und Dr. Haris und die Cardassianerin schwer verletzt. Und beinahe hätten Sie auch noch das halbe Deck weggesprengt. Ich weiß zwar nicht, wie es Ihnen geht, aber das war meine erste Mission und ich habe es nicht geschafft auch nur eine der Geiseln unverletzt dort hinauszubringen. Die ganze Mission war ein einziger Fehlschlag und ich muss damit leben." Hudson atmete einmal tief durch. Eine solche Rede war für ihn völlig untypisch. Egal was Telmar getan hatte, er war ein vorgesetzter Offizier und verdiente Respekt. Kyle überlegte gerade, ob er sich bei dem Gul entschuldigen, oder ihm lieber doch noch den Kiefer brechen sollte, als ihn Lieutenant Patterson aus seiner Lage befreite. --- Deck 1, Brücke "Brücke an Hudson, schaffen Sie Telmar und Ferom, sofern letztere bereits in die Brigg überführt werden kann, in getrennte Arrestzellen. Sie sollen keine Kommunikationsmöglichkeiten erhalten. Ferom soll ferner gerade die notwendige medizinische Versorgung erhalten, die gerade ihr Überleben sichert, nicht mehr.", gab Mila an den Sicherheitsoffizier auf der Krankenstation durch, "Befehl vom Captain.", fügte sie an, um eventuellen Widerspruch soweit wie möglich abzuwehren. --- Deck 6, Krankenstation "Verstanden, Ma'am", antwortete er. Kyle schaffte es, seine übliche stoische Ruhe wieder zu erlangen und winkte Chief Dos Santos zu sich. "Chief, bitte begleiten Sie Gul Telmar zu einer Arrestzelle. Ich komme mit Miss Ferom nach, sobald sie dazu in der Lage ist." Danach ging er zu Dr. Miller, die sich gerade mit Daniel unterhielt. Er räusperte sich und sagte: "Entschuldigen Sie, Lieutenant, aber es gibt neue Befehle von der Brücke.", er wandte sich an Miller. "Doctor, bitte verarzten Sie Miss Ferom nur soweit, dass diese stabil ist und in die Brigg überführt werden kann." Kyle schluckte, bevor er hinzufügte: "Ich bin mit diesem Schritt selbst nicht ganz einverstanden, aber es ist ein direkter Befehl von Commander Yates." Kara hatte sich inzwischen auch auf den Weg zur Krankenstation gemacht. Nachdem die Geiselnahme vorbei war. Doch als sie nun ankam bot sich ihr ein Bild unwahrscheinlicher Verwüstungen. Sie ging schnell wieder hinaus. Ihr war schlecht. Wo von wusste sie selber nicht zu sagen. Vielleicht weil es sie an etwas erinnerte. Daniel wartete bis Hudson zu Ende gesprochen hatte, betrachtete ihn aber die ganze Zeit prüfend. Natürlich war ihm klar, dass die Situation für alle Beteiligten schwer gewesen war und sie alle unter extremer Anspannung gestanden hatten, doch so mit dem Gul zu sprechen, war mehr als unangebracht gewesen und ließ ihn vermuten, das Hudson schwerer mit Stress umgehen konnte als gut war. "Kein Problem, Mr. Hudson, Ihr Anliegen geht natürlich vor, ich kann warten.", meinte Knight freundlich: "Eins noch, ich würde mich wirklich freuen, wenn Sie morgen im Laufe des Tages mal bei mir vorbei schauen würden. Ich würde mich gerne etwas mit Ihnen unterhalten." Obwohl es sich wie eine Einladung anhörte, war es vielmehr ein Befehl und Daniel würde eine Ablehnung nicht so einfach hinnehmen. Hudson musste bei der unwillkürlichen, freundlichen Einladung beinahe grinsen. Er war Daniel zwar noch nicht vorgestellt worden, aber nach dieser Frage konnte es sich nur um den neuen Counselor halten. Dennoch war Kyle in dem Moment wütend auf sich selbst. Ein neuer Counselor kam an Bord der Victory und natürlich war er gleich der erste, der auf dessen Couch musste. Er wusste selbst, dass er kurz die Beherrschung verloren hatte, als er mit Telmar gesprochen hatte, aber im Grunde hatte es sich dabei um ein Gespräch unter Soldaten gehandelt, welches Knight gar nicht hätte mitkriegen sollen. Kyle antwortete dem Counselor in völlig neutralem Tonfall: "Selbstverständlich, Sir. Ich werde so gegen 10 Uhr am Vormittag in ihrem Büro vorbeischauen." "In Ordnung!" Daniel nickte Hudson kurz zu, damit war der Punkt dann erst ein mal erledigt. Langsam verschwanden die Schmerzen und der Kopf Lexis wurde wieder klarer. An die letzten Geschehnisse im Isolationszimmer konnte Lexi sich nicht mehr wirklich erinnern. Das letzte, was ihr noch halbwegs bewußt war, war dass ein Schuss gefallen war und sie sich weggeduckt hatte, aber dass Shyla sich schützend über sie gebeugt hatte, dass hatte sie nicht mehr mitbekommen. Langsam wurde sie sich der hektischen Stimmen bewusst, viele kannte sie, aber als eine neue, unbekannte Stimme sich herauskristallisierte riss sie die Augen auf und zuckte kurz zusammen. Wie viele Leute wollte man noch in diese Situation schicken? Lexi blinzelte gegen das grelle Licht an und versuchte sich zu orientieren und es dauerte auch einen Moment bis sie sich bewusst wurde, dass sie nun endlich das Klebeband los war. Sie blickte zu Shyla auf. "Ist es endlich vorbei?" fragte sie fast schon resignierend. --- Deck 9, vor Shuttlehangar Deirdra wartete einen Moment, vielleicht eine halbe Minute ab, probierte es noch einmal, aber der Sicherheitschef meldete sich gerade nicht. 'Er wird seine Gründe haben.', dachte sie sich. Also suchte sie sich einen anderen Helfer. "Izami an Technik. Ich brauche jemanden, der sich mit Waffenentwicklung auskennt oder überhaupt innovative Ideen hat." --- Hauptmaschinenraum 'Verdammt - warum kommt immer sowas, wenn der Chef nicht da ist?', dachte sich der momentane Diensthabende im Maschinenraum - ein relativ junger Chief, der immerhin genug Erfahrung mit dem Warpsystem hatte. Allerdings kannte er seine Kollegen noch nicht gut genug, um einschätzen zu können, wen er schicken sollte. "Maschinenraum an Perel, Commander Izami braucht jemanden, der sich mit Waffenentwicklung auskennt. Wen soll ich schicken?", fragte er Perel, der zur Zeit wieder auf der Ticonderoga da ist. --- USS Ticonderoga, Deck 1, Brücke "Hier Perel, ist denn Lieutenant Riddick nicht greifbar? Ich bin hier mit der Ticonderoga beschäftigt.", erwiderte Dan den Ruf, während er mit Mital und Bowers dabei war, die OPS-Konsole zu installieren. --- Hauptmaschinenraum "Sir, Lieutenant Riddick ist wegversetzt worden.", erwiderte der Techniker die Frage. --- USS Ticonderoga, Deck 1, Brücke "Und wann gedachte man, mich zu informieren? Na schön, ich komme wieder rüber - nehmen Sie Izamis Ruf entgegen und fragen Sie, was sie genau benötigt.", befahl Dan und nickte Bowers zu, damit dieser die Installation weiter betreute. "Tja, Commander, offenbar erfährt die Technik stets zuletzt von Veränderungen - selbst, wenn es sie selbst betrifft. Meine Leute werden weiter zur Verfügung stehen, aber ich muss mal auf der Victory nach dem Rechten sehen.", verabschiedete Dan sich von Balakka. --- Hauptmaschinenraum "Verstanden, Ende.", quittierte der Techniker und öffnete endlich den Kanal zu Izami. "Maschinenraum hier, wie können wir Ihnen helfen?", fragte der Techniker. --- Deck 9, Shuttlehangar "Kurz gesagt, ich brauche eine 'Kältegranate'.", zitierte Deirdra den Begriff aus der Besprechung. "Irgendetwas dass sehr schnell auf eng begrenztem Raum die Temperatur absenken kann. Als Wissenschaftler kenne ich mich mit Gasen und Temperaturen aus, ich brauche noch jemanden, der die Ausbreitung steuern kann." --- Hauptmaschinenraum "Im Prinzip könnte ein CO2-Löschsystem helfen - wenn wir den Druckminderer austauschen, damit das Gas rasch austritt.", meinte der Techniker, als Dan gerade herein kam. Er musste sich regelrecht beeilt haben. "Wir brauchen eine Kältegranate - ich meine, das CO2-Löschsystem könnte helfen.", informierte der Techniker den Bajoraner. "Ja, wenn Sie den Druckminderer vom Sprühkopf austauschen. Machen Sie sich gleich an die Arbeit.", erwiderte Dan, "Was soll überhaupt mit dieser Granate bekämpft werden?" --- Deck 9, Shuttlehangar Der Chief hatte wohl die Verbindung nicht richtig geschlossen, Deirdra hatte den letzten Satz mitgehört. "Eine Cardassianerin.", mischte sie sich ein. --- Hauptmaschinenraum Die Verbindung war zum Glück noch offen, so dass die 'Kundin' sofort erreichbar war. "Na gut, dann brauchen wir entweder wenig CO2 oder ein gutes Abzugssystem. Wo soll die Granate denn gezündet werden, Commander?", fragte Dan nun Izami direkt. --- Deck 9, Shuttlehangar "Am Eingang des Shuttlehangars. Die Idee ist, dass sie es erst bemerkt, wenn es zu spät ist. Als Cardassianerin wird sie durch die Kälte kurzfristig außer Gefecht gesetzt sein, Gelegenheit für unsere Leute, einzugreifen. Aber vor allem muss es in Sekundenbruchteilen wirken, bevor sie Gelegenheit hat, irgendetwas zu tun. Aber sie darf natürlich auch nichts davon ahnen, kein kühler Lufthauch, nichts.", spezifizierte Deirdra ihre Anforderungen. --- Hauptmaschinenraum "Na gut - dann tut's die normale Flasche. Wir bereiten alles vor und schicken Ihnen das fertige Produkt. Am besten, die Flasche wird in den Türsturz eingesetzt. Halten Sie aber auch Sanitäter bereit - wegen möglicher Erfrierungen.", erwiderte Dan und sah, wie der Techniker bereits daran arbeitete, den Druckminderer einer CO2-Flasche auszutauschen. Dies war gar nicht so einfach - zumal sie unter Druck stand. Dennoch schaffte er es dank Rückhaltekraftfelder. "Wir sind gleich bei Ihnen.", verkündete der Bajoraner und schnappte sich einen Werkzeugkoffer, während der Techniker die Flasche trug. --- Deck 9, Shuttlehangar "In Ordnung.", bestätigte Deirdra. 'Das ging ja schneller als gedacht.', fügte sie in Gedanken noch hinzu. "Und wegen der Erfrierungen, machen Sie sich da keine Sorgen. Commander Yates nimmt sie sicherlich in Kauf, wenn der Rest ihres 'Produkts' funktioniert." Innerhalb einer Minute erreichten die beiden Techniker den Shuttlehangar, wo sie auf Izami trafen. "Na gut - dies ist ein Zylinder, den wir normalerweise zum Löschen von Elektronik-Bränden und im automatischen Löschsystem verwenden. Das komprimierte CO2 im Inneren hat Minus siebzig Grad und sollte für genug Abkühlung sorgen.", erklärte er, "Wie lange bleibt uns, sie anzubringen?" "Keine.", antwortete Deirdra grinsend. "Machen Sie, so schnell es geht." Dann betrachtete sie noch einmal die Flasche. "Und es hüllt wirklich schnell genug den gesamten Körper ein?" "Das tut es.", sicherte Dan zu und holte bereits eine Arbeitsbühne her, um die Abdeckung des Türsturzes zu entfernen. Die Abdeckung lehnte nun am Geländer der Bühne, während Dan nun die Flasche anbrachte, mit der Austrittsdüse so positioniert, dass sie das Gas der Flasche direkt durch den Spalt der Schiebetüren ausstieß. "Erstellen Sie eine kleine unauffällige Fernbedienung, die den Auslöser an Hub 08-216, Port 17 bedient.", sprach Dan zu dem Techniker, der sich sogleich an die Arbeit machte. Bevor der Bajoraner die Abdeckung wieder anbringen wollte, machte er noch einen Test, ob die Schotts ohne ein Streifen an der Düse schlossen und sich wieder öffneten. "Also gut... einen Test der Flasche lasse ich sein - das Eis am Türsturz wäre sonst auffällig. Jedenfalls ist alles korrekt angeschlossen und fällt nicht auf.", übergab der Bajoraner die Situation wieder an Izami, die vom Techniker die Fernbedienung erhielt. "Danke.", sie nahm die Fernbedienung entgegen. "Dann hoffe ich, dass auch Sie dem legendären Ruf der Starfleet-Techniker gerecht werden und alles klappt.", lächelte sie Perel an. "Wie ist eigentlich ihr Name? Ich glaube, wir sind uns noch gar nicht begegnet." "Perel Dan - so wie es momentan aussieht, amtierender Chef im Maschinenraum.", stellte sich der