************************************************************************ * USS Victory * * Auswertung 03 / 28042006 * * 21052380 * * Söldner der Föderation? * ************************************************************************ --- Casino, 17:51 Nachdem sie einmal auf dem falschen Deck ausgestiegen und ein zweites Mal in einem Korridor falsch abgebogen waren, fanden sie schließlich das Casino und Tanner atmete erleichtert tief durch, als das Schott vor ihnen beiseite glitt und sie die Messe betraten. Es war noch nicht sehr viel los. 'Wahrscheinlich kommt der große Ansturm noch', dachte Tanner und drehte sich kurz zu Riddick um, um sich zu vergewissern, dass sie sich noch hinter ihm befand, bevor er dann zu einem der Replikatoren ging. "Was darf's sein, Ma'am?", wandte er sich an die Chefingenieurin und war bereit, ihre Bestellung dem Computer mitzuteilen. "Hmm...", überlegte Aliya und sah zur Decke. "Spaghetti Carbonara wären nicht schlecht.", entschied sie sich schließlich und sah sich um. "Es gibt sogar noch Fensterplätze!", freute sie sich. Tanner nickte. "Ich denke, das werde ich auch probieren.", stimmte er zu und sagte zum Replikator. "Zwei Teller Spaghetti Carbonara und dazu... zwei Raktajino." Der Computer bestätigte mit einem kurzen Piepen und gleich darauf erschien ihr Abendessen surrend und mit einem blauen Schimmern im Ausgabefach. Als das Tablett vollständig materialisiert war, nahm der junge Lieutenant es heraus und wandte sich um. Riddick hatte bereits einen Tisch ergattert und wartete auf ihn. "Spaghetti Cabonara für die Dame aus der Technik.", meinte Tanner lächelnd, als er Riddick ihren Teller vorsetzte und dann selbst Platz nahm. "Guten Appetit wünsche ich." "Danke..." lächelte Aliya und nahm sich den Teller. "Hmmm...", sog sie den Duft ein. "Das riecht schon so lecker...", genoß sie den Duft. "Woher kommen sie?", wollte Aliya wissen. Zum einen war sie neugierig und zum anderen wollte sie ein wenig Smalltalk führen. "Geboren wurde ich im kanadischen Vancouver.", antwortete Tanner und trank einen Schluck von seinem Raktajino. "Aufgewachsen bin ich hingegen bei meinem Onkel in San Francisco. Ich habe einen Großteil meiner Kindheit bei ihm verbracht." Sein Blick reichte einen Moment lang ins Leere, als er an seine verstorbenen Eltern dachte, doch er schob die Gedanken rasch wieder beiseite und sah Riddick an. Ein Lächeln huschte über seine Lippen. "Aber ich fühle mich immer zu Kanada hingezogen." Aliya schmunzelte, während sie die erste Gabel der Nudeln in den Mund schob. "Kanada klingt interessant.", meinte sie, nachdem sie die Nudeln heruntergeschluckt hatte. "Ich wurde in einem Tempel auf Celes II großgezogen, da meine Eltern verschwunden sind.", erzählte sie. "Die Heimatwelt meiner Mutter würde ich aber gern auch kennen lernen - wenn sie überhaupt noch existiert." Das war das einzige, was man mit Sicherheit feststellen konnte - die ei'lianischen Gene hatte sie von ihrer Mutter. Genussvoll vertilgte sie weiter ihre Nudeln. "Wo kommt Ihre Mutter her?", fragte Tanner neugierig und schob sich dann selbst eine Gabel mit darum herum gewickelten Spaghettis in den Mund. Er fand, dass die Haarfarbe der Chefingenieurin äußerst ungewöhnlich war... Noch nie zuvor hatte er jemals solche bunten Haare gesehen und es interessierte ihn, ob das mit ihrer Herkunft zusammenhing. "Das ist gar nicht so leicht zu beantworten...", grübelte Aliya. "Ich bin halb ei'lianisch - obwohl das eigentlich unmöglich ist, da Ei'lianer schon lange ausgestorben sein sollen.", sie grinste. "Naja, meine Mutter war zweifelsfrei eine, wie man an meinem Haar sieht.", scherzte sie. "Ich weiß nicht genau, wo die Heimatwelt meiner Mutter liegt... irgendwo tief im Betaquadrant und irgendwie 'unterhalb' des klingonischen Imperiums." Sie grinste bei ihrer Ausdrucksweise: 'unter' im geografischen Sinne. Tanner schluckte den Bissen Nudel hinunter und runzelte die Stirn. Unterhalb des klingonischen Imperiums?? Wie zum Teufel sollte er sich das denn vorstellen? "Mein geografisches Verständnis ist nicht unbedingt das Beste, Chief.", meinte er. "Aber es klingt ungewöhnlich." Er lächelte. "Nun ja, Sie scheinen aber eine Frau zu sein, die wirklich... einmalig ist." Er wurde etwas rot, von seinem eigenen Kompliment, das er ihr gemacht hatte, aber zum Glück verschwand es sehr schnell wieder. 'Ein Counselor der rot wird', dachte er und widerstand der Versuchung amüsiert den Kopf zu schütteln. Aliya lächelte breit. "Vielen Dank.", meinte sie auf das Kompliment und steckte sich eine weitere Gabel Nudeln in den Mund. "Das einzige, was von den Ei'lian noch existiert, ist ein altes Buch. Angeblich soll man bei Ei'lianern an der Haarfärbung schon beim ersten Blick sehen, mit wem man es zu tun hat." Erzählte sie munter drauflos. Wenn es ihr Gegenüber nerven sollte, konnte dieser ja etwas sagen. Tanner blickte die Chefingenieurin einen Augenblick lang an und in seinen Augen funkelte es kurz. Dann verbreiterte sich sein Lächeln und er fragte: "Und mit wem genau habe ich es zu tun?" Aliya wollte gerade ansetzen, entschied sich dann mit einem schelmischen Grinsen dagegen. "Das müssen sie schon selber herausfinden.", erwiderte sie. "Aber zum Glück rennt Ihnen die Zeit ja nicht davon..." "Ich fürchte, Sie müssen sich ohnehin noch zu einer Counseling-Sitzung melden.", entgegnete Tanner und grinste nun. "So wie noch ein Großteil der Crew. Ich bin sicher, ich werde dabei etwas über Sie aus Ihnen herauskitzeln können." Er zwinkerte. 'Vorausgesetzt natürlich, die Chefin lässt mich das Gespräch übernehmen', fügte er in Gedanken hinzu. "Sehen Sie... gute Möglichkeit.", grinste Aliya und putzte die letzten Nudeln auf ihre Gabel "Ich überlege grade...", begann sie nachdem sie die Nudeln hinuntergeschluckt und das Besteck auf den Teller gelegt hatte. "Was ich mit dem angebrochenen Nachmittag mache..." grübelte sie. "Vielleicht kann ich Ihnen als offizieller zweiter Counselor mit einem guten Rat zur Seite stehen.", meinte Tanner und beugte sich vor. "Worauf hätten Sie gerade im Moment am meisten Lust, Chief?" "Surfen auf Risa.", grinste sie, wohl wissend das das gerade gar nicht ging. "Aber vielleicht tut es auch ein Holodeckprogramm.", überlegte sie schmunzelnd. "Nun, ich denke, da wird sich sicher etwas entsprechendes finden lassen.", antwortete Tanner noch immer lächelnd. "Haben Sie etwas dagegen, wenn ich Sie begleite?" 'Ich bin zwar noch nie gesurft, aber irgendwann ist immer das erste Mal, nicht wahr?', dachte er und schluckte. Eigentlich war Surfen nicht unbedingt sein Sport... Aliya sah ihm einen Moment an, grinste dann. "Ich würde mich über Begleitung freuen...", begann sie und strich die vorwitzige gelbe Haarsträhne, die sich wieder von ihrem Ohr gelöste hatte, wieder zurück "Welches Szenario ziehen sie vor? Hawaii, Australien, Risa... oder haben sie einen Geheimtipp?" zwinkerte sie. Tanner lachte und schüttelte den Kopf. "Nein", meinte er, "nicht wirklich. Ich wähle meist andere Holodeckprogramme, als Surfen auf dem Meer. Es gibt genug anderes nervenauftreibende Zeug." Aliya blickte Harry einen Moment verwirrt an, begriff dann aber... oder dachte zumindest, dass sie begriff. "Sie waren noch nie surfen, oder?", wollte sie grinsend eine Bestätigung oder Widerlegung ihrer Vermutung. "Mit welchem 'nervenauftreibenden Zeug' vertreiben sie sich die Freizeit normalerweise?", ging sie aber gleich neugierig über die Frage wieder hinweg. Tanner lächelte auf eine charmante Art und Weise und war froh, auf die erste Frage nicht antworten zu müssen. "Sind sie mit Free Climbing vertraut?", stellte er dann die Gegenfrage und beugte sich vor. "Ich liebe es in Schwindel erregender Höhe an Kletterwänden oder steilen Felshängen zu kraxeln. Das... hat einen gewissen Kick." Aliya überlegte einen Moment "Sowas hab ich noch nie versucht.", sie lächelte wieder in ihrer üblichen Art. "Ich bin eher eine Wasserratte... ich glaube, ich bin auch nicht ganz schwindelfrei...", überlegte sie angestrengt. "...könnte damals aber auch an der Magenverstimmung gelegen haben...", zuckte sie mit den Schultern. "Ich müsste es mal ausprobieren, bevor ich sagen kann ob's mir Spaß macht.", resümierte sie schließlich ihren etwas chaotischen Gedankengang. "Was halten Sie davon, wenn wir mal zusammen klettern gehen?", schlug Tanner vor. "Ich habe ein Programm entwickelt, das für Anfänger ideal sein sollte. Eine Kletterwand in einer alten Scheune. Etwa 13 Meter hoch." Er grinste. "Sollte für den Anfang reichen." Aliya überlegte einen Moment. "Ja warum nicht.", lächelte sie Tanner an. "Ausprobieren würde ich es schon gern einmal... schon um herauszufinden, ob ich schwindelfrei bin oder nicht.", zwinkerte sie. "Warum begleiten Sie mich nicht mal?", fragte Tanner frei heraus und beugte sich vor. "Ich werde in den kommenden Tagen vielleicht nicht unbedingt dazu kommen, aber sobald ich Zeit habe, werde ich das Holodeck für ein paar Stunden reservieren." Er lächelte und zuckte mit den Schultern. "Wenn Sie wollen, geb' ich Ihnen Bescheid." Aliyas Augen strahlten fast ein wenig "Ja gern..." Ihre Spaghetti hatte sie mittlerweile aufgegessen. "Bleibt immer noch die Frage...", setzte sie fort. "Was ich mit dem angebrochenem Tag mache... vielleicht doch noch ein wenig im Maschinenraum basteln..." "Wie läuft es denn?", fragte Tanner und lehnte sich wieder zurück. "Haben Sie viele Kinderkrankheiten zu beseitigen?" Die Victory hatte erst vor kurzem das Raumdock verlassen und er wusste wie viel Ärger so ein neues Schiff machen konnte, wenn es gerade erst in den Dienst gestellt worden war. "Es geht...", winkte Aliya ab. "Ich hatte mit schlimmerem gerechnet.", sie grinste. "Meist das übliche: Energieschwankungen, Replikator Probleme, Duschfehlfunktionen... aber das haben wir soweit erledigt. Nur die Einstellung des Warpkern gefällt mir noch nicht ganz... obwohl alles 'innerhalb der normalen Parameter' läuft.", erzählte sie. "Und bei ihnen? Schon Techniker behandeln müssen, die ich verrückt gemacht habe?", feixte sie. Tanner lächelte auf charmante Art und Weise. "Nein, bisher noch nicht.", entgegnete er. "Einen verzweifelten Sicherheitsoffizier habe ich heute behandelt - aber mehr noch nicht. Ich hab die meiste Zeit des Tages damit verbracht mich durch Crewakten zu wühlen und..." Der Counselor wurde jäh unterbrochen, als gelber Alarm ausgelöst wurde. "Gelber Alarm?", sagte er, runzelte die Stirn und sah Riddick fragend an. 