************************************************************************ * USS Victory * * Auswertung 01 / 28032006 * * 01052380 - 14052380 * * Alles auf Anfang * ************************************************************************ ************************************************************************ * 01052380 * ************************************************************************ --- Erde, Sol System Der Hang, den James heraufstieg, war nicht besonders steil, aber das Wetter der letzten Tage hatte die Erde stark gewässert. Einige Inder, nein, sie bevorzugten Bengalen genannt zu werden, schritten an ihm vorbei, wie die vergangenen zwei Wochen auch. Gegrüßt wurde nicht, alle waren schwer bepackt und hatten die gleiche Last mit dem Berg. James hatte seinen Urlaub "offiziell" in Japan geplant, war von dort aber direkt nach Indien weiter gereist ohne jemandem Bescheid zu geben. Die Mönche in den tibetischen Klostern, die er besucht hatte, hielten genau so wenig von Störungen durch Shuttles und Transporter, wie die Bewohner des Bergortes Darjiling. Vor Jahren hatte er hier, in einer der besten Regionen für Tee auf der Erde, Freundschaft mit einem Teebauer geschlossen und eine Wette abgeschlossen. Sollte er als Commander der Flotte und erster Offizier zurück kommen, dann würde er genug Teepflanzen bekommen, um seinen eigenen Tee auf dem Raumschiff ernten zu können. Als er jedoch vor zwei Wochen hier ankam, rechnete er nicht damit, erst noch Prüfungen im Teepflücken hinter sich bringen zu müssen. Gestern hatte er alle gemeistert und nun warteten seine Pflanzen auf ihn, sowie ein Sack voller Teeblätter. Am Tag trank er etwa 5 Tassen an Tee des Darjeeling First Flush. Das machten 11 Gramm der kostbaren Teeblätter pro Tag und er rechnete damit, erst nach 2 Jahren eigenen Tee ernten zu können - hoffte jedoch diesen Prozess beschleunigen zu können. Auf jeden Fall würde er 8 kg des kostbaren Gutes mitnehmen und so zwei Jahre des täglichen Genusses überbrücken können. Viele Offiziere fragten James oft, warum er nicht Tee aus dem Replikator nehme. Aber die Teebauern verstanden Yates' Geschmack, der nach einigen Jahren Teegenusses immer besser wurde, und frisch gekocht schmeckte es immer anders. Jimmy war mittlerweile schon so weit den First Flush vom Second Flush zu unterscheiden und favorisierte ganz klar den etwas blumigeren und milderen First Flush. Schon jetzt, auf seinen Bambusstab gestützt, bereute James, dass er seine Uniform trug. Hose und Stiefel waren bereits mit Erde verdreckt, das rote Uniformshirt war bereits angeschwitzt und die Uniformjacke hing ihm über die linke Schulter, während über der rechten Schulter ein Beutel mit wenigen Sachen hing, die er während der zwei Wochen bei sich trug. In etwa 100 Meter, bergauf wohlgemerkt, standen seine Pflanzen und auch der kleine Sacke Teeblätter. Um sich zu bedanken, hatte James eine Flasche Champagner in seinem Gepäck, die er den Bauern hinterlassen wollte, schon lange bezeichnete er den Darjeeling als den 'Champagner der Tee Sorten'. Sie wechselten nur wenige Worte, nahmen dankbar das Geschenk des Briten an und zogen ab, heute wurde nicht geerntet. James wartete bis Sie außer Sicht waren, zog sich seine Uniformjacke über und nahm aus dem Beutel eine Transporter-Markierung, die er an die große Kiste mit Tee-Pflanzen befestigte. Er konnte den Einheimischen eben nicht alles ersparen und als geklärt war, dass der Tee dadurch nicht schlechter wurde und sie nicht würden zuschauen müssen, hatte man sich bereiterklärt die Pflanzen beamen zu lassen. "Commander James Yates an Shuttle Vangure, eine Person und Fracht zum Beamen bereit - Energie!" Nur wenige Sekunden später stand er, mit