Bajoraner vor. "Deirdra Izami. Erste Offizierin...seit heute morgen.", antwortete sie im Gegenzug. "Na dann, Glückwunsch. Auf weitere gute Zusammenarbeit.", wünschte er, "Na gut... wir bleiben hier in der Nähe - falls wir gebraucht werden." "Gut, aber halten Sie sich etwas entfernt. Die Frau ist gefährlich.", gab Deirdra letzte Anweisungen. "Sonst hätten Sie kaum diese Granate gebraucht.", meinte Dan und zog sich mit dem Techniker zu einer Shuttle-Kontrollkonsole zurück. Als die beiden Techniker außer Sichtweite waren, berührte Deirdra ihren Kommunikator: "Izami an Sicherheit. Sie können jetzt den Shuttlehanger präparieren." Dann ging sie weiter zu den Shuttles, um zu sehen, wie weit Bowman und seine Kollegen inzwischen waren. "Fertig ... in 8 Minuten!", gab Carl freudig aus dem Inneren des Shuttles zu Bowman. Dave hatte alle Verkleidungen angebracht, alle Modifizierungen gut getarnt und alles fertig verkabelt. Alle gewünschten Änderungen waren vorgenommen, er zog das Datenkabel von der Programmierkonsole ab und steckte es in die Simulationsumgebung. Angenommen diese Cardassianerin würde es schaffen, den Code zu knacken und in den Computer sich einzuhacken, sie würde in einer perfekten Simulationsumgebung landen und ihre Änderungen würden... rein gar nichts bewirken, sogar speichern konnte sie es nicht. Dave freute sich. Eins von zwei Shuttles war also fertig. In Rekordzeit. Er rutschte unter dem Shuttle raus und sah in den Gesicht der ersten Offizierin. "50 Prozent fertig Ma'am. Wir sind halt die besten." Er grinste, zwinkerte und lief mit Carl zu Nummer zwei. --- Deck 9, Shuttlehangar >> "Brücke an Shuttlehangar, Lt Cmdr Izami, sie können die Shuttle-Präparation beenden, die Geiselnahme wurde gewaltsam beendet, kommen Sie zurück auf die Brücke." << "Aye, Sir.", bestätigte Deirdra. '... gewaltsam beendet ...', das hörte sich nicht gut an, dachte sie. Sie kehrte zurück zu den beiden Shuttles. "Sie können aufhören, Chief Bowman. Die Geiselnahme wurde beendet. Die Shuttles können wieder in die Standardkonfiguration zurückgebaut werden." Wie die Geiselnahme zu Ende ging, das würde er noch früh genug aus dem Bordklatsch erfahren, das brauchte jetzt nicht breitgetreten werden, dachte Deirdra. "Wenn noch etwas ist, ich bin auf dem Weg zur Brücke." Ungläubig sah Dave erst zu Carl, dann wieder zu Deirdra und wollte gerade Luft holen zum protestieren und nachfragen was passiert war, als sie sich schon wegdrehte. "Na toll.", murmelte Dave und Carl setzte den Satz fort. "Madame geht zurück in den Sessel auf der Brücke, und uns haben sie wieder schön beschäftigt." Bowman schüttelte den Kopf. "Komm, Software ist kein Ding, Standard-Firmware drauf und fertig. Und die Hardware zurück bauen ... halbe Stunde sind wir fertig." Beide sahen hoch zum Hangarchief. "Vorausgesetzt, dem guten Mann da fallen nicht noch ein paar Dinge ein, die wir erledigen sollen, wo wir gerade schon mal da sind.", kommentierte Carl. "Na wenn das nicht mal Ansporn ist fertig zu werden. Also los." Dann ging Deirdra hinüber zu den beiden Technikern, die sich im Hintergrund aufgehalten hatten. "Ensign Perel. Sie können wieder in den Maschinenraum zurückkehren, die Geiselnahme ist beendet. Und nehmen Sie bitte die 'Granate' wieder mit. Nicht dass hier noch jemand eine böse Überraschung erlebt." Sie gab ihm die Fernsteuerung wieder zurück. "Aye, Commander.", bestätigte Dan und nahm die Fernbedienung entgegen. Sogleich deaktivierte er die Verbindung zum Auslöser der CO2-Flasche und reichte dem Chief die Fernbedienung. "Na gut - nehmen Sie das. Wir lagern die Flasche, so wie sie ist, in einer der Waffenkammern ein - für den Fall, dass noch mehr Cardassianer auf dumme Gedanken kommen.", informierte er den Techniker und ging mit dem Koffer zurück zu der Arbeitsbühne, die er zuvor verwendet hatte. Die Flasche war schließlich schnell wieder entfernt. Doch nun musste sie zur Sicherheit. "Perel an Sicherheit, wir haben hier etwas, was in einer Waffenkammer eingelagert werden soll.", kontaktierte er das Sicherheitsbüro. Als letztes, bevor sie den Hangar verließ, kletterte Deirdra noch hoch zur oberen Ebene und suchte das verglaste Büro auf. "Chief Tkachuk.", sprach sie den älteren Mann an. "Sie haben Ihre Shuttles wieder." Er sah sie erstaunt an. "Wie? Nein, ich will nicht wissen wie.", bruddelte er. "Den Tag streich ich mir rot im Kalender an. Meine Gebete werden so selten erhört, das muss ich mir merken." Deirdra lachte kurz auf. "Die Techniker haben Anweisungen, die Modifikationen wieder rückgängig zu machen und Athene und Nemesis sind wieder wie neu." Fedir nickte. "Na dann. Ich werde ihnen nachher gleich mal auf die Finger kucken gehen." Deirdra verabschiedete sich noch von ihm und machte sich dann auf den Weg zur Brücke. --- Deck 1, Brücke >> Stocksauer über den Ablauf verlies er die Brücke in seinen Bereitschaftsraum, das war mehr als schief gelaufen. Er hatte ein Crew Mitglied verloren und seine Kompetenz in den abgesprochenen Entscheidungen war zutiefst untergraben worden. << Anna sah dem Captain nach, wie er abdampfte. Vorhin hatte sie unwillkürlich die Ohren angelegt und war tiefer in ihren Sitz gerutscht. Eigentlich hatte sie, sobald die Geiselnahme beendet war, gehofft, dass sie zu Lexi gehen könnte. Sie machte sich Sorgen, seit sie die Kommunikatorpeilung von Feroms erster Kontaktaufnahme erhalten hatte. So gut sie konnte, hatte sie das Geschehen über die internen Sensoren verfolgt. Auch die Phaserschüsse und das erlöschende Lebenszeichen des Sicherheitlers. Seitdem hatte sie einen dicken Kloß im Hals. Es hätte genausogut Lexi treffen können. Wenn der Gul nur ein kleines bisschen früher geschossen hätte. Sie wollte gar nicht daran denken. Sie wollte nur nachsehen, ob es Lexi gut ging. Aber momentan traute sie sich nicht, den Captain darum zu bitten, die Brücke verlassen zu dürfen. Erst recht nicht, ihn deswegen in seinem Bereitschaftsraum aufzusuchen, Patterson hätte sie vielleicht gelassen, aber sie wollte dem Captain nicht noch mehr Gründe liefern um die Taktikerin weiter runterzuputzen. Anna konnte vollkommen verstehen, warum Patterson so reagiert hatte. Jetzt drehte sie sich nah hinten zu der Bajoranerin herum. "Denken Sie jetzt immer noch, man kann Menschen und Cardassianer mit der gleichen Latte messen?", fragte sie im Plauderton - es sollte ja kein Vorwurf sein - in Erinnerung an die Diskussion, die sie beide heute morgen geführt hatten. "Mehr denn je... und ich hoffe, das tut auch der Captain. Hätte jemand von uns so gehandelt wie Telmar, dann hätten wir einen Prozess vor uns, der sich gewaschen hat. Nach cardassianischen Maßstäben mochte der Gul sogar ein Held sein, aber nicht nach unseren. Und deswegen hoffe ich, der Captain urteilt nach unseren Maßstäben.", erwiderte Mila nur und konzentrierte sich wieder mehr auf die externen Sensoren. Doch nach wie vor blieb es ruhig, so dass die Victory einen unkomplizierten Wiederaufbau-Einsatz vor sich hatte. Tiara hatte sich während der gesamten angespannten Situation weit im Hintergrund gehalten. Kurzzeitig wäre ihr fast schlecht geworden, als Lieutenant Patterson die Phaserüberladungen registrierte. Noch mehr beunruhigt hatte sie aber der Abgang von Commander Yates. Innerlich befand sie sich in einem ziemlichen Dilemma. Sollte sie einfach so von der Brücke verschwinden und zur Wissenschaft zurückkehren, oder warten bis Yates wieder herauskam? Ihm zu folgen kam ihr angesichts der angespannten Lage und seinem momentanen Gemütszustand nicht sehr clever vor. Zum Glück für Tiara stieg in diesem Moment aber Deirdra aus dem Turbolift. ALs sie ihre Freundin erkannte eilte sie sofort auf sie zu und noch bevor diese richtig auf der Brücke war, kam ihr ein Redeschwall von der Trill entgegen. "Oh mein Gott, Deirdra, ich bin ja so froh, dass du da bist. Ich... ", Tiara wurde in diesem Moment erst klar, dass sie sich auf der Brücke befanden und sie mit einer Vorgesetzten sprach. "Ähm... ich meine ich bin froh, Sie zu sehen, Lt. Cmdr. Izami. Ich war vorhin in Commander Yates' Büro und er hat gemeint, wir verschieben meine offizielle Vorstellung auf später, wegen der Situation auf der Krankenstation und dann ist er auf die Brücke gerannt und ich hinterher und dann ist er wieder in sein Besprechungszimmer abgedampft und ich weiß jetzt nicht, was ich machen soll und so eine schreckliche Vorstellung beim Captain hatte ich überhaupt noch nie und..." Tiaras Worte überschlugen sich fast, als sie versuchte Deidra ihre Situation zu schildern. "Hallo Tiara.", begrüßte Deirdra erst einmal in aller Ruhe ihre ehemalige Stellvertreterin, die wie immer ein bisschen aufgelöst und panisch wirkte, aber auf eine sympathische Art und Weise. "Du hier?", dann fiel bei ihr der Groschen. "Du bist auch hierher versetzt? Ich meine, Sie, Lieutenant Mohan, sind auch hier? Na das ist wenigstens mal eine schöne Überraschung. Du bist bestimmt in der Wissenschaft, oder?" Yates war nicht da, also nahm Deirdra den Captain's Chair in Beschlag - daran könnte sie sich gewöhnen, dachte sie. "Setzen Sie sich, Lieutenant und beruhigen Sie sich erst einmal." Sie wies auf den Platz neben sich. "Die offizielle Vorstellung wird später nachgeholt, bei mir ging es genauso drunter und drüber. Die Situation gerade eben war äußerst heikel. Wenn der Captain so reagiert hat, dann lag es einzig und allein daran. Nicht am ersten Eindruck, den er von seiner neuen Wissenschaftlerin bekommen hat." Dennoch schweifte Deirdas Blick zur Tür des Bereitschaftsraums. Wäre Tiara nicht hier gewesen, hätte sie ihr Weg erst einmal zu James geführt. Es war bestimmt nicht leicht für ihn, zu sehen, wie seine erste Krise ein ungutes Ende nahm. 