'Wenn sie bei meiner Akte sind, werden sie dann ja lesen, was es mit der Haarfarbe auf sich hat...', wollte sie gerade schmunzelnd erwidern, als der Alarm ausgelöst wurde. "Klingt gar nicht gut...", brummte sie. Da Aliya Führungsoffizier war, musste sie jetzt wohl oder übel an die Arbeit. "Tut mir leid, ich muss los... sagen Sie bescheid, wenn sie Klettern gehen, ja?" winkte sie im herauseilen. --- Brücke, 17:55 Schon um fünf vor sechs betrat Fähnrich Henderson die Brücke, um Rachels Posten zu übernehmen. Eigentlich war ihre Schicht schon längst beendet gewesen, doch hatte sie mit dem jungen Mann im Vorfeld ausgemacht, auch ihre Bereitschaftszeit noch auf der Brücke zu verbringen, da sie noch einige Daten der letzten Testläufe auswerten wollte und dies ebenso gut auf der Brücke, statt in ihrem kleinen Büro auf Deck 4 erledigen konnte. Zu berichten gab es dieses Mal wenig, weshalb die Übergabe schnell erledigt war. Zu Rachels Zufriedenheit hatte es dieses Mal keine Unstimmigkeiten wie vor einer Woche gegeben. Nun ja... Kinderkrankheiten halt, die bei einem neuen Schiff durchaus auftreten konnten. Rachel nickte noch freundlich dem ersten Offizier zu, der ihr Gehen bemerkt hatte und stieg dann in den Turbolift, der sie zu Deck 4 brachte. Ihr Ziel war jedoch nicht ihr eigenes Büro, das des taktischen Offiziers, sondern das des Sicherheitschefs Reszko. Sie betätigte den Türsummer und wartete auf eine Antwort. Am Tippen und den piependen Geräuschen konnte Yates erkennen, dass der Offizier an der Conn dabei war, seine Frage zu beantworten. "Sir, Kurs auf Navigationspunkt 4 liegt an. Ankunft in etwa 16 Stunden." James nickt verstehend und aktualisierte seine Eintragungen in einem PADD, welches er von dem XO Stuhl herübernahm. Das Schiff flog gerade etwas langsam und sie würden morgen gegen 10 Uhr bei dem nächsten Navigationspunkt einen neuen Kurs setzen. Der Captain würde dies entweder kurz selbst machen oder es ihm übertragen. In dem Augenblick, als James das PADD weglegte, öffnete sich die Tür des Bereitschaftsraumes des Captains. Der Ensign, welcher vor wenigen Minuten erst eingetreten war, kam wieder heraus und der Blick sagte nichts gutes. Kannten die beiden sich etwa? In den ganzen Vorstellungen hatte Jimmy nie erlebt, dass ein neues Crew Mitglied mit so finsterem Blick den Raum verlassen hatte. Und weil James es sich zur Aufgabe gemacht hatte, für ein gutes Klima zu sorgen, ergriff er diese Situation und trat auf die junge Dame zu. "Ensign", mit diesem Wort stoppte er sie auf dem Weg zum Turbolift "Cmdr. Yates" stellte er sich erneut vor und hielt ihr die Hand entgegen. Was konnte sie denn dafür, dass der Captain ein Problem damit hatte, dazu zu stehen, dass er gestern Abend Mist gebaut hatte? Was konnte sie dafür, dass sie gestern Abend einfach nur ihren Job gemacht hatte? Es war einfach nicht fair, dass er sie so arrogant behandelte. Das war wirklich ein toller Einstieg hier! Solche und ähnliche Gedanken schossen ihr durch den Kopf, als sie durch die Tür des Bereitschaftsraumes ging und die Brücke betrat. Ihre Augen glommen vor unterdrücktem Zorn und Wut, als sich die Tür hinter ihr wieder schloss. Sheila brauchte einen Moment, bis sie begriff, dass sie gerade von einem unverschämt gut aussehenden Mann angesprochen worden war. Und sie brauchte einen Moment, um zu registrieren, dass er Commander war und sich gerade vorgestellt hatte. Ihre Augen bekamen wieder ihren üblichen freundlich-lebendigen Schimmer, als sie ihren Kopf in den Nacken legte, zu ihm aufsah und seine Hand ergriff. Mit dem ihr eigenen sinnlichen Lächeln erwiderte die junge Spanierin: "Holá! Sheila Loraya, Sicherheit! Erfreut Sie kennen zu lernen, Sir!" "Spanisches Temperament glühte in Ihren Augen.", kommentierte James seinen Riss aus den Gedanken, welchen die junge Frau nachgegangen war. "Es freut mich, auch Sie kennen zu lernen." Er blickte zum Chronometer und packte seine PADDs zusammen. "Haben Sie das Schiff bereits erkunden können?", fragte er während er sortierte und alles unter seinem linken Arm verstaute und mit der rechten Hand immer weitere nachschob. So ein XO Sessel eignete sich hervorragend als Ablagefläche, wenn man den Stuhl selbst nicht brauchte. "Ich könnte Ihnen einen kleinen Rundgang anbieten", er schaute hoch. "nachdem ich dies in meinem Büro abgelegt habe. Für einen Dienstantritt dürfte es wohl ein bisschen spät sein." Sheila war versucht, das Angebot des ersten Offiziers anzunehmen, doch sie hatte die Order vom Captain, sich zuerst bei ihrem direkten Vorgesetzten zu melden. Aber vielleicht könnte sie das ja miteinander verbinden. Zufrieden mit dem Resultat ihres Gedankenganges lächelte sie den XO an und sagte: "Ich muss mich noch bei Commander Reszko melden, vielleicht könnten wir uns einen Teil des Schiffes ansehen, während Sie mir den Weg zum ihm zeigen?" Als zwei der PADDs aus dem Stapel zu rutschen drohte, handelte sie ohne zu überlegen und fing beide auf dem Weg zum Boden auf. Ihre Bewegungen waren fließend und schnell, dabei aber auch anmutig und zeugten von jahrelangem Training. "Soll ich Ihnen vielleicht etwas abnehmen? So bekommt meine Begleitung sogar noch einen besonderen Sinn!", sagte sie und hielt auffordernd die Hand auf, um ihm gegebenenfalls ein paar PADDs abzunehmen. Wieder umspielte dieses eigenartige Lächeln ihre Lippen. Es wirkte spöttisch, aber auch sinnlich und amüsiert. Es war wirklich undefinierbar. Leicht unbeholfen sah der Blick des ersten Offiziers schon aus, als ihn die brünette Schönheit mit einem Lächeln anschaute, das etwas in sich hatte, was nicht leicht zu erklären war. Sie machte sich möglicherweise gerade lustig über ihn, aber auf einer sehr charmante Art und Weise. "Das Büro von Lieutenant Commander Reszko befindet sich auf Deck 4, meines auf Deck 2." James fand für sich, dass er mit diesem Satz gut von seiner leichten Verwirrung und Hilflosigkeit abgelenkt hatte und nutzte die Gelegenheit auch gleich dazu der Sicherheitsoffizierin drei weitere PADDs zuzuschieben. "Ah... Einen Augenblick noch.", fiel James ein, dass er fast vergessen hatte, die Schichtübergabe zu machen. Er fischte zwei weitere PADDs heraus und ging an die seitliche OPS Konsole um dem Lieutenant zu sagen, was er zu machen hatte und ihm etwas Lesestoff zu geben. Er blickte auf den Chronometer, fast 18 Uhr. Ein guter Zeitpunkt um Deck 1 zu verlassen und der Captain hatte offenbar die selbe Idee. Er verließ seinen Bereitschaftsraum, nickte ihm kurz zu und verschwand im Turbolift. Entweder hatte er Ensign Loraya übersehen oder sie gekonnt ignoriert. Er rechnete eher mit ersterem und kehrte zu der attraktiven Frau zurück. "Okay, auf geht's. So lang ist der Rundgang ja nicht." Zusammen und vollgepackt mit PADDs verließen Sie die Hauptbrücke und fanden sich nur Sekunden später auf Deck 2 wieder. --- Deck 2, Büro des Ersten Offiziers, 18:05 Das Büro des Ersten Offiziers lag nicht direkt am Ausgang des Turboliftes und so ergriff James Herold das Wort. "Auf diesem Deck finden Sie eine Beobachtungslounge, das Quartier des Captains - zumindest die obere Ebene, sein Quartier überspannt wegen der Familie zwei Decks - und mein Büro." Unwichtige Räumlichkeiten ließ James extra aus und schaffte es so gerade an dem Türöffner seinen Code einzugeben, sodass die Türen beiseite glitten und beide eintraten. "Computer, Licht 80%." und sofort wurde es angenehm hell, aber nicht zu grell. "Legen Sie die PADDs bitte hierher." - er versuchte mit einer unbeholfenen Bewegung einen Platz anzuzeigen und ließ dabei seinen Stapel fallen. 'Was ist los mit dir, James? Noch nie eine Frau gesehen?', fragte er sich und hoffte nicht, rot zu werden. Mit jedem verlegenem Lachen oder Satz, den er nun sagte, konnte er die Sache nur schlimmer machen und so bückte er sich blitzschnell und sammelte das Dilemma ein, um es auf den Tisch zu befördern und in den Stuhl zu fallen. "Setzen Sie sich bitte kurz.", kommentiere er eine Handbewegung in Richtung des Sofas und begann die PADDs schnell zu sortieren, damit beide weitergehen konnten. Da war es schon wieder. Sie hatte es deutlich gesehen. Nervosität. Unsicherheit. Verlegenheit. Er war nicht der erste Mann, der in ihrer Gegenwart diese Empfindungen durchmachte. Es war schon erstaunlich, dass sich manche Muster immer wieder wiederholten. Yates wurde ihr immer sympathischer. Er war entschieden netter als der Captain. Vielleicht war der Einstand hier doch nicht so schlecht, wie sie zuerst angenommen hatte. Wieder lächelte sie rätselhaft, als sie beobachtete, wie erneut ein paar PADDs zu Boden fielen, diesmal war sie jedoch nicht nah genug, um ihm helfen zu können. Aber er war ja schon groß und konnte das allein. Als er sich bückte, konnte sie einen Blick auf seinen knackigen Po werfen und sie hob anerkennend eine Augenbraue. 