************************************************************************ * USS Victory * * Auswertung 07 / 03122006 * * 22052380 * * Ein ... Gast kommt an Bord * ************************************************************************ --- Hauptbrücke, 10:00 Die Pünktlichkeit würde eigentlich den Menschen nachgesagt, dachte sich Yates, während für die Cardassianer die Zuverlässigkeit sprach. In diesem Fall traf es sich, dass die Brücke in vollem Glanz erstrahlte und alle Posten besetzt waren. James saß in der Mitte und zu seiner Rechten Lt. Cmdr McKilian, seine erste und der Victory zweite Offizierin. "Gul Telmar, guten Morgen.", er blickte übertrieben stark auf einen Chronometer, den es nicht gab und der auch nicht hätte erfasst werden können vom Sichtschirm des Cardis. "Ich nehme an, Sie brauchen keine langen Umherschweife. Wir haben ihr Material ausgewertet und uns dazu entschlossen, Ihnen die Söldner per Transporter auszuliefern, das Schiff werden wir als Treibgut aus unserem Hangar entfernen. Sie gehören Ihnen." Eigentlich wollte Yates an dieser Stelle um einen fairen Prozess bitten, aber diese Bitte hätte gleichzeitig gezeigt, dass er jederzeit an einem fairen Prozess zweifelte, wenn es um Cardassianer und Gefangene ging. --- CIS Liato Wo war DeChâteau? Hatte Telmars gestriger Scherz einen wahren Hintergrund? "Commander, ich freue mich, dass Sie die Wahrheit anerkennen.", erwiderte Yates. "Nur bin ich etwas überrascht, dass ich die Entscheidung nicht von Captain DeChâteau persönlich höre." --- Hauptbrücke Es war James klar gewesen, dass es ungewöhnlich wirken würde, dass er die Botschaft überbracht hatte, jedoch nicht damit gerechnet, dass es eine Nachfrage aufgrund dieser Unregelmäßigkeit geben würde. In der Sternenflotte war es mittlerweile üblich, dass der Erste Offizier viele Aufgaben erledigte, die vor einigen Jahren noch alleine dem Captain zugeschrieben wurden. "Der Captain selbst führte bis spät in die Nacht hinein die Untersuchung bezüglich dieses Falles und das Gespräch mit dem Kommandant der Agamemnon. Sein Gesundheitszustand ist dadurch leicht bedrückt, daher bat er mich, den Kontakt aufrecht zu erhalten und weitere Vorgehen zu besprechen." Vermutlich war Yates' Gegenüber wesentlich besser in Menschenkenntnis und im Lesen von Mimik und Körpersprache, als dass der Commander es gewohnt war, sich möglichst, normal aber nicht zu unauffällig zu verhalten. Hoffentlich würde er ihm das abkaufen, denn Yates wusste immer noch selber nicht, wie es um den Captain stand und wollte den Cardassianern sicher nichts verraten. Lieutenant Commander McKilian hatte ihren leeren Becher inzwischen entsorgt und saß auf dem Sessel des Ersten Offiziers. Sie musterte den Cardassianer auf dem Bildschirm und fragte sich im Stillen, wo das alles noch hinführen würde. Wie sollten sie Gul Telmar verheimlichen, wie es wirklich um den Captain stand? Würden sie das überhaupt tun? Wenn sie das zu entscheiden hätte, würde sie bei der Wahrheit bleiben. Immerhin war Commander Yates ein mehr als fähiger Offizier und Pannen passierten immer. Würden sie mit der Wahrheit nicht sogar demonstrieren, dass sie eine starke Mannschaft hatten? Gut organisiert und durch nichts aus der Fassung zu bringen?! Von all diesen Gedanken sah man ihr nichts an. Sie behielt ihr Pokerface aufrecht und würde sich erst äußern, wenn man sie darauf ansprach. --- CIS Liato Objektiv wirkende Antworten waren manchmal der Versuch etwas zu vertuschen. Die Antwort von DeChâteaus XO war für Telmar nicht allzu befriedigend, doch in Anbetracht der Tatsache, dass er in Kürze mit diesen Leuten zusammenarbeiten sollte, beschränkte er sich auf einen äußerst skeptischen Blick und erwiderte dann: "Also hatte ich doch gestern richtig gesehen... Nun, Commander Yates, dann bestellen Sie bitte dem Captain meine Genesungswünsche." Er wechselte das Thema: "Die weitere Vorgehensweise ist recht einfach: Die Liato übernimmt das Söldnerschiff und seine Besatzung und ich werde mich meinem Befehl entsprechend zu Ihnen an Bord beamen, damit wir dann den eigentlichen Zweck unserer Begegnung weiterverfolgen." --- Hauptbrücke James lag ein 'Gut' auf den Lippen, bevor er verstand, was der Cardassianer dort gerade gesagt hatte. Und er konnte sich im letzten Augenblick stoppen, was man ihm zweifelsohne wieder ansehen musste, genau wie die Überraschung, die ihm ins Gesicht geschrieben stand. Hatte er etwas in den Berichten überlesen die er vorhin durchgeschaut hatte? Nein, vermutlich wusste der Captain darüber bescheid und hatte es nicht notiert, weil er sich sicher war, selbst jetzt hier zu sein um den Kontakt weiter zu führen. So war das nun mal. Und in einer endlos langen Sekunde überlegte Yates sich etwas nicht ganz so dummes. "Verzeihen Sie meine Überraschung, aber ich bin nicht informiert darüber, Sie an Bord willkommen heißen zu dürfen. Die Befehle der Sternenflotten, die mir vorliegen beinhalten keinerlei Aussage darüber." Er stockte "Dennoch lade ich Sie selbstverständlich zu uns an Bord ein, damit wir das gemeinsam klären können. Ich würde mich freuen, Sie zum Mittagessen um 12 Uhr im Transporterraum begrüßen zu dürfen. Victory Ende" James Herold sah auf den Boden, befeuchtete seine Lippen und sah zu McKilian neben sich "Ich nehme an, Sie wussten davon ebenfalls nichts?", fragte er die junge Frau, welche sich nicht geäußert hatte während des kurzes Gespräches. "Sorgen Sie bitte dafür, dass das Söldnerschiff samt Söldnern überführt wird und dass der Transporterraum besetzt ist. Ich würde Sie und Reszko gerne bei dem Essen dabei haben, sagen Sie ihm bitte bescheid. Ich werde mit der Küche reden." Auf dem Display in der Armlehne erkannte er, dass gerade eine Nachricht der Krankenstation einging. Der Inhalt war jedoch nicht sehr aufschlussreich. "Außerdem werde ich die Krankenstation aufsuchen, um zu sehen, was mit dem Captain ist. Ich habe da nämlich ein sehr ungutes Gefühl bei dieser ganzen Sache." Die Erste Offizierin ad interim hatte ihren Raktajino inzwischen geleert, doch so richtig wach war sie immer noch nicht. Natürlich ließ sie sich das nicht anmerken, als sie Yates ansah. "Ich hatte keine Ahnung. Der Captain war gestern Abend schon nicht mehr auf der Brücke, als ich das Steuer übernahm. Aber... erkundigen Sie sich doch bei Mrs. DeChâteau. Immerhin ist sie unsere erste Counselor an Bord und die Frau vom Captain. Um das Andere werde ich mich sofort kümmern, Sir. Wenn Sie erlauben, mache ich das persönlich." "Danke, das ist sicher eine gute Idee. Vielleicht habe ich dafür sogar noch Zeit, bevor Gul Telmar an Bord kommt." Er stand auf und schritt zum Turbolift. --- CIS Liato Ohne einen weiteren Kommentar hatte Telmar den Kanal schließen lassen. Ein wichtiger Grundsatz von Verhören war: wenn jemand nichts sagt, kann das mehr sagen, als wenn er den Mund aufmacht. DeChâteau war offensichtlich außer Gefecht gesetzt - wie konnte es sonst sein, dass dieser Yates die Entscheidung übermittelte und gleichzeitig nichts von Telmars Befehlen wusste? "Dieser Yates hat gelogen, was seinen Kommandanten angeht.", sagte Mujata ungehalten. "Irgendwas stimmt da nicht." - "In der Tat.", pflichtete ihm sein ehemaliger Kommandant bei. "Ich werde schon herausbekommen, was los ist, sobald ich an Bord der Victory bin. Zunächst jedoch gilt es unsere neuen 'Gäste' in Empfang zu nehmen." Mujata erhob sich aus seinem Stuhl. "In Anbetracht Ihres Auftrags, Gul, nehme ich an, wir werden nicht das übliche tun und Sie nach dem Verhör exekutieren?" Telmar lächelte: "In der Tat, Mujata, vielleicht können Sie uns hinterher noch nützlich sein. Sie warten auf eine Nachricht von mir. Aber bis dahin, nehmen Sie Ihr Schiff auseinander. Ich gehe zwar davon aus, dass die Victory-Crew versucht hat, den Speicherkern ihres Computers zu löschen und alle brauchbaren Informationen zu vernichten, versuchen Sie dennoch etwas zu finden." "In Ordnung.", brummte der junge Gul und drehte sich zu seinem