'Welches Ende überhaupt?', fragte sie sich. "Miss Patterson oder Miss Nyberg, könnte mich jemand bitte aufklären, wie die Geiselnahme genau beendet wurde?" Sie hörte den Schilderungen zu. "Ach Du meine Güte.", antwortete sie dann und sah besorgt aus. Kein Wunder, hatte sich James nach diesem... Debakel... zurückgezogen. Zu lange sollte er allerdings nicht da drin bleiben, das machte keinen guten Eindruck, entschied sie. Ein Captain sollte Präsenz und Haltung zeigen. Wenn er in der nächsten Minute nicht rauskam, würde sie zu ihm hineinschauen. --- Deck 1, Bereitschaftsraum James sah auf die Uhr. Er stand jetzt zwei oder drei Minuten an der Wand angelehnt und war einfach nur fertig mit den Nerven. Alles war schief gelaufen. Dabei hatte die Mission so gut angefangen. Bis es dem Captain immer schlechter ging, dann die Piraten, der Cardassianer der an Bord kam, der Kampf und die Rettung der USS Ticonderoga, die Aufnahme von neuen Crew Mitgliedern und jetzt die missglückte Geiselnahme auf der KS. Es war einfach keine Ruhe oder Konstanz in den Handlungen an Bord und er fühlte sich gerade leicht überfordert. Wie reagierte man jetzt richtig? Ferom und Telmar benötigten beide eine Bestrafung. Während er Ferom gut leiden sehen konnte, verbot es sein Sinn für Ethik. Nein, sie würde sich für ihre Taten verantworten müssen. Vor einem Tribunal der Föderation. Die Cardassianer würden sie vielleicht vor ihrem Tod noch foltern, aber ein Straflager der Föderation, ständig unter Menschen und anderen Föderationsbürgern, dass würde Ferom wohl mehr zusetzen. Ihre medizinische Versorgung würde er also doch aufstocken müssen, damit sie durchhielt - ohne das er überhaupt wusste, wie es um beide stand. Und Telmar? Er hatte eine Show abgezogen, wie James es hätte von ihm erwarten müssen. Er wollte ihm unbedingt eine Chance geben sich in die Crew und die Kommandostruktur durch Erfolg in diesem Krisenfall einzugliedern. Telmar hatte es selbst versaut. Einfach eine Geisel frei handeln und Ferom ziehen lassen, dass war offenbar zu wenig für ihn. Gut, Yates würde auch anders mit ihm umspringen können. James sah zur Tür die zur Brücke führte. Die Crew war sicher verunsichert und auf der Krankenstation herrschte ganz bestimmt Chaos. Er musste jetzt einen guten Job machen. --- Deck 1, Brücke Deirdra saß auf seinem Platz und die Wissenschaftlerin daneben. Es waren offenbar wirklich Freundinnen, oder zumindest gute Bekannte. James bedachte Deirdra nur mit einem freundlichem Nicken, an seiner Miene änderte er nichts sondern ging zu Ensign Nyberg. "Ensign, bitte analysieren sie die Sensordaten der Geiselnahme ganz genau. ich will wissen zu welchem Zeitpunkt wer, was gemacht hat. Wir müssen Haltung und Aktionen aller Beteiligten ganz genau aufschlüsseln, um Fehlverhalten aufzuspüren. Ich will den gesamten Handlungsablauf wissen, jedes Detail. Ein Crewmitglied ist ums Leben gekommen." Er wartete einen Moment. "Um die Beisetzung kümmern wir uns nach der Obduktion." "Aye, Sir.", bestätigte Anna. "Ich benachrichtige Sie, sobald ich alles habe." Sie machte sich sofort daran, alles Sensorlogs zu sichern und chronologisch aufzubereiten, damit eventuell sogar eine Simulation daraus generiert werden konnte. Dann ging er weiter zu Patterson. "Wir werden Gul Telmar nicht lange in der Zelle halten können solange sein Part nicht geklärt ist. Er wird in einigen Stunden, das liegt in ihrem Ermessen, in sein Quartier überführt und unter Arrest gestellt. Alle Sicherheitsfreigaben für das Computersystem und Schiffsbereiche werden aufgehoben. Das Oberkommando muss darüber entscheiden, was Befehlsverweigerung in seinem Fall bedeutet. - Achja, und Sie haben die Brücke." James ging auf Deirdra im Captain's Chair zu und sah zu Mohan. "Ich bedauere, dass es noch etwas dauern wird. Sie können sich an den Quartiermeister wenden, er wird Ihnen auf Deck 3 ein Quartier zuweisen." Er sah wieder zurück zu Deirdra, das Quartier der Wissenschaftsleitung hatte er eigentlich für sie gedacht, immerhin wohnte er ja in ihrem weil ihm das zweistöckige Captains-Quartier zu groß war, aber darum würden sie sich später unterhalten. Deirdra war aufgestanden, kaum dass Yates sie angesprochen hatte. Man blieb nicht im Captain's Chair sitzen, wenn man mit dem Captain sprach. Ihre Augenbrauen kräuselten sich kurz, als sie hörte, wie James Mohan ein Quartier auf Deck 3 zuwies, eigentlich hatte sie doch auf eins der freien Führungsoffiziersquartiere spekuliert. Aber das war in der jetzigen Situation unwichtig, sie konnte es immer noch später zum Gesprächsthema machen. "Captain, ich werde Telmar gemäß unserer Vorschriften behandeln.", erwiderte Mila und sah Yates entschlossen nach. Diesmal würde sie die Vorschriften bezüglich des Festhaltens von Verdächtigen sehr genau beachten, besonders, was die Dauer der Arrestierung anbetraf. So, wie sie Reszko einschätzte, würde dieser es nicht anders handhaben wollen. "Ich werde ihm auch keine Angriffsfläche liefern, die er in einem Prozess gegen uns nutzen kann.", versprach sie dem Captain. Der Cardassianer sollte seine Strafe erhalten und nicht wegen unangebrachter Schikanen davonkommen. Sie blieb auf ihrem Posten, nachdem Yates ihr das Kommando übertragen hatte - schließlich war ihre Station direkt hinter dem Kommandosessel und bot eine gute Übersicht über die übrigen Stationen. "Kommen Sie bitte mit mir, Lieutenant Commander.", wandte sich der Captain wieder an Izami. "Wir werden die Situation auf der Krankenstation begutachten." "Natürlich, Captain.", sie begleitete ihn zum Turbolift. --- Turbolift "Ich habe mir vorhin von Nyberg und Patterson einen Überblick über den Ablauf der Geiselnahme geben lassen.", sie atmete einmal theatralisch aus. "Ein ganz schöner Schlamassel." Sie sah zu James, um zu erkennen, wie er es verkraftete. Bei jedem anderen hätte sie gerade nicht so frei heraus geredet. "Aber vielleicht hat es auch das Leben der Geisel gerettet. Man kann nie wissen. Diese Frau war unberechenbar." 'Als ob Frauen jemals berechenbar wären.', schoss ihr spontan durch den Kopf. "Es geht mir nicht um die tote Geisel." James kniff die Augen zusammen, sie brannten seit einigen Minuten. "Das bei dieser Geiselnehmerin eine oder beide Geiseln getötet werden könnten - damit hatte ich mich abgefunden. Aber wenn es nach Plan gelaufen wäre, dann wäre das meine Sache gewesen. Es war ein Risiko, das ich bereit war zu tragen." Er schüttelte den Kopf. "Computer, Deck 6, Krankenstation.", wies James den Lift an der sich sofort in Bewegung setzte. "Was da auf der Krankenstation passiert ist, hat aber nichts mit dem zu tun, wie ich es wollte, dass es abläuft." Er haute mit der Faust gegen die Wand. "Die Meinung der Crew zu Gul Telmar ist allgemein bekannt, und bald werden alle wissen, dass ich ihn in die KS geschickt habe, um mit Ferom zu verhandeln, und wie das ausgegangen ist, werden bald auch alle wissen." James redete sich richtig in Wut hinein. "Und damit bleibt die Unfähigkeit Telmars sich an Föderationsregeln zu halten an mir kleben, mir wird eine Mitschuld gegeben werden. Nur weil er anders reagiert hat als ich es von ihm erwartet und erhofft habe." Er sah Deirdra tief in die Augen. "Ich hab mich da total vertan. Es war falsch, Telmar zu schicken! Vielleicht wäre auch so jemand gestorben, kann sein. Aber nicht in so einem Chaos, wie es da abgelaufen ist." James atmete tief durch als der Lift auf Deck 6 hielt. "Sowas wird mir nicht nochmal passieren. Dafür werde ich sorgen." Er sah Deirdra an. "Und du achtest da bitte auch drauf." --- Deck 6 Die Türen des Lifts öffneten sich. "Nach Ihnen, Lieutenant Commander." 'Super.', dachte Deirdra nur. 'Wie soll ich ihn von Dummheiten abhalten, wenn ich gar nicht weiß, wozu er und alles um ihn herum fähig ist.' Sie hätte ihm gerne noch etwas beruhigendes gesagt, aber momentan gab es wahrscheinlich keine Worte, die ihn die Sache anders sehen ließen. Daher und da sie gerade die Krankenstation betraten, hielt sie lieber den Mund. --- Deck 1, Brücke Nachdem Yates und Deidra in den Turbolift gestiegen waren, verließ Tiara ebenfalls die Brücke. Im Turbolift versuchte sie sich erstmal etwas zu beruhigen. Ihr erster Tag auf der Victory und gleich kam es zu solch einer Krise auf der Krankenstation, bei der auch noch jemand sein Leben verloren hatte. --- Deck 3 Auf Deck 3 ließ sie sich von jemandem den Weg erklären, bevor sie das Büro des Quartiermeisters betrat. "Sie sind die neue Leiterin der Wissenschaft?", fragte er. "Ja, ich komme von der Ticonderoga und habe auf Vulkan studiert, wobei..." "Okay, Lieutenant.", unterbrach sie der Mann beinahe lachend, "Ich bin sicher, Sie sind ausgezeichnet dafür qualifiziert. Das Quartier des Leiters der Wissenschaft befindet sich den Gang hinunter, den zweiten Korridor rechts. Können es nicht verfehlen. Ihre Sachen von der Ticonderoga werden wir im Laufe des Tages in das Quartier bringen." Sie bedankte sich beim Quartiermeister und machte sich auf den Weg. Nicht einmal eine Minute später stand sie in dem geräumigen Quartier eines Führungsoffiziers. Tiara ging einmal durch alle drei Räume, von denen jeder so groß wie ihr altes Quartier auf der Ticonderoga war und ließ sich dann mit einem Jubelschrei auf das Bett fallen. Hier würde sie es wirklich gut aushalten können. Etwa zehn Minuten später entschloss sie sich in die Wissenschaft zu gehen. Obwohl sie dabei ein mulmiges Gefühl bekam und fürchtete, sie konnte alles vermasseln, dachte sie, dass es gut sein konnte, ihre Kollegen kennen zu lernen, bevor der Commander sie offiziell vorstellen würde. --- Deck 6, Krankenstation Hier drin herrschte ein ziemliches Durcheinander. Deirdra sah, wie im Hintergrund Lieutenant Haris verarztet wurde. Dr. Miller war da, Counselor Knight und überhaupt hatte sie den Eindruck, hier waren viel zu viele, die gar nicht hier sein brauchten. Ihre Augen suchten nach Ensign Hudson, den der Sicherheitschef hier gelassen hatte, um das Geschehen vor Ort zu koordinieren. Noch während Kyle mit Dr. Miller und dem Counselor sprach, betraten die beiden kommandierenden Offiziere der Victory die Krankenstation. Innerlich seufzte Kyle. Er hatte gehofft, er hätte noch etwas Zeit, sich vorzubereiten, bevor er sich den Fragen der Führungsoffizieren stellen musste. Andererseits dachte er sich, dass er ja nichts falsch gemacht hatte. Er hatte seine Befehle punktgenau befolgt und das Leben aller Beteiligten so gut es ging geschützt. 'Und das war dein Bestes?', schoss es ihm durch den Kopf, als er an Kerr dachte und die schwer verletzte Lexi betrachtete. Lt. Cmdr. Reszko war nicht dabei, was bedeutete, dass er noch immer der ranghöchste Sicherheitsmann vor Ort war. Kyle ging auf die beiden Führungsoffiziere zu. "Commander Yates, Lieutenant Commander Izami", sagte er, "Ich bin Ensign Kyle Hudson. Ich war für die Koordination der Sicherheit während der Geiselnahme verantwortlich." James nickte zu Hudson und legte ihm eine Hand auf die Schulter "In Ordnung Ensign. Als erstes einmal, die Koordination der Sicherheit war hervorragend. Ihr Eingreifen als es zu den Problemen kam, gibt keinen Anlass zur Kritik. Die Fehler sind an anderen Stellen passiert." Womit er ganz klar sich meinte. Im Nachhinein fand er es einfach leichtsinnig, wie er Telmar losgeschickt hatte. Aber in dem Augenblick hielt er es für das Beste. Sich selbst jetzt Vorwürde machen, hatte keinen Sinn. "Da Sie auch nicht mit im Raum waren, werde ich Sie nicht mit Fragen zur Einschätzung der Situation belästigen. Aber wie sieht es aktuell aus?" Kyle hatte den Eindruck, er wuchs während den lobenden Worten des Commanders auf das Doppelte seiner normalen Körpergröße an und konnte ein stolzes Lächeln fast nicht verbergen. "Aye, Sir", antwortete er schließlich dem Commander. "Nachdem wir von Lieutenant Patterson den Befehl zum Zugriff erhalten haben, teilte ich meine Leute in zwei Teams. Wir stürmten das Isolationszimmer und brachten Ferom, Telmar, Dr. Miller und Dr. Haris lebend heraus. Crewman Kerr war bereits tot. Anschließend stellte ich Gul Telmar unter Arrest, während die medizinischen Teams mit der Erstversorgung begannen." Hudson sah den Commander etwas unsicher an, bevor er fortfuhr: "Schließlich habe ich an Dr. Miller Ihren Befehl weitergegeben, Miss Ferom nur notdürftig zu verarzten." Kyle gab sein Bestes, nicht erkennen zu lassen, dass er mit diesem Befehl nicht ganz einverstanden war. Für ihn war Ferom zwar eine Feindin, aber nun war sie besiegt und verdiente die gleiche medizinische Versorgung, wie alle anderen Crewmitglieder, auch wenn sie an der Situation alleine schuld war. Vielleicht dachte Hudson auch nur daran, dass er ebenso behandelt werden wollte, sollte er einmal das Pech haben in Kriegsgefangenschaft zu geraten. Der Bericht des Ensigns war gut, der Kommentar über Ferom überflüssig aber von ihm sicher beabsichtigt. "Danke Ensign, ich werde mir merken wie Sie in dieser Situation gut reagiert haben. Vorbildlich für