verdreckten Schuhen und Hose, neben einer großen Holzkiste mit mehreren Tee Pflanzen. Um im Jahr seine 4 kg Tee produzieren zu können, die er benötigte, hatte James 65m² beantragt im hydroponischen Garten. Er schaffte es schließlich doppelstöckig nutzbare Flächen für sich zu gewinnen, die es ihm erlaubten, an Bord der neuen USS Victory den Tee anzubauen. Er dankte im Geiste dafür dem Konstrukteur der Insignia Klasse, der einen so großen hydroponischen Garten mit einplante. "Commander, Sie sind..." James unterbrach den Unteroffizier "Ich bin dreckig, ja ich weiß. Und im Frachtraum stehen 65m² Tee Pflanzen, steuern Sie direkt das Raumdock an, ich muss dort ein Frachtschiff nach Bajor bekommen." Yates nahm seine Uniformjacke und schmiss Sie in die Ecke, um sich weiter nach hinten abzuwenden, eine neue und vor allem saubere Uniform lag dort bereit, zusammen mit all seinen persönlichen Sachen die er aus London mitnahm auf das neue Schiff, auf welches er berufen war. "Commander, wir erreichen das Raumdock in 40 Minuten und haben dann 10 Minuten Zeit, alles auf den Frachter zu bekommen." Ohne dass ihn jemand sehen konnte, nickte Jimmy knapp und sah die Uniform an, er würde Sie erst auf dem Frachter anziehen. Dort stand für ihn ein VIP Quartier bereit, welches ungefähr dem Quartier eines Ensign ähnelte auf der Victory, aber egal. Hauptsache Bett und Dusche. Der einzige Grund, warum er so einen langsamen Frachter wählte, war, dass damit auch viele andere Lebensmittel transportiert wurden und somit die beste Umwelt für seine Schätze bereitstand. Auf jeden Fall würde er erst dort die dreckige Uniform ablegen, sich duschen und eine neue anlegen, um dann die lange Reise nach Bajor auf sich zu nehmen. Immerhin konnte er von diesem Transportshuttle, der Frachtraum betrug übrigens gerademal 70m², direkt auf den Frachter rüberbeamen und auch der Frachtercaptain tat ihm den Gefallen, DS9 anzufliegen, bevor er auf Bajor landete. Bei Warp 8, schneller flog der Frachter nicht, benötigten Sie 2 Wochen bis nach Deep Space Nine und diese Zeit wollte James nutzen, um einige Lektüre nach zu holen. Die Zeit auf der Erde, die er nicht mit Tee verbrachte, lernte er neue Rechte und Pflichten eines Commanders und ersten Offiziers. James hatte Training im Häuserkampf, Taktiken auf Außenmissionen und über Crewführung. Viel trockenes Material und Theorie blieb da auf der Strecke, doch er musste dies nachholen, bevor er den Dienst auf dem neuen Schiff antrat. --- An Bord des Frachters CLS Kamista IX Die Laune von James hatte sich stark gebessert, nachdem er den Frachter rechtzeitig erreicht hatte. Nun war er geduscht, hatte sich einige Stunden ausgeruht und eine neue Uniform an, auch wenn er auf die Jacke verzichtete. Nach seinen Pflanzen hatte er ebenfalls schon geschaut und nun lag er entspannt in einem weichen großem Sessel und sah auf das erste der PADDs herab, die er sich anschauen wollte. Technische Daten der Insignia Klasse, zu der die USS Victory gehörte. Immerhin wollte er sich nicht verloren vorkommen auf dem neuen Schiff und auch über alles möglichst bescheid wissen. Das war fast unmöglich und sicher würde nicht einmal der Captain dieses Wissen direkt aufbringen können, aber das zählte nicht, James wollte auf alles gefasst sein und so galt auch dem Deckplan seine ganze Aufmerksamkeit, ehe seine Augen an Flugtag 1 zufielen. Lektüren über die Schiffskonstruktion, die neuen Systeme und Verbesserungen, die Crew Akten und Schichtpläne waren die ersten Tage sein tägliches Wasser und Brot, sodass Jimmy fast froh war, nach 4 Tagen endlich einen Bericht vor sich liegen zu haben, der seine Weiterbildungen auf der Erde der letzen Zeit dokumentierte. Erst nach erfolgreichem