************************************************************************ * USS Victory * * Auswertung 02 / 28042006 * * 14052380 - 21052380 * * Vorgeplänkel * ************************************************************************ ************************************************************************ * 14052380 * ************************************************************************ --- USS Victory, Quartier Yates James Herold wachte ungewohnt entspannt am nächsten Tag auf und räumte nach der Dusche und dem Ankleiden sogleich sein Gastquartier, welches er für die eine Nacht bezogen hatte, um ein schönes französisches Frühstück auf der Promenade einzunehmen. Von dort aus hatte er einen guten Blick auf die Andockbereiche und sah auch die Victory andocken. Über den Kommunikator veranlasste er das Verladen seiner Tee-Pflanzen direkt in den hydroponischen Garten des Schiffes und sein persönliches Gepäck in sein Quartier. Nach einigen kurzen Einkäufen alltäglicher Mittel machte auch Jimmy sich auf den Weg, sein neues Heim zu betreten. Es wirkte sehr aerodynamisch von außen. Schlank, lang, flach und wie ihm ja bekannt war, unter 20 Decks. "Ein schönes Schiff.", kommentierte er mit typisch trockenem englischem Humor. 'Das Quartier des ersten Offiziers.', waren die Gedanken, die Yates bei sich trug, als er sich immer wieder umschaute. Gut, gegenüber des Captainquartiers war das immer noch ein Lacher. Aber er hatte noch nie 3 Räume plus Bad für sich gehabt und ein separates Büro besaß er ja auch noch. Neben dem Schreibtisch und den beiden Besuchersesseln standen die Koffer und Container seines persönlichen Hab und Gutes. James ging durch sein Quartier, ließ die Hand über seinen Computer gleiten, nahm in seinem Sessel genau so Platz, wie auf allen anderen Sitzmöbeln. Begutachtete seinen Schlafbereich, das Bad und kam dann in den halbgeteilten Wohn- und Arbeitsraum zurück. Zum Schlafzimmer, welches den Zugang zum Bad erlaubte, war das Arbeitszimmer gerichtet. Ein Bücherregal, ein Schreibtisch mit Sessel, ein Sofa mit kleinem Tisch und zwei Sessel die man wahlweise zum Sofa oder Schreibtisch drehen konnte und nebenan waren weitere Regale, Tische und Stühle sowie der Replikator. Und die wunderbare Fensterfront. Ja er konnte sich an das Quartier gewöhnen und fing sofort an, seine Sachen auszupacken und die Regale und Schränke zu füllen. Knappe zwei Stunden später war er fertig und nahm die übrigen Kisten mit in sein Büro auf Deck 2, welches auch sehr schön eingerichtet war. Es stand dem Bereitschaftsraum des Captains in nichts nach. Ein Sofa, falls man mal übernachten musste, zwei Sessel, ein Couchtisch, sowie der Schreibtisch mit kleinem Replikator, Miniatur-Holoprojektor und Computer und Plätze für zwei Gäste. Ein MSD bedeckte die freie Wand statt einem Fenster und auf einem kleinem Tisch in der Ecke stand eine Miniatur der USS Victory unter einer Glaskuppel. Alles sehr schön, geradezu perfekt und es roch auch noch etwas neu. Die etwas dunkleren, roten und braunen Töne, vermischt mit etwas Starfleet-Grau und dem dunklem rot-blauem Teppich machten das Arbeitsflair komplett. Die Einrichtung mit privaten und Arbeitsgegenständen dauerte hier nicht so lange. Drei Bücher, einige PADDs und isolineare Chips legte er ab und füllte die Schubladen des Schreibtisches auf. Beim Anblick der silbernen Miniatur, der Captain hatte das Anrecht auf die goldene, fiel ihm ein, dass er mit noch keinem anderen Crewmitglied gesprochen hatte und entschied sich daher, schnell dafür vorstellig zu werden. Das Schiff würde schon sehr bald wieder abdocken und die Reise würde weitergehen. Jimmy verließ sein Büro und suchte die Brücke auf, um den Captain im Bereitschaftsraum bei ungeliebter Arbeit anzutreffen. Er hatte ja keine Ahnung, wie stressig das für den Kommandanten sein konnte, aber freute sich um so mehr darüber, das Kommando über die Brücke übernehmen zu können und nahm nur zu gerne Platz auf dem Stuhl in der Mitte. --- Cardassianisch-Föderale Grenze, CIS Jakromey Brücke, 13:13 Das Schiff hatte schon weitaus bessere Zeiten unter seiner Führung erlebt. Lange vor dem Krieg und dem Zerfall des alten Cardassias. Das war noch alles etwas einfacher gewesen. Cardassia war eine Einheit, das Dominion hatte noch niemand gekannt und der Frieden mit der Föderation war nur eine Taktik des Oberkommandos gewesen. Damals als er das Kommando über dieses stolze Schiff übernommen hatte. Das erste von der neuen Galorserie mit verbessertem Warpkern und Verteidigung. Die Föderation war zu dem Zeitpunkt nur in soweit informiert gewesen, dass es ein neues Kampfschiff geben sollte. Sie hatten jedoch nicht damit gerechnet, dass das Neue ein Altes sein würde. Er bedauerte es immer noch, nicht die dummen Gesichter der Brückencrew des USS Risona gesehen zu haben, als diese bemerkten, wie ihr Steamrunner plötzlich von einem 'trägen' Galorschiff eingeholt wurde. Nun ja, mittlerweile war auch die Föderation sehr gut über die Leistungskraft der Galorklasse informiert. Ebenso darüber, dass die Jakromey noch als einziges Schiff über eine Tarnung verfügte, wenn diese jedoch dem Chefingenieur ständig Probleme machte. Im Moment jedoch war das wohl das kleinste Problem. Telmar richtete seinen aus der Verankerung gerissenen Kommandostuhl auf und versuchte ihn wieder in seine Fassung einzurasten. Leider hatte diese beschlossen auszureißen. Der Gul ließ ihn wieder fallen. "Wie ist unser Status?" Unter einer Deckenplatte kroch Rokra hervor und bezog wieder seinen Posten. "Schilde bei 28%. Hintere Disruptorphalanx ausgefallen. Vordere nur zu 30% verfügbar. Wir haben einige kleinere Hüllenbrüche, aber nichts ernstes. Es werden ungefähr 45 Verletzte und drei Tote gemeldet." - "Warpantrieb ausgefallen, Impuls zu 80%.", ergänzte der Steuermann. "Dann haben wir ja keine größeren Probleme.", konstatierte der Gul, "Und wie sieht es mit unseren Freunden da draußen aus?" Rokra führte einen Scan aus. "3 feindliche Jäger sind zerstört. Ich entdecke keine Überlebenden. Unser letztes Manöver hat Wirkung gezeigt. Der 4. Jäger der uns angegriffen hat, driftet antriebslos im Raum. Waffen ausgefallen. Ich registriere 27 Lebenszeichen..." Eine Hand neben Rokra gab einen Befehl in seine Konsole ein. Eine Salve Disruptorfeuer schoss über den Hauptschirm und verwandelte den driftenden Jäger in einen Feuerball. "Korrigiere!", meinte Rokra, "Das Schiff hatte einen Warpkernbruch. Keine Überlebenden!" - "Gut." Telmar schlug seinem langjährigen Weggefährten auf die Schulter. "Auftrag ausgeführt, Rokra. Melden Sie dem Oberkommando, dass wir 4 Jäger mit Dissidenten lokalisiert und eliminiert haben und dass man uns Hilfe schicken möchte, damit wir hier wieder schneller weg kommen." - "Aye, Gul!" ************************************************************************ * 20052380 * ************************************************************************ --- Raumdock Barimos III, 09:30 Verschrotten! Auf so eine Idee konnten auch nur Bürokraten kommen! Telmar kochte. Die Jakromey hatte Cardassia mehr als ein Jahrzehnt treu gedient und nun, wo sie beim Verteidigen des neuen Cardassias etwas stärker angekratzt war, wollte man sie nicht mehr überholen, sondern außer Dienst stellen. Es schien in der Tat so, als sollte die Jakromey ein Symbol sein. Ein Symbol für Telmar. Anders war es kaum aufzufassen. Anstatt dem Gul wenigstens ein neues Schiff zuzuteilen, hatte er doch tatsächlich Order bekommen, als permanenter Verbindungsoffizier zu dienen und das bei einem alten Bekannten. DeChâteau von der Föderation! Bei ihrem ersten Treffen vor einigen Jahren hatte Telmar sich einen Eindruck von diesem Menschen machen können und dieser war nicht besonders. DeChâteau fehlte all das, was einen Kommandanten ausmachte. Er war ein Psychologe und höchstwahrscheinlich nur aufgrund von gutem Beziehungsmanagement an das Kommando der Victory gekommen. Die gesamte Mission über hatte er nichts getan, was Telmar eines besseren belehrt hätte und so war es auch nicht verwunderlich gewesen, dass ihre Mission nur minimal erfolgreich war. Sie hatten die gestohlenen Replikatoren zurückholen können, aber DeChâteau hatte nicht den Biss gehabt, einen entscheidenden Schlag gegen die Dissidenten durchzuführen. Und nun sollte Telmar tatsächlich auf einem neuen Schiff der Föderation mit altem Namen mit diesem Schaumschläger kooperieren. Eine grausame Vorstellung, sein Können so vor die Säue zu werfen! Nun vorläufig würde er diese Schmach hinnehmen. Doch früher oder später würde Telmar herausfinden, wer hinter dieser Beleidigung stand und dann würde er mit ihm abrechnen. --- Starbase 47, abends Das war einfach nicht fair. Nicht an ihrem letzten Tag, nicht an ihrem letzten Abend! Sie sollte jetzt gemütlich mit Juan in ihrem Lieblingslokal sitzen und ihren Abschied feiern. Aber stattdessen musste sie mal wieder die Klingonen im 'Byraisia' zur Ruhe bringen. Diese verdammten Unruhestifter. Diese elenden Raufbolde. Warum ausgerechnet jetzt? 