ihre Kollegen." Merkwürdig das Reszko schon so lange nichts mehr von sich hören ließ, dachte er sich. "Erstatten Sie Mr. Reszko bitte auch Bericht, sobald Sie hier alles erledigt haben." Er ging einen Schritt näher auf ihn zu, um leiser sprechen zu können. "Würden Sie bitte einen Kollegen in der Sicherheit ansprechen, der raussucht was das mindeste ist, wie man Kriegsgefangene behandeln muss? Danke." Er trat wieder zurück. "Wegtreten Ensign." "Danke, Sir", antwortete Kyle, "Ich bin sehr stolz auf Ihr Lob. Ich werde sofort versuchen, genaueres über die Behandlungen von Kriegsgefangenen herauszufinden." Hudson blickte dem Commander nach, während er zu der Gruppe hinüberschlenderte, die sich um Lexi Haris versammelt hatte. Kyle beneidete Yates im Moment nicht im Geringsten. Er wusste, dass die gesamte Situation nicht nach Wunsch gelaufen war und sie auch noch den Verlust eines Mannschaftskameraden zu beklagen hatten. Noch wurde Haris behandelt und Daniel fand es zu früh zu ihr zu gehen, so verfolgte er einen Moment das Gespräch zwischen den dreien. Daniel beobachtete Yates genau, mit ihm würde er sich später noch Unterhalten, falls dieser das überhaupt zulassen würde und nicht sofort abblockte. Knight hatte irgendwie das Gefühl, das dem CO der Vorfall ziemlich zu schaffen machte und er sich selbst eine gewisse Mitschuld an dem Tod des Mannes gab, wegen dem Gul. Irgendwie schien keiner auf die Frage zu reagieren, obwohl so viele Menschen auf einmal hier herumwuselten wie in einem Bienenstock, nicht mal das Pflegepersonal, was sich noch um Lexi kümmerte. Sie schloss kurz die Augen, dann richtete sie sich leicht auf und begann ihre Uniformjacke abzustreifen. Irgendwie fühlte sie sich darin gerade ziemlich unwohl. Als sie sich schließlich - endlich wieder schmerzfrei - daraus befreit hatte öffnete sie noch leicht den Kragen des Shirts und zuckte zusammen, als es plötzlich an ihren Haaren zog. Eine der Pflegerin versuchte, jetzt wo sie saß, das restliche Klebeband aus ihren Haaren zu lösen, indem sie es langsam versuchte abzuziehen. Offenbar hatte man ihr den Knebel weitgehend vom Mund entfernt und sich später um den Rest kümmern wollen. "Autsch", protestierte Lexi leicht und duckte sich ein wenig, als sie Yates erblickte. Neben ihm erkannte sie eine Frau, aber irgendwie konnte sie diese gerade nicht so einordnen, auch wenn sie ihr bekannt vorkam. Sie hob die Hand und versuchte die Pflegerin davon abzubringen ihr das Klebeband aus den Haaren zu ziehen. Deirdra hörte dem Ensign interessiert zu, bemerkte dann auf einem Biobett ein paar Schritte weiter, die junge Ärztin, mit der sie sich heute morgen noch unterhalten hatte. Bei Hudsons letzten Worten legte sie James kurz die Hand auf den Arm und deutete an, dass sie zu Haris gehen würde. Es würde hier im Moment kaum Dinge geben, die ihn zu Dummheiten verleiten könnten, von denen sie ihn abhalten sollte. Und als XO war sie immerhin Bindeglied zwischen ihm und der Crew. Er kümmerte sich um die Sicherheit im Allgemeinen, sie um die Personen. Nachdem James sie nicht zurückgehalten hatte, stand sie ein paar Schritte später an dem Biobett. "Hallo, Miss Haris.", begrüßte sie die Ärztin sanft. "Wie geht es Ihnen?", fragte sie mitfühlend. Eine Pflegerin, die gerade noch mit den Locken der Ärztin, wenn Deirdra es richtig erkannt hatte, beschäftigt war, entfernte sich, um das Gespräch nicht zu stören. Was auch immer sie da gemacht hatte, es konnte wohl warten. Lexi blickte auf, als sie angesprochen wurde. Wenigstens wurde sie so die zupfende Pflegerin los. Lange hätte es nicht mehr gedauert und sie hätte sich irgendwas gegriffen, wo sie die Haare oberhalb des Klebebandes hätte abschneiden können. "Danke.", antwortete sie kurz und versuchte sich wieder zu erinnern, wo sie die Frau schon mal gesehen hatte. Irgendwie kam sie ihr bekannt vor, aber irgendwas war auch anders. "Wie es mir geht? Ich weiß nicht so recht. Ich fühl mich im Augenblick in dem ganzen Trouble überfordert.", antwortete sie und zog die Beine dicht an ihren Oberkörper und umschlang sie mit ihren Armen. Verlegen blickte sie zu Izami auf. "Ich kann mich gerade nicht einmal richtig erinnern, wo ich Sie einordnen muss", flüsterte sie leise. "Lt. Cmdr. Deirdra Izami.", antwortete sie lächelnd, sie konnte es der Ärztin nachsehen, hier ging und war es drunter und drüber gegangen. "Bis vor kurzem noch zweite Offizierin der USS Ticonderoga. Wir hatten heute morgen miteinander gesprochen. Inzwischen habe ich erfahren, dass ich auf die USS Victory versetzt wurde, als Erste Offizierin." Sie lachte kurz. "Hier ist wirklich ein großes Durcheinander." Ein Arzt trat an das Biobett heran und sie machte Platz, während er etwas an Haris' Schulter behandelte. Deirdra nutzte den Moment und musterte die Ärztin unauffällig, sie sah schon reichlich mitgenommen aus und jetzt fiel ihr auch auf, dass etwas in ihren Haaren hing, das aussah wie Klebeband. "Darf ich?", fragte sie kurz und betrachtete das Klebeband genauer. "Nehmen Sie etwas Kältespray, dann bröckelt der Kleber weg.", empfahl sie, vor allem um Lexi am Reden zu halten und etwas von ihrer derzeitigen Situation abzulenken. "Das Klebeband benutzen wir auch in der Wissenschaft.", ergänzte sie dann. Lexi blickte den Arzt an, schon wieder ein neues Gesicht bei ihrer Behandlung. War irgendwie in der Zwischenzeit das Behandlungsschema geändert worden? "Könnten Sie jetzt vielleicht hier mal fertig werden, ohne das für den nächsten Schritt wieder jemand neues kommt?", blaffte sie den Kollegen an, der erschrocken zu ihr blickte und dann nickte. Dann wandte Lexi den Blick wieder Izami zu. "Stimmt. Die Uniform ist anders.", murmelte sie vor sich hin, den Kopf wieder in Richtung Knie gestützt. Immer noch auf Izami blickend, fragte sie mit bittendem Blick: "Könnten Sie vielleicht eben das mit dem Kältespray übernehmen?" Jetzt wieder jemand anderes, der an ihr rumfummelte, das konnte sie nun wahrlich nicht gebrauchen und wenn Izami schon wusste, dass es funktionierte, würde sie es vielleicht schnell erledigen können, statt erst jemandem Unwissenden zu erklären, wie es ging. Die Ärztin schien dringend etwas Beistand brauchen zu können, doch sie hatten ja noch keine Gelegenheit gehabt, sich kennen zu lernen. Ihre Akte hatte ihm auch kein vollständiges Bild geben können und so war es nicht ganz so einfach. "Hallo", sagte Daniel und lächelte beiden Frauen zu: "Daniel Knight, ich bin der neue Counselor, störe ich sie zwei gerade?" Lexi fuhr mit ihrem Blick herum und fixierte den Mann, der sie gerade angesprochen hatte. "Ja, tun Sie.", antwortete sie schroffer und lauter als sie in den letzten Minuten gesprochen hatte, selbst ein wenig über die plötzliche Energie erschrocken. War denn hier überhaupt noch jemand dort, wo er sein sollte? Izami als neue XO, dann ein neuer Counselor, was war noch neu? Ein wenig erschrocken wandte sie sich wieder an Izami, ließ diesen Knight für den Moment unbeachtet. "Ensign Nyberg steht aber noch an ihrer Station auf der Brücke oder wurde sie auch versetzt?" fragte sie flüsternd und eigentlich mehr rhetorisch, immerhin hatte sie Anna gehört, als sie gefesselt auf dem Biobett gelegen hatte. Während der Counselor an das Bett getreten war, hatte sich Deirdra von einer Krankenschwester Kältespray besorgt und machte sich daran, das Klebeband sorgfältig einzusprühen. Es dauerte etwas länger, denn natürlich wollte sie nur Haris' Haare und das Klebeband treffen und nicht noch die Ärztin selbst mit kalten Schaudern bedenken. Als sie spürte, wie das Klebeband verhärtete, begann sie es behutsam zu zerbröseln und die Krümel aus den Haaren zu picken, ohne dass es ziepte. Ein kleiner Rest blieb hängen, aber der dürfte leicht auszubürsten sein. "Ach ja, Ensign Nyberg ist noch an OPS.", antwortete sie dann etwas verspätet und fragte sich, warum sie sich gerade nach ihr erkundigt hatte. Waren die beiden befreundet? Ohne sich dessen bewusst zu sein sank Lexi ein Stück tiefer und erleichterter zusammen, die Augen geschlossen. Ja, sie hatte Anna über Komm gehört, aber wer wusste schon, offenbar ging es hier gerade zu wie auf einem Hauptbahnhof zur Hauptverkehrszeit. "Danke.", antwortete sie leise zu Izami, sowohl für die Auskunft, als auch die Hilfe mit dem Klebeband, als sie keine Berührung in ihren Haaren mehr spürte. Daniel zuckte kurz mit den Schultern. "Das bekomme ich häufiger zu hören, muß wohl an meinem Job liegen", meinte er trocken und beobachtete Izami, die sich an dem Klebeband zu schaffen machte. Dann schien die Ärztin mit ihren Gedanken bereits ganz woanders zu sein und ihn wieder vergessen zu haben. Vorerst wartete Daniel ruhig ab, ohne weiter auf sie einzustürmen. Sie hatte eine Menge durchgemacht und das ganze Gewusel um sie herum trug ja auch nicht gerade zu einer entspannten Atmosphäre bei. Und für ihn war so wie so jeder Ort besser als dieser. Nur die Tatsache, dass er sich hier um jemanden kümmern sollte, hatte ihn dazu veranlasst freiwillig in die Krankenstation zu gehen. Wohl fühlte er sich dabei ganz und gar nicht, im Gegenteil. Eigentlich hätte der CNS gerne die Flucht angetreten. 'Reiß dich zusammen!', ermahnte er sich. Schließlich war er wegen einer Patientin hier. Der Gedanke an seine Patientin half Daniel sich voll und ganz auf seine Aufgabe zu konzentrieren und seine Panik zu verdrängen, wie lange das allerdings funktionieren würde, vermochte er nicht zu sagen. Doch das war jetzt auch nicht wichtig. Es hatte ihm nichts ausgemacht, dass sie ihn so angeblafft hatte. Daniel hatte ein dickes Fell und es war bisher noch keinem seiner Patienten gelungen, ihn zu vertreiben. Würde man einige seiner Patienten fragen, würden die vielleicht sogar erzählen, das sie irgendwann aus reiner Verzweiflung mit ihm gesprochen hatten, nur um ihn wieder los zu werden. Anna... Jetzt würde Lexi gerne mit ihr reden, aber das würde wohl nicht wirklich gehen. Leise seufzte sie und rieb sich mit den Händen kurz über die Unterarme, so dass Knight ihr wieder ins Blickfeld kam. "Was wollen Sie?" fragte sie ihn, diesmal nicht ganz so unfreundlich. "Mich ein wenig mit Ihnen unterhalten.", gab er gelassen zur Antwort. Und ließ sich auf der Bettkante nieder, als wäre es das Selbstverständlichste von der Welt. Knight schlug die Beine übereinander und als er weiter sprach, war seine Stimme eine Spur wärmer und voller Mitgefühl: "Ihnen dabei helfen, den Schrecken der vergangenen Stunden schneller zu verarbeiten, wenn ich mir dafür auch etwas mehr Ruhe wünschen würde." Dann sprach der Counselor sie wieder an. Sie hatte ihn fast vergessen. Als Lexi die Augen wieder öffnete sah sie ihn auf der Bettkante sitzen, was sie gleich wieder hochfahren ließ. Was sollte das? Sie wich von ihm fort, weiter in Richtung Kopfende. Dieser Tonfall machte sie irgendwie misstrauisch. "Nein, ich will aber nicht mit Ihnen reden, nicht jetzt. Ich will hier raus, mich ein wenig ausruhen, vielleicht mit jemandem auf diesem Schiff reden, der mir wichtig ist, damit ich morgen wieder zum Dienst kann. Von mir aus können wir für die nächsten Tage einen Termin machen, aber jetzt will ich nicht darüber reden. Darf ich's vielleicht erst mal selbst erfassen, was da überhaupt passiert ist?" Sie funkelte Knight missbilligend für seine Annäherung an. "Haben Sie überhaupt schon mal erlebt, was