Glinn um: "Bereiten Sie alles zur Übernahme von Schiff und Gefangenen vor und informieren Sie mich sobald dies geschehen ist." Dann drehte er sich wieder zu Telmar: "Bis dahin, möchte ich Sie auf eine Partie Strabota einladen, Telmar. Wir wir es vor einigen Jahren vereinbart hatte Der ältere Cardassianer lächelte und nickte: "Oh, ich erinnere mich gut. Jetzt wo wir beide gleichen Ranges sind, brauchen Sie keine Rücksicht mehr auf Ihren Vorgesetzten nehmen. Vielleicht werden Sie dann gewinnen." --- Krankenstation, 10:15 Yates hatte die Brücke über den Turbolift verlassen und auf dem Weg zur Krankenstation die Küche gerufen, um einen kleinen Konferenzraum umdekorieren zu lassen, so das für etwa 6 Leute dort ein leichtes Mittagessen angerichtet werden konnte. Es war ungewiss ob auch Telmar noch Begleitung mitbringen würde. Er rechnete jedoch damit. Vielleicht sollte auch jemand der Counselor mit dabei sein, überlegte James, doch dann stand er auch schon vor der Tür zur Krankenstation und trat ein, um sogleich Dr. Miller zu suchen, welche er in ihrem Büro fand. "Dr. Miller, ich habe ihre Notiz gesehen. Jedoch befürchte ich, dass ich es nicht ganz verstehe. Dem Captain fehlt nichts, aber dennoch liegt er hier und ist außer Gefecht. Da passt doch was nicht zusammen." Er zeigte übertrieben nach oben Richtung Brücke. "Ich hatte gerade schon die zweite Überraschung für heute. Ein cardassianischer Gul kommt an Bord, ohne dass ich wusste, dass so etwas geplant ist und er scheint den Captain gut genug zu kennen, um Genesungswünsche übermitteln zu lassen. Sie müssen doch irgendwas für mich haben? Am besten einen gesunden Captain." "Ich fürchte, damit kann ich nicht dienen, Commander.", antwortete Shyla. "Was dem Captain fehlt, kann ich Ihnen wie gesagt nicht sagen. Wir haben alle erdenklichen Tests mehrfach durchgeführt, ich habe die Ergebnisse mit mehreren Ärzten diskutiert, um sicherzugehen, dass nichts übersehen wurde. Ich habe die komplette Datenbank der Sternenflotte durchforstet und nichts gefunden, was auf einen ähnlichen Fall schließen lässt.", erklärte sie. "Die Sicherheit hat das Söldnerschiff und beide Besatzungsmitglieder durchsucht, jedoch keine Spuren eines Giftstoffes oder ähnlichem gefunden.", fuhr sie fort. "So langsam bin ich mit meinem Latein am Ende. Ich fürchte, sie werden noch eine Weile auf Captain DeChâteau verzichten müssen." Besorgt packte sich James auf die Stirn und bemerkt, dass sich dort ein leichter Schweißfilm gebildet hatte, der anfing, seine Haut klebrig zu machen. Ihm war heute wärmer als sonst, war sich aber sicher, dass dies nichts mit den Temperaturkontrollen zu tun hatte, sondern mit seinen Nerven. "Denken Sie, dass dem Captain hier an Bord zu helfen ist? Ich möchte ungern einfach abwarten, was sich ergibt. Ich werde nachher mit seiner Frau sprechen. Vielleicht wäre es angebracht, auch das Hauptkommando anzusprechen und ihn zur Untersuchung an eine medizinische Fakultät zu übergeben." Genau wusste Yates nicht wie er auf die Idee gekommen war, den Captain vom Schiff woanders hin zu bringen, denn dies musste auf Dr. Miller nun wohl den Eindruck machen, als ob er der Meinung war, dass sie nicht genug Ahnung hatte. In Wirklichkeit jedoch war Jimmy einfach nur durcheinander und sah sich der größten Herausforderung seiner Karriere gegenüber. Er würde de facto für die nächste Zeit das Kommando über die Victory inne haben, ohne einen Captain im Bereitschaftsraum für die Situationen, wo es brenzlig wurde - und einen Cardassianer an Bord zu haben, nannte er brenzlig. "Wenn sich in den nächsten Tagen keine Besserung zeigt, werden wir das wohl tun müssen.", antwortete Shyla. "Ich werde nachher selber mit Mrs. DeChâteau sprechen.", schlug sie vor. "Sie haben bestimmt erst mal genug zu tun." Sie hatte sich bereits in der Datenbank darüber informiert, wo die nächste medizinische Fakultät lag. Diese lag weit ab von ihrem Kurs und es würde Tage dauern, dort hin zu kommen. Doch wenn es nötig war, sah sie keine andere Möglichkeit. James nickte dem Vorschlag der Ärztin zu. "Sie würden mir tatsächlich einen Gefallen damit tun, mit Mrs DeChâteau zu sprechen. Ich weiß nicht recht, wie ich es anfangen sollte, immerhin habe ich sie noch gar nicht kennen gelernt und außerdem andere Verpflichtungen." Er wandte sich wieder zur Tür, um zu gehen. "Bitte informieren Sie mich umgehend und jederzeit, wenn sich etwas ändert an dem Gesundheitszustand. Der Captain hat oberste Priorität gegenüber allen anderen Befehlen und Aufgaben." Dann verließ er die Krankenstation und begab sich per Turbolift auf möglichst direktem Weg zu seinem Büro um etwas zu holen und dann zu seinem Quartier. "Ja, Sir. Ich werde Sie sofort informieren wenn sich etwas Neues ergibt.", antwortete Shyla bevor der Commander ihr Büro verließ. Der Arme schien sehr gestresst, sie hoffte, dass sie ihn nicht am Ende des Tages ebenfalls würde behandeln müssen. Dann setzte sie sich an ihren Schreibtisch. Sie verfasste eine Mitteilung an die Frau des Captains mit der Bitte, sich im Laufe des Tages mit ihr zu treffen um über den Gesundheitszustand ihres Mannes zu reden. --- Quartier der Familie DeChâteau, 10:15 Die Kinder waren im Hort und Nesta hatte alle Termine für heute abgesagt. Aufgrund der Tatsache, dass ihr Mann auf der Krankenstation lag, hatte jeder dafür Verständnis, wofür Nesta wiederum sehr dankbar war. Sie machte sich schreckliche Sorgen um Timo und obendrein fingen Emilys Emotionen an, sie zu belasten. Die kleine Katze war possierlich wie immer, aber Nesta war einfach nicht mehr in der Lage, ihre Bedürfnisse auszublenden. Sie würde eine Lösung finden müssen und zwar bald. Das Piepen ihres Terminals lenkte sie von ihren Überlegungen ab. Müde trat sie an ihren Schreibtisch und las die kurze Mitteilung der Chefärztin. Ja, sie würden sich wirklich über Timos Gesundheitszustand unterhalten müssen, am besten sofort, dann könnte sie auch eine Pause von Emilys Gegenwart nehmen. Nesta empfand bei diesem Gedanken Schuldgefühle, was ihre innere Unruhe nur noch verstärkte. Sie musste raus hier! Auf dem Weg zur Krankenstation betätigte sie ihren Kommunikator. "Cecely-DeChâteau an Miller. Ich bin auf dem Weg zur Krankenstation, hätten Sie jetzt Zeit?", fragte sie die Ärztin und betrat zeitgleich den Lift. --- Büro der Chefärztin "Ja, ich habe Zeit für Sie.", beantwortete Shyla den Komm-Ruf der Counselor. "Bis gleich.", beendete sie die Leitung. Sie trat an den Replikator und replizierte sich einen Früchtetee. Heute kam sie aus ihrem Büro ja gar nicht mehr heraus, kaum war ein Gespräch beendet, kündigte sich auch schon das nächste an. Sie nahm mit ihrer Tasse Tee hinter ihrem Schreibtisch Platz und wartete auf die Frau des Captains. --- Krankenstation, 10:20 Die Türen glitten zur Seite, als Nesta in den Erfassungsbereich der Sensoren trat und die hübsche Counselor betrat die Krankenstation. Einen Moment schaute sie sich um, dann hatte sie ihre Orientierung wieder gewonnen und ging auf die Rampe zu, die nach oben führte. Bevor sie ihre Schritte zum Büro der Chefärztin lenkte, steuerte sie auf die Liege ihres Mannes zu. Liebevoll und besorgt musterte sie sein Gesicht und entschied sich dann intuitiv etwas zu unternehmen. Sie nahm einen medizinischen Tricorder in die Hand und scannte den Körper ihres Mannes. Konzentriert beobachtete sie die Anzeige und schürzte nachdenklich die Lippen. Die Werte schienen alle völlig normal zu sein. "Was fehlt dir nur?", fragte sie ihren bewusstlosen Mann flüsternd und strich ihm zärtlich durch das Haar. Nesta war eine intuitive Frau, die auf ihre innere Stimme hörte. Sie spürte, dass sie der Lösung des Rätsels nahe kam, doch als sie danach greifen wollte, wurde sie abgelenkt. Seufzend wandte sie sich von Timo ab und suchte endlich Doktor Miller auf. Sie klopfte leise an, betrat aber direkt danach das Büro der Ärztin. "Hallo Doktor Miller!", grüßte Nesta ihre Kollegin und reichte ihre die Hand. "Was