'Diesmal werden wir sie in Arrest nehmen. Sie wurden mehrfach gewarnt, jetzt ist es genug.', dachte sie. Ohne zu hinterfragen, folgte sie Juans Befehl und ging ins 'Byraisia'. Gerade als sie durch den Eingang schritt, konnte sie einem Stuhl ausweichen, der auf sie zuflog und dadurch kam sie dem Mann nahe, der gerade zu Boden geschlagen worden war. Kurzerhand packte sie ihn am Arm und zog ihn hoch. Es war ein seltsames Schauspiel, denn der zierlichen Frau waren solche Kräfte nicht anzusehen. Nun, es war mehr der Einsatz von Taktik und Geschick, denn Kraft. Für sie war es eindeutig. Dieser Mann war an der Schlägerei beteiligt und musste somit in Arrest genommen werden. Im Handumdrehen hatte sie dem Mann Handschellen angelegt. Sie schaute ihn kühl lächelnd an, als er von einem Missverständnis sprach und ließ ihn einfach reden, als sie ihn in den Sicherheitsbereich der Station führte. Dort übergab sie ihn einem Kollegen, der den Unruhestifter in eine Zelle steckte. Sheila machte sich wieder auf den Weg ins 'Byraisia', doch dort war bereits alles bereinigt. Juan rief sie über den Kommunikator und erklärte ihr, dass er jetzt mit ihr ihren Abschied feiern würde. Also ging sie in ihr Quartier, zog sich ihre Uniform aus und duschte rasch. Dann schlüpfte sie in ein schlichtes Kleid und machte sich auf den Weg ins 'Proxi', einem Bistro, was gerade tierisch 'in' war auf der Station. Sie freute sich darauf, mit ihrem Bruder dort ausgelassen Abschied zu feiern. ************************************************************************ * 21052380 * ************************************************************************ --- Quartier von Jacklyn McKilian, 08:00 Jacklyn hatte nur noch das Ende ihrer Bereitschaft abgewartet und war dann endlich ins Bett gegangen. Sie hatte ein paar Tage gebraucht, um sich an den neuen Lebensrhythmus anzupassen und von daher in den letzten "Nächten" schlecht geschlafen. Jetzt aber war sie herrlich müde und freute sich auf ihr Bett. Nur mit einem Slip bekleidet kroch sie unter ihre Bettdecke, kuschelte sich darin ein, bis sie die Position gefunden hatte, mit der sie es liebte einzuschlafen und schloss die Augen. Wenig später zeugte ihr gleichmäßiger Atem davon, dass sie tief und fest schlief. Unter ihren Lidern konnte ein guter Beobachter erkennen, dass sie träumte und es schien ein angenehme Traum zu sein. Sie saß mit Michelle und ihrem Mann beim Essen und erzählte von der Aussicht ein eigenes Kommando zu bekommen. Ihre Freunde gratulierten ihr und begossen das Ereignis mit Champagner. Es klopfte an der Tür und Captain Cruise betrat das Quartier. "Schön Sie zu sehen, Commander!", sagte er zu Jacky. "Oder soll ich Captain sagen?" "Ist es denn schon offiziell?", fragte Jacklyn erstaunt. "Ja, wir sind gerade auf dem Weg nach Deep Space Nine, dort wird die USS Hazard Sie abholen!" Die Szene änderte sich und Jacklyn fand sich auf der Brücke einer Intrepidklasse wieder. Als sie sich umdrehte, las sie auf dem Brückenschild den Namen 'USS Hazard'. Ein Mann mit eiskalten Augen trat auf sie zu und sagte etwas zu ihr. Seine Gegenwart war ihr unheimlich, er strahlte etwas Kaltes und Arrogantes aus. Sie erkannte in ihm einen unnachgiebigen und ehrgeizigen Mann, der keine Skrupel kannte und unbeirrt seine Ziel verfolgen würde, koste es was es wolle. Sie traute ihm nicht! Wieder änderte sich die Szene und McKilian befand sich auf einem Planeten wieder. Sie war in einem See und sie war nicht allein. Bei ihr war ein attraktiver Mann, dessen Augen sie hungrig anschauten. Sie fühlte sich sehr zu ihm hingezogen. Sie beide näherten sich einander, er neigte den Kopf und küsste sich leidenschaftlich auf die Lippen. Jacky genoss den Kuss, der sie beinahe zu verbrennen drohte und schmiegte sich eng an ihn. Doch dann ertönte ein Geräusch hinter ihrem Rücken und das Paar trennte sich überrascht. Als sie sich umwandte änderte sich die Szene erneut. Sie war wieder auf der Brücke der Hazard und eine Bedrohung lag in der Luft. Man hatte ihr das Verschwinden von Crewmitgliedern gemeldet. Man traf sich zu einer Besprechung und Jacky stimmte dem Vorschlag des Arztes, einem Bajoraner, zu. Der anwesende Chefingenieur schien mit ihrer Anweisung nicht einverstanden zu sein, aber Jacky hatte nicht die Zeit, sich um seine Einwände zu kümmern. Es wurde ihr ein Komruf gemeldet und sie verließ den Konferenzraum, um das Gespräch in ihrem Bereitschaftsraum entgegen zu nehmen. Nathan, ihr Bruder, war in Gefahr, aber irgendetwas stimmte nicht. Das Alles fühlte sich falsch an. Wieder wurde sie gerufen und darüber informiert, dass sich ein Shuttle näherte. Doch sie konnten dieses Shuttle nicht an Bord nehmen, denn noch immer drohte ihnen der Verlust weiterer Crewmitglieder. Die verschiedenen Ereignisse überschlugen sich unkontrolliert. Es wurde schließlich eine Lösung für das Shuttle gefunden und Jacky trat, nach langem Überlegen in den Hangar, um mit ihrem Gast zu sprechen. Es war eine Frau und sie enthüllte ihr unglaubliche Dinge über ihre Familie. Was sie da hörte, beunruhigte sie sehr und ehe sie es sich versah, befand sie sich an Bord des Shuttles und verließ die Hazard. Erneut änderte sich die Szene und Jacky beobachtete, als schwebe sie in der Luft, wie man ihren Abflug kommentierte und sie als Deserteur bezeichnete. Der unangenehme Mann mit den kalten Augen sagte, er hätte ihr noch nie vertraut und tat sie abfällig und geringschätzig ab. Sie hatte seiner Meinung nach den Tod verdient. Die Föderation gab eine Fahndung nach ihr aus. Wenn man sie fing, würde man sie erschießen! Schweißüberströmt wachte Jacky auf und bezwang ihren hektischen Atem. Sie schaute sich desorientiert um und erkannte erleichtert, dass sie in ihrem Quartier auf der Victory war. "Au Mann, was ein Alptraum!", sagte sie und stand auf, um ins angrenzende Badezimmer zu gehen. Als sie in den Spiegel sah, sagte sie zu ihrem Spiegelbild: "Sollte man dir je das Kommando über eine Intrepid anbieten, lehnst du ab!" Sie wusste aus Erfahrung, dass es jetzt keinen Zweck mehr hatte, sich wieder ins Bett zu legen, also ging sie in den Hauptraum und setzte sich auf ihre Couch. Aus einer Laune heraus fragte sie den Computer: "Gibt es ein Schiff der Intrepid-Klasse mit der Bezeichnung USS Hazard?" "Negativ! Ein solches Schiff existiert nicht!" "Danke!" Jacky seufzte, griff nach ihrem Buch und begann, in eine Decke gekuschelt, zu lesen. --- FMS Agamemnon, Cardassianischer Raumbereich, 13:13 Die Agamemnon entfernte sich mit vollem Impuls von dem Mond und dem Gasriesen, den dieser umkreiste. Der kleine Aufenthalt hatte ihrer Crew mehr Informationen gebracht, als ihr ursprünglicher Auftrag eigentlich verlangt hatte, dafür aber auch Ärger. Zwei cardassianische Schiffe der Hideki-Klasse waren aufgetaucht, als sie die Atmosphäre gerade verlassen hatten und hatten sofort das Feuer eröffnet. Der Kampf war kurz gewesen und hatte damit geendet, dass eines der Schiffe vernichtet worden war und das andere schwer beschädigt. "Sie waren dumm, sich auf diesen Kampf