'Hmm, nett!', dachte sie und ihre Augen funkelten amüsiert, dabei umspielte ein schelmisches Lächeln ihre Lippen, als sie in einem der beiden Sessel Platz nahm und sich dabei im Büro umsah. Sie hatte bereits beim Betreten des Büros die Gefahrenquellen, Fluchtwege, taktische Vor- und Nachteile erkannt. Nicht, dass sie hier etwas zu befürchten hatte, weit gefehlt. Aber es war ihr zur Gewohnheit geworden, immer alles im Blick zu haben, sich über die Gegebenheiten eines Raumes im Klaren zu sein, halt für den Fall, dass es nötig war. "Sie haben sich ganz nett eingerichtet, Commander.", sagte sie, um es ihm leichter zu machen. Denn er begann ihr Leid zu tun, es war ja nicht zu übersehen, dass er versuchte seine Sicherheit zurück zu gewinnen. Sie lächelte ihm freundlich zu, dabei kamen wieder ihre Grübchen zur Geltung und auch ihre Augen bekamen wieder ihren temperamentvollen Glanz. Eine widerspenstige Strähne ihres schwarzen Haares fiel ihr ins Gesicht und Sheila strich sie mit einer unbewusst, grazilen Bewegung ihrer linken Hand wieder zurück. Mit einer fließenden Bewegung stand sie wieder auf und trat zu ihm an den Schreibtisch. "Es ist wirklich nett hier.", sagte sie und schmunzelte. Sheila schaute ihn mit ihren braunen Rehaugen an und fragte sanft: "Fertig?" "Ja, ich bin fertig.", beantwortete James die wohl rhetorische Frage der Sicherheitsoffizierin. Während er die PADDs wieder so sortierte, wie sie gehörten, hatte er Zeit, seine Gedanken wieder zu strukturieren. Er hatte zu viel Dienst heute geschoben, seine ganze Bereitschaftszeit nach dem Dienst auch auf der Brücke verbracht und dabei so viele Texte und Berichte gelesen, von so vielen Crewmitgliedern, die unbedingt mitteilen mussten, dass ihre Station funktionierte. Dafür waren Terminals doch da, oder? Damit sie auch funktionierten. Aber James konnte verstehen, warum jeder meinte am Anfang ein unerschöpfliches Engagement zeigen zu wollen. Nur Karriereabsichten konnten dahinter stehen, er selbst war immerhin genau so gewesen. Nur behielt er dieses Engagement bei und verlor es nicht wie die anderen nach wenigen Tagen und Wochen wieder. Deshalb war er nun im Rang eines Commanders, der erste Offizier eines neuen Schiffes und doch benahm er sich die letzten Minuten wie ein rein hormonell gesteuerter Humanoid. Mit einfachen Handbewegungen formte er drei Stapel aus den sortierten PADDs und platzierte sie seitlich auf seinem Schreibtisch in der Nähe des Holo-Projektors, welchen er sich hatte installieren lassen. Ein Prototyp, aber zu gebrauchen. "Dann wollen wir mal weiter.", James stand auf und zog sich die Uniform glatt, seine Gedanken wieder sortiert, glättete er nicht nur seine Uniform, sondern auch seine Sicherheit im Umgang mit anderen Crewmitgliedern war zurück gekehrt. War Ensign Loraya gerade noch eine attraktive Frau in seinem Alter, war die dies zwar nun immer noch, aber in erster Linie war sie ein Crewmitglied und er war Ihr Vorgesetzter und als erster Offizier erhoffte er sich immerhin stets auch ein Vorbild zu sein. Nun war es seine Aufgabe, die junge Dame nach Deck 4 zu bringen, zum Büro des Sicherheitschefs. Zeit für ein Gespräch unter zwei Menschen, ganz frei von Rängen und Zwängen würde sich später immer noch bieten, hoffte James. Und er hoffte bei ihrem Anblick auch, dass nicht zu viel Zeit bis dahin vergehen würde. Loraya war mittlerweile aufgestanden und kam auf ihn und die Tür zu. Mit flinker Handbewegung signalisierte Jimmy, dass er Ihr den Vortritt ließ, so wie es sich gehörte für den Vorgesetzten, der zum Wohle des Klimas auch immer ein Gentlemen war. Zusammen verließen Sie sein Büro und gingen wieder auf den Turbolift zu. --- Deck 2, auf dem Korridor, 18:10 Mit einer zarten Neigung des Kopfes dankte sie James für seinen Anstand und trat durch die Tür auf den Korridor. Sie fühlte sich wohl, Commander Yates war ein angenehmer Gesellschafter, egal ob er hauptsächlich als Mann zugegen war oder als Vorgesetzter. Er war ein netter Kerl und das gefiel ihr. "Sie erwähnten vorhin das Quartier des Captains, Sie sagten er hätte Familie? Wie viele Familien haben wir denn an Bord? Vielleicht sollte ich Commander Reszko vorschlagen, eine Evakuierungsübung durchzuführen. Ich meine, Kinder reagieren unberechenbar, obwohl ich glaube, dass die meisten Frauen einen klaren Kopf behalten." 'Es sei denn, sie haben nichts anderes zwischen ihren Ohren, als den nächsten Friseurtermin!', dachte sie geringschätzig und dachte dabei an eine Frau in ihrem Alter, die von allen Männern bewundert wurde, aber mit der man einfach kein vernünftiges Gespräch führen konnte. Es sei denn, man sprach über Mode, Männer und Haare. Sie behielt diese Gedanken aber lieber für sich. Vielleicht hatte Yates ja eine Vorliebe für solche Frauen und sie wollte dem Mann neben sich nicht vor den Kopf stoßen, sollte er wirklich einen so schlechten Geschmack haben. James schmunzelte auf dem Weg zum Turbolift über die Bemerkungen des Ensign. "Über eine feste Anzahl an Familien an Bord, gar mit Kindern, bin ich nicht ausreichend informiert. Ich hatte nicht einmal die Gelegenheit die Familie des Captains kennen zu lernen. Sie ist ganz neu an Bord. Aber sollte es zu Familienbildungen kommen, haben wir kein Problem, schnell die Quartiere umzubauen." Die Tür zum Lift glitt auseinander und einmal mehr ließ Yates der Frau den Vortritt beim Eintreten in den Lift. "Deck 4.", sagte James und sah Ensign Loraya kurz an. "Zweifelsohne erwarte ich von den Müttern eine bessere Reaktion im Krisenfall als von Kindern", er machte eine kurze Pause. "Allerdings habe ich auch keinerlei Zweifel an der Kompetenz der Herren." Und formte ein schelmenhaftes Grinsen. "Und im Notfall denke ich, kann ich mich an Sie wenden.", setzte er dieser Unterhaltung das i-Tüpfelchen auf. --- Deck 4, auf dem Korridor, 18:12 Sie verließen den Turbolift, selbstverständlich die Dame wieder voran. "Es ist gleich hier vorne.", deutete er auf eine der Türen. 'Ich könnte Sie fragen, ob Sie nachher noch Zeit und Lust hätten, mit mir... Ja, eine gute Idee.', dachte sich James, als die beiden die Tür erreicht hatten. "Nun Ensign, wenn Sie...", doch James wurde unterbrochen. "Brücke an Commander Yates." - "Hier Yates." - "Sir, wir werden kontaktiert von einem Kleinschiff 'Agamemnon', welches ein Rendezvous erbittet." - "Ich bin auf dem Weg." Die Miene in James Gesicht veränderte sich und das fröhliche Grinsen mit den glänzenden Augen wich von ihm. Den Gedanken eines kleinen gemeinsamen Abendessens mit einer interessanten Frau, die ihm gefiel, musste er hinten anstellen. "Sie entschuldigen mich, die Pflicht." Er kehrte um und eilte zurück zum Lift. Vielleicht war diese Unterbrechung gar nicht so unwillkommen. Auch wenn er die Dame nun auf dem Korridor vor der Tür stehen lassen musste, wäre sein Versuch, ein gemeinsames Essen vorzuschlagen, vielleicht nicht gut angekommen, wer wusste schon, wie Frauen reagierten. --- Deck 1, Brücke, 18:15 James erreichte die Brücke nur wenige Sekunden später. Mit den richtigen Befehlen legte der Turbolift gerne einen Zahn zu und so hatte James Vorfahrt genossen und der Lift nicht mehr gestoppt. Von der Alpha-Schicht war niemand mehr anwesend, die Bereitschaftszeit war auch vorbei, aber die Gesichter waren Jimmy natürlich nicht unbekannt. Der Lieutenant, welcher das Kommando derzeit über das Schiff hatte, stand von dem Captain's Chair auf und erstattete dem Commander kurz Bericht. "Sir, das Schiff scheint ein kleiner Frachter zu sein, von der Größe eines Runabouts. Es ist soeben auf unseren Langstreckensensoren aufgetaucht und kurz später wurden wir auch bereits kontaktiert." James nickte, um sein Verständnis zu zeigen. "Wir haben nur Audio und keinen Videokontakt, eine taktische Auswertung läuft bereits, ist aber auf diese Entfernung nahezu unmöglich.", fuhr der junge Schichtleiter der Beta-Schicht fort und wich dann an die OPS Konsole zurück. James setzte sich auf den Stuhl in der Mitte. "Berechnen Sie mögliche Rendezvous-Koordinaten und dann die Leitung öffnen - Hier spricht Commander Yates vom Föderationsraumschiff Victory, bitte nennen Sie ihre Absichten für ein Rendezvous." --- Agamemnon "Ich habe einen Kontrakt mit der Föderation.", erwiderte James und musterte den Offizier vor ihm gelassen: "In diesem werde ich aufgefordert, nach Abschluss meines Auftrages die von mir erbeuteten Daten dem nächsten Föderationsschiff zu übergeben und mich auszahlen zu lassen. Sie sind das nächste Föderationsschiff und sollten Sie nicht gerade mit Warp 9 einem Notruf folgen, würde ich es sehr zu schätzen wissen, wenn ich meinen Auftrag erfüllen könnte und bezahlt werden würde." --- Brücke Das war nun wirklich nicht normal, fand James und runzelte leicht die Stirn. 