haben Sie heraus gefunden?", fragte sie und setzte sich auf den Stuhl vor dem Schreibtisch. "Guten Tag!", begrüßte Shyla die Counselor und Frau des Captains. "Nun, Sie haben ja eben selbst einen Scan mit dem Tricoder durchgeführt, der wahrscheinlich ohne Ergebnis geblieben ist.", begann sie. "Dies war bei all unseren Untersuchungen leider ebenfalls der Fall. Wir haben alle nur denkbaren Tests mehrfach durchgeführt, ebenso wie alle Laboruntersuchungen. Alles ohne einen Befund. Ich kann mir nicht erklären, was mit Ihrem Mann los ist, so leid es mir tut.", erklärte sie. "Auch in sämtlichen verfügbaren Datenbanken habe ich nach einem ähnlichen Krankheitsbild gesucht, ohne Erfolg. Wenn Sie möchten, können Sie sich gerne alle Ergebnisse ansehen.", bot sie an. "Danke, das Angebot nehme ich gerne an.", erwiderte Nesta und studierte wenig später die Krankenakte ihres Mannes. Sie las die Daten so konzentriert, dass sie ihre Umgebung kaum wahrnahm. Einige Minuten später schaute sie wieder auf und lehnte sich nachdenklich in ihrem Stuhl zurück. "Ich weiß nicht, aber... nein...!", sagte sie. "Oder vielleicht doch?" Nesta schaute noch einmal in die Daten und suchte nach einem Hinweis. Schließlich sprach sie ihre Vermutung aus. "Könnte es sein, dass er seine Neuroemitter überfordert hat und daher in die Bewusstlosigkeit verschwunden ist? Er ist zwar kein Betazoid, aber wir haben dennoch eine mentale Verbindung. Timo hatte viel zu tun in der letzten Zeit. Er kam mir sehr gestresst vor. Was denken Sie, Doktor? Könnte sein Körper eine Schutzmaßnahme ergriffen haben?" Schweigend hatte Shyla abgewartet, bis die Counselor mit dem Studieren der Akte fertig war. Sie hörte sich an, was diese vermutete. Dann schwieg sie einen Moment und überlegte. "Denkbar wäre es schon, dass der Körper eine Schutzmaßnahme ergriffen hat, wenn er, wie Sie sagen, so gestresst war. Aber meiner Meinung nach müsste sich dafür doch irgendein Anzeichen entdecken lassen..." Shyla hatte sich die Gedanken der Counselor angehört. Zuerst tat sie sich schwer, dem Glauben zu schenken. Dann aber schwanden ihre Zweifel. "Was Sie sagen ist nicht ganz einfach nachzuvollziehen.", begann sie. "Doch natürlich kennen Sie ihren Mann besser als jeder andere, und ich denke, dass Sie mit Ihrer Vermutung Recht haben könnten. Es wäre also das Beste, ihn nach Betazed zu bringen, da er dort ganz anders behandelt werden kann als wir das hier können." Die Frau des Captains war erleichtert, dass Doktor Miller ihr zustimmte und dankte ihr lächelnd. "Ich würde Commander Yates gern selbst darüber informieren. Natürlich nur, wenn es Ihnen Recht ist. Ich möchte damit nicht Ihre Autorität untergraben, ich dachte nur, dass ich ihm vielleicht erklären kann, wie ich auf diese Diagnose komme." Nesta stand auf und stellte sich mit dem Rücken zum Bürofenster. 'Ich muss Timo unbedingt dazu bringen, kürzer zu treten. Vielleicht sieht er diesmal ein, dass er sich überfordert', dachte sie, als sich im Behandlungsraum etwas tat. Shyla war erleichtert. Endlich schien für das Gesundheitsproblem des Captains eine Lösung in Sicht und die ganze Last lag nun nicht mehr alleine auf ihren Schultern. "Natürlich können Sie mit Commander Yates reden. Sie können ihm ihre Vermutung besser plausibel erklären.", antwortete Shyla. "Hoffentlich kann ihrem Mann schnell und erfolgreich geholfen werden!" "Ja, das hoffe ich auch!", erwiderte Nesta und wollte sich auf den Weg machen. Doch ein neuer Patient lenkte die beiden Frauen davon ab. Nesta blieb noch einen Moment im Büro und machte sich Notizen über Timos Zustand, bevor sie ebenfalls den Behandlungsraum betrat. --- Im Hangar, wenig später Jacky hatte auf dem Weg zum Hangar die Crew über ihr Kommen informiert. Die Hangarcrew hatte schon alles vorbereitet. Jacky überprüfte alles, kontrollierte die Liste mit dem, was auf dem Schiff war und nickte dann zustimmend. "Okay, ich überlasse es Ihnen dieses Schiff aus unserem Hangar zu lotsen. Wir behalten es solange am Haken, bis die Cardassianer es mit ihrem Traktorstrahl erfasst haben, dann lassen wir los und haben ein Problem weniger.", sagte sie. Dann beobachtete sie das Manöver und als sie sicher war, dass alles nach Plan verlief, wandte sie sich zum Gehen. Ihr Weg führte sie zum Maschinenraum. --- Quartier des Ersten Offiziers, 10:30 Die Akte des Guls noch einmal zu lesen würde keinen Sinn machen. Er hatte die gesamte militärische Laufbahn dieses Telmar nur drei oder viermal gelesen und konnte nicht erkennen, warum er nun Verbindungsoffizier werden würde. Den einzigen Punkt, den es gab, war der Captain. Aber ihn konnte er nicht fragen und alles was der Captain jemals früher notiert hatte, zeigte, dass es sich bei Telmar um einen gewieften Diplomaten und Soldat handelte, der sich bestens im Bereich der Psychologiespiele auskannte. Ein Gebiet, was Yates nicht beherrschte und obendrein auch noch verabscheute. Das Treffen, welches zu Mittag stattfinden würde, war für ihn also wie ein Sprung ins kalte Wasser und das mochte er nicht. Viel amüsanter war die Vorstellung dagegen, dass Telmar sich möglicherweise lange auf DeChâteau als Gegner eingestellt haben mochte und Yates nun für ihn wiederum ebenfalls so überraschend wie unangenehm war. Denn zu einem Psychospielchen gehören immer zwei Personen, die es spielen. Doch Jimmy wollte es dazu erst gar nicht kommen lassen und hatte sich früh Gedanken darüber gemacht, genug Leute dabei zu haben, die es dem Cardassianer schwer machen würden, sein Spiel anzufangen. Nein, Sie würden nach seinen Regeln spielen und die kannten nur wenige. James Herold zog die Uniformjacke aus und warf Sie über einen Sessel bevor er sich für eine halbe Stunde auf die Couch legte, um etwas nachzudenken und vielleicht ein paar wenige Sekunden zu schlafen. --- Korridore, 10:39 Harry Tanner seufzte, als er aus dem Turbolift trat und den Weg in Richtung der Krankenstation antrat. Er spürte das warme Blut, das ihm über die linke Hand lief, mit der er seinen rechten Arm stützte. Eine Schnittwunde zog sich über die gesamte Länge des Unterarmes und die Haut um die Wunde herum brannte wie Feuer. Er hörte bereits die Stimme von Miller im Ohr, wie sie sich aufregte, wenn er ihr berichtete, wie es zu der Verletzung gekommen war. "Na, dann.", murmelte er, als er die Tür zur Krankenstation erreichte. "Auf in die Höhle des Löwen." --- Krankenstation Als er die Krankenstation betrat, sah er sich um und als er auf der unteren Ebene niemanden entdecken konnte, ging er zielstrebig auf die Rampe zu und erreichte nur kurz darauf die obere Ebene. Dort fiel sein Blick auf das Bett des Captains. Er hatte von der Sache gehört und Tanner tat es vor allem für Mrs. DeChâteau und die Kinder leid. Wenn er doch nur irgendwie helfen konnte... Er wandte sich in Richtung des Büros der Ärztin und zu seiner Überraschung sah er dort seine Chefin. Als er in den Türrahmen trat, hatten ihn die beiden Frauen bereits bemerkt. "Doktor, ich könnte da mal Ihre Hilfe gebrauchen.", sagte der Counselor und hielt ihr seinen blutenden Arm entgegen. Shyla und Nesta hatten ihr Gespräch gerade beendet und standen an der Bürotür, als Counselor Harry Tanner über die Rampe die obere Ebene der Krankenstation betrat. Er sah blass aus und hielt sich seinen rechten Arm, an dem er sich eine stark blutende Verletzung zugezogen hatte. "Guten Tag, Mr. Tanner. Was haben Sie denn gemacht?", fragte Shyla und trat auf ihn zu. Sie dirigierte ihren Patienten in einen der freien Untersuchungsräume. Die waren zwar eigentlich für Langzeitpatienten, aber das war in dem Fall egal. "Ist 'ne kleine Sportverletzung", erklärte er, während er auf einem der freien Biobetten Platz nahm und den Doktor dabei beobachtete, wie sie die benötigten Instrumente zusammensuchte. "Ich bin beim Klettern abgerutscht." "Immer diese Holodeckverletzungen... Wenn ich die Tage zusammenzählen würde, an denen ich schon Crewmitglieder wegen Verletzungen, die sie sich auf