einzulassen.", stellte Captain Carlyle fest, während er das Bild auf dem, vor ihm angebrachten, Hauptschirm musterte. Dann flogen seine Finger über die Kontrollen und die Agamemnon beschleunigte auf Warpgeschwindigkeit. Nachdem er dem Computer einen Zielort angegeben hatte, stand James auf und wandte sich an seine Kommunikationsoffizierin: "Behalte alle Frequenzen und Sensoren im Auge, während ich mir ansehe, welchen Schaden die Knochenköpfe an unserer Backbordschleuse verursacht haben. Sobald wir ein Föderationsschiff gefunden haben, werden wir unsere Bezahlung bekommen und dann sollten sie schließlich auch wissen, was für Reparaturen sie uns schulden." Damit verließ Carlyle das Cockpit seines Schiffes und durchquerte den Mannschaftsbereich um zum Schleusenraum zu gelangen. Auf dem Weg griff er sich einen Tricorder und begann dann, eine Schadensaufstellung zu machen. --- Brücke der USS Victory, 17:00 Der freundliche Eindruck der Inneneinrichtung hatte James völlig von seinem neuen Job überzeugt. Eine Woche schon leitete er nun die Geschicke des Schiffes und hatte zahlreiche Schichtpläne ausgearbeitet. Sich mit nahezu allen Crewmitglieder kurz oder länger unterhalten. Sei es auf der Brücke, in seinem Büro, auf einem Korridor oder im Casino. Alle waren sehr freundlich und auch seine freundliche kommunikative Art kam bei den anderen Offizieren und Crewmitglieder offenbar gut an. Natürlich war auch einmal ein kleiner Flirt mit dabei. Alles so gesittet, dass niemand von sexueller Belästigung sprechen konnte. Es waren vielmehr aufmerksame Kommentare und Komplimente, die er an allen Stellen und in allen Abteilungen genauso verteilte, wie Lob für gute Arbeit vermischt mit dem Ansporn, dass dies so bleiben solle. Manchmal fragte sich James, wie lange dies so weitergehen würde, dass er allein auf der Brücke sitzen würde und der Captain die meiste Zeit im Bereitschaftsraum verbrachte. Er war immerhin der Erste Offizier und der Job, den er jetzt machte, gebührte ihm im Grunde nicht. Aber es war klar, wie temporär seine Arbeit in den ersten Wochen war und dies würde sich später im regulären Einsatz ändern. Durch den Besuch auf Starbase 47 war das Schiff nun mit Ausrüstung und Crew vollständig und bestens versorgt. Es waren auch bei James Herold jeden Tag zwischen 12 und 14 Stunden, die er auf der Brücke, im Büro oder am Arbeitstisch im Quartier verbrachte - aber ohne den Druck, den der Captain hatte. Seine Arbeit machte er aus Verpflichtung seiner Cousine gegenüber so gewissenhaft. Außerdem lag ihm das Schiff mit Besatzung jetzt schon sehr am Herzen. Er spürte, dass er mit dieser Aufgabe wirklich wachsen und sich beweisen konnte. Es war nun mehr, als das Erbe seiner verstorbenen Cousine weiterzuführen, es war nun sein Leben - es war alles für ihn und so handelte er auch. Dank der kleinen Holomatrix im Büro hatte er es relativ schnell geschafft, einen Snooker Tisch zu programmieren und auch ein Lacrosse-Feld. Leider mangelte es bei beiden Sportarten an Spielern auf der Victory. Jeden Tag der vergangenen Woche hatte James sich um seine Teepflanzen im hydroponischen Garten gekümmert und er genoss seinen Tee stets auf der Brücke. Frisch gebrüht von einem weiblichen Ensign, welche sich ebenfalls im Garten engagierte und seinen Geschmack verstehen konnte. Im Büro und im Quartier bei der Arbeit trank er meistens replizierten Tee. Das Getränk war dann nicht zum Genießen, sondern es war einfach nur etwas warmes, was man trank und was einem schmeckte. Aber die kleine Prozedur auf der Brücke, täglich gegen 17 Uhr gefiel ihm und auch heute war es so. Die Tür hinter ihm öffnete sich und der Geruch stieg sofort in die Nase des Commanders. Ohne sich umzudrehen erkannte er selbst den Schritt des Ensigns. "Ensign Mavira.", begrüßte er die junge Dame aus Australien auf der Brücke. Es war ihr erster Einsatz auf einem Sternenschiff und James wusste, dass man bereits munkelte, die junge Dame strebe eine schnelle Karriere an und würde dem Commander deshalb den Tee bringen. Aber James hatte es stets anders verstanden. Ihm fehlte solange er die Geschicke leitete einfach die Zeit, dafür sich selbst darum zu kümmern und um diese Zeit war Maviras Schicht und Bereitschaft beendet und als letzte tägliche Pflicht betrachtete sie es, den Tee zuzubereiten, genau so wie Yates es ihr gezeigt und beigebracht hatte. Das feine weiße Porzellan, geschmückt mit dem Logo des Commands, übergab sie an den Commander. Ein kurzer Smalltalk zum bedanken folgte, und sie verließ die Brücke wieder. Wahrscheinlich würden sie sich abends, so gegen 21 Uhr noch einmal im Casino sehen. Sich kurz zunicken, während sie bei ihren Kollegen blieb und er einen Drink nahm vor dem Schlafen. Überhaupt war Präsenz und Smalltalk für James genau so wichtig, wie sein täglicher Rundgang durch die Abteilungen und das Sprechen mit den Offizieren und Crewmitgliedern. Er wollte ein erster Offizier werden und sein, welcher nah an der Crew war und so auch für den Captain sehr interessant war. Immerhin bestand der erste Offizier nicht nur aus dem Vertreter auf der Brücke und dem Leiter für Außenmissionen, sondern half dem Kommandanten den Überblick über die Crew zu behalten. --- Krankenstation 17:35 Dr. Shyla Judy Miller betrat die Krankenstation der USS Victory, ihres neuen Dienstortes und hoffentlich auch bald ihrer neuen Heimat. Stolz sah sie sich um. Seit ein paar Tagen war sie nun schon auf der Victory, doch sie hatte sich noch nicht an den Gedanken gewöhnt, dass dies nun ihr Reich sein sollte. Auf der USS Lexington war sie stellvertretende Chefärztin gewesen, und nun war sie Chefärztin dieser prächtigen, neuen Krankenstation. Sie durchquerte den Anmeldebereich, links und rechts von ihr erstreckten sich nun die Behandlungsbereiche. Hinten an der Wand befand sich eine Rampe, die in den oberen Bereich der Krankenstation führte. Die Krankenstation auf zwei Decks zu verteilen hielt sie für eine ausgesprochen sinnvolle Idee. Oben in den Zimmern für Langzeitpatienten und in den Laboren würde es dadurch sicherlich um einiges ruhiger zugehen! Noch wirkte die Station sehr leer und unbenutzt, aber Shyla war sich sicher, dass sich das bald ändern würde! Über die Rampe betrat Shyla Judy den oberen Bereich der Krankenstation. Einige Laboranten waren noch fleißig am Werke und grüßten Shyla freundlich. Shyla durchquerte die Etage, bis sie vor einer Tür stand. "Büro des Chefarztes." Sie öffnete die Tür und betrat ihr Büro. Großartig eingerichtet hatte sie es noch nicht, dafür war keine Zeit gewesen. Sie hatte sich zuerst mit der Einrichtung ihres Quartiers und mit der Erkundung des neuen Schiffes und vor allem dieser Station beschäftigt. Außerdem war sie beim Captain und beim ersten Offizier gewesen. So standen auf den Regalen nur einige wenige Bücher, und der Raum hatte noch keine persönliche Note. Aber das würde schon noch werden! Auch die Bekanntschaft von Lexi Haris, ihrer Stellvertreterin, hatte sie schon gemacht. Lexi machte auf sie einen sehr netten und sehr kompetenten Eindruck, und sie hoffte, dass ihre Zusammenarbeit gut funktionieren würde. --- Deck 8, Holodeck 2, 17:40 Die Türen öffneten sich mit leisen Zischen und Shakkle betrat als erster in den Korridor. Er trug einen schwarzen Kampfanzug und war nur leicht verschwitzt, was man von seinen Leuten nicht sagen konnte, die sich gequält aus dem Holodeck schleiften. Ohne sich umzudrehen sagte er: "In zehn Minuten treffen wir uns zur Missionsbesprechung. Wegtreten." Er selbst marschierte leichtfüßig in Richtung des Turbolifts und ließ sich zum Deck 3 bringen, wo er sein Quartier betrat. --- Deck 3, Quartier des Sicherheitschefs Shakkle trat ein, zog sich schnell aus, warf den Kampfanzug in den Recycler und nahm schnell eine Schalldusche. Erfrischt, zog er eine frische Uniform und verließ nach ganzen 4 Minuten seinen Wohnraum wieder. --- Deck 10, Sicherheitsabteilung Eine Minute vor dem angesetzten Termin betrat der Sicherheitschef den Besprechungsraum der Sicherheit und fand ihn, welch eine Überraschung, leer vor. 