ich eben erlebt hab? Haben Sie da überhaupt Ahnung von?" Sie blickte ihm provokativ in die Augen. Obwohl sie so heftig zurückwich, blieb Daniel ruhig sitzen, auch die Art, wie sie mit ihm sprach konnte ihn nicht abschrecken und provozieren ließ er sich schon gar nicht. Knight blickte sie weiterhin ruhig an. "Nein.", meinte er schließlich in einem sachlichen Tonfall, auf ihre letzten Fragen: "Das ist mir glücklicherweise erspart geblieben. Doch sie wissen ganz genau, dass das auch gar nicht nötig ist. Wenn es Ihnen darum geht, einen geeigneten Ort zu finden, komme ich Ihnen gerne entgegen, Sie können entscheiden." Wie gerne er wirklich von hier verschwinden wollte, behielt er allerdings lieber für sich. Daniel versuchte mit seinen blauen Augen ihren Blick einzufangen und sagte freundlich: "Sie waren bisher wirklich mutig, Miss Haris. Glauben Sie nicht, Sie könnten noch ein wenig mehr davon aufbringen und mir eine Chance geben, obwohl ich ein Mann bin, meine ich?" Denn das auch diese Tatsache eine Rolle dabei spielte, das sie ihn so ablehnte, stand für den Counselor fest. Warum das so war, konnte er allerdings nicht sagen. Es war mehr ein Gefühl, ja eigentlich nur eine Ahnung. Daniel wandte den Blick ab und fügte noch hinzu: "Außerdem sind Sie bis auf weiteres vom Dienst freigestellt, so lange bis ich Ihnen Diensttauglichkeit bescheinige. Sie sind doch selbst Ärztin, Sie wissen, dass es so läuft." Der letzte Satz hörte sich fast wie eine Entschuldigung an. Lexi wich erst dem Blick des Mannes aus, aber sie wollte sich nicht wie ein feiges Tier in eine Ecke drängen lassen von ihm. Wenn dann zu ihren Bedingungen, nicht zu den seinen, also fixierte sie seinen Blick, wollte ihm keine Chance lassen, aus dem Augenkontakt auszubrechen. Sie fixierte ihn weiter und machte einen Satz vom Biobett. "Ihnen entgegen zu treten hat für mich nichts mit Mut zu tun.", konterte sie zurück. Sie fixierte ihn immer weiter mit ihrem Blick versuchte das Spiel, das er offenbar spielte, umzukehren. "Sie kennen mich nicht und wissen nicht, was für mich wichtig, was für mich sinnvoll ist und urteilen gleich, dass ich nicht dienstfähig sei." Sie machte eine Pause. Hatte sie nicht erst kürzlich ein ähnliches Gespräch geführt, wo sie auf seiner Seite gestanden hatte? Aber war das wirklich vergleichbar? Sie beobachtete ihn, auch wenn er so unberührt tat, irgendwas beunruhigte ihn scheinbar an der Situation. "Wenn ich zwingend an Ihnen vorbei muss, um meine Arbeit wieder machen zu können, dann in einer Stunde im Garten. Ich bestehe auf ein wenig Ruhe, ein wenig Zeit, nur für mich allein. Klar?" Sie blickte kurz zu Izami, dann ließ sie den Blick weiter durch den Raum schweifen, entdeckte Yates und auch Miller im Raum. Konnte man sie wirklich zwingen, ihren Dienst erst wieder nach einem Gespräch mit dem Counselor aufzunehmen? Sie schloss kurz die Augen, öffnete sie aber gleich wieder und fixierte Knight wieder mit dem kalten Blick. Sein Verhalten gefiel ihr nicht sonderlich, auch wenn es vielleicht zu seinem Job gehörte oder er es so verstand, dass es dazu gehörte. Hätte sie genauso reagiert, wäre er eine Frau? Sie schüttelte den Gedanken sofort wieder ab. Sie mochte auch noch nie wirklich mit einem weiblichen Counselor reden, wenn es um eine Beurteilung ihrer Dienstfähigkeit ging, das hatte immer so einen bitteren Nachgeschmack. Und auch, wenn sie die Bedingungen für das Gespräch stellte, er es annehmen sollte, sie fühlte sich dennoch in die Ecke gedrängt, fast schon erpresst. Sie wollte heute einfach nicht noch mehr von solch einer Pein und doch schien es der einzige Ausweg zu sein. Daniel beobachtete sie, doch auch als Lexi aufsprang, blieb er sitzen. Bemühte sich weiterhin gelassen zu wirken, doch langsam ließ seine Konzentration nach, ein deutliches Zeichen für ihn, das Gespräch möglichst schnell zu beenden. Unter anderen Umständen hätte Daniel noch etwas mehr gehandelt, hätte versucht, sie dazu zu bringen, ihm noch weiter entgegen zu kommen. "Sie haben vollkommen Recht, Miss Haris, ich kenne Sie nicht.", meinte er freundlich: "Doch ich bin in der Lage zu beurteilen, welche Auswirkungen solch ein Erlebnis auf eine Person hat. Unwichtig wie stark, mutig oder selbstbewusst sie auch sein mag. Auch wenn Sie mir vielleicht nicht glauben, ich bedaure wirklich, Sie mit Ihrer Diensttauglichkeit zu erpressen, denn so kommt es Ihnen sicher vor." Daniel zögerte einen Moment bevor er genauso ruhig weiter sprach: "Doch wenn Sie ehrlich zu sich selbst sind, wissen Sie genau, das es nicht darum geht. Ich bin mit Ihrem Vorschlag einverstanden, treffen wir uns in einer Stunde im Garten. Doch, bitte, kommen Sie auch." Als Dr. Miller den Eindruck hatte, dass es Lexi wieder etwas besser zu gehen schien hatte sie deren Behandlung einem Kollegen überlassen und hatte nachgeschaut, wie es der Cardassianerin ging. Sie war schwer verletzt, hatte Verbrennungen erlitten und wohl große Schmerzen. Die Ärzte und Schwestern waren dabei, die Wunden zu versorgen so dass sie sich nicht entzünden konnten. Des weiteren bekam Ferom kreislaufstabilisierende Mittel sowie ein Schmerzmittel. Dessen Wirkung würde wohl nicht ausreichen, alle Schmerzen zu beseitigen, doch wenn das der Befehl vom Captain war, würden sie sich daran halten. Da sie eine sehr große Wut auf die Cardassianerin hatte, beschloss sie, deren Behandlung wieder den Kollegen zu überlassen und zu ihrer Stellvertreterin zurückzukehren. Dass sie diese alleine gelassen hatte schien ein Fehler gewesen zu sein, denn um das Biobett hatten sich jede Menge Leute versammelt. "Entschuldigen Sie bitte.", sagte sie. Sie erkannte die neue erste Offizierin und einen Mann, der am Biobett saß. Außerdem war einer ihrer Kollegen mit der Behandlung beschäftigt, dem zwei Krankenschwestern halfen. "Ich glaube, Miss Haris kann jetzt etwas Ruhe gut gebrauchen. Dürfte ich Sie alle darum bitten, uns etwas Platz und Ruhe zum Behandeln zu lassen?", sagte sie. Zu ihrem Kollegen meinte sie dann: "Danke, ich werde das jetzt übernehmen." Knight wollte noch etwas sagen, doch in diesem Moment hörte er Dr. Miller. Er hatte die Ärztin nicht kommen gesehen. Für seine mittlerweile zum Zerreißen gespannten Nerven war ihr Erscheinen einfach zuviel. Daniel zuckte heftig zusammen, sprang auf und wich auch noch einen Schritt vor ihr zurück. Sein Herz schlug ihm bis zum Hals. 'Großartig' dachte er ironisch und ärgerte sich über sich selbst. Schnell fand er seine Beherrschung wieder. Hoffte, dass es wenigstens Yates entgangen war und meinte wieder vollkommen ruhig: "Natürlich, wir waren eh fertig." Und zu Haris gewandt: "Wir sehen uns dann in einer Stunde und glauben Sie mir, ich kann wirklich hartnäckig sein." Er lächelte ihr kurz zu und wandte sich zu gehen. Lexi funkelte Knight immer noch an. Dass er diese Seelenruhe so aufrecht erhalten konnte. Merkte er nicht, dass ihr seine auserkorene Sitzposition unangenehm war oder wollte er es nicht verstehen? Und sowas nannte sich nun Counselor. Und dieser Kerl sollte jetzt über ihre endgültige Diensttauglichkeit befinden. Lexi schnaubte leise vor sich hin und fixierte den Mann weiter, während er sprach und auch, als Shyla wieder dazu kam. Was war das? Er hatte Angst! War es die Angst vor Shyla oder hatte er Panik sich auf einer Krankenstation aufzuhalten? Lexi unterdrückte ein leichtes Lächeln über das Verhalten. "Wenn ich noch nicht entlassen bin, müssen Sie dann wohl hierher kommen.", antwortete sie so ruhig und selbstsicher, wie es ihr derzeitiger Zustand zuließ. Sie zuckte nicht einmal mit der Wimper. Wenn er sie quälen wollte, so konnte sie das auch. Ein wenig hoffte sie jetzt nach der Reaktion, dass Shyla sie noch nicht gehen ließ und er wieder herkommen musste. Dann wandte Lexi sich noch kurz an Izami. "Danke für Ihre Hilfe mit dem Klebeband. Ich glaub, den Trick werd ich mir für alle Fälle merken.", erwiderte sie und lächelte kurz. Sie überlegt, ob sie Izami bitten sollte, dass Anna, sofern es ihre Zeit erlaubte, kurz bei ihr vorbei schauen konnte, aber sie verkniff es sich dann doch, auch wenn sie Anna jetzt liebend gerne gesehen und vor allen gesprochen hätte. "Gern geschehen.", Deirdra lächelte Haris ebenfalls an und zog sich dann zurück, sie wollte nicht mehr als notwendig von dem Gespräch zwischen ihr und dem Counselor mitbekommen. Natürlich war ihr seine Reaktion nicht entgangen, hinzu kam noch, dass sie Ärztin war und so ganz genau wusste was los war. Daniel ärgerte sich über sich selbst, das war so schlecht gelaufen, wie es nur irgendwie möglich gewesen war. Nie durfte ein Patient herausfinden, welche Schwachpunkte man selbst hatte und das hier war noch einer, den sie später immer wieder gegen ihn nutzen konnte. Und es war auch nur verständlich, dass Haris sofort versuchte, diese Tatsache gegen ihn zu verwenden. 'Wie geschickt du dich doch wieder angestellt hast.', ging ihm durch den Kopf und wenn Yates das auch noch mit bekam. Doch daran war nun nichts mehr zu ändern und so galt es das Beste aus der Sache zu machen. Irgendwie hatte Lexi seinen Ehrgeiz geweckt und er konnte auch nicht umhin, sich ein zu gestehen, dass ihm die Herausforderung irgendwie gefiel. Diese Frau würde es ihm nicht einfach machen. Er sah ihr offen ins Gesicht und wirkte ehrlich amüsiert: "Das wäre zwar bedauerlich, wo es sich im Garten sicher angenehmer reden lässt, doch hindern würde es mich auch nicht. Werden Sie also nicht entlassen, komme ich Sie hier besuchen. So schnell gebe ich dann doch nicht auf." Nach diesen Worten wandte sich Daniel um und verließ die Gruppe, die sich weiterhin um Lexi kümmerte. Er hatte sich wieder unter Kontrolle und sein Herzschlag normalisierte sich auch wieder. Daniel hoffte inständig, dass sie ihr Gespräch nicht hier würden fortsetzen müssen, doch bei dem Glück, das er bisher hier gehabt hatte, bezweifelte er das irgendwie. Als etwas Ruhe eingekehrt war wandte sich Shyla an Lexi. "Entschuldigen Sie bitte, dass ich sie hier so mitten in der Station habe sitzen lassen, aber das war vorhin das erste Biobett in Reichweite. Ich würde jetzt gerne mit ihnen in eins der Einzelzimmer dort hinten gehen, dort haben wir etwas mehr Ruhe.", sagte sie freundlich. "Können Sie aufstehen?" Lexi hatte den Besuchern und Behandlern nachgeblickt, allen voran hatte sie Knight beobachtet. "Schon in Ordnung", antwortete sie schließlich, als Knight aus ihrem Blickfeld verschwunden war und sie sich umgedreht hatte. Sie blickte in die Richtung, die Shyla ihr mit dem Einzelzimmer wies. "In Ordnung", antwortete sie, jetzt wieder resignierender, wo die Anspannung über den Counselor langsam nachließ. Sie wusste gerade nicht, was für sie heute nervenaufreibender gewesen war, das Gespräch gerade oder die grausame Situation davor. Sie fuhr sich kurz mit zitternden Händen durch die Haare und spürte dabei das kleine Reststück des Klebebandes in ihren Locken und zuppelte daran herum, um es auch noch loszuwerden, während sie sich langsam in Richtung des gedeuteten Einzelzimmers in Bewegung setzte. Für einen kurzen Moment verlangsamte sie ihren Schritt, als sie sich dem Raum näherte, in dem sie vor kurzem noch von der Cardassianerin festgehalten wurde, dann beschleunigte sie jedoch wieder auf normales Tempo und trat schließlich durch die Tür des Einzelzimmers, wo sie sich gegen die Wand