Abschluss dieser diversen Fortbildungen hatte er seine Beförderung zum Commander und die Versetzung auf die USS Victory bestätigt bekommen. Simulationen von Außenmissionen auf Eisplaneten, Wäldern, Dschungeln, Wüsten und Städten, sowie das Infiltrieren anderer Einrichtungen hatte er gelernt bzw. sein Wissen darin vertieft und so mache Schramme erhalten, weil die Sicherheitsprotokolle auf dem Holodeck nicht wirklich gut funktionierten. Die Lehrgangsleiter lachten bei seinen Protesten meist nur und gingen ihre Wege. ************************************************************************ * 06052380 * ************************************************************************ --- Quartier Riddick, USS Lightwave Seufzend trocknete sich Aliya das Gesicht ab und warf ihr Handtuch auf die gepackte Tasche. Ihre Kleidung zeigte noch Spuren ihres missglückten Experimentes. Naja, ihr Versuch mit einem synthetisierten Dilithiumkristall Energie zu fokussieren war gescheitert... aber Sicherheitschef Vardez hatte sich über die Versuchsanleitung gefreut: neue explosive Spielzeuge für seine Abteilung. Captain Dzor durchschritt die Tür, nachdem sie sich auf sein Klingeln hin geöffnet hatte. "Lieutenant", tippte der Trill auf ein PADD, welches er in der Hand hielt. "Es gibt da etwas, was Sie mir erklären müssen." "Ah Captain..." strahlte die Ingenieurin Dzor in ihrer unverwechselbaren Art an "Wollen sie sich versichern, das ich auch wirklich gehe?", grinste sie. "Das merke ich sicher schon an den abnehmenden Feueralarmen in den Laboratorien und Werkstätten.", versicherte er schmunzelnd. "Ich bin hier wegen dieser Personalanfrage ihres Chefs..." "Zuviel Freizeit in Aussicht?", stichelte Aliya, da ja nun die Laboratorien nicht regelmäßig repariert werden mussten. Sie strich sich die regenbogenfarbenen Haare, die sie heute offen trug, zurück. "Nein... Vier Projekte sind noch offen. Er hat drei Leute angefordert, die sie bearbeiten.", hielt er ihr dass PADD hin. "Kann es sein, dass jemand in seiner Freizeit etwas zu viel gearbeitet und nicht nur Sachen in die Luft gejagt hat?" Aliya ließ leicht die Zunge aus ihrem Mund hervorluken. "Es kann ja nicht immer boom machen." Sie wirbelte noch einmal kurz um die eigene Achse. "Ich werde die Lightwave vermissen, denke ich... aber die Chance mal als Chef ein Labor in die Luft zu jagen, kann ich mir ja nicht entgehen lassen." Ein schelmisches Grinsen war auf ihrem Gesicht zu sehen. "Lieutenant, wollen Sie die letzten Stunden hier noch in einer Arrestzelle verbringen?", in den Augen des Captains konnte man erkennen, dass er nicht ernsthaft sprach: "Ich werde auch eine finden, die Sie repariert haben!" "Ich würde lieber eine schöne heiße Abschiedsschokolade im Casino trinken...", lachte Aliya. --- Maschinenraum der USS Victory, später (noch vor dem Start) Fast liebevoll strich Aliya über die Hauptkonsole, die ein wenig erhöht im vorderen Teil des Hauptmaschinenraums war. Die Arme mit einem Päckchen aus Stoff vor der Brust verschränkt, atmete sie tief ein bis sie sich vor den Warpkern stellte. Mehr als zwei Minuten blickte sie einfach nur in den blauen Schimmer, als ob es nichts um sie herum geben würde. "Shiny!", grinste sie und nickte bekräftigend. Ob es daran lag, dass das Schiff neu war oder an etwas ganz anderem, konnte sie nicht feststellen. Sie bemerkte nur: Dieser Warpkern strahlte heller als alle, die sie bis jetzt gesehen hatte. "Freut mich dich kennenzulernen, Shiny... wir werden viel Spaß zusammen haben.", flüsterte sie, bevor sie sich abwandte und ihre Entdeckungstour in ihrem neuen Büro fortsetzte. Außer einem Schreibtisch gab es noch eine Sitzecke mit Tisch für kleine Besprechungen. Das große Fenster gab den