dem Holodeck zugezogen haben, krankgeschrieben habe ...", sagte Shyla. Sie setzte den Tricoder in Gang, um den Arm zu untersuchen. Es sah jedoch so aus, als wäre nichts gebrochen. "Haben Sie Schmerzen? Sie sehen etwas blass um die Nase aus." "Die Wunde brennt furchtbar", erwiderte Tanner und versuchte dabei so ruhig wie nur möglich zu klingen, obgleich ein wenig Ungeduld in ihm aufzusteigen begann. "Außerdem ist mir schlecht." Nesta hatte das Büro bis zu diesem Moment nicht verlassen, sie wollte ihrer Kollegin nicht im Weg stehen oder den Eindruck erwecken, dass sie sie kontrollieren wollte. Doch jetzt trat sie auf die beiden zu und grüßte Tanner freundlich nickend. Sie wusste, dass er Counselor war und sie unterstützen sollte. Doch sehr bald würde sie ihn darüber informieren müssen, dass er die Last der Verantwortung allzu bald allein auf den Schultern tragen musste. Sie trat an den Replikator und kam wenig später mit einem Glas Wasser zurück. "Möchten Sie etwas trinken, Lieutenant?", fragte sie ihn. "Ich werde ihnen ein Schmerzmittel verabreichen und auch etwas gegen die Übelkeit.", antwortete Shyla. "Das Wasser ist dabei bestimmt auch hilfreich, danke sehr.", wandte sie sich an die Counselor, die das Behandlungszimmer betreten hatte. Dann verabreichte sie Tanner die Medikamente. "Die Medikamente werden gleich wirken. Dann kann ich ihren Arm behandeln. Gebrochen ist nichts, sie haben Glück gehabt. Die Wunde ist nur oberflächlich." Nesta nickte und lächelte ihrem Stellvertreter aufmunternd zu, bevor sie sich zurückzog, um sich um einen Transport nach Betazed zu kümmern. Sie ging zuvor noch einmal zu ihrem Mann und strich ihm zärtlich durch das Haar. 'Bald sind wir wieder Zuhause, Liebling', dachte sie und hauchte ihm einen Kuss auf die Stirn. Schließlich verließ sie die Krankenstation und machte sich auf den Weg in ihr Quartier. Tanner nickte, als Zeichen, dass er verstanden hatte und sah dem Doktor bei seinen Vorbereitungen zu. Dann begannen die Medikamente schließlich zu wirken und mit einem Schlag fühlte er sich ziemlich schwach und an seinen Gliedern schienen Betonklötze zu hängen. "Das haut ja sogar den stärksten Klingonen um.", meinte er trocken und schüttelte den Kopf. Gott, wie sehr er Besuche auf der Krankenstation hasste! Etwas verwundert sah Shyla ihren Patienten an. "Das war eigentlich nur ein sehr schwaches Schmerzmittel. Ist Ihnen bekannt, dass sie an einer Medikamenten-Unverträglichkeit oder ähnlichem leiden?", fragte sie. Schnell rief sie die Krankenakte Tanners auf, doch dort stand nichts vermerkt. Noch während sie auf eine Antwort wartete, stellte sie das Hypospray auf ein leichtes Gegenmedikament ein, dass die offenbar zu starke Wirkung des Schmerzmittels wieder teilweise aufheben sollte. Tanner schüttelte den Kopf und zuckte gleichzeitig mit den Schultern. "Nicht, dass ich wüsste", erwiderte er. "Ich habe bisher alle Medikamente, die ich bekommen habe, gut vertragen... Nicht, dass ich bisher sehr viele bekommen hätte..." "Dann werde ich Ihnen nun ein Mittel verabreichen, dass die Wirkung des Schmerzmittels etwas heruntersetzen sollte.", sagte sie und injizierte dem Counselor erneut ein Medikament. "Ich werde diesbezüglich einen Eintrag in ihrer Krankenakte vornehmen, damit so etwas nicht noch einmal vorkommt." sagte sie und tippte den Vermerk schnell in den Computer ein. "Wie geht es Ihnen jetzt?", fragte sie nach einem Moment. Tanner schüttelte den Kopf und zuckte gleichzeitig mit den Schultern. "Nicht das ich wüsste", erwiderte er. "Ich habe bisher alle Medikamente, die ich bekommen habe, gut vertragen... Nicht, das ich bisher sehr viele bekommen hätte..." Da es dem Counselor nun besser ging, konnte Shyla damit beginnen, den verletzen Arm zu behandeln. Schnell konnte sie das verletze Gewebe regenerieren und schon nach kurzer Zeit war von der Verletzung nichts mehr zu sehen. Mit der Anweisung, sich für den Rest des Tages zu schonen und sich zu melden, sobald er Schmerzen verspürte, entließ Shyla Tanner. --- Maschinenraum, 10:40 McKilian wollte mit der Chefin selbst sprechen. Sie kannte ihre Leute am besten und wusste wer am ehesten geeignet war, einen ehrenwerten Gast an Bord zu holen. Als sie die junge Frau mit der auffallenden Frisur entdeckte, trat sie lächelnd auf sie zu und sprach sie an. "Guten Morgen, Lieutenant. Wir erwarten um zwölf Uhr einen wichtigen Gast in Transporterraum 1. Wen können Sie für diesen ungewöhnlichen Umstand empfehlen?" Leise, fast flüsternd fügte sie hinzu: "Es ist ein cardassianischer Gul." Aliyas Laune hatte sich in der letzten Stunde nicht wirklich gebessert. Seufzend und fast ein wenig deprimiert war sie ihrer Arbeit nachgegangen. Das arme Schiff - es hatte doch keinem was getan. Wer wusste schon, was die Cardassianer damit anstellen würden... Gerade als sie sich entschlossen hatte, sich zu einem großen Schokoladeneisbecher ins Casino abzusetzen, trat McKilian ein. Nachdem McKilian geendet hatte überlegte Aliya einen Moment und lies sich anzeigen wer Dienst hatte "Tal Anah...sie ist Bajoranerin... Ich kenne sie noch nicht gut genug um zu sagen, ob sie damit klar kommt.", überlegte sie. "Wenn sie möchten, kann ich das auch übernehmen.", schlug sie vor und wartete auf eine Reaktion. Jacky lächelte strahlend und erwiderte: "Perfekt! Ich hatte gehofft, dass Sie so entscheiden würden. Danke Lieutenant! Der Name unseres Gastes ist Telmar, Gul Telmar." McKilian berührte Aliya sachte am Arm, lächelte sie noch einmal dankbar an und wandte sich schließlich dem Ausgang zu. "OK... dann bin ich kurz vor 12 im Transporterraum, Commander." nickte sie, schüttelte innerlich aber ein wenig den Kopf. Eigentlich hätte sie ihr auch gleich sagen können, was ihr Wunsch war... aber naja. Vielleicht wollte McKilian ihr damit auch nur die Chance geben, es anders zu machen ohne ablehnen zu müssen... Ihre jetzt doch etwas chaotischen Gedankengänge schob sie beiseite, um sich jetzt wirklich einen Schokoladeneisbecher zu gönnen. Dann war sie sicher wieder fröhlicher! Und bis 12 hatte sie auch noch genügend Zeit. --- Büro des CSO, etwas später Nun stand McKilian vor der Tür zum Büro des Sicherheitschefs, läutete und trat ein. "Guten Morgen, Commander Reszko. Commander Yates bat mich, Sie über ein Essen mit Gul Telmar zu informieren. Er wünscht unser beider Anwesenheit bei diesem Essen, und bitte schicken Sie einen ihrer Sicherheitsoffiziere in Transporterraum 1, dort wird der Gul um zwölf Uhr erwartet.", sagte sie und lächelte den Mann freundlich an. Nach etwa einer Stunde waren noch keine sachdienlichen Hinweise gefunden worden, als die 2O eintrat und Shakkle informierte, dass ein Essen stattfinden sollte. 'Muss das sein?', dachte er und blickte leicht gequält drein, als er sagte: "Ich werde Ensign Loraya hinschicken. Wegen des Essens... ich hoffe keine Galauniform, oder?" "Machen Sie nicht so ein Gesicht, Commander. Es ist doch nur ein Essen." Jacklyn lachte leise. "Und erwähnen Sie die Galauniform nicht, sonst hört Sie noch jemand." Die Schottin schaute sich gespielt besorgt um, bevor sie ernst hinzufügte: "Es ist ein eher zwangloses Essen, denke ich. Commander Yates möchte uns nur dabei haben." McKilian machte eine kleine Pause und meinte: "Sie erwähnten vorhin Ensign Loraya, ist sie - hm - wie drücke ich es am besten aus? Sie hätten Sie nicht in Erwägung gezogen, wenn sie nicht geeignet wäre, aber ich würde schon gern wissen, warum Sie Loraya damit beauftragen wollen. Soweit ich weiß, ist sie erst seit gestern an Bord. Kennen Sie sie schon so gut? Ich möchte Ihre Kompetenz nicht in Frage stellen, Commander Reszko, ich frage aus reiner Neugier." Wieder lächelte Jacky, während sie sich lässig mit ihrem wohlgeformten Po gegen den Stuhlrücken lehnte. Shakkle atmete unauffällig auf, er hasste die offiziellen und steifen Empfänge. Doch dann fiel ihm auf, dass sie wahrscheinlich in einen mit Fenstern versehenen Raum sitzen würden. 