lehnte. Allem Anschein nach schien der ihr unbekannte Mann der neue Counselor zu sein. Aus Lexis Reaktion zu schließen hatte er sich jedoch keinen guten Einstand geleistet, ihre Stellvertreterin schien wütend auf ihn gewesen zu sein. Sie würde sich ein anderes Mal in Ruhe mit ihm unterhalten. Schließlich hatte sie als Chefärztin recht viel mit dem Counselor zu tun. Nun war sie mit Lexi in einem Einzelzimmer und diese hatte endlich etwas Ruhe. "Kommen Sie, setzten sie sich auf das Bett.", sagte sie und half ihrer Kollegin dort hinauf. "Hier können Sie sich etwas ausruhen. Kann ich noch etwas für Sie tun? Haben Sie noch Schmerzen?", fragte sie dann. Sie war froh darüber, dass die Geiselnahme nun endlich zu Ende war und dass Lexi alles einigermaßen überstanden hatte, zumindest körperlich. "Ich habe mir ganz schöne Sorgen um Sie gemacht!", sagte sie noch. Ein wenig ließ die junge Marsianerin sich in sich sacken, als sie auf dem Biobett saß. Sie blickte schließlich zu Shyla auf und schwieg einen Moment über deren letzte Aussage, legte ihr die Hand auf den Unterarm. "Es geht, die Schmerzen sind auszuhalten. Ich möchte dem Schmerzmittel, was jetzt durch meine Venen fließt, erst mal die Chance geben in vollem Umfang zu wirken.", antwortete sie und wischte sich eine runtergefallene Lockensträhne aus dem Gesicht. Sie blickte Shyla dankbar an. "Ich würde gerne, wenn es möglich ist, in mein Quartier, vielleicht duschen, mich umziehen und dann dieses nervige Gespräch hinter mich bringen.", erwiderte sie und blickte ihrer Vorgesetzten in die Augen. "Ich will morgen wieder arbeiten.", antwortete sie mit zitternder Stimme. Sie wiegte sich ein wenig. "Ich weiß, wir haben darüber gesprochen, dass ich lernen muss, etwas kürzer zu treten, aber wenn's nur für ein paar Stunden wäre, ich muss wieder an die Arbeit, sonst weiß ich nicht, ob ich noch weiter arbeiten kann, wenn er mich wieder gehen lässt, je nachdem, wie sein Urteil ausfällt.", seufzte sie. "Ich nehme an, das war der neue Counselor.", antwortete Shyla. Sie hatte das Zittern in Lexis Stimme gehört, so ein Gespräch über die Diensttauglichkeit war keine schöne Sache. "Ich kann verstehen, dass sie gerne wieder an die Arbeit möchten, mir würde das auch so gehen! Vom Herumsitzen wird es mit Sicherheit nicht besser!", antwortete Shyla verständnisvoll. Sie konnte gut nachvollziehen, dass es ihrer Kollegin vor dem Gespräch graute. "Ich kann dem Counselor gerne eine Nachricht schicken, in der ich ihre Diensttauglichkeit befürworte, ich nehme an, da er sich auf dem Schiff noch nicht so gut auskennt würde er dies berücksichtigen!", sagte sie noch. Hier auf der Krankenstation war Haris vielleicht wirklich besser aufgehoben als alleine in ihrem Quartier. "Und natürlich können Sie in ihr Quartier und duschen gehen, Sie sind ja Ärztin und können auf sich aufpassen." Sie wollte es ihrer Kollegin so leicht wie möglich machen. Kara beschloss ins Labor zurückkehren. So wie es sah, hatte sie hier nichts mehr zu suchen. Sie wollte bloß sicher gehen. Und überlegte ob sie jemanden bescheid geben sollte. Aber dann hätte sie wieder die Krankenstation betreten müssen. Und das wollte sie nicht. An ihr hasten etliche Mannschaftsmitglieder vorbei. Aber keiner beachtete sie. Sie beschloss nun doch noch mal zurück zu kehren. Sie machte sich auf die Suche nach Dr. Miller. Denn nur sie würde wissen, ob Hudson noch lebte. Sie fand sie am Krankenlager einer verletzt Frau. "Doktor?" Lexi nickte Shyla zu. "Ja, das wäre gut", erwiderte sie und hoffte, dass der Counselor auf Shyla hören würde, wenigstens ein klein wenig. Als sie zur nächsten Frage ansetzen wollte stand plötzlich wieder jemand für Lexi vollkommen unbekanntes in der Tür. Sie empfand immer mehr das Gefühl, hier auf einem Bahnhof oder dergleichen zu sein. "Wenn dann nichts mehr ist, gehe ich. Soll ich noch mal wieder kommen, außer im Falle von Beschwerden oder Dienst?" fragte sie Shyla, nachdem sie kurz in die Richtung der jungen Frau geblickt hatte. Wozu war das hier eigentlich ein Einzelzimmer mit Tür wenn doch jeder dann hereinkam, wenn es ihm passte? Shyla begann sich schon wieder über die Wissenschaftlerin zu ärgern. "Warten Sie draußen auf mich.", sagte sie deshalb nur kurz. Kara hätte gerne etwas erwidert, ließ es aber bleiben. Sie war es einfach leid, noch mal mit dem Doktor zu streiten. Kurz warf sie einen Blick zur der Frau, die gerade behandelt wurde. Sie kannte sie nicht. Es tat ihr leid, dass sie ausgerechnet an diese Ärztin gelangt war. Und insgeheim hoffte sie, nie in die Not zu kommen, deren Dienste in Anspruch zu nehmen. Möchte diese noch so gut sein. Also wendete sich Kara um und verließ den Raum. Sie stellte sich etwas abseits, um niemanden im Weg zu stehen. Es dauerte nicht lange und Dr. Miller kam hinaus. Ihr folgte die Frau, die sie eben behandelt hatte. Als die Wissenschaftlerin wieder draußen war, wendete sich Shyla wieder an Lexi. "Dann werde ich das tun. Ich hoffe, ich kann etwas erreichen!", antwortete sie lächelnd. "Nein, wiederkommen brauchen Sie nicht, außer es geht Ihnen wieder schlechter. Dann erwarte ich von Ihnen, dass Sie sich melden.", ergänzte sie zwar streng, aber immer noch freundlich. Sie als Ärztin wusste, dass Ärzte immer die letzten waren, die sich behandeln ließen. "Eine Sache habe ich noch.", sagte Shyla als Lexi vom Biobett aufgestanden war. "Sie haben vorhin als wir in meinem Büro waren von einer guten Freundin geredet. Ich denke, diese können Sie jetzt gut gebrauchen. Haben Sie sie schon kontaktiert?", fragte sie. Lexi blickte der jungen Wissenschaftlerin nicht wirklich nach. "In Ordnung. Ich hoffe, er ist vernünftiger und einsichtiger, als er sich vorhin gezeigt hat.", murmelte Lexi ein wenig seufzend. Auf die Frage nach der Freundin schwieg sie einen Moment, wieder schoss das Gespräch vom Morgen in ihren Sinn. "Nein, bisher nicht. Ich weiß auch nicht, ob ich sie einfach so aus dem Dienst holen kann.", erwiderte Lexi ein wenig deprimiert. Sicher, sie hätte jetzt gerne mit Anna gesprochen, aber ob man sie derzeit wirklich auf der Brücke entbehren konnte? "Was macht sie denn auf der Brücke?", fragte Shyla. "Ich denke, das Schlimmste wird jetzt vorbei sein, und es handelt sich hier ja um eine außergewöhnliche Situation. Solange man so etwas nicht jeden Tag macht, ist das meiner Ansicht nach kein Problem, und momentan wird da jeder Verständnis haben!", sagte sie. Etwas Unterstützung konnte Lexi bestimmt gut gebrauchen, bevor sie sich mit dem Counselor traf, und Shyla wollte ihr helfen, das Gespräch möglichst gut zu überstehen. "Und wenn nicht kümmere ich mich darum.", fügte sie mit einem schelmischen Grinsen hinzu. Einen kurzen Moment überlegte Lexi, ob es richtig war, offen gegenüber Shyla zu sein. Sie wusste sicherlich um die Personalsituation auf der Brücke bescheid. "Ensign Nyberg, OPS.", erwiderte Lexi knapp. "Wir kennen uns eigentlich seit der Akademie.", erwiderte sie. "Ich weiß nicht, ich denke, sie wird sicherlich auch jetzt noch gut zu tun haben, sie war heute morgen ganz schön eingespannt.", erwiderte sie. "Wir sind für heute Abend verabredet." Sie rieb sich kurz über die Arme, bevor sie Shyla wieder ansah, immerhin hatte sie vor nicht all zu langer Zeit dafür gekämpft, dass Anna nicht zu oft auf die Krankenstation musste. "Wie Sie möchten, ich kann gerne versuchen, Miss Nyberg zu holen. Wenn es Ihnen lieber ist, sie nicht zu stören und bis heute Abend zu warten kann ich das natürlich auch verstehen. Ganz wie sie wollen!", antwortete Shyla. Nyberg? War das nicht die Ensign, um deren Behandlung sich Lexi kümmerte, weil sie nicht gerne auf der Krankenstation erschien? Wenn die beiden eng befreundet waren verstand sie natürlich auch, dass sich Lexi so emotional für Nyberg eingesetzt hatte. Lexi seufzte. Sie würde schon gerne mit Anna reden. "Ich werde warten bis heute Abend, aber ihr vorher noch eine Nachricht zukommen lassen, dass es mir gut geht soweit.", antwortete Lexi. "Sie hat ja die Möglichkeit, wenn sie vorher Zeit hat, bei mir vorbei zu schauen", fuhr Lexi fort. "Ja, tun Sie das.", antwortete Shyla. "Dann gehen Sie sich jetzt duschen und ein wenig ausruhen, damit Sie für das Gespräch mit dem Counselor fit sind. Ich drücke Ihnen die Daumen!", lächelte sie. "Und ich werde dem Counselor gleich eine Nachricht schicken.", fügte sie hinzu. Lexi nickte. "Danke. Dann bis später.", erwiderte sie und ging langsam auf die Tür zu. Sie drückte sich mit einer knappen Begrüßung an der Wissenschaftlerin vorbei und wählte den schnellsten und vermutlich am ruhigsten gelegenen Weg von der Krankenstation in ihr Quartier. --- kurze Zeit später Als sie ihr Gespräch beendet hatten, verließen die beiden Ärztinnen das Behandlungszimmer. Während Lexi sich auf den Weg in ihr Quartier machte blickte Shyla suchend umher und sah die junge Wissenschaftlerin schließlich etwas abseits in einer Ecke stehen. "Was kann ich für Sie tun?", fragte sie. "Ich wollte nur mich abmelden und ins Labor zurückkehren. Wenn sie mich nicht mehr brauchen sollten. Darf ich noch etwas fragen? Der Sicherheitsmann der bei ihnen war... ich weiß, die Frage ist vielleicht unangebracht... ist er auch verletzt wurden?" Gespannt wartete sie auf die Antwort. "Sie meinen Ensign Hudson? Ihm geht es gut. Aber einer seiner Kollegen ist ums Leben gekommen.", informierte Shyla die Wissenschaftlerin knapp. Es würde sich sowieso auf dem Schiff herumsprechen, wenn es das noch nicht getan hatte. So etwas ging ja immer schnell. "Haben Sie das Labor, in dem vorhin die medizinischen Gerätschaften untergebracht waren, schon wieder aufgeräumt? Wenn nicht, wäre es nett, wenn Sie das noch tun könnten, sofern Sie keine anderen Verpflichtungen haben. Eine Krankenschwester wird Ihnen dabei helfen.", sagte sie noch. Ihr Herz machte einen Sprung, als ihr Dr. Miller sagte, dass Hudson unversehrt sei. Ein wenig schämte sie sich dafür, denn sein Kollege hatte nicht so viel Glück gehabt. "Ja, Doktor, als sie mich zurück schickten. Und ich erfuhr, dass die Geiselnahme vorbei war. Dann kehre ich zu meinen Aufgaben zurück, Doktor." Sie versuchte so sachlich wie möglich zu klingen. Aber einen gewissen scharfen Unterton konnte sie einfach nicht verhindern. Kara nahm sich vor, Hudson zu fragen, ob er Lust hätte, ihr Gesellschaft zu leisten. Sie wollte nicht alleine sein am Abend. Es machte ihr Angst. Auch wenn alles wieder in Ordnung sein sollte, es würde ihr ein Gefühl von Sicherheit geben, nicht alleine sein zu müssen. Sie hoffte, dass er das nicht falsch verstehen würde. Obwohl es einem Teil von ihr gefallen hätte. "Tun Sie das, Ensign.", antwortete Shyla in einem ebenso kühlen Tonfall. "Denken Sie dabei noch einmal darüber nach, wie Sie sich gegenüber Führungsoffizieren zu verhalten haben und welchen Respekt Sie Ihnen entgegenbringen, Ensign.", sagte sie noch. "Da heute alles so chaotisch war, werde ich darauf verzichten, mit ihrer Vorgesetzten über das, was vorhin vorgefallen ist, zu reden, aber wenn ich so etwas bei Ihnen noch einmal erlebe, wird das Konsequenzen haben." Damit war für sie das Gespräch beendet und sie wendete sich von der Wissenschaftlerin ab. Kara musste die Wut über das gesagte unterdrücken. Doch sie verzichte auf eine scharfe Antwort. Der Doktor würde sicherlich dann zum nächsten Vorgesetzten marschieren und darauf konnte Kara verzichten. Deswegen sagte sie nur ein leises "Ja Doktor." Sie versuchte ihre stimme dabei so neutral wie möglich zu halten. Aber einen kleinen scharfen Unterton enthielt er doch. Nach diesem kurzen Gespräch machte sich Shyla auf den Weg in ihr Büro. Sie wollte schnell die Nachricht für den Counselor schreiben. Unterwegs sah sie sich um, es war doch einiges kaputt gegangen. Sie würde die Technik beauftragen, dies zu reparieren wenn das nicht schon jemand getan hatte. Dann ging der Doktor fort. Kara blickte ihr nach. Die Frau wurde ihr immer unsympathischer. Dann verließ sie schnellstmöglich die Krankenstation. Doch bevor sie ins Labor zurückkehrte stattete sie ihrem Quartier einen Besuch ab. Dort wechselte sie möglichst schnell ihre Uniform. Danach gab sie noch eine private Nachricht für Hudson ab. Sie fragte darin, ob er Lust hätte, sich mit ihr zu treffen. Ganz unverbindlich selbst verständlich. Unterdessen betätigte Kyle seinen Kommunikator und sagte: "Hudson an Ensign Kawada." "Kawada hier. Was gibt es, Kyle? Möchtest du Revanche für heute morgen?" Hudson dachte an ihren Iaido Kampf und rieb sich geistesabwesend über die Schulter. "Nein, etwas anderes. Weißt du was genaueres über die Behandlung von Kriegsgefangenen?" "Nein, keine Ahnung... Ich hatte ein paar Vorlesungen auf der Akademie und..." "Das hilft mir nicht. Kennst du jemanden, der sich besser auskennt? Vielleicht mit ähnlichen Fällen schon einmal in Berührung gekommen ist?", fragte Kyle. "Nein, auch nicht", kam die lakonische Antwort. "Du bist mir ja eine richtig große Hilfe, Katsuo. Was soll ich dem Commander sagen? 