Blick auf den Kern frei. Nach einem Moment begann sie, in der Ecke neben dem Fenster ihre Hängematte anzubringen. "Ja, das gefällt mir...", strahlte sie und machte direkt ein Probeliegen. --- San Francisco, Erde Langsam schlug Rachel die Augen auf. Sie drehte sich auf die Seite und blickte zum verdunkelten Fenster hinaus. Draußen war es bereits hell, soviel konnte sie hindurch erkennen, doch ein Blick auf die Uhr verriet ihr, dass es erst 7:48 war. Wäre sie im Dienst gewesen, wäre sie schon seit Stunden auf den Beinen gewesen, doch die letzten zwei Wochen hatte sie Landurlaub gehabt und hatte sich viel zu schnell ans "Ausschlafen" gewöhnt. Die Versuchung war groß, sich noch einmal für eine halbe Stunde umzudrehen, doch dann fiel ihr wieder ein, was für ein Tag heute war. Mit einem Mal war sie hellwach. Heute würde sie ihren neuen Posten auf der USS Victory antreten! Sie drehte ihren Kopf vom Fenster weg und beobachtete einen Moment lang den Mann neben ihr im Bett. Adam schlief noch immer tief und fest, sein Atem ging ruhig und gleichmäßig. Sie überlegte, ob sie ihn wohl vermissen würde. Nein, sicherlich nicht. Im Gegenteil. Nach den zwei Wochen, die sie zusammen in San Francisco verbracht hatten, wurde es Zeit, dass sie endlich wieder abreiste. Eine Woche länger und Adam würde sicher mit den Themen Kinder und Heirat anfangen, so wie sie ihn einschätzte. Sie hatten gemeinsam die Akademie besucht und schon damals hatte er für sie geschwärmt. Doch dabei war es vorerst auch geblieben... bis sie sich vor zwei Wochen zufällig wieder über den Weg gelaufen waren. Adam war damals in San Francisco geblieben und arbeitete nun im Sternenflotten-Hauptquartier. Rachel hingegen hatte es immer wieder in andere Gebiete und auf andere Schiffe verschlagen. Sie hielt es einfach nicht lange an einem Ort aus... ebenso wenig wie lange mit ein und demselben Mann an ihrer Seite. Ja, Adam war ein wirklich netter Kerl. Lustig, charmant und zuvorkommend. Und auch die Nächte mit ihm hatten durchaus ihren Reiz. Doch irgend etwas an ihm langweilte Rachel allmählich. Ob es seine Angewohnheit war, ihr jeden Wunsch von den Lippen abzulesen und auch gleich zu erfüllen... oder die Art, wie er immer wieder fasziniert über die Riffel ihres Nasenrückens strich und betonte, wie toll sie damit aussah... sie wusste nicht genau, woran es lag. Und sie hatte auch nicht vor, erst heraus zu finden, was es denn nun genau war. Daher kam ihr das Auslaufen der Victory morgen und ihr neuer Posten auf diesem Schiff gerade recht! Leise, darauf bedacht ihn nicht zu wecken, strich sie die Decke beiseite und stand auf. Stück für Stück sammelte sie ihre Kleidung vom Boden auf und verschwand damit in den Nebenraum, um nicht unnötig viel Lärm zu machen. Nachdem sie sich angezogen und ihre Haare kurz gerichtet hatte, verließ sie Adams Wohnung und begab sich zu ihrer eigenen kleinen, die sie für die zwei Wochen hier bezogen hatte. Sie nahm eine Schalldusche und zog schon jetzt ihre Uniform an. Dann fing sie an zu packen. Lange brauchte sie nicht, denn Rachel hatte nicht viele persönliche Gegenstände, von den paar altmodischen Büchern, einigen PADDs mit persönlichen Notizen und mehreren Fotos, den meisten von ihrer verstorbenen Mutter, mal abgesehen. Sie wollte gerade den Schrank mit ihrer Zivilkleidung ausräumen, als eine eingehende Verbindung sich über leises Piepen ankündigte. Es war ihr Vater. "Hi Dad! Was gibt's?" "Hallo Kleines! Na, schon aufgeregt?" Mit beinahe emotionsloser Mine beobachtete er, wie seine Tochter durchs Zimmer wanderte und akkurat wie immer einige Kleidungsstücke in eine Tasche legte. "Aufgeregt? Nicht direkt. Ein bisschen Neugier trifft es eher. Hast du heute Vormittag