'Bin ich zu hart zu ihnen? Kann nicht sein.', überlegte er und nahm Platz. Er holte sein PADD hervor und las sich die Leistungsauswertungen der einzelnen Schichten durch. Kurz vor dem angesetzten Termin traf die Alphagruppe ein. Die Leute waren zwar frisch angezogen, aber die Erschöpfung war ihnen noch anzusehen. "Meine Damen und Herren, nehmen Sie bitte Platz.", er wartete kurz. "Nun zu der letzten Übungsrunde...", meinte er mit ernster Stimme und blickte durch die Runde. Er ließ sie etwas schmoren und blickte auf sein PADD. Leichte Unruhe ging durch den Raum. Shakkle seufzte schwer, blickte hoch und meinte endlich: "Gratuliere, alle haben die Anforderungen geschafft." Er lächelte schief, als er die Erleichterung und leise Rufe hörte und sprach weiter: "Aber mit der Kondition, da hapert es noch. Also statt sich in der Bar zu vergnügen, bekommt ihr zusätzliche Trainingsstunden auf Deck 11. Wegtreten." Als sich der Raum leerte, stand er auf nahm sein PADD und verließ den Besprechungsraum, um in sein Büro auf Deck 4 zu gehen. Auch Silvy hatte das Training mitgenommen, wenn auch nicht so wie einige ihrer Kollegen. Da waren Männer dabei, doppelt so breit wie sie, die sie locker abgehängt hatte. Seit 10 Tagen war sie nun schon auf der USS Victory, ihrem neuen Schiff. Was sie bisher gesehen hatte, gefiel ihr gut. Nun eilte sie hinter dem Lieutenant Commander her. "Sir?" Als dieser stehen blieb und sich zu ihr umdrehte, streckte sie ihm das PADD entgegen, das sie in der Hand hielt. "Ich habe die Dienstpläne vervollständigt, Sir." Shakkle war auf dem Weg in sein Büro, als er von PO1 Silvy LaPlace gerufen wurde. Er hielt an und drehte sich zu ihr. Sie übergab ihm die vervollständigten Dienstpläne und er warf einen flüchtigen Blick darauf. Der CoS erkannte bereits das schlummernde Potenzial von Ms LaPlace und hatte schon eine Idee, die er mit Captain DeChâteau besprechen wollte. Die Frau war kompetent und sehr gewissenhaft. Sie sollte eine Offiziersbahn anstreben und er als ehemaliger Ausbilder würde es ihr ermöglichen. "Danke Ms LaPlace. Ich bin sicher, die Dienstpläne entsprechen meinen Vorgaben. Jetzt habe ich aber noch eine Aufgabe für Sie. Ich weiß, Sie haben genug Gespür, die Männer der Alphagruppe zu motivieren, dass sie mir zeigen, dass ich mich in Hinsicht des mangelnden körperlichen Ausdauer der Herren geirrt habe. Schmeicheln Sie deren Ego, oder stacheln Sie sie auf, aber in zwei Wochen will ich die Truppe nicht halb tot aus den Übungsraum torkeln sehen. Viel Spaß, Ms LaPlace, ich bin sicher, Sie schaffen es locker. Falls mich jemand sucht, bin ich im meinen Büro. Wegtreten.", beendete Shakkle und betrat den Turbolift. "Jawohl, Sir.", bestätigte Silvy den Befehl. Reszko war ein strenger Vorgesetzter, aber Silvy hatte das Gefühl, dass er zu ihr stets ein wenig freundlicher war, als zu den anderen. Ein leichtes Schaudern lief ihr über den Rücken. Hoffentlich hatte das nichts zu bedeuten! Auf keinen Fall wollte sie noch einmal eine ähnliche Situation erleben, wie mit ihrem vorigen Vorgesetzen. Dieser hatte versucht, sich die Tatsache, dass sie die einzige Frau der Abteilung war, zu nutze zu machen. Doch als er ihr zu nahe getreten war, hatte sie sich erfolgreich gewehrt und dann sogleich einen Antrag auf Versetzung eingereicht. Sie schüttelte den Gedanken ab. Es würde schon alles klappen! Sie ging den Gang zurück und betrat wieder das Besprechungszimmer, in dem die Männer des Alpha-Teams immer noch mehr oder weniger bewegungsunfähig in ihren Stühlen lehnten. "Sie haben gehört, was der Chef gesagt hat. Zusätzliches Konditionstraining ist angesagt!", verkündete sie. Die Mienen der Männer verdunkelten sich - nicht nur zusätzliches Training, sondern auch noch unter dem Kommando einer Frau... "Wir werden uns ab morgen jeden Tag um 7 Uhr auf dem Holodeck treffen. Mit ihren Dienstplänen ist das abgestimmt, diejenigen, die ab 8 Uhr Dienst haben, werden dann erst um 8.30 Uhr beginnen. Also dann, bis morgen früh!" Silvy ließ sich von den finsteren Mienen der Sicherheitsleute nicht stören und verließ den Besprechungsraum. --- Bereitschaftsraum 17:43 "Das Letzte für heute!", brummte Timo und fügte in Gedanken hinzu: "Und hoffentlich auch für die nächsten Tage!". Geschafft von dem Tag am Schreibtisch legte der Kommandant der USS Victory das letzte PADD auf den Stapel zu seiner Rechten. Wofür hatte er eigentlich einen ersten Offizier? 'Dafür, dass er den ganzen Tag auf der Brücke in MEINEM Stuhl sitzt!', brummte DeChâteau erneut innerlich vor sich hin. Yates war noch keine Woche an Bord und hatte trotzdem den ganzen Spaß! Er gab die Kursbefehle, ließ sich allerhand Schemata bringen und flirtete mit der Brückencrew, während er, Timo, zum Lochen-Heften-Abstempeln, wie man so schön sagte, verurteilt war und Tag ein, Tag aus, und das nun schon seit über zwei Wochen, in seinem Bereitschaftsraum hauste und jedmöglichen Papierkrieg bearbeitete! Oh, Yates! Er beneidete ihn so um seine Stellung! Zu keiner Zeit in der Geschichte der Starfleet gab es einen besseren Posten, als den des ersten Offiziers, zumindest während der ersten zwei Monate. Der Captain eines neuen Schiffes war für diese Zeit quasi komplett ausgeschaltet. Formular B musste mit Beilage F kombiniert, in Verbindung mit Formular L ausgefüllt werden, Admiral Hast-du-Nicht-Gesehen forderte noch Antrag Gamma-Irgendwas an, um seine Akten zu komplettieren und die Schiffsmesse wollte wissen, ob sie die Temperatur in Hangar 7, wegen besonders verderblicher Speisen, um 0,5 Grad senken durften. Ein Captain hatte in den ersten Wochen mehr Arbeit, als ein Adjutant im Command im ganzen Jahr. Und durch nichtige Unterbrechungen kam er nie dazu, diese Arbeit auch wirklich zu erledigen. 'Besonders dann, wenn man auf einer Starbase auch noch über Nacht eingebuchtet wird!', knurrte DeChâteau innerlich mittlerweile. Ungewollt glitten seine Gedanken ab. DeChâteau erinnerte sich an den letzten Abend auf Starbase 47. Den ganzen Tag war er auf der Starbase herumgelaufen. Zum einem beruflich. Vielmehr aber war Timothé auf der Suche gewesen. Und zwar auf der Suche nach außergewöhnlichen Geschenken für seine Familie. Stunde um Stunde war er staunend durch die engen Gänge gelaufen und hatte sich bei so manchem Händel völlig vergessen. Erst gegen Spätnachmittag war er zurück auf die Victory gekehrt und als er in seinem Bereitschaftsraum den Stapel PADDs liegen sah, machte er wieder kehrt. DeChâteau hatte eigentlich nur einen gemütlichen Abend auf der Starbase verbringen wollen, zusammen mit einigen anderen Crewmitgliedern der Victory. Ganz ungezwungen und entspannend. Aus der Entspannung war aber nichts geworden. Bereits kurz nach seinem Eintreffen im "Byraisia" war es zu einer Schlägerei gekommen. Nichts außergewöhnliches in solchen Bars. Dennoch sah Timothé es aus irgendeinem Grund als seine Pflicht an, dazwischen zu gehen und zu schlichten. Wahrscheinlich steckte immer noch viel zu sehr vom Psychologen in ihm. Hätte er es besser gelassen! Der Captain rieb sich sein Kinn. Einer der Streithähne, ein stämmiger Klingone, hatte ihm einen ordentlichen Kinnhaken verpasst, welchen er jetzt noch spürte. DeChâteau war zu Boden gegangen. Als er sich jedoch wieder aufgerappelt hatte und erneut dazwischen gehen wollte - dieses Mal rabiater - ergriffen ihn zwei Hände. Ehe sich der Kommandant der USS Victory versah, hatte er sich schon wieder auf dem Boden gefunden. Einen weiteren Moment später stand er wieder. Eine kräftige, dennoch zierliche Hand fasste ihn hart am Arm. DeChâteau war erst später aufgefallen, dass seine Hände bereits in modischen Handschellen lagen. Er hatte auf dem Weg zum Arrest getobt. Zumindest für seine Verhältnisse. Hatte versucht das Missverständnis aufzuklären, zu erklären wer er war. Doch nichts hatte geholfen. Die Frau, zu der die zierliche Hand gehörte, hatte ihn wie einen gemeinen Trunkenbold in die nächstbeste Arrestzellen gestoßen. Nicht einmal seine Personalien hatte sie