'Warum sollte die Föderation Aufträge gegen Bezahlung vergeben?' Immer noch etwas verwirrt und mit einiger Verzögerung fand James wieder Worte "Ich verstehe, Sie werden von uns die Koordinaten für einen Treffpunkt übermittelt bekommen. Können Sie uns notwendige Daten transferieren, wie ihre Auftragsgrundlage und die Einzelheiten zu Ihrer Bezahlung, sodass wir dies mit dem Kommando abstimmen und überprüfen können?" --- Agamemnon "Natürlich, schließlich muss alles seine Ordnung haben.", antwortete Carlyle und nickte Miho zu, damit diese die Daten sandte: "Ich schicke Ihnen den Kontraktvertrag und die Liste der Bezahlung, obwohl sich die Zahlen noch ändern können, was Deuterium, Antimaterie und Ersatzteile betrifft. Schließlich dauert es noch, bis wir zusammen treffen. Ach ja, bevor sie mühsam die nötigen Krediteinheiten zusammenkratzen, die ebenfalls Teil der Bezahlung sind, möchte ich ihrem Kommandanten gerne noch ein Angebot unterbreiten, dass für uns beide von Vorteil sein könnte." --- Brücke "Ich werde dem Captain ausrichten, dass er sich mit Ihnen in Verbindung setzt und danke bereits für die Übermittlung der Daten. Wir werden nun neuen Kurs setzen. Victory Ende." Mit einer Handbewegung deutete er an, dass der Kanal geschlossen werden sollte und wandte sich sofort an das Crewmitglied, welches an der Kommunikation stand. "Laden Sie alle Daten auf ein PADD herunter, die Sie erhalten haben.", und weiter richtete er sich an die Conn: "Koordinaten an die Agamenon übertragen und neuen Kurs setzen." Er atmete durch und schaute auf die Uhr, bevor er seinen Kommunikator antippte. "Commander Yates an Captain DeChâteau. Sir, ich müsste Sie sprechen." --- Agamemnon "Damit sind wir im Geschäft.", stellte James fest. Als wenig später die Koordinaten kamen, programmierte er den passenden Kurs und erhöhte die Geschwindigkeit auf Warp 4. Lächelnd stand er dann auf und wandte sich seiner Kommunikationsoffizierin zu: "Damit gebe ich einen Teil der Energiereserven frei, denn alles was wir jetzt noch verbrauchen, bekommen wir bald ersetzt. Zumindest sofern sie nicht versuchen, uns zu betrügen. Wenn du eine extralange Schalldusche eingeplant hast oder dir den Wanst vollschlagen willst, dann hast du jetzt die Gelegenheit dazu." "Haha ... ", musste Miho lachen. "Von dem Zeug von eben soll ich mir den Bauch voll schlagen? Nein danke.", Nachdem sie noch einmal ihre Anzeigen geprüft hatte, drehte sie sich zu ihrem Captain herum. "Und eine lange Schalldusche ist auch nicht der Bringer. Sie erfüllt ihren Zweck - ohne Frage - aber mit einer Wasserdusche nicht zu vergleichen." Sie sah ihn lächelnd an. "Wir haben schon lange keine Zeit mehr für ein kleines Spielchen gehabt ..." "Das Schachbrett steht bereit, auch wenn es 'nur' das klassische eindimensionale ist.", stellte James fest: "Und ich meinte eigentlich, dass ich zulasse, dass mehr Energie verwendet werden darf. Sprich, dass sich die Gerichtepalette erweitert. Das Zeug ist die billigste und gleichzeitig nahrhafteste Variante, aber wir können es uns jetzt leisten, wenn du ein irdisches Steak oder klingonische Pasteten verdrücken willst." Damit aktivierte er ein paar zusätzliche Sicherungen und verließ dann das Cockpit. Im Crewbereich trat der Halbverigo dann zum Replikator und replizierte sich einen vulkanischen Tee, während er auf seine Kommunikationsoffizierin wartete. "Machst Du mir bitte einen grünen Tee.", rief sie ihm zu, als auch Miho das 'Quartier' erreichte. "Und bitte nicht so abwertend. Du kannst froh sein, wenn Du im klassischen Schach in der Lage bist, mich zu schlagen." Sie setzte sich schon mal und wartete, bis alles andere notwendige auch am Tisch eintraf. "Falls es dir noch nicht aufgefallen ist, ich lasse dich gewinnen.", erwiderte Carlyle, nachdem er die zwei Tassen zum Tisch gebracht und eine davon vor Miho abgestellt hatte. Dann beförderte der Captain das Schachbrett aus einem Fach hervor und begann, die Figuren aufzubauen. Sie nahm die Tasse in beide Hände und trank ein paar Schlucke. "Das glaube ich Dir nicht. Das liegt nicht in Deinem Naturell, jemanden oder irgendetwas gewinnen zu lassen. Dafür sind Deine schauspielerischen Fähigkeiten zu schlecht." Sie nahm einen weißen und einen schwarzen Bauern in ihre Hände und verbarg sie schließlich auf dem Rücken. "Rechts oder links?", fragte sie James. "In der Mitte.", entschied er lächelnd, während er sich zurücklehnte: "Man muss nicht unbedingt gewinnen oder jemanden gewinnen lassen. Manchmal reicht es auch einfach, dafür zu sorgen, dass man selbst nicht verliert." Miho sah ihren Gegenüber etwas skeptisch grinsend an. "Das mag für den täglichen Kampf ums Überlegen zutreffen. Aber hier geht es um ein Schachspiel. Und das will ich sehr wohl gewinnen, sonst bräuchte ich nicht spielen. Weiß fängt an - also... rechts oder links?" Sie streckte ihm jetzt die beiden geschlossenen Hände entgegen. "Links." erwiderte James, während er einen tiefen Schluck aus seiner Tasse nahm. Miho öffnete die gewünschte Hand und der weiße Bauer kam zum Vorschein. Sie stellte die beiden Figuren auf ihre Plätze des Schachbrettes und drehte das Brett um 180 Grad, sodass die weißen Figuren bei ihrem Captain standen. "Du fängst an." Und das tat Carlyle auch. Das Spiel begann langsam und gerade wollte er einen Zug seiner Kommunikationsoffizierin kommentieren, als plötzlich ein Ruck durch das Schiff ging, im nächsten Moment die Beleuchtung von normal auf rot umsprang, um zu zeigen, dass der Computer Alarmstufe Rot gegeben hatte. Blitzschnell war James auf den Beinen und durchquerte den Raum, um durch die Türe zum Cockpit zu verschwinden. Dort ließ er sich an seinem Platz nieder und rief einige Daten auf. "Minenfeld voraus" fasste er die Informationen zusammen: "Scheinbar hat irgendein Kriegsteilnehmer vergessen, sein Zeug wieder einzusammeln". Die junge Frau sprang ebenfalls auf, folgte ihm ins Cockpit und nahm sofort die Position an ihrem Pult ein. "Ich bin mir nicht sicher. Aber es könnte sein, dass einer derjenigen welchen noch in Reichweite ist. Es kommen hier irgendwie zerstückelte Signale an. Es könnte ein Hilferuf sein." "Das bezweifle ich, denn das sieht mir ganz nach klingonischen Intervaller- und Mikrotorpedominen aus.", kommentierte James, während er die Agamemnon stoppte. Als sie aus dem Warp fielen, eröffneten sofort die nächsten beiden Minen das Feuer und grüne Intervallerstrahlen leckten nach dem Söldnerschiff. Zum Glück hatte der Computer schon nach dem ersten Beinahetreffer die Schilde aktiviert und so zerstoben sie wirkungslos an der Abschirmung. Flink huschten die Finger des Kommandanten über die Kontrollen und dann zerplatzten die Minen unter dem konzentrierten Feuer der Phaserbänke. "Wenn es ein Notsignal ist, ist es vermutlich automatisiert und stammt von einem Wrack oder einer Rettungskapsel.", fuhr Carlyle fort, während er sein Schiff an eine Stelle manövrierte, in der sie halbwegs außer Reichweite der restlichen Minen waren. Was jedoch kaum gelang und so wurde die Agamemnon immer wieder von Treffern erschüttert und langsam nahmen die Schilde ab. "Ich lass dir Zeit, bis ich das Minenfeld grob kartographiert und eine von diesen Dingern mit dem Traktorstrahl eingefangen habe, dann gehen wir wieder auf Warp und umfliegen das Gebiet!", entschied James schließlich, während er sich wieder an die Arbeit machte: "Wenn du bis dahin die Quelle nicht lokalisiert hast oder sie automatisiert ist, dann hauen wir hier ab." "In Ordnung", bestätigte Miho. Nachdem die reinkommenden Signale nach wie vor nur undeutlich und irgendwie zerstückelt schienen, versuchte sie einige Modifikationen ihrer Frequenzen. "Ich glaube, jetzt habe ich es.", rief sie ihrem Captain zu. "Ob es ein Hilferuf ist, kann ich nicht erkennen, aber eine Reihe der Signale wiederholen sich." Sie stutzte. "Das ist merkwürdig. Es scheint, als ob die Signale von verschiedenen Orten gesendet werden." "Rettungskapseln, Logbuchbojen oder vielleicht auch eine bewusste Botschaft um Schiffe anzulocken.", vermutete James, während er die grobe Größe des Feldes erfasst hatte. Dann steuerte er die Agamemnon näher an eine der Minen heran und neutralisierte sie mit einem gezielten Schuss aus den Polaronenkanonen. Da diese Waffen von den Jem'Hadar stammten, waren sie in der Lage Schilde zu durchdringen, auch wenn das bei größeren Zielen ein einmaliger Vorteil war, da Schildrotationen diese Fähigkeit neutralisieren konnten. Nachdem Carlyle die Mine mit dem Traktorstrahl erfasst hatte, steuerte er das Schiff endgültig wieder in Sicherheit, bevor er sich zu seiner Kommunikationsoffizierin umwandte: "Okay ich habe uns jetzt an den Rand des Feldes gebracht und damit außer Reichweite der anderen Minen. Die Signale stammen also von vielen Orten, aber in der Nähe ist nichts anderes als das Minenfeld und ein paar Brocken Raumschrott. Daher nehme ich an, dass sie genau von diesem kommen und wir daher weiter fliegen sollten. Es sei denn, eines davon ist ein echter Notruf, dann werde ich reagieren. Also, kannst du ausschließen, dass ein Notruf darunter ist, ja oder nein?" Die Japanerin konzentrierte sich noch einmal auf die ankommenden Signale und schüttelte den Kopf. "Ausschließen kann ich es nicht, James. Aber die Wahrscheinlichkeit scheint mir nun doch ziemlich gering. Lass uns von hier verschwinden." "Gut" erwiderte James und programmierte dann einen Kurs, der sie um das Minenfeld herum und zum Treffpunkt mit der Victory bringen würde. Nachdem die Agamemnon auf Warp gegangen war, stand er wieder auf und streckte sich, bevor er sich Miho zuwandte: "Speichere alle Signale, damit wir sie den Föderationsleuten übergeben können. Und obwohl ich jetzt gerne eine Partie Schach mit dir spielen würde, muss ich zuerst nachsehen, ob wir wirklich keine ernsten Schäden davongetragen haben." --- Krankenstation, 17:55 Lexi saß, verschanzt, in ihrem Büro und ging noch einmal die Behandlungsempfehlung für Anna durch. Sie hatte der OPS-Offizierin versprochen, dass sie mit ihrer Chefin eine neue Behandlungsstrategie besprechen würde und jetzt war ein genauso geeigneter Zeitpunkt, wie morgen früh oder am heutigen Morgen. Sie schlug vor, dass die Behandlung für Anna Nyberg in deren Eigenverantwortung zu legen, ähnlich, wie es früher bei einem Diabetiker gehandhabt wurde. Dazu war die Empfehlung, dass sich Anna alle 2 Monate zwecks einer Kontrolluntersuchung