irgendwann Zeit?" "Genau deswegen hab ich mich gemeldet. Ich habe mich gefragt, ob du vor deiner Abreise noch die Zeit findest, mit deinem alten Herrn zu frühstücken? In einer halben Stunde im Henry's?" "Gerne. Dann bis gleich." Die paar restlichen Sachen waren innerhalb weniger Minuten gepackt und Rachel verließ daraufhin die Wohnung und begab sich zum verabredeten Ort. Das Henrys war tagsüber ein gemütliches Café, Abends jedoch machte es auch eine gute Kneipe her. Rachel ging hier häufig mit ihrem Vater frühstücken, wenn sie mal auf der Erde war. Als sie das Café erreichte, saß Admiral Howard bereits draußen an einem der Tische und genoss die morgendlichen Sonnenstrahlen. Rachel umarmte ihn zur Begrüßung knapp, setzte sich und griff automatisch zur Speisekarte, legte sie jedoch sofort wieder weg, als ihr klar wurde, dass sie eh das gleiche wie immer nehmen würde: Frühstück mit Brötchen, Rührei, einem Orangensaft und einer kleinen Portion Obstsalat als Krönung. "Musst du heute gar nicht arbeiten?" "Ich habe mir ein paar Stunden frei genommen. War kein Problem, als ich sagte, dass du heute wieder abreist. Übrigens schöne Grüße von Stefan Kowalski." Rachel musterte ihren Vater skeptisch. "Danke. Grüß ihn bei Gelegenheit zurück." Stefan Kowalski war nicht nur ein Arbeitskollege ihres Vaters, sondern auch der Vater von Adam, weshalb Rachel schon seit einigen Tagen den Verdacht hatte, dass es doch kein so großer Zufall gewesen war, dass sie Adam schon am Tag ihrer Ankunft auf der Erde über den Weg gelaufen war. "Wo ist Adam eigentlich? Ich hatte gedacht, du würdest ihn vielleicht mitbringen?" Samuel Howard wirkte nicht besonders neugierig, was Rachel nicht verwunderte. Die Idee mit Adams und ihr war sicherlich auf Stefan Kowalskis, beziehungsweise Adams Mist gewachsen. Rachel seufzte, denn ihr Verdacht hatte sich damit soeben bestätigt. "Er ist in seiner Wohnung und schläft wahrscheinlich noch. Und nur zu deiner Information: Ich habe nicht die Absicht, eine feste Beziehung mit Adam einzugehen.", sagte sie ruhig, um ihren Vater lediglich über den Stand der Dinge aufzuklären. Seine Reaktion war ein kurzes "Hmph." und eine weiter ungerührte Mine. Damit war das Thema Adam vom Tisch. Ein Außenstehender hätte das Gespräch von Vater und Tochter wohl als ziemlich kühl und emotionslos beschrieben, für die beiden hingegen war es die gewohnte Art, miteinander umzugehen. Seit dem Tod seiner Ehefrau Baril Renora, hatte sich Samuel gefühlsmäßig sehr zurück gezogen. Alte Bekannte bezeichneten ihn als deprimiert und verbittert, neue Bekannte hingegen als Brummbär von Natur aus, weil sie nicht wussten, was in ihm vorging. Auch wenn er nie darüber sprach und es auch nicht zeigte; Rachel war sich sicher, dass ihr Vater ihre Mutter noch immer schmerzlich vermisste und nie aufgehört hatte, sie zu lieben... So, wie er Rachel eigentlich immer geliebt hatte. Nun, es war nun einmal so und nicht anders und Rachel hatte sich in ihrer Kindheit schnell daran gewöhnt, vom Vater nicht besonders viel Zuneigung zu bekommen. Es hatte sie zu dem gemacht, was sie war: eine selbstbewusste, standhafte und unabhängige junge Frau, die nicht schon bei jeder Kleinigkeit losheulte und so schnell auch nicht verletzt werden würde. Der Rest des Gespräches während dem Frühstück galt wie gewöhnlich eher unpersönlichen Dingen. Als die beiden fertig gegessen hatten, verabschiedeten sie sich voneinander und Rachel ging zu ihrer Wohnung, um ihre paar Sachen zu holen. Mit den Taschen über den Schultern ging sie zurück zu Adam. Sie traf den jungen Mann in seiner Wohnung an und er machte den Eindruck, als habe er befürchtet, dass sie abreisen würde ohne auf Wiedersehen zu sagen. Mit dem was dann