aufgenommen. Einzig ein "Morgen früh kommen Sie schon wieder raus!", hatte sie von sich gegeben. Dann war sie weg. Und er hing im Arrest. Am nächsten Morgen war DeChâteau stinkwütend wieder entlassen worden. Der CPO, welcher ihn aus seiner Zelle holte, musste die ganze Ladung an Beschimpfungen über sich ergehen lassen, welche eigentlich für die zierliche Frau des Vorabend gedacht waren. Die Wut in Timo hatte sich mittlerweile wieder gelegt, dennoch würde er auch in den nächsten Tagen noch nicht gut auf dieses Ereignis zu sprechen sein. Und dies schon alleine aus einem sehr wichtigen Grunde: Der Captain der Victory war am Vorabend mit dem guten Vorsatz in das Lokal gegangen, die Nacht durchzuarbeiten und alle Arbeiten bis zum Mittag erledigt zu bekommen. Er wollte seine Familie begrüßen, wenn sie an Bord kam, wollte seiner Frau, vor allem aber seinen beiden Kinder das Schiff zeigen. Er wollte einen schönen Nachmittag mit ihnen verbringen. Und was war? Es war gleich viertel vor 6, sein Nacken schmerzte, und in wenigen Minuten würde sich noch ein neues Crewmitglied vorstellen kommen. Seine Familie hatte er den ganzen Tag noch nicht gesehen und es würde nicht mehr all zu lange dauern, bis die Kleinen ins Bett gingen. DeChâteau ärgerte sich. Er ärgerte sich darüber, so blöd gewesen zu sein, in den Streit einzugreifen und generell darüber, überhaupt in das Lokal gegangen zu sein. Zu erst die Arbeit, dann das Vergnügen! Der gestrige Abend würde ihm auf lange Zeit eine Lehre sein! DeChâteau seufzte. Im selben Moment wurde sein Türsummer betätigt. Der Kommandant der Victory rappelte sich auf, atmete einmal tief durch und brachte sich noch einmal auf Vordermann, um das neue Crewmitglied herzlich zu begrüßen. "Herein bitte!" Sheila zupfte ihre Uniformjacke zurecht und läutete. Ihre erste Versetzung. Na ja, fast die erste. Irgendwie konnte man die Versetzung von Frisco zur Starbase 47 nicht wirklich als 'Versetzung' ansehen, oder? Die Tür öffnete sich vor ihr und mit einem freundlichen Lächeln betrat sie den Bereitschaftsraum des Captains. "Ensign Sheila Loray..." Der Rest ihrer Worte erstarb, ihr Lächeln gefror und sie schauten den Mann vor ihr mit großen Augen an. "SIE?", fragte sie überrascht. "Wie schafft es ein Raufbold wie Sie... ich meine..." 'Oh Gott, Sheila halt die Klappe!', dachte sie verzweifelt. "Tut mir leid!" Es war nicht klar, wofür sie sich entschuldigte. Für den gestrigen Vorfall oder für die unüberlegten Worte. DeChâteau war fast versucht, sich die Augen zu reiben. Eben genau so, wie ein kleiner Junge, der das unglaublichste Geschenk bekommen hatte und es einfach nicht fassen konnte. Der Captain schien schlichtweg überarbeitet zu sein. Es gab keine andere rationale Erklärung, warum er nun genau in diesem Moment jene Frau durch seine Tür kommen sah, welche ihn vor weniger als 24 Stunden eingebuchtet hatte. Der Kommandant widerstand der Versuchen, sich tatsächlich die Augen zu reiben und begnügte sich mit einem kurzen Schließen. Als das Bild des Starbase-Sicherheitsoffiziers verschwand, ersetzte die Stimme der junge Frau, welche sich in Timos Erinnerung eingebrannt hatte, ihre Präsenz. DeChâteau öffnete seine Augen wieder. Diese Frau war immer noch da. Er seufzte und setzte ein nüchternes Lächeln auf. "Schön Sie wiederzusehen, Ensign.", klang es fast sarkastisch aus seinem Mund. "Setzen Sie sich." Der Captain der USS Victory deutete auf einen der freien Stühle vor seinem Schreibtisch. Einen Moment lang herrschte Stille und Timothé kramte die Akte der jungen Frau heraus. Bis gerade war er der Meinung gewesen, das man ein neues Crewmitglied erst dann richtig kennen lernen konnte, wenn man nicht durch dessen Akte beeinflusst war. Alleine schon das Frage-Antwort-Spiel gestaltete sich anders. Es war näher und ehrlicher. Jetzt wechselte er seine Angewohnheit und überflog Lorayas Daten. "Commander Rowlins und ich sind gute Freunde. Wir haben während des Krieges zusammen auf der Machiavelli gedient. Er hat Sie mir wärmstens empfohlen.", begann der Franzose ernst. "Scheinbar hat er sich mal wieder einen Spaß mit mir erlaubt..." Nur widerstrebend hatte die junge Spanierin Platz genommen. Jetzt saß sie dem Franzosen gegenüber und sah zu, wie er Daten studierte. Sein Sarkasmus war irgendwie ja noch verständlich gewesen. Es hatte ihn sicher nicht gefreut, sie zu sehen. Immerhin hatte sie ihn bei einer Schlägerei erwischt. 'Das muss ihm ja ungemein peinlich sein', dachte Sheila. Dabei machte er einen sehr zivilisierten Eindruck auf sie, wie kam es nur, dass er sich in einer Bar wie ein Barbar prügelte? 'Vielleicht hat er keltisches Blut in den Adern', mutmaßte sie und musterte den Mann nachdenklich. Endlich schaute er wieder auf und sagte etwas. Etwas, von dem sie hoffte, sich verhört zu haben. 'Bleib bloß ruhig, Loraya! Bleib ruhig!', ermahnte sie sich im Stillen und sagte laut: "Einen Spaß, Sir? Das denke ich nicht." Hier unterbrach sie sich kurz und Sheila richtete sich etwas auf, ihre Haltung drückte den ganzen Stolz ihrer Herkunft und ihres Landes aus. Aber auch ihr Temperament. Das Temperament der Mauren und Spanier, welche ihre Vorfahren waren. "Sicher, Commander Rowlins hat einen herrlichen Sinn für Humor.", sprach sie weiter und ihre Stimme klang dabei sehr melodisch. "Aber ich denke nicht, dass so etwas zu seinen Späßen gehört. Wenn Stev..., ich meine, Commander Rowlins, mich Ihnen empfohlen hat, dann wohl, weil er mit meiner Arbeit zufrieden ist. Auch Sie müssen zugeben, dass ich mich durch nichts von meiner Pflicht ablenken lasse. Auch nicht von Unschuldsbeteuerungen eines Raufboldes!" Ihr Gesicht drückte Herausforderung und Humor aus, als sie Captain DeChâteau mit einer hochgezogenen Augenbraue anschaute. Dabei lag ein leises Lächeln auf ihren Lippen. "Wie dem auch sei. Willkommen an Bord, Ensign." antwortete Timothé fast so, als hätte er der jungen Frau gar nicht richtig zugehört. Er wollte nicht auf die Ereignisse der letzten Nacht eingehen. Er hatte es schlicht nicht nötig, sich von einem kleinen Ensign den Gesprächsverlauf vorgeben zu lassen. Der Captain sah auf die altmodische Uhr an der rückwärtigen Wand seines Bereitschaftsraums. Nesta hatte ihm eine kurze Nachricht geschickt, dass es um sechs Essen gab. Er musste sich noch über den aktuellen Status des Schiffes erkundigen, bevor er gehen konnte. DeChâteau überlegte kurz und befand, dass er vorerst mit Loraya nichts mehr zu bereden hatte. "Wenn nichts mehr ist, können Sie gehen. Melden Sie sich bei Lieutenant Commander Reszko, er wird Ihnen alle nötigen Instruktionen geben. Wenn Sie mich nun entschuldigen wollen, es wartet noch ein ganzer Berg Arbeit auf mich, der wegen gewisser Unannehmlichkeiten gestern Abend liegen geblieben ist. Sie werden sicherlich verstehen." Der Kommandant der Victory tippte kurz auf eines der PADDs und sah dann noch einmal auf und in das verwirrt dreinblickende Gesicht der jungen Frau. DeChâteau selbst war plötzlich auch verwirrt und wusste für einen Moment nicht, was er gerade wollte. In ehrlicher Hilfsbereitschaft deutete er mit der Hand auf den Ausgang und meinte freundlich, wenn auch mit einer sehr krummen Wortwahl: "Da ist Tür, Ensign." Was war das denn? Glaubte er, sie wüsste nicht mehr, wie sie diesen Raum betreten hatte? Und diese Anspielung, dass er noch so viel Arbeit hatte, war das etwa ihre Schuld? Hatte sie sich in der Bar gekloppt oder er? Sheilas Gesichtsausdruck wurde undurchsichtig, nur ihre Augen verrieten ihre Gefühle. Zorn, Wut und eine unerklärliche Abneigung stiegen in ihr auf, als sie sich erhob und dabei sagte sie: "Schönen Abend noch, Captain. Wenn ich Ihnen einen Rat geben darf, Sir. Machen Sie lieber einen großen Bogen um das Casino, wer weiß ob Ihre Fäuste nicht wieder was zu tun brauchen." Damit wandte sie sich der Tür zu und murmelte leise: "Also wirklich, als hätte ich vergessen ,wo die Tür ist!" Timothé gehörte nicht zu den Personen, die sich besonders gut reizen ließen. Eher im Gegenteil. Er galt als ein sehr ruhiger und