bei einem Arzt ihrer Wahl melden sollte, um dann auch eine neue Lage Medizin für ihr zugewiesenes Hypospray zu erhalten. Und wenn ihre Chefin heute noch zustimmen würde, dann könnte sie Anna gleich, wenn sie sich zum Training trafen, schon mal vorab informieren, denn abholen würde sie sich ihre Medizin schon selbst müssen, auch wenn sie Lexi persönlich kannte. Noch einmal tief Luft geholt und kurz darauf stand Lexi an der Rampe zur unteren Ebene und sah sich im unteren Bereich nach ihrer Chefin um. Shyla beschloss, ihr Büro wieder zu verlassen, um etwas zu Abend zu essen. Ihr Büro würde sie sich dann morgen in aller Ruhe einrichten! Als sie ihr Büro verlassen hatte, sah sie ihre Stellvertreterin, welche an der Rampe zur unteren Ebene stand und so aussah, als würde sie jemanden suchen. "Guten Abend!", grüßte Shyla freundlich. Lexi sah ihre Chefin lächelnd an. "Guten Abend. Sagen Sie, Dr. Miller, hätten Sie vielleicht kurz Zeit für mich? So fünf Minuten? Ich hätte da noch eine 'Fallbesprechung' für eine Patientin. Es handelt sich um eine Dauerbehandlungsroutine, die vielleicht etwas abgewandelt werden könnte, gegenüber dem momentanen Plan", erklärte sie ruhig. "Ja, kein Problem. Ich habe Zeit. Dann kommen Sie doch mit in mein Büro!", schlug Shyla vor. "Es ist zwar noch nicht fertig eingerichtet, aber für den Anfang genügt es." Lexi lächelte. "Ach, das kommt mit der Zeit, die persönliche Note, so hab ich's bisher erlebt, erreicht man eh erst über Monate und Jahre hinweg.", grinste sie ihre Chefin leicht an, bevor sie ihr in das noch nicht eingerichtete Büro folgte. Als die Türen sich hinter ihr geschlossen hatten, hob sie das PADD an. "Es geht um die Patientin Anna Nyberg.", begann sie ihre Erklärung und reichte das PADD weiter. "Die junge Frau ist aufgrund ihrer Erfahrungen mit Ärzten sehr traumatisiert. Bisher hat es die Behandlung vorgesehen, dass sie jeden Tag hier erscheinen soll, um ihre Injektionen abzuholen. Nun, ich halte das, allein schon aus psychologischer Sicht, nicht wirklich ratsam. Ferner spritzt sie sich das Mittel sowieso auf eigenen Wunsch selbst. Wenn sie längere Zeit keinen Arzt zur Hand haben kann, bekommt sie das Medikament auf Reserve mit.", erklärte Lexi recht 'gefühllos' Annas Geschichte. "Ich denke, wenn sie es in der Zeit schafft, ihre Injektionen sich selbst zuzuführen, dann können wir es ihr auch im normalen, alltäglichen Leben zutrauen, dies zu tun. Ich habe daher einen Plan erarbeitet, wie man ihr die Aufenthaltszeiten auf der Krankenstation etwas reduzieren kann. Ich würde, für den Anfang, erst mal alle 2 Monate ansetzen, um zu sehen, wie sie damit klar kommt. Ich denke, sie ist sehr verantwortungsbewusst, dass sie auch jederzeit ihre Injektionen bekommt. Jedenfalls ist das aus den Akten zu ersehen, wenn sie sich das Mittel selbst, frei von jedem Besuch auf der Krankenstation, injizieren darf. Wenn sie allerdings zur Krankenstation kommen soll und muss, dann lässt sie es gerne schleifen, da sie diesen Ort, wo es nur geht, meidet. Ich denke, es dürfte für ihre Behandlung zuträglicher sein, wenn wir ihr auch weiterhin gestatten, die Injektionen sich selbst zu verabreichen, ähnlich einem Diabetiker früher auf der Erde. Ich habe bisher, bis heute, ihre Dosis soweit erhöht, dass sie die letzten Tage nur alle zwei Tage hier aufschlagen musste, ich denke, wir können es ihr noch angenehmer machen." Lexi sah Miller offen und ehrlich an, hoffte, dass diese ihrer Meinung zustimmen würde, auch wenn ihre Erklärung vermutlich viel zu wirr geklungen haben mochte. --- Quartier Nyberg, 18:05 Ein sanftes Piepen des Computers ließ Anna aufblicken. 'Ah, 18 Uhr vorbei.', dachte sie. Ende der Bereitschaftszeit. Bis gerade eben hatte sich noch die technischen Unterlagen der Victory studiert, um über die teilweise neu entwickelten Sensorsysteme auf dem neuesten Stand zu sein. Den Computer hatte sie gebeten, sie zu alarmieren, damit sie nicht vergaß, Lexi zum Training abzuholen. Theoretisch hätten sie schon in der Bereitschaftszeit anfangen können, aber Anna war lieber in Brückenreichweite geblieben. Zum Schichtende war sie von einem Lieutenant aus der Sicherheit, zumindest vermutete sie das, abgelöst worden, er gehörte nicht zur normalen OPS-Crew, sondern wollte sich ebenfalls an den neuen Sensorsystemen fortbilden. Sie hatten bisher eine ruhigen Flug gehabt, also sollte es keine Probleme gehen, aber falls doch etwas schief ging, wäre sie schnell zur Stelle gewesen. Und jetzt, da er die letzten 3 Stunden überstanden hatte, würde er auch den Rest der Schicht meistern. Notfalls könnte ihm CPO DiNovo aus der Gamma-Schicht zur Seite stehen. Anna verstaute das PADD, das sie eben noch durchgelesen hatte und schnappte sich stattdessen ihre Trainingstasche, die bereits gepackt in der Ecke stand. --- Korridor, 18:07 Mit einem kleinen Umweg konnte Anna den Weg zum Freizeitdeck gut mit dem Abstecher zu Lexis Quartier verbinden, um ihre Freundin abzuholen. Sie drückte den Türmelder, aber niemand antwortete. Beim zweiten Mal dasselbe. Wahrscheinlich war Lexi noch in der Krankenstation und machte Überstunden während ihrer Bereitschaft. Das passte Anna ja gar nicht. Nicht, dass sie Überstunden machen musste, sondern dass sie diese auf der Krankenstation machte. Der Besuch alle zwei Tage reichte ihr eigentlich vollkommen. --- Krankenstation, 18:10 Also war sie kurz danach auf Deck 7, vor der Krankenstation. Einmal tief Luft holen, dann nach Eintritt nur noch flach atmen. Da sie Lexi nicht gleich entdeckte, hielt sie den erstbesten Pfleger auf, der ihr über den Weg lief. "Ich suche Lieutenant Haris, wo ist sie?", fragte sie ohne Umschweife und hoffte, nicht zulange auf Lexi warten zu müssen. Marina zuckte zusammen, als sie am Arm gepackt und in den Stand 'gerissen' wurde. Sie sah die Patientin etwas irritiert an und als sie diese erkannte musste sie sich ein leichtes Schlucken verkneifen. Diese Frau hatte schon öfters Unruhe in diese Räume gebracht. Leicht irritiert suchte sie in der Krankenstation. "Ich... ich glaube, sie ist noch bei Dr. Miller drin. Die beiden sind was wichtiges am besprechen", antwortete sie leicht zögerlich. "Kann ich Ihnen vielleicht während der Wartezeit im Ruheraum etwas zu trinken anbieten, Ma'am?" Anna hatte kein Interesse, länger als notwendig hier zu bleiben. Sie versuchte immer noch, möglichst wenig von ihrer Umgebung wahrzunehmen. "Danke.", presste sie zwischen den Zähnen hervor. "Aber ich habe keinen Durst." Inzwischen hatte sie die Schwester wieder losgelassen. "Wenn Sie nicht genau wissen, wo Lt. Haris ist, suchen Sie sie. Ich warte solange hier." Das klang schon fast wie eine Drohung, zumindest sollte es die Schwester veranlassen, schnell zu sein, irgendetwas würde passieren, wenn es zu lange dauerte und selbst Anna war sich da nicht so sicher was. "Wenn sie wirklich bei Dr. Miller ist, richten sie Ihr aus, sobald sie fertig ist, dass ich hier war." Shyla hörte sich an, was ihre Stellvertreterin ihr vorschlug. Die junge Frau schien sich ja sofort zu engagieren. Das gefiel Shyla. Als Haris fertig war, sagte sie zunächst nichts und blickte auf das PADD. Sie kannte die Akte der OPS Offizierin bereits, sie hatte sich auf ihrem Flug hierher alle Krankenakten mit größeren Eintragungen angesehen. "Nun...", setzte sie an, "Grundsätzlich haben Sie mit ihrer Idee natürlich Recht. Jemanden mit einer ausgeprägten und in diesem Fall auch begründeten Ärztephobie sollte man nicht zwingen, täglich auf die Krankenstation zu kommen. Und wenn sie in der Lage ist, sich ihr Medikament selbst zu spritzen..." Sie hielt einen Moment inne. "Aber alle 2 Monate ist mir ein zu langes Intervall.", fuhr sie fort. "Ich würde für den Anfang ein Mal pro Woche vorschlagen, im Laufe der Zeit kann man sehen, ob sich das Intervall noch vergrößern lässt." Lexi sah ihre Chefin mit einem ernsten Gesicht an, war 'kampfbereit' noch mehr Zeit für Anna rauszuschlagen. "Sie ist in der Lage, sich das Mittel selbst zu spritzen und einige von unsere Leuten haben sich in den 2-Tagesintervallen schon mit ihr angelegt, weil sie sich das Mittel, zwar vor den Augen des Personals, selbst injizieren wollte. Und während dem Wechsel hat sie auch einige Tage eine Dosis für mehrere Tage gehabt, dass sie gar nicht auf die Krankenstation angewiesen war. Ich denke, Miss Nyberg ist da schon zuverlässig, wenn man auf ihre Probleme eingeht.", begann Lexi. "Ich würde das Intervall auf ein Monat drosseln, klappt's nicht, können wir immer noch mit ihr reden und runter gehen, aber ich denke, wir sollten sie nicht zu sehr gängeln mit wöchentlichen Besuchen." 'Sie ist ganz schön hartnäckig...'