kam, hatte er wohl schon gerechnet, denn er machte einen recht gefassten Eindruck als Rachel ihm freundlich deutlich machte, dass die letzten zwei Wochen zwar schön gewesen seien, sich daraus aber nichts Festes entwickeln würde. Wenn sie ehrlich war, war sie dankbar, dass es nun höchste Zeit wurde aufzubrechen. Heute Nachmittag endlich sollte sie sich als taktischer Offizier und stellvertretender Sicherheitschef auf der USS-Victory melden, die zur Zeit noch in der Utopia Planetia Flottenwerft lag und morgen früh vom Stapel laufen würde. ************************************************************************ * 10052380 * ************************************************************************ --- An Bord des Frachters CLS Kamista IX Auch nach mehr als einer Woche auf dem Frachter ärgerte James sich jeden Tag. Wie hatte er nur den Abflug der Victory um EINEN Tag verpassen können. Er hätte direkt auf dem Schiff sein können, von Anfang an. Und natürlich hätte er sich diese Reise im Frachtschiff erspart. Aber es blieb einem eben nichts erspart - das allein war die Moral, die er nun lernte. Ganz nebenbei hatte James Zeit gewonnen, die ganzen Berichte anzusehen, viel über das Schiff zu lernen und ein Buch zu lesen, welches er geschenkt bekommen hatte. Wie jeden Tag hatte er seine Pflanzen angeschaut und gepflegt und konnte sie bald nicht mehr in dem engen Frachtraum sehen. Der Garten auf der Victory versprach ein besseres Flair, wenn auch einfach nicht natürlich. Hoffentlich gab es dadurch keine Qualitätsverluste der Teeblätter oder gar einem Geschmacksunterschied. Er liebte den Darjeeling Tee, der aus dieser Pflanze, von diesem Bauern, gewonnen wurde. Nun lag er in seinem Bett und schaute auf den Chronometer. Noch 3 Tage bis DS9, sie waren etwas schneller als erwartet. Aber so konnte er wenigstens sicher gehen, dass er die Victory nicht verpasste. Eher würde er einen Tag Aufenthalt auf DS9 genießen können. Auch wenn ihm noch völlig unklar war, was mit seinen Pflanzen passieren sollte. Er hatte der Victory bereits übermittelt, dass sein Gang an Bord ungefährdet war und auch DS9 wusste, dass er kommen würde, ein Quartier und 65m² Gartenfläche brauchte. --- Quartier Nyberg, 18:15 Mit einem lauten Plumps ließ sich Anna auf das Bett fallen und streckte alle Viere von sich. So eine erste Arbeitswoche war ganz schön anstrengend. Und eigentlich befand sich die Victory erst einmal nur auf dem Weg zum eigentlichen Einsatz. Anna hoffte, dass sie sich nach dieser Woche vom Akademie- auf den Schiffs-Alltag umgewöhnt hatte. Jetzt blieb sie erst einmal minutenlang mit geschlossenen Augen liegen. Kurz bevor sie in den Schlaf abdriften konnte, rappelte sie sich wieder auf. Sie wäre liebend gerne liegen geblieben, doch sie hatte sich vorgenommen, ihre neuen Kollegen kennen zu lernen und anscheinend gab es heute ein inoffizielles Kennenlern-Treff in der Bar. Also, auf ins Bad... --- kurze Zeit später Nach 10 Minuten unter der Dusche fühlte sie sich wie ein neuer Mensch. Nur in das Handtuch gewickelt sprang sie danach kurz in ihr Quartier und durchsuchte einige Schubladen, bis sie gefunden hatte, was sie suchte: Ein kleines Fläschchen mit Öl, dass sie von einer Freundin geschenkt bekommen hatte. Angeblich sollte es die Haut zart und glatt machen. Anna glaubte zwar nicht, dass sie damit ihre täglichen Injektionen dermatologischer Regenerative ersetzen konnte, aber sie genoss den Mandelduft, der sich beim Einreiben entfaltete. Fertig gecremt und gebürstet, stand sie wieder im Quartier und hatte das gleiche Problem (oder war es doch eine Freude?) wie jede Frau, die noch weggehen wollte... was sollte sie anziehen? Für Zivil hatte sie sich schnell entschieden, schließlich