beherrschter Mensch und es schien schon fast einem Kunststück zu gleichen, wie schnell Loraya es geschafft hatte, den Franzosen zu verstimmen. Er war zwar immer noch ruhig und sagte auf die letzten Worte des Ensigns gar nichts mehr, doch seine Stimmung hatte einen empfindlichen Knick erlitten. Grummelig tippte der Captain nun auf seinem PADD herum und rief die aktuellen Statusberichte auf. Schnell stellte er fest, dass fast alle Berichte kurz und bündig waren und es dauerte keine zehn Minuten bis DeChâteau mit allen 'durch' war. Seine Laune besserte sich wieder. Er warf noch schnell einen letzten Blick auf sein Computerdisplay und schaltete es schließlich aus. Ohne noch weiter Zeit zu verlieren, verließ der Kommandant der Victory seinen Bereitschaftsraum und trat auf die Brücke. Timo nickte seinem ersten Offizier kurz freundlich zu und trat dann in den Turbolift. --- Brücke der Victory, 17:45 Die ersten zwei Wochen auf der Victory waren ohne besondere Vorkommnisse gewesen. Sie hatten an einigen Starbases Zwischenstopps eingelegt und alle Crewmitglieder eingesammelt. Nach und nach hatte sich das neue Schiff der Insignia Klasse mit Leben gefüllt. Rachel stand gerade an der taktischen Konsole, als sie beobachtete, wie ein weiteres neues Mitglied zum Bereitschaftsraum marschierte, um sich dem Captain vorzustellen. Lieutenant Howard beneidete den Captain weiß Gott nicht, den sie bisher nur flüchtig kennen gelernt hatte. Die zwei Wochen über war er nur selten auf der Brücke gewesen, so viel Papierkram hatte er zu erledigen. Das Kommando hatte die meiste Zeit über Yates, der erste Offizier der Victory gehabt. James nahm einen Schluck aus der Tasse und wenige Minuten später war der köstliche heiße Tee ausgetrunken - er hatte wieder einmal köstlich geschmeckt. Er schaute auf den Chronometer, welcher sich beim Hauptschirm befand. '17:45' dachte sich Yates, und der Captain hatte mal wieder den ganzen Nachmittag keinen Fuß raus aus dem Bereitschaftsraum gesetzt. Er nahm ein PADD auf, welches neben ihm lag auf 'seinem' eigentlichen Platz und sah den Terminplan an. Ein neues Crewmitglied würde sich noch vorstellen und schon ging auch der Turbolift auf. Yates stand auf. "Commander James Herold Yates, willkommen auf der Brücke der USS Victory. Sie möchten sicher zum Captain.", und er machte eine Geste in Richtung des Bereitschaftsraumes. Er kannte alle Crewmitglieder, immerhin stellten sie sich etwa einen Tag nach dem Captain auch bei ihm vor und war sich deshalb so sicher, dass Sie neu war auf dem Schiff. Jetzt, wo Jimmy einmal stand, ging er etwas auf der Brücke herum und warf auf jede Station einen Blick. An der Taktik blieb er stehen. "Haben wir irgendetwas auf den taktischen Sensoren, Lieutenant Howard?" fragte er einfach nur, um etwas zu sagen und die Stille auf der Brücke zu unterbrechen - wobei Stille bei dem vielen Gepiepe eh übertrieben war. Kaum war das neue Crewmitglied im Bereitschaftsraum verschwunden, gesellte sich der erste Offizier zu Rachel an die taktische Konsole. Doch erst als er sie ansprach, blickte sie auf. Dieser Kerl sah verdammt gut aus. Zum Vernaschen gut. Wäre Rachel nicht ein Profi in Selbstkontrolle gewesen, wäre sie vielleicht rot angelaufen, doch so spielte sie einfach den taktischen Offizier, der vom ersten Offizier eine dienstliche Frage gestellt bekommen hatte und ließ sich nicht das geringste anmerken. Flink griff sie auf die Daten der OPS zu, nur um festzustellen, dass sich keinerlei Schiffe im näheren Umkreis aufhielten, die sie in Bezug auf Waffen und Schilde unter die Lupe nehmen konnte. "Negativ, Sir. Keine Schiffe in Sensorenreichweite. Und was uns angeht: Phaserbänke, Photonentorpedos und Schilde sind voll einsatzbereit. Keine Störungen oder abweichende Werte die letzten Tage." Das war jedoch nicht die ganze Zeit über so gewesen. Vor etwa einer Woche, ausgerechnet, als die Victory DS9 erreicht hatte, hatte es bei einem Testdurchlauf Probleme mit der Automodulierung der hinteren Schildgeneratoren gegeben. Rachel hatte zusammen mit einem Techniker eine saftige Extraschicht einlegen müssen, um dem Problem auf den Grund zu gehen und es zu beheben. Dadurch hatte sie keine Zeit mehr gehabt, die Station, deren Geschichte so eng mit Bajor verknüpft war, zu besuchen. Sie hatte sich ein wenig darüber geärgert, war doch Bajor die Heimat ihrer Mutter gewesen. Rachel hatte den Planeten nie betreten und hatte sich darauf gefreut, wenigstens auf DS9 nun ein wenig der bajoranischen Kultur zu begegnen. 'Ja, natürlich ist nichts auf den Sensoren.', dachte James, der die junge Frau beobachtete, wie sie flink die Kontrollen bediente. Alle Crewmitglieder hatten sich, seitdem sie an Bord waren, sehr professionell mit ihren Kontrollen vertraut gemacht. Je nachdem, von wo sie versetzt wurden, gab es doch einige große Änderungen am User Interface oder den Kontrollen. Doch alle kamen zurecht und während er auf die Hände von Lieutenant Howard sah, bekam er ihre Antwort gar nicht mit und schaute erst wieder auf, als Howard wiederum scheinbar kurz in Gedanken war. Yates richtete sein Kreuz und stand nun gerader, dadurch konnte er auch tiefer einatmen und schnell an Konzentrationsfähigkeit gewinnen. "Gut, Lieutenant Howard.", er machte eine kurze Pause. "Ich bin mit Ihren Berichten über die Testläufe und Simulationen der taktischen Systeme und Waffen sehr zufrieden. Ich hatte leider erst gestern Abend Zeit mir alles genau durch zu sehen. Ich denke, wir sind in jeder Situation bestens ausgerüstet und mit Ihnen an den Kontrollen mache ich mir auch keine Sorgen." Er setzte ein freundliches Lächeln auf und die Spannung aus seinem Gesicht wich beiseite. Ein kurzer Klopfer auf die Schulter der jungen Bajoranerin - Halb-Bajoranerin, entsann er sich - und Jimmy ging wieder zum Kommandosessel, in den er sich fallen ließ und die Beine übereinanderschlug. Rachel hob überrascht eine Augenbraue. Solches Lob und dazu ein Schulterklopfen hatte sie bisher nicht oft von einem Vorgesetzten erfahren. Nicht, dass sie es bisher nie verdient gehabt hätte. Die meisten Vorgesetzten waren nur einfach nicht so nett wie Yates. "Danke, Sir.", meinte sie und schaute dann wieder auf ihr Konsole. Als er ihr den Rücken zuwandte und ging, schielte sie ihm jedoch mit einem verschmitzten Grinsen hinterher. Er war sich nicht sicher, aber oft war es ja so, dass man meinte zu fühlen, wie Blicke einen verfolgten und genau dieses Gefühl hatte Jimmy jetzt bei dem Blick der Halb-Bajoranerin an der taktischen Konsole. Sicher konnte er sich natürlich nicht sein und er vermied es auch zu ihr zu blicken um sich sicher zu sein. "Conn, welcher Kurs liegt an?" fragte er, wie jeden Tag um kurz vor 6 um seine aktive Dienstzeit auf der Brücke gleich beenden zu können. --- Agamemnon, 17:45 Nachdem James den Schaden begutachtet hatte, konnte er erleichtert aufatmen. Die Cardassianer hatten sie getroffen, noch bevor die Schilde hochgefahren waren, doch die besondere Panzerung seines Schiffes hatte den Großteil des Schadens abgefangen und lediglich dem Außenschott ein Leck verpasst. Auf dem Rückweg zum Cockpit griff sich Carlyle im Mannschaftsraum ein PADD und notierte den Schaden bei der Liste der Dinge, die zu der Bezahlung zählen würden. Nachdem er eingetreten war, ließ er sich auf seinem Sessel nieder und führte einen kurzen Check der Systeme sowie einen Kurzstreckenscan durch. Es gab keine Probleme und so wandte er sich zu Miho Niwong um: "Status? Irgendwelche Föderations- oder andere Schiffe in Reichweite? Oder empfängst du überhaupt etwas?" Miho kannte mittlerweile diese Prozedur. Und auch diesmal fragte sie sich, wie lange das gut gehen würde. Aber die Agamemnon und ihre Crew schienen einen geduldigen Schutzengel zu haben. "Sehr gut, dann können wir uns ja im Augenblick entspannen.", entschied der Mischling, bevor er die automatische Steuer- und Überwachung aktivierte. Dann stand er auf und nickte zur Türe: "Lass uns was essen." Damit betrat James als erster den Crewbereich und ging