. dachte Shyla. Sie überlegte einen Moment. "Ich denke, dass es zunächst wichtig ist, das Vertrauen von Miss Nyberg zu erlangen. Ihr mit den Besuchen auf der Krankenstation entgegenzukommen ist, da haben Sie Recht, sicherlich ein sehr wichtiger Schritt in diese Richtung. Aber ein Monat ist mir definitiv zu lang. Ich werde Miss Nyberg zunächst wöchentlich auf die Krankenstation bestellen. Wenn sich dann herausstellt, dass alles gut funktioniert, bin ich bereit, das Intervall zu verkürzen.", beharrte Shyla auf ihrem Standpunkt. "Wir könnten uns auch einen der Counselors zu Hilfe nehmen. Vielleicht reagiert Miss Nyberg auf Counselors nicht so wie auf Ärzte." Lexi widerstand dem Drang, ihren Kopf zu schütteln, nahm statt dessen Platz, um auf gleicher Augenhöhe mit ihrer Chefin zu sein. Sie sah die etwas jüngere Ärztin offen an. "Ich glaube, der Weg über die Counselingabteilung ist der falscheste, den wir gehen können.", erklärte Lexi in ruhigem Tonfall. "Ich habe in meiner Zeit, in der ich mich in der Berufsorientierung befunden habe, im Krankenhaus einiges gelernt, besonders, was das Wohlergehen der Patienten angeht. Es geht nicht nur darum, ihm die richtige Medizin zu geben, nein, der Patient muss diese auch wollen und verstehen, warum er sie wann bekommen soll. Uns nützt die beste Behandlungsmethode nichts, wenn der Patient sie nicht annimmt. Dafür müssen wir Ärzte auch mal nachgeben, wenn es nicht zum Nachteil des Patienten sein soll. Wenn wir jetzt einen unserer Counselor auf Miss Nyberg ansetzen, dann wird sie das Vertrauen in unsere Abteilung vermutlich erst recht verlieren und blocken, sich nicht mehr melden und, im schlimmsten Fall, das Medikament nicht mehr nehmen, da sie sich betrogen fühlen könnte. Ich möchte dieses Risiko nicht eingehen. Ich habe sie in den letzten Tagen kennen lernen können, wenn wir ihr entgegen kommen, dann kommt sie auch uns entgegen. Wenn wir ihr allerdings die Pistole auf die Brust setzen, dann wird sie bocken. Das kann unmöglich in unserem und schon gar nicht in Miss Nybergs Interesse liegen.", erklärte Lexi und sie lehnte sich offen zurück. "Wie wären zwei Wochen, wenn das, sagen wir, zwei Monate gut geht, eine Aufstockung auf monatliche Intervalle?" Shyla überlegte. Auf der einen Seite war ihr die ganze Angelegenheit nicht so Recht, schließlich hatte sie die Verantwortung für alle ihre Patienten. Deshalb fiel ihr die Entscheidung schwer. Doch Lexi schien sich in den Tagen, in denen sie noch nicht auf dem Schiff gewesen war, mit der Patientin angefreundet zu haben und schien zu wissen, was das Beste für diese war. Sie beschloss, ihrer Stellvertreterin zu vertrauen. "Also gut. Für den Anfang können wir uns auf ein Intervall von zwei Wochen einigen. Dann schauen wir weiter, wie alles funktioniert.", sagte sie. "Da Sie sich ja bereits mit der Patientin vertraut gemacht haben, schlage ich vor, dass hauptsächlich Sie deren Behandlung übernehmen. Aber ich erwarte, dass sie mir regelmäßig berichten und dass sie sich sofort bei mir melden, wenn etwas Unerwartetes passieren sollte! Bitte legen Sie dies dann auch ihrer Patientin nahe!" Lexi lächelte leicht und nickte. "Einverstanden.", erwiderte sie und sah auf, als die Tür zum Büro aufging. "Entschuldigen Sie bitte die Störung. Dr. Haris, da draußen wartet Ensign Nyberg auf Sie. Sie sagte, sie würde auf Sie warten und... sie klingt ziemlich ungehalten.", erklärte Marina verlegen lächelnd und sah entschuldigend zu Dr. Miller. 'Das Kampftraining!' schoss es Lexi durch den Kopf, als sie auf den Chronometer sah. Sie war für 18 Uhr mit Anna verabredet gewesen. 'Verdammt!' Sie drehte sich zu Marina um. "In Ordnung, sagen Sie ihr, ich bin sofort bei ihr.", erwiderte sie mit einem leichten Lächeln, bevor sie sich noch mal ihrer Chefin zudrehte, während sie aufstand. "Ich denke, das ist eine gute Gelegenheit, ihr die Neuigkeiten zu überbringen." Sie sah Miller noch einmal an. "Wenn Sie nichts weiter haben..." "Nein. Ich denke, dann ist soweit alles geklärt. Miss Nyberg wird alle 2 Wochen ihren Besuch hier abstatten und ich erwarte ihre regelmäßigen Berichte.", entgegnete Shyla und stand ebenfalls auf. Derweil war Marina wieder zurück in den Hauptraum und trat jetzt erneut auf Anna zu. "Dr. Haris kommt sofort, sie ist nur noch gerade ein paar abschließende Dinge am klären." Lexi nicke. "In Ordnung, ich werde den ersten Bericht dann morgen früh einreichen und den nächsten dann nach der nächsten Vorstellung durch Ensign Nyberg." Die Ärztin drehte sich um. "Dann bis morgen", verabschiedete sie sich von ihrer Chefin und nach deren Nicken verließ sie das Büro und ging auf Anna zu. "Danke, Schwester. Sie können weitermachen.", Anna versuchte, ihr Unbehagen hinter offiziell-korrektem Verhalten zu verbergen, als sie die Schwester mit einem Nicken entließ. Sie blieb, wo sie gerade stand und wartete, die Hände hinter dem Rücken, auf Lexi, die dann auch ein paar Augenblicke später auftauchte. --- Im Quartier der Familie DeChâteau, 18:00 Fertig! Alles war an seinem Platz. Die Kinder hatten ihr Reich in der oberen Etage in Besitz genommen und tobten gerade auf den Betten herum, dabei schrieen und kreischten sie übermütig. Nesta lächelte nachsichtig und schaute nach oben, als wenn sie durch das Deck gucken könnte. "Miau", machte es neben ihr und das kleine schwarz-weiße Kätzchen schmiegte sich an ihre Beine. Liebevoll nahm Nesta das Tierchen auf. Sie spürte den Hunger der kleinen Katze und kam der Aufforderung sofort nach. Sie hatte sich von den Menschen, von denen sie Emily bekommen hatte, genau erklären lassen, wie man eine Katze, besonders eine junge Katze, fütterte. Sie hatte alle Anweisungen und Ratschläge notiert und auch mit ihren Töchtern ausgiebig darüber gesprochen. Sie war immer sehr skeptisch gewesen, ein Tier, welches die Freiheit liebte, in ihre Familie aufzunehmen. Aber sie wusste von Timo, dass Tiere einen ungeheuer großen Beitrag zum Sozialverhalten der Kinder beitrugen. Also überwand sie ihre angeborene Ablehnung, zum Wohle ihrer Kinder, die zur Hälfte menschlich waren. Und überraschender Weise fühlte Nesta sich durch die kleinen Liebesbeweise dieses kleinen Wesens belohnt. "Ich muss nach oben, zu den Kindern, wirst du wohl so lange ohne mich zurecht kommen?", fragte Nesta das Tierchen und lächelte. 'Jetzt spreche ich mit Emily schon wie mit einem Menschen!' Nesta ging nach oben zu ihren Töchtern und schaute bei Michelle ins Zimmer. Michelle hatte sich ausgetobt und lag nun mit dem Rücken auf ihrem Bett und starrte an die Decke. "Hallo mein Kleine!", sagte die hübsche Betazoidin und trat zu ihrem Kind ans Bett. "Oh Mummy! Es ist toll hier. Die Betten sind ideal!" Michelle hatte sich aufgerichtet und ihre Arme um den Hals ihrer Mutter geschlungen. Nesta erwiderte die Umarmung herzlich und antwortete: "Ideal zum Springen oder ideal zum Schlafen?" "Beides natürlich!" Beide lachten, ein Laut der Leah neugierig machte. Die Jüngste DeChâteau betrat schwungvoll das Zimmer ihrer großen Schwester und schmiss sich mit Begeisterung auf ihre Mutter. Nesta umarmte die Kleine mit ihrem freien Arm und drückte beide Mädchen an sich. "Wann tommt Gaggy?", fragte Leah. "Das heißt: Wann K-ommt D-aDDy?", belehrte sie Michelle. Leah zog einen Fluntsch und fragte: "Wann T-ommt Gaggy?" "Ich denke, zum Abendessen wird Daddy hier sein!", antwortete Nesta nachsichtig. "Was dibts genn?" "Lass dich überraschen, mein Engel!" "Darf ich mir was wünschen, Mom?", fragte Michelle. "Nein, immer garfst gu gir was wünschen! Gas isk demein!" "Was haltet ihr von Nudeln?", fragte Nesta. "JA!", riefen beide Mädchen unisono. "Dann kommt, lasst uns gemeinsam kochen!" Und so gingen die drei Damen eine Etage tiefer, in die kleine Küche und bereiteten das Abendessen vor. --- Arboretum, 18:01 Als Duncan den Lift wieder verließ, blickte er sich ein wenig verwirrt um. Der Liftausgang schien direkt in einer Felswand untergebracht zu sein und vor ihm befand sich eine kunstvoll gestaltete Landschaft, bei der sich jemand offenbar viel Mühe gegeben hatte. Duncans Augen wanderten über die Landschaft und er konnte kein Ende erkennen, generell wurde der Eindruck erweckt, man befände sich auf einer Insel, offenbar wurde hier äußerst geschickt mit holographischer Technologie gearbeitet. Als Duncan nach oben blickte, sah er gar einen blauen Himmeln mit einer Sonne wie auf der Erde und einigen wenigen Wölkchen. Er folgte den Weg und traf unterwegs mehrfach auf offenbar wegen des Gartens verwundert dreinschauende Crewmitglieder. Der Garten war eine Komposition aus Pflanzen der verschiedensten Planeten und überall waren kleine Bachläufe, Teiche und auch Wasserfälle eingebaut, es gab verborgene Ecken mit Bänken, eine Wiese mit Bäumen und mehr, hin und wieder zweigte ein Weg oder ein Pfad von dem Weg auf dem Duncan lief ab. Schließlich stieg der sich windende Weg an und erklomm eine kleine Anhöhe von welcher aus man die gesamte Anlage sehen konnte. Duncan atmete ob des vielen Grüns fern der Heimat tief durch und genoss den Blick hinab auf die scheinbar natürlich entstandene Landschaft. Nachdem sich Duncan an der schön gestalteten Umgebung satt gesehen hatte, schickte er sich an, das Arboretum wieder zu verlassen, Er kehrte über den Weg zurück zu dem Zugang, durch welchen er die Anlage betreten hatte und seufzte, nachdem sich das Schott hinter ihm schloss. Dann ging er weiter in Richtung Hauptmaschinenraum. --- Hauptmaschinenraum, 18:06 Nach kurzem hatte er den Hauptmaschinenraum erreicht. Er grüßte kurz seine Kollegen aus der technischen Crew, die wie immer geschäftig bei der Arbeit waren und an der Instandhaltung und Optimierung der Aggregate arbeiteten. Dann hatte Duncan den Hauptmaschinenraum hinter sich. --- Technische Labore, 18:12 Duncan ging langsam durch den Korridor, welcher die verschiedenen technischen Labore voneinander trennten. Dann kam er an jene Tür hinter welcher sein Projekt, an dem er nun schon seit längerem arbeite, auf ihn wartete. Zu lange hatte er keine Zeit darin investiert und wollte nun wieder damit beginnen. Er identifizierte sich beim Sicherheitssystem und das Schott öffnete sich. Langsam betrat er den Raum, in welchem sich mit seinen Eintreten die Lichter aktiviert hatten. Hinter sich hörte er, wie sich das Schott wieder schloss. --- Technisches Labor, 18:27 Langsam trat Duncan auf den kleinen Container zu, der sein eigenes Projekt enthielt. Es war lange her, dass er daran gearbeitet hatte, wohl Monate. Doch hatten ihm die Umstände keine anderen Möglichkeiten gelassen. Sein