'Ich muss mich im Griff haben...', dachte er und sah wie sich die 2O gemütlich machte. "Wieso Ensign Loraya? Nun ich will sehen, wie sie auf den Cardassianer reagiert und er auf sie. Ich hatte mich mit der Akte des Guls, die uns zu Verfügung steht, beschäftigt. Ist nicht viel drin außer, dass er bereits früher mit unserem Captain zu tun hatte und dass er verschlagen ist und psychologische Spielchen liebt. Die Ensign hatte bereits mit Cardassianern auf der Starbase zu tun, also dürfte sie keine Berührungsängste oder gar negative Empfindungen ihm gegenüber haben. Sie dürfte stark genug sein, seinem 'Charme' zu widerstehen, aber auch selbstbewusst genug, sich ihm auf gebührende Weise zu widersetzen. Zumindest hoffe ich das...", meinte der CoS und dachte: '...oder sie wirft ihn in eine Arrestzelle.' --- Casino, 10:50 An der Bar bestellte sich Aliya einen großen Schokoeisbecher - nur Schokoladeneis, 4 Kugeln, ein bisschen süße Sahne und Schokoladensoße drüber. Sie setzte sich an einen Fensterplatz und begann genüßlich sich das Eis auf der Zunge zergehen zu lassen. --- Transporterraum 1, 11:56 Ihr Magen knurrte schon wieder. Sheila spürte, wie sie allmählich reizbar wurde. Gleich, gleich war Mittag und dann würde sie ihrem knurrenden Magen geben, wonach ihm verlangte. Doch zuerst würde sie den Gast in Empfang nehmen. Sie war enttäuscht, dass sie Commander Yates heute noch nicht über den Weg gelaufen war. Würde sich vielleicht gleich eine Gelegenheit ergeben? Ihn wenigstens sehen können. Vielleicht konnte sie ihm ein Lächeln schenken. Nur ein kleines. Sheila war gerade allein im Transporterraum, aber sie wusste, dass Aliya selbst den Transportvorgang überwachen würde. War vielleicht auch besser so, denn immerhin erwarteten sie einen cardassianischen Gul. Was mochte der nur hier wollen? Die Türen zischten und kündigten einen Ankömmling an. Sheila dreht sich freundlich lächelnd um. Aliya fühlte sich nach den großen Schokoladeneis wieder richtig... shiny. Ja das war das passende Wort. Wenn sie es sich richtig überlegte, war das irgendwie ihr Lieblingswort. Es war so... shiny eben. Es strahlte für sie irgendwie dieses Rundum-Wohlfühl-Paket aus. Nach ihrem Eis war sie wieder im Maschinenraum gewesen und hatte nachgesehen, wie es Shiny ging - diesmal das Objekt und nicht das Gefühl. Sie stockte kurz in ihren Gedanken - ja manchmal konnte sie nachvollziehen, dass sie andere verwirrte. Ihr Schmunzeln wurde breiter. Der Warpkern schnurrte wie ein kleines Kätzchen und leuchtete blau wie eh und je. Und dann war es Zeit gewesen, in den Maschinenraum zu gehen, den sie in diesem Moment fröhlich betrat "Oh, hallo.", begrüßte sie Sheila lächelnd "Sie gehören auch zum 'Begrüßungskomitee'?" scherzte sie. Schade, es war nicht der Commander, aber es war Aliya, daher wurde ihr Lächeln breiter, als sie sagte: "Ja, so könnte man es nennen. Ich frage mich, ob ich wegen meines Äußeren oder wegen meiner Kampftechniken hier bin." Sie fuchtelte wild mir ihren Armen und Händen und gab einen leisen Schrei von sich, dann lachte sie und ließ die Chefingenieurin an die Konsole treten. Ihr Magen grummelte schon wieder und um sich zu beschäftigen zupfte Sheila ihre Uniform wieder zurecht. Gerade in diesem Moment ging die Tür auf und der Mann ihrer Träume betrat den Raum. --- Brücke, 11:58 Anna wechselte durch die Anzeigen ihrer Konsole - alles im grünen Bereich, Routine wie sie im Buche stand. Vorhin hatte sich noch den 'Transport' des Söldnerschiffes überwacht. Die Sensoren hatten nichts besonderes entdecken können, die Energieversorgung des Traktorstrahls war stabil gewesen, aber was hätte auch passieren sollen, schließlich war es nur ein Haufen Schrott, der im Weltraum trieb und herumbugsiert wurde. In ihrem Innern sah es nicht ganz so rosig aus. Als sie den Cardassianer zum ersten Mal auf dem Schirm der Notbrücke gesehen hatte, fuhr ihr Magen schon Achterbahn, die Nachricht, dass er als Verbindungsoffizier an Bord kommen könnte, war ein Faustschlag in die Magengrube. 'Du bist ein Starfleet-Offizier!', hatte sie sich zur Ordnung gerufen. 'Ein Starfleet-Offizier verliert nie die Fassung, er tut seine Pflicht, sie hat Priorität vor seinen Gefühlen und Antipathien.' Sie hatte sich schnell genug wieder im Griff, bevor sie bemerkte, dass sie mit dieser Einstellung mehr mit einem Cardassianer gemein hatte, als ihr lieb war. Und wegen dieser Einstellung ließ sie nun auch die Sensoren auf Hochtouren laufen, damit nichts und niemand die sichere Ankunft ihres Gastes gefährden konnte. Außerdem hatte sie das Gefühl, sie sollte das cardassianische Schiff lieber nicht aus den Augen lassen. In ein paar Minuten würde ihr Gast da sein, dann konnte sie sich ganz dem Schiff widmen. --- CIS Liato, Transporterraum, 11:59 Aus einer Partie Strabota wurden insgesamt 5 von denen Mujata zwei und Telmar drei gewonnen hatte. Telmar hätte es zwar nie offen ausgesprochen, aber Mujata hatte über die Jahre sehr viel in Strabota dazugelernt und die dritte Partie auch nur knapp verloren, was wohl auch nur daran gelegen hatte, dass Telmar 2 Jahrzehnte mehr stellare Strategieerfahrung hatte. Das Ziel eines Meisters war es, dass sein Schüler ihm ebenbürtig oder besser wurde. Telmar befand, dass er dies mit Mujata erreicht hatte. Sterne wurden geboren lebten und starben. Der Gul kam ins Grübeln. Mujatas Stern war nun geboren und strebte auf, doch wo stand Telmars? ...Nun, selbst wenn es in einigen Jahren an der Zeit sein würde sich zurückzuziehen und anderen den Vorzug zu lassen, würde Cardassia bei Mujata in guten Händen sein. Telmar betrat in Begleitung seines Weggefährten den Transporterraum. "Sie wissen, was zu tun ist, Gul Mujata.", wiederholte er nochmals seine Anweisungen. "Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Gefangenen das sagen, was wir wissen wollen. Nie..." "... die Geduld verlieren.", vervollständigte der junge Gul Telmars Satz. "Eine Tugend, die ich über Jahre von Ihnen erlernt habe. Ich werde Sie informieren, Telmar, und warte auf Ihre Anweisungen." Die beiden Cardassianer griffen sich wie unter Soldaten üblich an den Unterarmen: "Freier Flug und Verderben den Feinden Cardassias, Gul Mujata!" "Ihnen ebenso Gul Telmar." Mit einem Nicken wandte sich Telmar ab und betrat die Transporterplattform. "Energie!" --- Victory, Transporterraum, 12:00 Aus den wenigen Sekunden Schlaf und dem Nachdenken während dem Füßehochlegen war ein bisschen viel geworden. James hatte sich hetzen müssen, um Uniform und Haare hinzubekommen und den Transporterraum rechtzeitig zu erreichen. Aber kurz vor 12 war er dann doch da und wie erhofft war noch kein Cardassianer da. Wahrscheinlich würde er sich der menschlichen Tugend der Pünktlichkeit annehmen und demnach um Punkt 12 wie geladen eintreffen. Neben Lieutenant Aliya Riddick, welche den Transportvorgang überwachte, war auch Ensign Sheila Loraya anwesend. Damit hatte er nicht gerechnet und Ihr Anblick ließ ihm ein Lächeln über die Lippen huschen und für Sekunden die Gedanken in ganze andere Richtungen abweichen. Doch er fasste sich schnell wieder. "Lieutenant Riddick, beim Transport der übliche Scan nach bekannten Waffen. Ich gehe zwar nicht davon aus, dass er welche trägt, aber gehen wir auf Nummer Sicher." Dann schaute er zur Plattform und wartete darauf, dass der Transport begann, als der digitale Chronometer auf 12:00:00 umsprang. Aliya nickte leicht "Ich werde drauf achten." richtete sie ihren Blick nun auf die Konsole. Der Scan während des Transportes zeigte nichts ungewöhnliches. In Sekundenbruchteilen fand sich Telmar auf der Victory wieder und blickte sich um. 