dort zum Replikator. Da Energiesparen im Normalfall Vorrang hatte, replizierte er lediglich zwei Schüsseln mit einfacher Kost und stellte dann eine davon auf dem Tisch ab, an den sich seine Kommunikationsoffizierin gesetzt hatte. Carlyle selbst setzte sich auf die Kante seines Bettes und begann dann, zu essen. "Ich glaube hieran kann und will ich mich nicht gewöhnen", stocherte Miho in ihrem Essen rum. "Du scheinst überhaupt kein Problem damit zu haben, oder? Hauptsache, es erfüllt seinen Zweck und macht satt." Sie verzog übertrieben das Gesicht. "Sobald wir bezahlt wurden, kannst du von mir aus essen was du willst.", erwiderte James und zeigte dann mit seiner Gabel auf den Replikator: "Zumindest das, was dieser alte Kasten hergibt. Aber bis dahin steht Überleben an erster Stelle. Wir brauchen im Notfall vielleicht jedes Quäntchen an Energie." Während er auf einem weiteren Bissen kaute, fuhr er fort: "Aber wenn es dich fröhlicher stimmt, kann ich ja einen neuen Föderationsreplikator auf unsere Preisliste setzen. Ob sie ihn uns allerdings überlassen, ist eine andere Frage, aber wenn wir ihnen den cardassianischen Plasmatorpedo dafür geben, den wir gefunden haben, bin ich sicher, sie gehen auf den Deal ein." "Da bin ich mir sogar ziemlich sicher, dass sie darauf eingehen. Du wirst es ihnen schon entsprechend schmackhaft machen.", grinste Miho ihren Vorgesetzten an und kämpfe sich tapfer durch ihre Mahlzeit. "Es ist schon ärgerlich, dass bei den meisten Aufträgen nicht wirklich etwas hängen bleibt. Du könntest Dich echt bemühen und Deine Arbeit etwas effektiver gestalten. Dann müsste ich schon längst nicht mehr mir das hier runterwürgen." Miho nahm etwas auf ihre Gabel und setzte an, dem Captain etwas davon in seine Richtung zu schleudern. "Gefechtsschäden fordern ihren Preis.", erwiderte James brummelnd: "Und vergiss nicht, dass ich dieses Schiff hier quasi aus dem Nichts aufgebaut habe. Denn genau das hatte ich, als ich aus der Sternenflotte ausgetreten bin." Mit einem geschickten Wurf beförderte er die Schüssel auf den Tisch und lehnte sich dann grinsend auf dem Bett zurück: "Und wer sagt denn, dass nichts hängen bleibt. Wenn ich meinen Kontostand bei der Söldner-Kommission richtig in Erinnerung habe, kann ich das Schiff bald ausbauen. Ich kann nichts dafür, dass du das Geld gleich ausgeben willst und nichts sparst." Miho schob ihre Schüssel ebenfalls beiseite. "Wer sagt denn, dass ich nicht sparen würde. Aber wie Du eben so schön betont hast, Du hast es aufgebaut und es ist Dein Schiff. Also wie käme ich dazu, mein Geld in Dein Schiff zu stecken." Sie schob sich einen weiteren Stuhl zurecht und legte ihre Beine hoch. "Aber wenn Du möchtest, dass sich Deine Untertanen wohl fühlen, könntest Du Ihnen ruhig diese kleine Annehmlichkeit spendieren.", flachste sie zurück. "Die Agamemnon ist ein Kriegsschiff, kein Kreuzfahrtschiff. Du kannst froh sein, dass ich das hier", damit zeigte Carlyle auf die Türe zum Badezimmer: "erweitert habe. Obwohl auch das reiner Eigennutzen war, denn selbst eine Frau wie du stinkt nach einer Woche ohne Dusche wie ein besoffener Klingone." "Tja, das sind nun mal die angenehmen Seiten des Lebens in einem Raumschiff.", erwiderte Miho ironisch. "Du könntest ja auch sesshaft werden und anderweitig Dein Geld verdienen, Dich mit Frau und Kindern amüsieren, regelmäßig Barbecues im eigenen Garten mit den Nachbarn abhalten." "Nein danke, mein Ziel sieht anders aus.", erwiderte James: "Eine Flotte zu kommandieren oder vielleicht auch nur ein großes Schiff. Ein Schlachtschiff oder einen schweren Kreuzer." "Da hast Du Dir richtig viel vorgenommen und es könnte ein langer, steiniger Weg bis dorthin werden. Du hast mir nie erzählt, wie Du zu diesem Prachtstück hier gekommen bist.", stellte Miho fest und sah sich betont um. "Als ich unter Captain Gideon diente, hab ich mein Geld gespart.", begann der Captain zu erklären: "Das war eine kluge Entscheidung. Denn als die Patton zerstört wurde, hab ich mich dazu entschlossen, mir ein eigenes Schiff zu kaufen. Für einen alten Bird of Prey der Romulaner hat mir leider das Geld gefehlt und so habe ich die Schrottplätze und billigeren Raumhäfen abgesucht, bis ich auf einen alten, andorianischen Truppentransporter gestoßen bin. Tja und schon hab ich ihn gekauft und mit dem wenigen, was mir noch geblieben war, mit so viel Ersatzteilen versorgt, dass er wieder einsatzfähig wurde. Die ersten Aufträge waren jedoch eine Qual, aber sie haben mir Geld gebracht. Genug um viele, kleine Änderungen vorzunehmen und im Laufe der Zeit wurde schließlich die Agamemnon zu dem Schiff, das sie heute ist. Aber ich werde sie noch weiter ausbauen, vielleicht sogar ein zweites Deck hinzufügen." "An ausreichendem Ehrgeiz scheint es Dir wahrlich nicht zu fehlen, um Deine klaren Zielen auch erreichen zu können.", stellte Miho trocken fest. "Ich mag Männer, die wissen was sie wollen." "Und ich mag Frauen, die Befehle geben und befolgen können.", erwiderte James schmunzelnd, bevor er sich auf dem Bett ausstreckte und die Augen schloss. Nach einer Weile sprach er die Kommunikationsoffizierin an, ohne seine Augen wieder zu öffnen: "Was würdest du wirklich von einem zweiten Deck halten? Vielleicht treffen wir auf einen weisen Captain und einen nicht zu gierigen Versorgungsoffizier." "Vielleicht ... wenn wir Glück haben...", überlegte sie. "Wenn es finanziell machbar ist, würde ich es begrüßen. Es ist schon arg eng, und wenn wir wirklich mal einen größeren Coup machen könnten, wüssten wir nicht einmal wohin mit den Zeug. Wir schieben jetzt schon ständig die Sachen von A nach B, um sie wieder nach A zu packen." Sie stand von dem Stuhl auf, setzte sich auf ihr Bett und lehnte sich mit Rücken an die Wand. "Wir müssen uns doch noch nicht festlegen, für was wir es nutzen wollen. So wären wir für alles mögliche offen." "Stimmt genau und die Geldfrage ist das geringste Problem.", erwiderte der Captain: "Ich habe genug gespart und mit dem, was wir zusätzlich zu unserem Auftrag noch an Daten mitgenommen haben, sollte sich das Geschäft schnell abwickeln lassen. Denn ich habe sowieso geplant, dass wir jetzt einmal eine Zeit lang nicht mehr für die Föderation arbeiten werden. Sie zahlen zwar pünktlich, aber ich fürchte den Vorfall mit der Tigris werden sie irgendwann wieder aufrollen wollen. Aber das war vor deiner Zeit also..." Bevor James jedoch den Satz beenden konnte, schrillte eine Alarmsirene los und der Computer meldete: "Warnung, anderes Schiff dringt in unseren Sensorbereich ein." Fluchend sprang Carlyle in die Höhe und rannte nach vorne in das Cockpit. Dort ließ er sich auf seinem Sessel nieder und rief die Daten ab. Dann lehnte er sich erleichtert zurück und wandte sich zu seiner Kommunikationsoffizierin um, die hinter ihm das Cockpit betreten hatte: "Tja, wir scheinen Glück zu haben. Die Langstreckensensoren haben ein Schiff erfasst, Föderation. Identifizierung...", dabei betätigte er einige Tasten, über die der Datenbank Informationen abverlangt wurden: "NCC 487625, USS Victory. Laut der Datenbank, die uns die Föderation gestiftet hat, unter dem Kommando von Captain Timothé DeChâteau. Wir scheinen unseren Auftrag früher beenden zu können als gedacht. Kannst du sie mit der Langstreckenkommunikation erreichen?" Miho nahm sofort Position an ihrer Konsole ein und prüfte die Daten. "Ja, Sir, sie sind in Kommunikationsreichweite... soll ich sie rufen?" "Ja.", entschied James, während er das Schiff auf einen Abfangkurs brachte: "Wir wollen unser Kommen schließlich ankündigen." Die Offizierin gab die entsprechenden Befehle ein und kontaktierte die USS Victory. "Die Verbindung steht, Sir. Sie können sprechen." James nickte dankbar und wandte sich dann dem Hauptschirm vor seinem Platz zu: "Hier spricht Captain Carlyle von der Agamemnon. Ich rufe die Victory und erbitte Koordinaten für ein Treffen." --- Büro des Sicherheitschefs, 17:50 Shakkle saß hinter seinem Schreibtisch und las sich die letzten Berichte durch, die er von der SB 47 vor dem Abflug übermittelt bekam. Es waren aktuelle Informationen über die Vorkommnisse im Grenzbereich der Cardassianischen Union, paar Nachrichten von der Sicherheitsabteilung bezüglich gesuchter Personen und als letztes auch ein besonderes Schmankerl. Ein Bericht der Sicherheitsabteilung der Sternenbasis über die Inhaftierung von... Mr. Timothé DeChâteau. 