'Tut mir leid, Sir, aber ich kann Ihnen nicht helfen; es hat niemand an Bord eine Ahnung von irgendetwas?'" "Was soll ich denn machen, Kyle?", fragte der Japaner mürrisch, "Aber möglicherweise kannst du es ja bei PO LaPlace versuchen." Kyle dachte kurz nach, konnte sich an die Frau allerdings nicht erinnern. "Kenne ich nicht." "Sie war ein ziemlich aufgehendes Sternchen an der Akademie. Aber sie hat abgebrochen. Hätte sie das nicht getan, hätte sie jetzt vermutlich deinen Job." Kyle konnte sich das hämische Grinsen des Japaners richtig vorstellen. "Bist ein richtiger Scherzkeks, Katsuo. Trotzdem vielen Dank." Er unterbrach die Verbindung, bevor er erneut seinen Kommunikator aktivierte. "Ensign Hudson an Petty Officer LaPlace. Haben Sie einen Moment Zeit für mich?" --- Deck 10, Sicherheitszentrale Silvy hatte die ganzen schrecklichen Ereignisse von der Sicherheitszentrale aus mitverfolgt. Erschrocken hatte sie mitbekommen, wie ein Kollege von ihr ums Leben gekommen war. So etwas war schon lange nicht mehr vorgekommen, und Silvy fühlte sich zutiefst betrübt, auch wenn sie mit dem Mann nicht viel zu tun gehabt hatte. Außerdem hatte ihr das wieder einmal vor Augen geführt, wie gefährlich ihr Job doch war. Sie saß in der Sicherheitszentrale und trank einen Kaffee. An Arbeit war gerade nicht zu denken, sie brauchte jetzt eine Pause, um das alles zu verarbeiten. Ähnlich ging es auch ihren Kollegen, viele liefen mit einem ernsten Gesicht herum. Nichts war zu hören von den üblichen Scherzen und Gelächter. Silvy wurde von dem Kommruf von Ensign Hudson aufgeschreckt. 'Ensign Hudson?' Sie musste einen Moment überlegen, ehe ihr wieder einfiel, dass das der neue Sicherheitsoffizier war, der gleich am Anfang das Kommando unten in der Krankenstation gehabt hatte. "Ja, Sir, habe ich.", antwortete sie. "Um was geht es?" --- Deck 6, Krankenstation "Danke, Petty Officer. Ich werde in ein paar Minuten in die Sicherheitszentrale kommen. Der Commander hat uns beauftragt herauszufinden, was das Mindestmaß an Behandlung für Kriegsgefangene ist. Ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie bis dahin schon versuchen Präzedenzfälle zu finden, oder Kollegen ansprechen, die mit solchen Situationen bereits zu tun hatten. Ich komme gleich in die Sicherheitszentrale und helfe Ihnen. Danach können wir unsere Ergebnisse Commander Yates vorlegen." Nachdem PO LaPlace bestätigt hatte, gab Kyle dem Sicherheitsteam auf der Krankenstation ein Zeichen sich zurückzuziehen. Er ließ nur vier Männer zurück, die Ferom und Telmar in die Arrestzellen bringen sollten, nachdem die medizinische Behandlung abgeschlossen war. Auf dem Weg zur Sicherheitszentrale meldete sich Kyle bei Lt. Cmdr. Reszko. "Hudson an Lieutenant Reszko. Sir, die Geiselnahme auf der Krankenstation ist beendet. Crewman Kerr ist gefallen, während Dr. Haris gerettet werden konnte. Auf Befehl von Commander Yates habe ich Gul Telmar und Ijara Ferom unter Arrest gestellt. Ich befinde mich auf dem Weg zur Sicherheitszentrale." --- Deck 6, Krankenstation Nachdem James den Sicherheitler alleine gelassen hatte, wandte er sich wieder Deirdra zu. "Wie sieht es bei Ihnen aus?" fragte er kurz, er hatte das Gespräch zwischen ihr, Haris, Knight und Dr. Miller nicht verfolgt. Deirdra blickte noch einmal zu der kleinen Gruppe um das Biobett, bevor sie James antwortete. "Haris ist in guten Händen.", lächelnd fügte sie noch hinzu: "Auch wenn sie nicht unbedingt der gleichen Meinung sein dürfte." James verzog ein wenig den Mund über die Bemerkung. Seelenklempner gehörten nicht wirklich zu angesehenen Leuten an Bord. Sie mochten noch so gut in ihrem Job sein und auch willkommen, wenn man sich an sie wandte, aber sie mischten sich eben auch dann ein, wenn sie es für am besten hielten. James hatte keineswegs vor, dem Counselor da einen Riegel vorzuschieben. Es war richtig. Dass Haris anfangs blocken würde, war normal. Die Behandlung würde ihr sicher gut tun. Knight ging zu Izami und Yates hinüber, konnte ja immerhin sein, dass der Captain einen vorläufigen Bericht von ihm wollte. Er trat zu den beiden und wandte sich dann an Yates: "Ich denke, fürs erste bin ich dann soweit. Oder gibt es noch etwas, Mr. Yates?" "Hören Sie sich etwas unter der Crew um - wenn es geht, ohne dass es sich wie eine Sitzung oder ein Verhör anhört. Ich möchte gerne wissen wie die Crew denkt und sich fühlt. Unsere letzten Wochen und Tage waren ein ganz schön unkonstantes Auf und Ab. Ich vermisse etwas Ruhe und optimistische Gelassenheit, wenn ich in die Gesichter gucke. Bevor das ganze aus dem Ruder läuft, wüsste ich gerne ob ich mich weiter auf meine Crew verlassen kann, wie ich es bisher getan hab." Er lächelte kurz. "Aber sonst nichts, danke." Nachdem auch Knight nach Hudson jetzt die Krankenstation verlassen hatte und sich Dr. Miller weiter um Haris kümmerte, kam Yates sich ein wenig überflüssig vor und sah zu Izami. "Sag bitte in der Technik bescheid, hier müssen sicher einige Reparaturen gemacht werden. In der Zeit überleg' ich mir was für das Oberkommando und was wir mit Telmar und Ferom anstellen können." Am liebsten würde er die beiden auf einem Asteroid aussetzen. Ferom weil sie es verdient hatte zu sterben und Telmar weil er einfach wütend auf ihn war. Um seine beiden cardassianischen Probleme würde er sich aber erst kümmern, wenn er mit jemandem Gesprochen hatte, der einfach mehr Erfahrung hatte - Admiral MacArthur. Und Hunger bekam er auch langsam. --- Deck 10, Sicherheitszentrale Kyle beendete seine Berichterstattung gerade, als er die Sicherheitszentrale betrat und nach PO LaPlace Ausschau hielt. Nach dem kurzen Gespräch mit Hudson rollte Silvy mit dem Schreibtischstuhl wieder an ihren Arbeitsplatz heran. Sie hatte von den Standards zur Behandlung Kriegsgefangener auf der Akademie etwas gehört, doch da diese Zeit schon länger zurück lag, beschloss sie, ein wenig in den Archiven zu recherchieren. Sehr weit war sie damit noch nicht gekommen, als ein hoch gewachsener Ensign die Sicherheitszentrale betrat und sich suchend umsah. Dabei gab es hier nicht wirklich viele Frauen. Silvy stand auf. "Ich bin Petty Officer Silvy Chantal LaPlace.", begrüßte sie den Neuen mit einem freundlichen Lächeln. Er sah gut aus, aber noch lange nicht so gut wie Dave. Innerlich seufzte sie. Zu schade, dass sie vorhin auf dem Holodeck gestört worden waren. Kyle lächelte der Frau ebenfalls zu und schüttelte ihre Hand. "Ich bin erfreut Ihre Bekanntschaft zu machen, Petty Officer. Ich bin Ensign Kyle Hudson. Bis eben hatte ich noch das Kommando über das Sicherheitsteam auf der Krankenstation..." Ein Schatten huschte kurz über sein Gesicht. "Falls Sie Crewman Kerr besser gekannt haben, so tut es mir leid, aber er ist tot." Sie nickte kurz und sagte: "Ich weiß es bereits." Sie wollte vermutlich nicht wirklich darüber reden und er genauso wenig. Es gab nichts Beklemmenderes als vor Augen geführt zu kriegen, wie leicht bei diesem Job etwas schief gehen oder man sogar sterben konnte. Hudson sprach schnell weiter, bevor ein unangenehmes Schweigen entstehen konnte. "Jedenfalls hat mich der Commander beauftragt, Genaueres über die Behandlung von Kriegsgefangenen herauszufinden. Und um ganz ehrlich zu sein, ich bin dabei auf Ihre Hilfe angewiesen." Er sprach nun etwas leiser. "Ich bin bei den ganzen theoretischen Dingen, die unsere Arbeit mit sich bringt, nicht sonderlich gut. Und Sie wurden mir von einem guten Freund als kompetente Kollegin empfohlen." Er räusperte sich und sprach nun wieder in normaler Lautstärke. "Konnten Sie schon etwas herausfinden?" "Ich kann mich daran erinnern, auf der Akademie etwas über diese Richtlinien gehört zu haben. Ich habe schon angefangen, danach zu recherchieren, bisher bin ich aber noch nicht fündig geworden. Es scheint sich um kein besonders häufig verwendetes Dokument zu handeln.", antwortete Silvy, nachdem sie sich wieder auf ihren Schreibtischstuhl gesetzt hatte. Eine Empfehlung? Sie war neugierig, welcher Kollege sie ihm empfohlen hatte, aber sie würde ihn nicht danach fragen. Sie trank noch einen Schluck Kaffee während der Computer tiefer in die Weiten des Netzes eindrang. "Ich fürchte wir müssen noch einen Moment warten bis der Suchlauf beendet ist." Kyle nickte, während der Computer die Datenbank des Schiffes durchsuchte. Er blickte Silvy für einen Moment etwas genauer an. Sie war sehr hübsch, es verwunderte ihn, dass sie ihm unter den ganzen vorwiegend männlichen Kollegen nicht aufgefallen war. Auf der anderen Seite befand er sich ja nur sehr selten in der Sicherheitszentrale, obwohl er sogar einen eigenen Schreibtisch hier hatte. Meistens war er auf dem Holodeck und absolvierte Trainingseinheiten mit den verschiedenen Sicherheitsteams. Der Computer würde noch ein paar Minuten brauchen, bis er alle Daten ausgewertet hatte. Kyle nahm sich ebenfalls einen Stuhl und setzte sich. "Ensign Kawada sagte mir, sie seien auf der Akademie sehr gut gewesen. Darf ich fragen, warum sie aufgehört haben?" So schnell hatte sich auch das geklärt. Ensign Kawada war das mit dem Tipp also gewesen. Silvy nahm noch einen Schluck Kaffee aus ihrer Tasse. Immer bekam sie die gleichen Fragen gestellt, aber so langsam musste sie sich ja daran gewöhnen. Sie sah Hudson an. "Ich bin schwanger geworden.", sagte sie dann kurz. Kyle nickte einmal. "Verstehe." Er hatte erwartet, dass es sich um etwas privates handeln musste. Er würde aber nicht weiter drängen. Das war ihre Privatsache und es ging Hudson auch überhaupt nichts an. In der Zwischenzeit hatte der Computer die Suche beendet und lieferte den beiden Sicherheitsleuten, was sie gesucht hatten. Kyle begann sich auf einem PADD Notizen zu machen, während sie die Daten vom Bildschirm ablasen. "Was ich mir erwartet habe.", meinte er, "Ein Haufen Paragrafen und Präjudizien, die manchmal noch ins 22. Jahrhundert zurückreichen. Bringt uns alles nicht viel und wir wissen noch nicht einmal, ob Ferom nun als Kriegsgefangene, Terroristin, Kriminelle oder Piratin einzustufen ist." Er atmete einmal hörbar aus. "Was meinen Sie, Petty Officer?" Silvy dachte kurz nach. "Nun, als Kriegsgefangene würde ich Sie nicht bezeichnen, schließlich haben wir ja keinen Krieg mit Cardassia.", sagte sie. "Was die anderen Möglichkeiten angeht, ich denke das gibt sich nicht viel. Ob Terroristin, Kriminelle oder Piratin sollte egal sein. Ich würde vorschlagen, wir schauen in dem Datenwust hier, ob sich das in der Behandlung unterscheidet und überlegen danach, wie wir sie einstufen.", fuhr sie fort. Kyle fuhr sich einmal über die geschlossenen Augenlider. So etwas hatte er ja erwartet. Eine ungeheure Datenmenge, keinerlei Anhaltspunkte, juristisches Kauderwelsch und er mitten drinnen. Das Ganze ging ihm bereits jetzt auf die Nerven. Er stand auf und ging zu seinem Schreibtisch, wo er ein PADD aus einer Lade nahm. 