'Immer noch das alte Luxusdesign.', dachte er und trat dann einen Schritt vor: "Gul Telmar von der Cardassianischen Union bittet um Erlaubnis an Bord kommen zu dürfen." Nachdem Telmar die Stufe von der Plattform heruntergekommen war, ging Yates, der neben Loraya gestanden hatte, einen Schritt auf den Cardassianer zu und gab ihm die Hand, wobei er darauf achtete, die Hand fest zu ergreifen und leicht zu seinem eigenen Körper zu ziehen. Der erste Eindruck sollte von ihm sicher kein weicher sein. "Gul Telmar, herzlich Willkommen an Bord der USS Victory. Ich hoffe Sie werden Ihren Aufenthalt genießen können." Nachdem sich der Händedruck wieder gelöst hatte, drehte Yates sich leicht, um den Weg zum Ausgang frei zu machen. "Ich habe einen kleinen zwanglosen Lunch anrichten lassen, damit wir uns etwas kennenlernen können und ein wenig sprechen können über die Dinge, die auf uns zukommen und uns interessieren." Während Yates den Gul aus dem Transporterraum führte, folgte Loraya ihnen unauffällig. Auf der Akademie hatte Yates gelernt, nicht zu viele Personen vorzustellen. Einem Mann wie Telmar brachte dies die Möglichkeit, sich Namen zu merken und das später zu verwenden. Sie betraten den Turbolift. Das war also Gul Telmar. Sie musterte ihn einen kurzen Augenblick um sich sein Gesicht zu merken - obwohl ein Cardassianer auf einem Föderationsschiff wohl keiner war, den man mit jemand anderem verwechselte. Aber es war eine Gewohnheit von Aliya. Yates verließ mit dem Rest nun den Transporterraum und Aliya blieb allein zurück. 'Das war's?', war ihre erste Reaktion, die zweite ein Schulterzucken, 'Nette Abwechslung.', die dritte. Aliya überlies Tal Anah wieder den Transporterraum. Mal sehen ob es nicht etwas interessantes zu tun gab. --- Turbolift, 12:05 Er stand neben ihr, sie bräuchte nur ihre Hand ein wenig... nur ein ganz klein wenig... Nein! Besser nicht. 'Reiß dich doch zusammen, Sheila!', rief sie sich stumm zur Ordnung. Oh wie sie es hasste, innerlich so zerrissen zu sein. Also blieb sie reglos stehen und überließ es Commander Yates den Gast zu begrüßen. Ensign Loraya indes musterte den Gul prüfend, dann warf sie Aliya einen Blick zu und als diese ihr ohne Worte zu verstehen gab, dass er unbewaffnet war, bildete sie auf dem Weg zum Lift das Schlusslicht. Unterwegs hörte sie die Worte des Ersten Offiziers und allein bei dem Wort 'Lunch' zog sich ihr Magen schmerzhaft zusammen. Musste sie etwa die ganze Zeit dabei bleiben und ihnen beim Essen zusehen? 'Oh, bitte nicht!', flehte Sheila stumm. Um sich abzulenken ließ sie ihren Blick über James' Gestalt gleiten und sie bemerkte erneut seinen ansehnlichen verlängerten Rücken. 'Zum Anbeißen!', dachte sie und um ihre Lippen spielte wieder dieses rätselhafte Lächeln. 'Denk doch nicht schon wieder daran!', schimpfte ihre innere Stimme mit ihr und widerwillig betrachtete sie den Gul. Der war weniger zum Anbeißen geeignet. Er war höflich und unterhielt sich mit Yates, aber wie beinahe jeder Cardassianer, den sie kannte, verfolgte er allein seine eigenen Ziele. Es war fraglich, ob diese sich mit denen Yates deckten. "Ich freue mich stets auf gutes Essen bei einem guten Gespräch, Commander" erwiderte der Gul freundlich, "Es ist schade, dass der Captain nicht teilnehmen kann. Es hätte mich sehr interessiert, was er seit unserer ersten Begegnung so alles getan hat. Sie verließen den Turbolift "Da Sie nichts von meiner Ankunft wussten, nehme ich an, dass Sie auch nicht allzu viel wissen, was die Victory in cardassianischem Territorium machen soll?" --- Brücke, 12:05 Braun-orange und kantig wie ein rostiger Eisenbarren hing es dort draußen. Ließ zyklisch einen aktiven Scan über die Victory streifen, nichts besonderes, nur in Annas Phantasie hinterließ er staubige Schlieren auf dem makellosen Glanz der Victory. Ab und an beobachtete sie, wie kleinere Partikel, eher stellare Staubkörnchen, am Deflektor der Liato abprallten oder wie sich die Wärmeabstrahlung der Triebwerke mit jeder Minute des Stillstands verringerte. Und weiter zur nächsten Ansicht... Dieser Detailversessenheit verdankte Anna ihre nächste Beobachtung. Nichts besonderes, nichts wichtiges, erst recht nichts gefährliches. Sie betrachtete gerade das Muster der Interferenzen, die sich unweigerlich in jeder Schildkonfiguration bildeten, auch wenn sie nur auf Minimalbetrieb lief, um die Hülle vor Beschädigung durch Teilcheneinschlag zu schützen. Anna hatte sich die Werte in verschiedener Form anzeigen lassen, und jetzt, als sie die Frequenzen räumlich projizierte, ergab sich ein Muster, das ihr entfernt bekannt vorkam. Die Abstände der Peaks, ihre Anordnung, ließen sie plötzlich an eine Melodie denken. Bruchstücke einer Melodie, die sie aus Kindertagen kannte. Anna schüttelte den Kopf. Ihre Phantasie spielte ihr heute wohl Streiche. Sie startete eine Aufzeichnung und wandte sich dann wieder weniger detaillierten Anzeigen zu. Die Daten würde sie in ihrer Freizeit noch einmal anschauen, vielleicht fand sie ja heraus, wie das Kinderlied weiterging. Es stellte sich nur eine Frage: Vor oder nach dem Abendessen mit Lexi? Hätte sich jemand der Brückenbesatzung zu ihr gedreht, wäre ihm bestimmt aufgefallen, wie sich ein Lächeln auf Annas Gesicht ausbreitete. --- Korridore Wie James bereits angenommen hatte, kannten sich der Cardassianer und der Captain. Dennoch hatte er sich entschieden, über den Gesundheitszustand vorerst still zu schweigen, auch wenn die nächste Äußerung über die Befehle das komplizierter machte. In der Tat hatte er keine Ahnung von den exakten Aufgaben der Victory in diesem Gebiet. "Das Oberkommando ist über den zeitweisen Ausfall des Captains informiert und wird mir in Kürze detaillierte Befehle zukommen lassen. Sofern der Captain bereits Befehle erhalten haben sollte, so hat er diese bisher für sich behalten. Bis ich über das Kommando unterrichtet werde, bin ich allerdings gerne bereit mir anzuhören, was die Victory Ihrer Meinung für Aufgaben hat und selbstverständlich, welche Rolle Sie dabei spielen." --- Deck 3, Konferenzraum Die beiden erreichten den Konferenzraum auf Deck 3 den James Herold hatte herrichten lassen. Der Commander trat einen Schritt zur Seite um Gul Telmar zuerst eintreten zu lassen. Beim Auseinandergleiten der Türen erkannte er Reszko und McKilian in dem Raum stehend und wartend. Vier Plätze waren gedeckt und so wendete er sich an Ensign Loraya, die ihnen in Abstand gefolgt war. "Danke Ensign, es ist nicht erforderlich, dass Sie uns weiter beiwohnen." Er warf ihr noch ein lächelndes Nicken zu und betrat nach dem Cardassianer den Raum. "Ich darf vorstellen. Gul Glio Telmar. Lieutenant Commander Shakkle Reszko, Chef der Sicherheit der USS Victory und Lieutenant Commander Jacklyn McKilian, die zweite Offizierin." Er bat die Anwesenden mit einer Geste, sich zu setzen. --- Korridor und Lift auf dem Weg zur Messe Irgendwie wusste sie nicht ob sie erleichtert oder enttäuscht sein sollte. Sheila wäre gern noch länger in James' Nähe geblieben, trotz ihres Hungers. Sie hätte ihn gern noch eine Weile angesehen und ihn im Stillen bewundert. Sicher, sie hatte ihn die ganze Zeit vor Augen gehabt, mehr von hinten, aber auch diese Seite war ihrer Meinung nach sehenswert und sie hatte es insgeheim genossen ihn beobachten zu können. Sein Gast war ihr jedoch eher unsympathisch. Aalglatt und undurchsichtig. Er redete viel und sagte nichts. Eigentlich typisch für einen Cardassianer in seiner Position, wie Sheila wusste. Auf ihrer Starbase waren immer mal Cardassianer aufgekreuzt und sie hatte das ein oder andere Mal eine Unterhaltung mit ihnen geführt. Sie konnten sehr charmant sein, wenn sie wollten, beziehungsweise wenn es ihnen nutzte. Ensign Loraya hatte vorhin nur einen kurzen Blick in seine Augen werfen können, aber das hatte ihr gereicht, um ihm gegenüber vorsichtig, ja misstrauisch, zu sein. Auf dem Weg zurück zum Lift, der sie nach Deck 3 bringen sollte, grübelte sie darüber nach, was es wohl wirklich mit dem Besuch dieses Mannes auf sich haben mochte. Einen kleinen Moment verspürte sie Sorge um das Wohlergehen des Ersten Offiziers, aber dann besann sie sich darauf, dass er den Rang eines Commanders wohl kaum bekommen hätte, wenn er mit solchen Situationen nicht klar kommen würde. Im Lift schüttelte sie dieses beklemmende Gefühl gänzlich ab und aktivierte ihren Kommunikator. "Loraya an Lieutenant Howard. Ma'am, ich habe unseren Gast zum Konferenzraum geleitet und wurde vom Commander entlassen. Ich mache jetzt Mittag, wenn Sie einverstanden sind, heißt das natürlich", sagte sie und schon begann ihr Magen wieder zu knurren. 