'Na so etwas aber auch. Der Name kommt mir bekannt vor. Hätte nie geahnt, dass der Captain ein Schlägertyp ist...', Shakkle las weiter und stieß sogleich auf den Namen des Sicherheitsoffiziers, der die Verhaftung vorgenommen hatte. Ensign Sheila Loraya. Der Name kam ihm auch bekannt vor. Shakkle suchte die Personaldatei durch, fand aber nur die Grundakte, ohne den Bericht des letzten Vorgesetzten. Er nahm wieder das PADD mit den von SB 47 übermittelten Daten und durchforstete es. Er fand einen Bericht über Ensign Loraya, sowie die Information, dass diese sich bereits an Bord befand. Er fragte den Computer nach dem Aufenthaltsort seiner Untergebenen und bekam die Auskunft, dass sie im Bereitschaftsraum des Captain war. 'Das Treffen hätte ich gerne gesehen.', schmunzelte er. --- HMR, 17:38 Duncan stand an einer der Konsolen im Maschinenraum und kontrollierte die Funktionen des Warpkerns. Es war wirklich ein schnittiges Schiffchen das sie jetzt flogen, wahrhaft es würde Spaß machen, daran herumzuschrauben und es bis aufs letzte auszureizen. Kurz glitten seine Gedanken zurück zu dem letzten Abend auf der Starbase. Er war in einer Bar gewesen und nach übermäßigen Alkoholkonsum einiger der Anwesenden war eine 'kleine' Schlägerei ausgebrochen, an der sich Duncan ganz in alter Tradition beteiligt hatte. Dummerweise war dann auch noch der Captain dazu gekommen und dann war die Sicherheit aufgetaucht und hatte alle möglichen Beteiligten und Unbeteiligten abgeschleppt. Duncan musste grinsen, wenn er daran dachte, dass man ihn in einer Sicherheitszelle in einen anderen Bereich der Station untergebracht hatte, als den Captain, das hätte eine Standpauke gegeben, wenn dieser erfahren hätte, dass Duncan bei der Schlägerei ordentlich mitgemischt hatte. --- HMR, 17:57 Nachdem er alles überprüft und einige Anpassungen an den Systemen vorgenommen hatte, entschloss sich Duncan den Garten, den dieses Schiff als Besonderheit aufwies, zu besuchen. Er verließ den Hauptmaschinenraum und betrat den Turbolift. --- Jeffriesröhren Aliya hatte auch den erneuten Versuch, ihr Quartier fertig einzurichten aufgegeben. Zu interessant war das neue Schiff noch und zu viele Eckchen, die sie noch nicht gesehen hatte. Also hatte Aliya kurzerhand einen der Zugänge zum Röhrensystem auf Deck 3 geöffnet und befand sich nun auf Erkundungstour durch das Innere des Schiffs. Ihr Orientierungssinn war schrecklich. Sie hatte sich sogar im vierten Jahr noch in der Akademie verlaufen. Kaum verwunderlich, dass sie auch hier bald nicht mehr genau wusste, auf welchem Deck sie sich befand, aber das störte Aliya nicht - im Gegenteil. Sie liebte es. So lernte sie das Röhrensystem wenigstens in- und auswendig kennen. Auf ihrem Weg konnte sie an keiner Kontrollstation vorbei, ohne einen Blick auf die Werte zu werfen. Fröhlich summend und die Uniformjacke wegen der Wärme offen, erreichte sie wieder einmal einen Ausgang. Da Aliya nun doch schon recht lang in dem Röhren herumkrabbelte, beschloss sie hier auszusteigen und war gespannt in welcher Station oder Korridor, auf welchem Deck sie nun herauskommen würde. Der Zugang ließ sich recht leicht öffnen und Aliya kroch aus der Röhre und sah sich um. --- Korridore, Deck 7, 17:40 Harry Tanner seufzte, als sich die Tür des Turboliftes öffnete und ihm Zutritt zum Korridor gewährte. Er verließ die Transportkapsel und während er dann den Weg in Richtung seines neuen Arbeitsplatzes einschlug, nippte er an einer dampfenden Tasse Kaffee. Seit einigen Tagen war er nun schon an Bord und er hatte es jetzt erst geschafft, sein Quartier vollständig einzurichten. Fast vier Stunden hatte er dafür gebraucht und weitere zwei waren für die Erkundung des Schiffes drauf gegangen. Es war ein beeindruckendes Schiff, fand Tanner. Eine ungewöhnliche Konstruktion. Ein Lächeln huschte über seine Lippen. Es gab so vieles, das in der Weltraumforschung ungewöhnlich war. Er bog um eine Ecke des Ganges und wollte gerade erneut einen Schluck trinken, als sich völlig unerwartet plötzlich direkt vor ihm eine Tür in Hüfthöhe öffnete. Er war davon so überrascht, dass er abrupt stehen blieb und sich dabei den halben Inhalt seiner Tasse über die blauschwarze Uniform kippte. "Holla...", entfuhr es ihm und er sah die Frau, die gerade aus der Jeffries-Röhre gekrabbelt war und sich jetzt umsah, an. "Wo kommen Sie denn so plötzlich her?" Aliya richtete sich auf und rieb sich den Nacken. "Verzeihung. Ich habe einen kurzen Ausflug durch die Jeffriesröhren gemacht.", strahlte sie den unbekannten in der ihr eigenen Art an, der vor ihr stand und der sich vor Schreck offenbar sein Getränk übergeschüttet hatte. Sie strich sich eine Strähne ihres Regenbogenfarbenen Haares - eine gelbe - hinters Ohr, die sich aus dem Pferdeschwanz gelöst hatte. "Tut mir leid mit ihrem...", der Geruch, der ihr in die Nase stieg, verriet ihr das Getränk "...Kaffee..." sie hielt ihm die Hand entgegen. "Aliya Riddick. Ich bin die Chefingenieurin.", stellte sie sich fröhlich vor. "Harry Tanner.", stellte er sich seinerseits vor, ergriff die ihm dargebotene Hand und schüttelte sie. "Lieutenant Harry Tanner. Schiffscounselor zweiter Klasse." Er lächelte und besah sich dann noch mal das Unglück auf seiner Uniform. "Tja, die musste sowieso in die Wäsche.", witzelte er und zuckte mit den Schultern. Er sah noch einmal zu dem offen stehenden Schott, durch das Riddick gerade gekrabbelt war, beugte sich dann etwas hinunter und warf einen Blick in die dunkle Jeffries-Röhre. Tiefe Falten fraßen sich dabei in seine Stirn. "Hatte es einen besonderen Grund, weshalb Sie durch die Jeffries-Röhren kriechen, Miss Riddick?", fragte er schließlich und wandte sich wieder der Chefingenieurin zu. "Und - verzeihen Sie - so wie Sie aussehen, tun Sie das schon eine ganze Weile." Er zwinkerte und während er auf eine Antwort von ihr wartete, trank er den letzten Rest seines Kaffees aus. Aliya grinste breit "Ja, ich bin auf Deck 3 eingestiegen...", antwortete sie nachdem sie an einer Wandkonsole bemerkt hatte, dass sie sich auf Deck 7 befand. "Und ein Grund.", sie drehte sich um die eigene Achse. "Ich wollte das Schiff auch von innen kennen lernen.", sie lächelte. "Und was eignet sich da besser als die Jeffriesröhren?", meinte sie überzeugt. "Da ist was dran", entgegnete Tanner und erwiderte das Lächeln. "Ich habe es bisher nur geschafft, die Deckpläne und die Spezifikationen zu studieren. Und trotzdem habe ich mich in den letzten Tagen öfter verlaufen." Er lachte einmal kurz und zuckte mit den Schultern. "Es wird wohl noch eine ganze Weile dauern, bis ich mich wirklich zurechtfinde." "Oh, die gute Victory wird schon nicht zulassen, dass wir sie irgendwann als Skelett in einer abgeschiedenen Ecke finden.", meinte Aliya zuversichtlich. "Es ist ein gutes Schiffchen.", klopfte sie sanft über die Wandverkleidung. Sie hatte vor allem 'Shiny' - den Warpkern - schon jetzt sehr lieb gewonnen. Tanner lachte erneut. "So spricht eine wahre Ingenieurin.", meinte er und schüttelte amüsiert den Kopf. "Also, was halten Sie davon, wenn Sie mich zum Essen begleiten. Ich habe es seit heute Morgen noch nicht geschafft, etwas Vernünftiges zu essen und mein Magen meckert diesbezüglich bereits ziemlich. Ich würde mich freuen." Aliya setzte wieder ein Lächeln auf. "Ja, warum nicht. Die Schiffsmesse hab ich bis jetzt auch nur flüchtig kennen gelernt.", stimmte sie zu. "Und einen Imbiss könnte ich auch vertragen." Sie kniete sich noch einmal kurz zu Boden und verschloss den Zugang zur Jeffriesröhre wieder. "Ich bin soweit.", meinte sie fröhlich. (c) Spielergemeinschaft des PbEM-RPGs USS Victory http://www.uss-victory.de