persönlicher Code öffnete den Container und er entnahm den darin enthaltenen Kampfanzug und die Datenspeicher, sowie einige Module, mit denen er noch nicht fertig war oder die noch in den Anzug integriert werden mussten. Seine Hand strich über die harte Oberfläche der Panzerung und er musste lächeln. Hoffentlich hatte er hier nun mehr Zeit an seinem Projekt zu arbeiten. Er legte alles auf den Tisch und ging zum Replikator und ließ sich etwas zu trinken replizieren "Ein China White Monkey. Heiß!" Leider war ihm der echte Tee ausgegangen und so musste er auf replizierte Getränke zurückgreifen. Er wandte sich um und überflog die Einrichtung des Labors. Ja, hier gab es alles, was er brauchte. Duncan replizierte sich noch ein wenig braunen Kandiszucker und einen Löffel. Genüsslich rührte er alles zusammen und trank langsam seinen Tee. Dann machte er sich daran das Labor so herzurichten, wie er es wollte. --- Deck 4, Büro des Sicherheitschefs, 18:00 Shakkle beendete gerade den letzten Bericht der Sternenbasis und wollte sich mal der Akte von Ensign Sheila Loraya widmen, als der Türsummer betätigt wurde. Der CoS blickte zu der Tür auf und meinte: "Herein." Die Tür ging auf, jedoch war es nicht wie erwartet Ensign Loraya, sondern der taktische Offizier, Lieutenant Rachel Howard. "Kommen Sie rein und setzen Sie sich, Lieutenant. Wie war die Brückenschicht?", fragte er, während er den PADD mit Personaldaten auf dem Tisch legte. Rachel folgte der Aufforderung, sich zu setzten mit einem flüchtigen Lächeln. "Ruhig, Sir. Keine besonderen Vorkommnisse. Allerdings war ich ziemlich lange mit der Auswertung einiger Daten beschäftigt, weshalb ich leider das Training der Alpha-Schicht verpasst habe." Sie wirkte ein wenig zerknirscht. Wenn sie ehrlich war, war sie so in die Daten vertieft gewesen, dass sie das Training sogar mehr oder weniger vergessen hatte. Geändert hätte es aber so oder so nichts. Rachel war nicht der Typ, der eine Sache unerledigt liegen ließ, um eine neue zu beginnen. "Ich wollte fragen, ob für morgen bereits eine neue Trainingsrunde angesetzt ist, Sir." "Kein Problem, Lieutenant, die nächste Übung ist für morgen 2300 angesetzt.", meinte er mit ernster Stimme, jedoch seine Augen leuchteten für einen Moment amüsiert. "Außerdem, hatten Sie ja Dienst auf der Brücke. Wie steht es mit der Waffenkontrolle, der TAK? Ist sie noch immer etwas träge, oder hatten unsere Technikgötter endlich Zeit gefunden, diese richtig zu kalibrieren?", fragte Shakkle. Rachel stutzte ein klein wenig, als Reszko ihr mitteilte, wann die nächste Übung stattfinden sollte. Nun gut, sie würde da sein... Mit einem leichten Schmunzeln setzte sie nun zur Antwort auf seine Frage an. "Die 'Technikgötter' haben tatsächlich schon heute Morgen die Zeit gefunden und gute Arbeit geleistet. Die Waffenkontrolle funktioniert nun so schnell und effizient, wie sie sollte." Rachel machte sich daran, sich von Reszko zu verabschieden. Sie wollte endlich ins Casino und etwas essen. Langsam machte sich ihr Magen bemerkbar und beschwerte sich wegen des Mittagessens, das Rachel so ziemlich hatte ausfallen lassen. Dann überlegte sie es sich jedoch anders. "Sir, ich nehme an, sie machen ebenfalls gleich Feierabend. Hätten sie vielleicht Lust, mich ins Casino zu begleiten, um eine Kleinigkeit zu essen?" Sie hoffte, der Sicherheitschef würde nicht zu viel in ihre Frage hinein interpretieren. Rachel war heute Abend lediglich nach ein wenig Gesellschaft und Reszko schien ihr ganz nett zu sein. Die ersten Wochen auf diesem Schiff hatte sie beinahe ausschließlich mit Arbeit zugebracht und die Crew größtenteils außen vor gelassen. Es wurde höchste Zeit, dass sie endlich mal ein paar neue Bekanntschaften machte, wenn sie auf diesem Schiff nicht komplett vereinsamen wollte. Als sie ihm den Vorschlag unterbreitete, gemeinsam in der Messe zu essen, blickte Shakkle die blonde, bajoranisch aussehende Frau an. 'Die Idee ist vielleicht nicht verkehrt, immerhin ist sie deine Stellvertreterin und du solltest sie besser einschätzen können.', überlegte er, nickte zustimmend und erhob sich. "Ein Imbiss ist eine gute Idee, Lieutenant.", meinte er, während er die am Tisch liegenden PADDs einsammelte und sicher verstaute. Mit einem Nicken nahm sie Reszkos Zusage zur Kenntnis und legte die Hände auf den Rücken. Geduldig wartete sie nun, bis der Lieutenant Commander fertig war. Der Sicherheitschef hatte gerade seine PADDs sortiert, als erneut der Türsummer von außen betätigt wurde und, nach Auforderung, ein weiblicher Ensign der Sicherheit das Büro betrat. Rachel musterte die Frau kurz. Sie hatte sie vor weniger als einer halben Stunde auf der Brücke gesehen, als sie zum Captain wollte und schlussfolgerte daraus, dass sie eine der letzten noch erwarteten Mitglieder der Sicherheit war. Howard lächelte der Frau kurz freundlich zu und nahm dann Haltung an. "Sir, ich werde noch kurz in mein Büro gehen. Ich warte dann gleich draußen auf dem Gang." Reszko nickte und so verließ Rachel sein Büro, um eine Tür weiter zu gehen. Ich eigenes Büro war ein wenig kleiner als das von Shakkle Reszko. Warum auch nicht? Als stellvertretende Sicherheitschefin hatte sie nur wenig 'Papierkram' zu erledigen und die Taktik brachte auch nicht viel davon mit sich. Es war also vollkommen ausreichend. Was dem Büro allerdings fehlte, darüber war sich Rachel im klaren, war eine persönliche Note. Allerdings hatte sie sich bisher auch nicht vorgenommen, dies zu ändern. Vorerst hatten andere Dinge Priorität. Rachel ging zum Schreibtisch und schaltete den Monitor ihres Computers an. Sofort machte eine Benachrichtigung von Silvy LaPlace auf sich aufmerksam. LaPlace hatte für 7 Uhr ein Konditionstraining auf dem Holodeck festgesetzt. Howard hob überrascht eine Augenbraue. Hatte Reszko eben vergessen, dies zu erwähnen, oder kannte er den Termin selber noch nicht? Die Frage nach den Beweggründe des Sicherheitschefs vergessend, machte sie sich jedenfalls eine gedankliche Notiz wegen dem Termin, schaltete den Monitor wieder aus und verließ das kleine Büro. Der Gang, auf den sie hinaus getreten war, war leer. Reszko konnte unmöglich schon mit der Begrüßung des neuen Teammitglieds fertig sein, also verschränkte Rachel erneut die Hände auf dem Rücken, um vor dem Büro auf die beiden zu warten. Sheila erwiderte das Lächeln von Lieutenant Howard freundlich, ehe sie Haltung annahm und sich protokollarisch korrekt vorstellte: "Ensign Sheila Loraya, meldet sich zur Stelle, Sir!" Sie behielt ihre Haltung bei und schaute Reszko nicht direkt an, sie fixierte einen imaginären Punkt irgendwo oberhalb seines Kopfes und wartete darauf, dass er etwas sagte. Allerdings hatte sie ihren Magen nicht so gut unter Kontrolle, der unüberhörbar zu knurren begann. 'Verdammt, wann hab ich das letzte Mal etwas gegessen? Oh, heute Morgen!', dachte sie und seufzte. Gut dass ihr Dienst erst morgen früh begann. Dann könnte sie gleich ins Casino gehen und einen Happen essen. Shakkle nickte nur, als sich Lt. Howard kurz verabschiedete und musterte kurz den Neuankömmling, ohne mit den Aufräumen aufzuhören. Die zierliche Frau hatte Haltung angenommen und blickte starr vor sich hin. Der CoS überhörte beflissentlich das Knurren und lies sie noch etwas zappeln. Als er endlich alles sicher verstaut hatte, blickte er die Frau an und meinte: "Rühren, Ensign. Ihre letzte Verhaftung war interessant.... Aber die Alphaschicht hat jetzt Feierabend, wir sprechen morgen darüber. Begleiten Sie uns ins Casino?", fragte er, ging an ihr vorbei und öffnete die Tür. 'Na klasse, einer von der Sorte!', dachte Sheila und versteckte ihre grummelige Laune hinter einem amüsierten Lächeln, als sie einen bequemeren Stand einnahm. 'Erst lässt er mich hier stramm stehen und dann macht er einen auf freundliche Einladung. War das überhaupt eine Einladung?' "War das ein Befehl, Sir?", fragte sie ihn immer noch lächelnd, als sie ihm auf den Korridor folgte. 'Ah ja, er geht voran! Alles klar, kein Gentleman!', dachte sie und unterdrückte den Seufzer, der ihr auf der Seele lag. 'Commander Yates war da doch ganz anders. Menschlicher. Freundlicher. Und er war ein Gentleman.', ging es ihr durch den Kopf. Lieutenant Howard wartete im Korridor und irgendwie fühlte Sheila sich fehl am Platz. Sollte sie wirklich mit ihren beiden Vorgesetzten im Casino essen gehen? Shakkle konnte sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Ensign schmollte. Er ging als Ranghöherer als erster raus und drehte sich zu der ihm folgenden Frau hin. "Nein, Ms Loraya, es war nur ein Vorschlag, da Sie hörbar Hunger verspüren, aber Sie können auch gerne ihr Essen in ihrem Quartier aufnehmen." Danach ließ er die junge Frau stehen und näherte sich seiner Stellvertreterin. "Kommen Sie bevor die Messe voll wird und wir keinen Sitzplatz kriegen." --- Deck 4, 18:07 Es dauerte nicht lange und die Tür zu Reszkos Büro öffnete sich mit einem leisen Zischen. Der Sicherheitschef und der Ensign betraten den Gang und Rachel verfolgte mit ungerührter Mine den kurzen Gesprächswechsel zwischen den beiden. Dann nickte sie dem Sicherheitschef zu, blieb aber doch noch einen Moment stehen und musterte den Neuankömmling. "Lieutenant Rachel Howard.", stellte sie sich schließlich knapp, aber freundlich, vor und reichte ihr die Hand. "Sie begleiten uns also ins Casino, Ensign?" Sie warf einen kurzen Blick in Richtung Reszko, der inzwischen auf den Turbolift zusteuerte. Shakkle ging voran und blieb bei dem Lift sehen. Er drehte sich teilweise zu den Frauen hin und beobachtete ihre kurze Unterhaltung. Der CoS war sich der Ensign nicht sicher, sie schien versucht zu sein ihre Weiblichkeit ihm gegenüber auszuspielen. Besonders ihr Lächeln war für Shakkle unverständlich. Er war es nicht gewohnt, dass ein Sicherheitsoffizier, ein PO oder gar ein Kadett so was bei der Meldung machte. Er fragte sich, ob Ensign Loraya klar war, dass er sie der Alphaschicht zugeteilt hatte und morgen mit ihr die Sache mit der Verhaftung des Captains besprechen wollte. Immerhin hatte sie ihn gefragt, ob sein Vorschlag ihm und Lt. Howard zu begleiten, ein Befehl sei. Nun vielleicht war seine Art, die Informationen ohne längere Ausführungen weiterzugeben, gewöhnungsbedürftig, aber bisher war dies auch kein Problem gewesen. Er fühlte sich immer noch als ein Ausbilder, der an Smalltalk nicht gewohnt war. 