'Bitte, sag jetzt nicht, ich soll in die Zentrale kommen, ich bin am Verhungern!', betete sie stumm und schaute gequält und flehend an die Decke des Lifts. --- Brücke, 12:07 Nachdem sowohl Yates, als auch McKilian die Brücke verlassen hatten, hatte Rachel zeitweilig das Kommando dort übernommen. So saß sie nun im 'Chefsessel' und warf per Anzeigen in der Armlehne unter anderem auch auf 'ihre' taktische Station ein Auge, als Ensign Loraya sie rief. Mittagessen... um kurz nach zwölf? Rachel hatte bis etwa Viertel vor Neun diesen Morgen gefrühstückt und verspürte derzeit noch keinen nennenswerten Hunger. Also warum hatte diese kleine, schlanke Spanierin jetzt schon wieder welchen? Mit gerunzelter Stirn setzte sie zu einer Antwort an. "In Ordnung, Ensign. Wenn sie mit Essen fertig sind, melden sie sich bitte bei mir auf der Brücke. Howard Ende." Wenn Rachel weiter darüber nachdachte, wäre sie eigentlich schon ganz gerne mit in die Messe gegangen. Jedoch weniger aus Hunger, als viel mehr aus Lust auf eine gute Unterhaltung. Ensign Loraya war ihr sympathisch und machte ihr einen durchaus fähigen Eindruck. Gegen den Messe-Besuch sprach jedoch die derzeitige Situation... Der Captain lag noch immer bewusstlos auf der Krankenstation, der Commander, sowie McKilian und Reszko befanden sich mit dem Cardassianer beim Mittagessen. Zwar hatte die Victory noch einige Offiziere übrig, doch fühlte sich Rachel im Moment einfach verantwortlich. Und Essen konnte sie auch noch, wenn der Commander zurück auf der Brücke war. So schnell würde sie wohl nicht verhungern. --- Casino, 12:10 'Ah, mein Gebet wurde erhört!' Ensign Loraya hatte gerade noch ein "In Ordnung, Ma'am!" aussprechen können, als Lieutenant Howard die Verbindung schon unterbrochen hatte. Erleichtert legte sie also die letzten Schritte zum Casino zurück und replizierte sich dort ein leckeres Mittagessen, bestehend aus einem deftigen Gemüse-Kartoffel-Auflauf, dick überbacken mit Käse und einer Flasche Wasser. Das trug sie auf einem Tablett zu einem Platz am Fenster, wo sie sich hinsetzte und das fantastisch duftende Gericht zu essen begann. --- Deck 3, Konferenzraum Als sie den Konferenzraum in dem das Essen stattfinden sollte, erreichten, stöhnte Shakkle in Gedanken. Der Raum hatte eine wundervolle Aussicht und er war sich sicher, dass er sich den Sitzplatz nicht aussuchen konnte... Er behielt leider Recht. Nach dem der XO und der cardassianische Gast eingetroffen waren, wurde noch schnell vorgestellt und schon hatte er den Fensterplatz gezogen. Er versteifte sich unmerklich und versuchte nicht daran zu denken, dass hinter ihm der All in voller Pracht zu sehen war. Shakkle verfolgte schweigend das Gespräch, während er die ganze Zeit über mit dem Gefühl zu fallen kämpfte und gleichzeitig sich bemühte, dass seine Verkrampftheit den anderen nicht auffiel. Yates hatte sich offenkundig über Telmar informiert. Es war dem Cardassianer nicht möglich, nicht zu bemerken, wie sich der erste Offizier in all seinen Worten vorsichtig und zurückhaltend gegenüber ihm verhielt. Nun, Yates würde nicht ewig die Maske tragen können. Irgendwann würde sie, wie bei jedem, einmal verrücken und Telmar war geduldig genug, um darauf zu warten. Solange würde er jedoch das Essen und den lockeren Plausch genießen. Mit einem Nicken setzte sich der Gul direkt gegenüber von Yates und legte sich die Serviette über den Schoß. "Nun, Commander, jedes Kommando hat seine eigene Form der Befehlformulierung und Darstellung und selbst die langweiligsten Aufträge werden immer so beschrieben, dass sie nach außen interessant wirken und man nur zwischen den Zeilen erkennt, was sie wirklich beinhalten. Um es banal auszudrücken: die Föderation möchte durch den neuen Frieden mit Cardassia auch das bisher für Sie als tabu geltende Grenzgebiet zur Cardassianischen Union und Systeme innerhalb der Union beziehungsweise dahinter erkunden. Unsere beiden Regierungen haben dies vereinbart und Sie wurden hierher geschickt. Und ich, da ich DeChâteau schon kannte und mein Schiff, die Jakromey, von ihrem letzten Einsatz noch einen längeren Wartungszyklus hinter sich bringen muss, soll den...wie sagen Sie ...Touristenführer für Sie spielen." Alle hatten sich gesetzt und James fragte sich, für wie dumm der Cardassianer ihn wohl hielt, oder für wie gut er sich selber hielt. Die Akte, welche er sich im Quartier angesehen hatte wimmelte nur so von Anspielungen auf sein Gespür und Geschick bei Gesprächen und Verhandlungen und selbstverständlich wurden seine Verhörpraktiken dabei nicht unerwähnt gelassen. James war dabei keineswegs so überheblich zu denken, dass er einem so erfahrenen Offizier lange Zeit etwas vormachen würde können, aber dennoch würde er ihn die erste Zeit auf Abstand halten und ihm möglichst wenig Angriffsfläche geben, in der Hoffnung, dass der Captain wieder gesund wurde oder Telmar das Interesse an ihm verlieren würde. Die Getränke wurden gebracht, Gläser gefüllt und ein erster Gang aus Salat mit Pute kam herein. Das Essen würde zwar über 3 Gänge gehen, war aber dennoch an die sportlich-schlanke Ernährung Yates' angepasst und keineswegs zu üppig und belastend. "Es ist immer gut jemanden an Bord zu haben, der sich in den Gebieten auskennt, in die man fliegt. Die Victory gehört zu den aktuellsten Schiffen der Flotte und wird die Aufgaben der Kartographierung sicherlich hinreichend ausführen. Ich hoffe Sie werden Ihren Aufenthalt an Bord genießen." Er trank einen Schluck und nahm etwas von dem Essen vor sich. "Wenn Sie sich hier gut auskennen, nehme ich an, dass Sie bereits in der Vergangenheit... beruflich... in dieser Region unterwegs waren.". begann er ein Gespräch. Telmar kostete den Salat, der durchaus seinen cardassianischen Geschmacksnerven mundete. "Nun, um genau zu sein, kenne ich diesen und die umliegenden 20 Sektoren wahrscheinlich besser, als die Zimmer meines eigenen Hauses." Er kostete etwas von dem gereichten Weißwein. "Hmm...vorzüglich. Ich denke Sie werden sich das, was die Föderation über meinem Lebenslauf weiß, durchgesehen haben. Ich habe gut 3/4 meines Dienstes für Cardassia hier im Grenzland zur Föderation verbracht - weshalb ich auch meine Geburtsort Sanoja dauerhaft verließ und mich mit meiner Familie auf New Cardassia im Banit-System niederließ. Wenn ich einmal Zeit für meine Familie habe, möchte ich nicht noch 2 Wochen hinfliegen müssen, um Sie zu sehen. Ich habe den Krieg mit der Föderation hier erlebt, die nervtötenden Geplänkel mit dem Marquis und den Dominionkrieg miterlebt. Letzerer hat mir einige interessante Begegnungen mit der Sternenflotte beziehungsweise ihren weiblichen Offizieren, sowie gewissen Spezies, die sich nicht untereinander einig sind, beschert." Einen Augenblick lang sah man in der Mimik des Cardassianers Bedauern. "Wenn ich mir überlege, wieviel Zeit mir dabei mit meiner Frau und meinen Kindern verloren ging. Als mein Sohn Noja alt genug war, endlich die Bergtouren mitzumachen, die ich sonst mit meinen Kindern pflegte, war gerade der Krieg ausgebrochen. Erst nach den Kriegsjahren habe ich endlich Zeit gefunden, mit ihm das nachzuholen. Er war damals bereits 14. Meine älteste Tochter Asuno war 16 als der Krieg ausbrach und war verliebt in einen jungen Mann - 18 oder 19 Jahre alt. Da er Soldat war, wollte ich ihn auf die Jakromey holen. Leider überlebte er den Angriff Ihrer 6. Flotte auf den Medak-Sektor nicht." Er stach ein Salatblatt auf die Gabel und führte es zum Mund. "Um sein Volk zu schützen müssen Opfer gebracht werden...meine Tochter aber in so tiefer Trauer zu sehen, hat mir schier das Herz gebrochen." Die einzige Frau in diesem Raum