'Rules of Engagement of the United Federation of Planets' stand darauf. Kyle fing an es hinunter zu scrollen, um mögliche Vermerke oder Verweise zu finden. Leider hatte er dabei ebenfalls kein Glück. Es wurden nur die allgemeinen Richtlinien zur Behandlung Kriegsgefangener abgedeckt und Ferom war ja keine. --- Deck 3, Quartier Yates, 13:30 Bewusst hatte sich James gegen die Brücke und den Bereitschaftsraum entschieden und zog die Einsamkeit seines Quartiers vor. Seit einer halben Stunde saß er in seinem Sessel und sah die Sterne an. Das Licht ausgeschaltet, keine Musik lief. Nur das leise Geräusch, welches die Victory immer durchflutete war zu hören. Dich James Herold war sich so am konzentrieren, dass er es nicht hörte. Was war alles passiert und was war alles schief gelaufen, seit er an Bord der USS Victory war und seitdem er das Kommando inne hatte. Ohne auch nur eine Handlung zu kontrollieren oder zu hinterfragen konnte er sich auf seine Crew verlassen. Er hatte allen ein wenig mehr Verantwortung, Rechte und Pflichten gegeben als er Kommandant wurde. Weil er es für am besten hielt, wenn Entscheidungen von denen getroffen wurden die sich mit der Situation am besten auskannten. Viele konnten nicht warten und er folgt ja doch immer den Empfehlungen der Fachabteilungsleiter. Doch jetzt hatte er Entscheidungen zu treffen, wichtige dazu, und er hatte sie ein Stück weit falsch gefällt. Dabei war er sich so sicher, dass sein Plan hätte funktionieren können. Hätte er auch vielleicht, wenn alles zusammen gepasst hätte. Aber ein Zahnrad hatte sich in die falsche Richtung gedreht und das ganze Getriebe zum Zusammenbruch gebracht. Ein Rad auf das Yates sich verlassen hatte, und seine Crew hatte sich auf ihn verlassen und er würde es Ihnen nicht einmal nachsehen, wenn sie ihm dafür etwas Vertrauen entzogen. Gleichwohl er dies als Kommandant auf einem Sternenflotten-Schiff nicht dulden konnte. Disziplin und Respekt waren wichtige Punkte um eine militärische Hierarchie am Laufen zu halten. Dazu zählte auch Gehorsam und ein Stück weit auch Vertrauen. Jetzt saß er hier, Kommandant eines Schiffes, von sich selbst schwer enttäuscht musste er erstmals damit zurecht werden, dass er ein Crew Mitglied verloren hatte und sinnierte über seine Entscheidungen und seine Aufgaben als Captain. "Du darfst das nicht so nah an dich heran lassen." Sagte er sich mindestens ein Dutzend mal. Aber er wollte es auch nicht zu weit von sich weg stellen. Denn es sollte furchtbar und präsent bleiben, so dass er immer an seine Aufgabe erinnert wurde, die er gut machen wollte. Und Crewmitglieder zu verlieren - das war grausam und musste vermieden werden. Es war schlimm für die Angehörigen, für die Crew, für ihn und die ganze Flotte. Aber es war sicher nicht unvermeidlich. "Er ist tot. Du konntest es nicht ändern." James sprach zu sich selbst. "Du hast so gehandelt, wie du es für das beste hieltest." Er atmete aus und stand auf. "Es ist passiert, jetzt wirst du dich um die Konsequenzen kümmern. Fachmännisch, wie man es von dir gewohnt ist." James setzte sich an seinen Schreibtisch in seinem Quartier und rief das Hauptquartier. Admiral MacArthur war in seiner Sitzung, wo er nicht gestört werden konnte, und er würde auch heute nicht mehr ins Büro kommen, sagte Lieutenant Vargas ihm. 'Die würdest du auch nicht von der Bettkante stoßen.', dachte sich James als er mit Vargas sprach. Sie vermittelte ihn zu seinem Bedauern weiter an einen Mitarbeiter des diplomatischen Corps. Der Commander erläuterte die gesamte Situation, die getroffenen Entscheidungen und welche Rollen Telmar und Ferom spielten. Es war ein dreißigminütiger Monolog. "Und was kann ich jetzt für Sie tun, Commander?" fragte ihn der Diplomat. "Gul Telmar und Ijara Ferom müssen bestraft werden." "Das ist richtig. Was Ms Ferom angeht, so wird Sie vor ein Föderationsgericht kommen. Sollte Cardassia einen Auslieferungsantrag stellen, wird das diplomatische Corps diesen aushandeln, nachdem Ms Ferom ihre Strafe durch das Föderationsgericht abgesessen hat." Er machte große Augen und sah Yates an. "Sie wissen was Ferom auf Cardassia blüht. Sie ist eine Verräterin. Und auch wenn es das alte Regime nicht mehr gibt, mit solchen Leuten passiert immer noch das gleiche. Aber wenn sie ihre Strafe bei uns abgebüßt hat, soll uns das egal sein. Vorerst wird sie bei Ihnen an Bord bleiben müssen. Behandeln Sie sie ... angemessen." "Und Gul Telmar?" "Das ist schwieriger. Wenn ihre Schilderung stimmt und Fakten das belegen können, dann würde das für Flottenpersonal bedeuten, dass es ebenfalls eine Militärgerichtsverhandlung geben würde. Vermutlich gäbe es eine Degradierung und Versetzung. Möglicherweise, wenn der Tod auf die zum Befehl abweichende Handlung zweifelsfrei zurück zu führen ist, gäbe es auch eine unehrenhafte Entlassung und danach einen Zivilrechtsprozess vor einem Föderationsgericht mit anschließender Verurteilung zu einer Arbeitskolonie. Dieser Weg scheidet für Gul Telmar aus. Sein Aufenthalt auf der USS Victory basiert auf keinem Vertrag durch die diplomatischen Vertreter sondern wurde rein durch Admiräle und Kommandanten ausgehandelt. Da es also keine rechtliche Grundlage gibt, werden wir diesen Punkt nur sehr vage ansprechen können. Es wird eine offizielle Rüge unsererseits geben, möglicherweise wird es auf der Ebene der Militärs einige ernste Gespräche geben, aber letzten Endes glaube ich nicht an Konsequenzen für Gul Telmar. Uns gegenüber wird man keine Zugeständnisse machen. Telmar wird man höchstens den Sold kürzen. So leid es mir tut. Das müssen Sie intern klären." James nickte, er hatte mit so etwas gerechnet, seit seine Gedanken wieder klarer waren. Aber er hatte jetzt Gewissheit. Etwas wunderbares für einen so jungen, forschen und doch unerfahrenen Mann. "Danke, Sir. Sie haben mit sehr weitergeholfen." "Gerne Commander, ich halte Sie auf dem laufenden was die Verhandlungen im Fall Telmar bringen. Aber das wird lange dauern. Was Ferom angeht - das Oberkommando bekommt eh einen Bericht von Ihnen. Danach wird automatisch Anklage erhoben. Sie hören dann von der Juristen. Mein Beileid." Die beiden verabschiedeten sich und James dachte an den Bericht, den der Diplomat angesprochen hatte. Er würde ihn verfassen müssen. Aber Haris, Miller, Hudson, Reszko, Knight und Izami sollten auch zu Wort kommen. Er sendete allen kurze Nachrichten, dass sie alle ihm einen sehr kurzen Bericht zusenden würden. Er hatte vor diese als Anlage zu seinem mitzusenden. Nachdem die Nachrichten raus waren, klappte er das Display seines Computers herunter und verließ sein Quartier. Er war schon über eine Stunde weg und musste sich auf der Brücke zeigen. --- Deck 6, Krankenstation Auf dem Weg zu ihrem Büro sah Shyla einen Techniker, der sich mit einem der Pfleger unterhielt. Das war also schon erledigt, gut. --- Deck 6, Büro der Chefärztin Auf ihrem Bildschirm erwartete Shyla eine Nachricht von Yates, in der dieser um einen kurzen Bericht über die Ereignisse von vorhin bat. Darum würde sie sich gleich kümmern, doch zunächst wollte sie dem neuen Counselor eine Nachricht zukommen lassen. Sie setzte sich an die Tastatur und schrieb. *** Von: Lieutenant Dr. Shyla Judy Miller An: Lieutenant j. g. Daniel Knight Guten Tag Mr. Knight! Ich freue mich, Sie als neuen Counselor an Bord begrüßen zu dürfen und würde mich freuen, sie in den nächsten Tagen näher kennen lernen zu dürfen, schließlich werden sich unsere Arbeitsgebiete überschneiden. Doch zunächst möchte ich Sie um einen Gefallen bitten. Meine Stellvertreterin Dr. Haris hat mit mir über ihr bevorstehendes Gespräch gesprochen. Ich möchte Sie bitten, sie nicht für dienstuntauglich zu erklären sondern ihr zu ermöglichen, ihren Dienst hier auf der Krankenstation fortzusetzen. Ich denke, so wird die Verarbeitung des Geschehenen für uns alle einfacher werden. Mit freundlichen Grüßen Dr. Shyla Judy Miller, Chefärztin *** --- Deck 3, Quartier Knight, USS Victory Daniel hörte sie sich an, Miller teilte ihm mit, dass sie Haris durchaus für diensttauglich hielt. Er löschte die Nachricht, hielt sie für einen Freundschaftsdienst. Er hatte sich nie um solche Hinweise gekümmert, machte sich lieber selbst ein Bild und oft genug machte ihn so etwas eher misstrauisch und aufmerksam. 'Was denken die sich überhaupt?' dachte er unwillig. 'Das ich Haris aus reiner Boshaftigkeit vom Dienst frei stelle?' Knight trank einen Schluck aus dem Becher, setzte sich und begann seinerseits eine Nachricht ein zu geben. *** Sehr geehrte Dr. Miller! Ich danke Ihnen für Ihre freundliche Begrüßung. Wir könnten ja in den nächsten Tagen einmal gemeinsam zu Mittag essen, wenn Sie nichts dagegen haben? Zu Miss Haris möchte ich Ihnen, mit allem Respekt, sagen, dass ich mir lieber selbst ein Bild von ihrer Verfassung mache. Vom Dienst werde ich sie aber auf alle Fälle frei stellen, die Frage ist nur wie lange. Ob sie ihren Platz auf der Krankenstation danach wieder voll ausfüllen kann oder nur eingeschränkt, kann und möchte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht sagen. Mit freundlichen Grüßen Lt. Daniel Knight Counselor, USS Victory *** Das sollte eigentlich reichen. Daniel hatte den Vorschlag mit dem Essen nur gemacht, um nicht zu ihr auf die Krankenstation zu müssen. Das würde sich Miller vermutlich denken können, sein Verhalten, bei ihrem plötzlichen Erscheinen, war ihr sicher nicht entgangen. --- Deck 6, Krankenstation, Büro der Chefärztin Das ging aber schnell. Shyla las die Antwort des Counselors. Na toll, das hatte ja mal nicht viel gebracht. Sie hatte Lexi so gerne helfen wollen, aber das war nach hinten losgegangen. 'Abwarten, was Miss Haris mir nach dem Gespräch mit dem Counselor berichtet.', dachte sie. Dann machte sie sich daran, den Bericht für Commander Yates zu schreiben. Das nahm einiges an Zeit in Anspruch, sie ließ sich das Geschehen noch einmal Moment für Moment durch den Kopf gehen um nichts zu vergessen. Gegen 14 Uhr war der Bericht dann fertig und sie sendete ihn an Yates. Sie beschloss dann, etwas zu Mittag essen zu gehen. (c) Spielergemeinschaft des PbEM-RPGs USS Victory http://www.uss-victory.de