'Hm, so formuliert er also Vorschläge. Das sollte ich mir merken', dachte Sheila und schaute ihm kurz hinterher, bevor sie Rachel die Hand reichte und sich vorstellte. "Sheila Loraya, sehr erfreut Sie kennen zu lernen, Ma'am!" Sie unterbrach sich kurz und fuhr dann verhalten fort: "Ehrlich gesagt, ich bin mir nicht sicher, ob es richtig ist, Sie zu begleiten. Ich habe zwar Hunger, nur weiß ich nicht ob... nun Sie und Commander Reszko sind meine Vorgesetzten..." Die beiden Frauen hatten inzwischen den Weg zum Lift eingeschlagen und erreichten den Commander in dem Moment, in dem sich die Türen öffneten. "Ich denke, ich werde mir mein Essen nehmen und Sie beide besser allein speisen lassen, vielleicht wollen Sie etwas besprechen, was nicht für meine Ohren bestimmt ist.", beendete sie ihre Antwort im Beisein des Commanders. Rachel warf Reszko einen kurzen, abschätzenden Blick zu, doch der Commander ließ nicht erahnen, was er von der Sache hielt. Also ergriff sie die Initiative. Schließlich hatte ja sie den Commander gefragt, ob er mit ihr ins Casino ging, nicht umgekehrt. "Nun, ich wüsste nicht, dass wir gleich etwas dienstliches zu Besprechen hätten. Das gemeinsame Abendessen war viel mehr als, nun, kleine Kennenlern-Runde gedacht. Sie sind herzlich eingeladen.", sagte sie und betrat hinter Reszko den Lift. Die junge Spanierin lächelte ihre beiden Vorgesetzten an und erwiderte: "Danke, für die Einladung! Commander Reszko hat bereits bemerkt, dass etwas Nahrungsaufnahme ganz im Sinne meines Magens ist." Sheila drehte sich dem Commander zu und sagte: "Ich möchte mich für meine ungerechtfertigte Frage von vorhin entschuldigen, Sir. Ich denke mit der Zeit werde ich Ihre Worte richtig interpretieren." Sie sah lächelnd zu ihm auf, ihre Worte waren aufrichtig, ebenso ihre Gesinnung, wenn sie auch ganz tief in sich noch leise Zweifel verspürte, aber die würden sicher irgendwann verschwinden. So oder so, war sie gespannt darauf in welcher Reihenfolge sie gleich den Lift verlassen würden. Dem Rang entsprechend oder 'Ladies first'? Wieder umspielte dieses rätselhafte Lächeln ihre Lippen. Ihr Magen knurrte wieder und sie legte überrascht ihre Hand auf den Bauch. 'Gleich! Du musst nicht mehr lange warten', redete sie ihm im Stillen zu und schmunzelte erneut. Shakkle hörte die wiederholte Einladung an die Ensign und wurde in seiner Vermutung bestätigt, dass seine Art die Informationen weiterzugeben wohl nicht ganz einfach war. Oder lag das eher daran, dass er Soldat mit Leib und Seele war und ihm das wortreiche Gehabe vieler Offiziere nicht lag, er hasste es regelrecht. Er nickte zu den Worten der Ensign und betraten gemeinsam den Lift. "Deck 3.", befahl der CoS und in Sekundenschnelle waren sie am Ziel. 'Was für eine Verschwendung von Energie nur um ein Deck höher zu kommen.', dachte er. Da er am weitesten von der Tür stand, lies er die anderen vorgehen. Sie gingen gemeinsam in Richtung der Messe, aber Shakkle hielt sich etwas zurück um den Frauen die Möglichkeit zu geben, sich unbeschwert zu unterhalten. --- Sicherheitsabteilung, 18:05 Nachdem sie den Konferenzraum verlassen hatte, begab sich Silvy wieder in die Sicherheitszentrale. Dort rief sie sich die Schichtpläne auf den Computer. Sie sah, dass auch die taktische Offizierin Rachel Howard dieser Schicht angehörte. 'Na das kann ja spaßig werden.' dachte sich Silvy. 'Das Training einer Vorgesetzten zu leiten... Was hat sich Reszko bloß dabei gedacht?' Sie schickte allen Mitgliedern des Alpha-Teams eine Nachricht, in der sie noch einmal den Trainingsplan ankündigte. Schließlich waren bei der Besprechung eben nicht alle dabei gewesen. Als sie dies erledigt hatte, begab sie sich in ihr Quartier. Sie musste schließlich noch den Trainingsplan für die morgige Einheit ausarbeiten. --- Deck 3, 18:08 Gemeinsam mit Loraya verließ Howard den Lift, gefolgt von ihrem Vorgesetzten Reszko. Und schon bevor die kleine Gruppe das Casino erreichte, erreichte sie dessen Geräuschkulisse, wenn die breite Tür sich mal wieder öffnete. "Ich fürchte, um diese Zeit ist das Casino äußerst gut besucht. Mal sehen, ob wir überhaupt noch einen Tisch bekommen.", sagte sie zu Loraya gewandt, bevor die drei den großen Raum betraten. --- Casino, 18:10 Sie blickten sich kurz um. Alle Tische waren besetzt. Obwohl... eine vierköpfige Gruppe an einem der breiten Fenster machte offensichtlich Anstalten, das Casino allmählich zu verlassen. Optimistisch trat Rachel als erstes an einen der Replikatoren und bestellte sich einen großen Meeresfrüchtesalat mit zwei Scheiben Weißbrot, so wie ein Glas Wasser. Irgendwie war ihr heute Abend nicht sonderlich nach einer warmen Mahlzeit. Ein leckerer Salat war da eine gute Alternative. Während sie die Sachen aus dem Fach nahm, warf sie wieder einen Blick zu dem Tisch. Tatsächlich. Die vier Crewmen standen gerade auf. Rachel nutzte die Gelegenheit, deutete den beiden anderen, dass sie schon mal vorgehen würde und nahm den Tisch sogleich in Beschlag. Nachdem auch Reszko und Loraya Platz genommen hatten, beschränkte man sich, abgesehen von ein wenig Smalltalk zwischendurch, alleine aufs Essen. Nach einer Weile trat eine Lieutenant an ihren Tisch heran. "Entschuldigung, könnte ich mich zu Ihnen an den Tisch setzten? Sonst ist nichts mehr frei.", fragte sie. --- Krankenstation, 18:10 Nachdem sich Dr. Haris von ihr verabschiedet hatte, aktualisierte Shyla die neuen Daten in der Akte der OPS-Offizierin Nyberg. Danach verließ sie ihr Büro. "Hallo, entschuldige, ich habe die Zeit etwas verpennt.", begrüßte Lexi Anna derweil im Hauptraum. "Aber ich hab ein paar gute Neuigkeiten für dich.", meinte sie lächelnd und deutete auf den Raum, den sie vor ein paar Tagen Anna schon 'vorgestellt' hatte. "Komm mit, ich informier dich gleich, dann brauchst du morgen früh nicht noch mal her kommen." "Hi.", begrüßte Anna ihre Freundin, froh, dass sie nicht länger warten musste. "Du weißt, ich tu alles, um nicht hierher zu müssen.", kommentierte sie Lexis Ankündigung, dass ihr morgiger Besuch ausfallen könnte. Während sie ihr in Richtung Gemütlichkeit folgte, murmelte sie weiter, nicht unbedingt direkt an Lexi gewandt, und nicht unbedingt ernstgemeint. "... sogar Trainingsstunden bei Unpünktlichkeit der Teilnehmer komplett abzusagen..." Im Nebenraum ließ sie die Sporttasche von der Schulter gleiten und fläzte sich auf ein Sofa. "So, was gibt es denn, was Du mir unbedingt sagen willst?", fragte sie neugierig. Lexi lächelte und ging gleich weiter zum Replikator, wo sie ihren Autorisierungscode eingab, um dort eine Kiste mit Phiolen für zwei Wochen und ein Hypo für Anna replizierte. Mit der Kiste in der Hand ging sie zum Sofa. "Nun, ab sofort kannst du dir dein Medikament selbst im Quartier verabreichen. Wir wollen dich nur noch alle 14 Tage hier sehen.", grinste Lexi Anna an. "Wenn es gut läuft, kann sich der Intervall noch vergrößern.", setzte sie mit zuversichtlichem Tonfall hinzu und reichte Anna die kleine Kiste. "Und du wirst hauptsächlich mir als Patientin zugeteilt, brauchst dich also nicht wirklich mit jemand anderem abzugeben." Sie sah kurz verlegen drein. "Und das mit dem Training... Ich dachte, ich hätte noch Zeit, ins Quartier zu gehen, aber ich hab mich wohl in der Zeit vertan, ich hätte wohl doch mal auf die Uhr sehen sollen. Gehen wir es trotzdem an?" Anna saß erst einmal baff da, mit der Kiste in der Hand. "14 Tage?", fragte sie ungläubig. Dann realisierte sie, welche Freiheit das für sie bedeutete. Klirrend landete die Kiste auf dem Sofa, als sie aufsprang und Lexi, für ihre Verhältnisse stürmisch, umarmte. "Danke! Wie hast Du denn das hingekriegt?" Sie ließ Lexi wieder los, in ihren Augen glänzte es etwas feucht, aber ihr Lächeln strahlte. "Sorry, was hast Du gerade noch gesagt? Das Training? Wenn Du noch in Deinem Quartier vorbei willst, kein Problem, ich kann ja mitkommen." Lexi lächelte und erwiderte die Umarmung Lexis freundschaftlich, führte sie dann wieder zurück zum Sofa. "Ja, ich sollte mich noch fix umziehen vor dem Training.", meinte sie lächelnd und sah Anna dann an. "Was ich bezüglich der Behandlung noch sagte: Erst mal wird es bei dem Zwei-Wochen-Intervall bleiben, wenn das gut läuft, wovon ich ausgehe, wenn ich mir deine Akte angucke, wird der Intervall mit der Zeit vergrößert. Und du darfst mich ärgern, als deine Hauptärztin.", grinste sie Anna an. Anna lachte auf. "Solange Du mir meinen Stoff gibst, werd' ich Dich in Ruhe lassen.", scherzte sie. Sie packte die Kiste mit den Phiolen in ihre Sporttasche und stand auf. "Dann komm, lass uns gehen.", sagte sie und startete Richtung Tür. "Sollst du kriegen." Lexi lächelte und folgte Anna auf dem Fuß aus der Krankenstation und führte die schwarzhaarige Opsoffizierin zu ihrem Quartier. 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