hatte bisher schweigend das Gespräch verfolgt und schaute den cardassianischen Gast mitfühlend an. Ihr Mitgefühl war jedoch nicht ganz echt. Natürlich wusste sie, was es bedeutete gerade die zu verletzen, die man am meisten liebt, aber sie nahm Telmar seine Äußerung nicht ab. Jacky verstand sich aber darauf, ihre wahren Gefühle tief, ganz tief, in sich zu verbergen, damit ihr niemand zu nahe kommen konnte. Sie hatte ihre Mimik voll im Griff und spielte nun die mitfühlende, sanfte, alles verstehende Frau. "Jeder Krieg hinterlässt schmerzhafte Wunden, es ist grausam, dass immer die Unschuldigen darunter leiden müssen.", sagte sie in einem Ton, der keinen Zweifel daran ließ, dass sie tiefes Mitgefühl für Telmar empfand. "Ist Ihre Tochter denn über diesen schweren Verlust hinweg gekommen, Gul Telmar? Sie gibt doch nicht etwa Ihnen die Schuld?" Jacky schaute ihn genau mit der richtigen Mischung aus Sorge und Unglaube an. Innerlich jedoch fragte sie sich, was er wirklich hier wollte. Telmar seufzte. "Nein, das nicht....Glücklicherweise. Meine Tochter wusste, was es bedeutet, einen Mann zu lieben, der für Cardassia lebte. Das hat ihr Ihre Mutter beigebracht. Aber es hat ein Jahr gedauert, bis ich wieder das lebensfrohe Mädchen zurück hatte, dass ich als meine Tochter kannte." Nachdem das Thema auf den Krieg kam und Telmar die persönliche Note mit ins Spiel gebracht hatte, stockte das Gespräch. McKilian brachte es fertig, ihr Bedauern auszudrücken über den Verlust, den seine Tochter erlitten hatte. Doch Yates lag es fern dies zu tun. So viele waren auf beiden Seiten gefallen. So viele Familien zerrissen und so unzählige Einzelschicksale, die man hätte würdigen müssen. Doch James hatte emotional für sich entschieden, dies nur zu tun, wenn es moralisch keine andere Möglichkeit gab. Er wollte keine Einzelschicksale bemitleiden - erst recht nicht bei dem ehemaligen Feind und McKilian hatte das Mindestmaß an Höflichkeit mit ihrem Bedauern erreicht. Ein weiteres Einsteigen war nicht weiter nötig. Ohne das Gespräch weiter fortzuführen oder aufzugreifen aß James weiter und beobachtete das Mienenspiel der anderen. Reszko schien ihm etwas ungewöhnlich. Vielleicht fühlte er sich wie der Commander selbst auch nicht ganz wohl mit diesem Cardassianer. Wie dem auch sei. James hatte sich bereits überlegt, wie der Cardassianer am besten in das Schiff einzugliedern sei und dafür war Reszko leider unausweichlich mit Telmar zu konfrontieren. Er hatte dafür weder Zeit noch Lust und McKilian wollte er nicht unnötig belasten. So wie er mit dem Ausfall des Captains kurzfristig überfordert sein dürfte, so würde auch McKilian unter erweiterten Aufgaben leiden. Beide hatten dienstlich also keine Zeit um auf den Gul aufzupassen und mit seiner Privatzeit hatte James ebenfalls eindeutig andere Dinge vor. Nachdem er seinen Teller geleert hatte, griff er das Gespräch also wieder auf, indem er gezielt Reszko ansprach: "Lt. Cmdr. Reszko, ich würde Sie bitten Gul Telmar in die Sicherheitsprozesse an Bord der Victory einzuweisen. Außerdem wird es wohl erforderlich sein - da der Gul längere Zeit an Bord bleiben wird - ihm die nötigen Freigabe für alle nicht kritischen Systeme und Schiffsbereiche zu geben." Er hatte 'nicht kritische' besonders betont um dem Gul zu zeigen, dass er an Bord willkommen war, aber keinerlei Möglichkeit bekommen würde, um an Daten zu gelangen die nicht ohnehin öffentlich waren. Dann ging sein Blick wieder zu Telmar. "In der Zwischenzeit wird Lt. Cmdr. McKilian sich darum kümmern, dass für Sie auf Deck 4 eines unserer VIP Quartiere bereit gestellt wird. Ich nehme an, Sie werden noch einmal kurz auf ihr Schiff zurück kehren, um einige Gegenstände oder Gepäck an Bord zu holen. Denn auch wenn ich noch keine definitiven Befehle und Order habe, so gehe ich doch schon jetzt davon aus, dass Sie einige Zeit an Bord bleiben werden. Sobald Sie wieder zurück sind und ihr Quartier eingerichtet haben, wird sich sicher jemand finden, der Ihnen das Schiff dann näher bringen wird, in Form einer kleinen Führung." Und dabei dachte James an irgend einen Crewman oder Ensign, der es vermutlich auch noch als besondere Ehrung auffassen würde, einen VIP Gast über das Schiff zu führen. Dabei diente das alles doch eigentlich nur dazu, möglichst viel Zeit und Raum zwischen sich und den Gast zu bekommen. Und seine Dienste als Verbindungsoffizier und 'Reiseführer' waren ohnehin erst von Nöten wenn wirkliche Operationen im Raum begonnen. Yates legte Besteck und Serviette auf den Teller und bemerkte, dass die anderen ebenfalls fertig mit Essen waren und seinem Beispiel folgten. Die Runde konnte also aufgelöst werden. "Was meine Sachen angeht, so habe ich bereits das nötigste im Transporterraum hinterlegt. Man wartet nur auf die Genehmigung, es herüber zu beamen.", sagte Telmar und tupfte sich mit der Serviette den Mund ab. "Und keine Sorge - hier auf diesem Schiff gibt es so gut wie nichts, was ich nicht schon vor meiner Ankunft hätte in Erfahrung bringen können - Regierungen kommen und gehen, Geheimdienste leben ewig. Nur ihre Namen ändern sich... Wie dem auch sei: Ich danke für das wohlschmeckende Dinner, Commander, und sprechen Sie Ihrem Koch meine Hochachtung aus." Jacklyn war ganz froh, dass der Sicherheitschef den Gul eine Zeit lang beschäftigte, so konnte sie in Ruhe überlegen, welches Quartier sie dem Mann zur Verfügung stellte. Sie schaute von einem Herrn zum anderen und sagte: "Wenn die Herren mich dann bitte entschuldigen wollen, ich muss mich um die Bleibe für unseren Gast kümmern." Sie lächelte freundlich in die Runde als sie sich erhob und ging hinaus. Als sie das Essen beendet hatten, sprach der XO, der derzeit das Kommando innehatte Shakkle an und teilte ihm mit, dass der CoS das Kindermädchen für den cardassianischen Gast spielen sollte. "Ja, Sir.", antwortete Shakkle widerspruchslos und dachte, dass dies wohl der Grund für die Einladung zum Essen war. Immerhin war Shakkle kein guter Unterhalter, er hörte lieber zu und behielt seine Meinung für sich. Trotzdem gefiel ihm die Idee, dass der Gul für längere Zeit bleiben sollte nicht, was noch durch dessen Hinweis auf den Geheimdienst bestärkt wurde. Als alle vom Tisch aufstanden, wendete sich Shakkle den Gast so höflich, wie es ein Soldat fertig brachte zu: "Gul, wünschen Sie jetzt Ihr Quartier aufzusuchen? Wir lassen Ihr Gepäck gleich hinschicken." 'Nicht jedoch vorher diesen genau zu scannen.', dachte er. "Danke, Mr. Reszko. Aber es wird reichen, mein Gepäck dort verstauen zu lassen." erwiderte Cardassianer, "Ich habe bereits auf der Liato sehr viel Zeit zum ausruhen gehabt und ich bin ein Mann der Aktivität. Daher wäre es mir lieber, wenn wir mit den notwendigen Einweisungen und dem Einführungsgang über das Schiff beginnen." Shakkle seufzte innerlich. 'Toll, jetzt darf ich mich vor ihm zum Trottel machen, in dem ich ihm das Schiff zeige, das er höchstwahrscheinlich genauso gut kennt wie ich.' --- Korridore, 12:40 "Wie Sie wünschen, Gul Telmar. Wir sollten Ihnen zuerst ein Kommunikator beim Versorgungsoffizier besorgen. Bitte folgen Sie mir. Was ihre Zugriffsrechte auf die Systeme angeht, erhalten sie bis auf weiteres nur die Ebene 1 Berechtigung. Sollte das HQ der Sternenflotte ihnen eine höhere Sicherheitsstufe einräumen, werde ich mich darum kümmern.", erklärte der CoS auf dem Weg aus dem Konferenzraum. "Mir ist das Sternenflottenprotokoll durchaus in diesem Punkt bekannt, Mr Reszko." erwiderte Telmar, "Waren Sie schon auf anderen Schiffen Sicherheitschef?" Shakkle blickte den cardassianischen Gul an, dachte: 'Was du nicht sagst...'und meinte, wobei er das Wort Schiff unbewusst vermied: "Sie sind sicher gut unterrichtet... Nein dies ist mein erster solcher Einsatz. Ich bin, war, Ausbilder auf der Akademie." Sie gingen dann schweigend weiter, beide wohl in eigenen Gedanken versunken. (c) Spielergemeinschaft des PbEM-RPGs USS Victory http://www.uss-victory.de