hatte das ganze keinen offiziellen Charakter. Nach etwas hin und her, ob chic, oder eher lässig, auffällig oder zurückhaltend, entschied Sie sich, eine schwarze, weite Hose aus einem fließenden Stoff und einen engen schwarzen Rollkragenpullover zu replizieren. Als Highlight diente eins ihrer Lieblingsstücke, das sie auf dieses Schiff mitgenommen hatte: Ein langer, bunt gemusterter Seidenschal, den sie sich um den Hals wickelte und dessen fransige Enden trotzdem beinahe bis an ihre Knie reichten. Sie begutachtete sich im Spiegel und war zufrieden. Ihre Figur kam super zur Geltung und dennoch war der meiste Teil ihres Körpers bedeckt. Ihre langen Haare steckte sie noch schnell zu einem lockeren Knoten im Nacken zusammen und dann war sie bereit. --- Bar, 19:25 Als Anna die Bar betrat, war diese schon gut gefüllt. Wie es schien, waren die meisten der Einladung zu diesem 'Beschnupper'-Treff gefolgt. Während sie in Richtung Tresen steuerte, nickte sie einigen bekannten Gesichtern zu, die ihr auf dem Gang und anderswo begegnet waren. Eigentlich waren solche gesellschaftlichen Zusammenkünfte gar nicht ihr Fall. Es waren einfach viel zu viele Leute hier. Sie hatte es lieber etwas überschaubarer oder wenigstens mit Rückzugsmöglichkeiten. Da war sie ganz froh, als der Barkeeper ihr das bestellte Glas Saft in die Hand drückte und sie sich daran festklammern konnte. Guave-Ananas-Limette, schön exotisch und farblich passte er sogar zu ihrem Schal. Sie wollte sich gerade nach einem ruhigeren Eck umsehen, drehte sich von der Bar weg und nur dank guter Reflexe brauchte sie sich nicht gleich einen neuen Saft ordern, denn hinter ihr war plötzlich eine junge Frau aufgetaucht, mit der sie jetzt Nase an Nase stand. Lexi hatte sich nach ihrem Dienst schnell in ihr Quartier verzogen und stand jetzt, mit einem vitaminreichen Glas Saft in der Hand an der Bar, das waren also ein Großteil ihrer künftigen Patienten. Sie drehte sich langsam im Halbkreis, um einen genaueren Überblick zu bekommen, vielleicht erkannte sie ja hier jemanden, den sie schon besser kannte. Auf den ersten Blick konnte sie keine bekannten Gesichter aus dem Studium ausfindig machen, bis ihr Glas gegen ein anderes klirrte und leicht schwappte, aber die Säfte, bleiben brav in ihren Gläsern. Sie sah in das Gesicht einer schwarzhaarigen, jungen Frau mit, wie sie fand, leuchtend grünen Augen, die ihr sehr wohl bekannt und vertraut war. Ein freudiges Lächeln stahl sich auf ihr Gesicht. "Hi.", war das einzige was Anna rausbrachte, wobei sie das Gefühl hatte, knallrot anzulaufen, ob ihrer Unaufmerksamkeit. Doch dann sah sie die Frau nochmal genauer an, sie kam ihr irgendwie bekannt vor und ihr schien es genau so zu gehen. Gleichzeitig platzten die beiden heraus: "Lexi?" ... "Anna?" fragte sie, während ihr ihr eigener Name entgegenschallte. "Du bist das wirklich?" fragte sie freudig die junge Frau, mit der sie einige Zeit an der Akademie fast Tür an Tür gewohnt hatte. "Wie lang ist das her? Zwei Jahre?" fragte sie und stellte ihr Glas auf dem Tresen ab, um weitere 'Unfälle' damit zu vermeiden. "Bestimmt. Das war doch in meinem zweiten Jahr, als eure Unterkünfte umgebaut wurden und ihr zu uns 'Frischlingen' gesteckt wurdet." Anna war froh, jemand getroffen zu haben, den sie kannte und so sprudelte sie vor Gesprächigkeit, unterbewusst mit der Hoffnung, dass sie sich mit Lexi den größten Teil des Abends unterhalten könnte und nicht verloren herumstehen müsste. "Bist Du auch neu auf der Victory?" Noch bevor Lexi antworten konnte, hatte Anna etwas im Augenwinkel wahrgenommen. "Schau mal da drüben, die Sitzecke, da stehen gerade welche auf. Sollen wir es uns gemütlicher machen?" Lexi lächelte. "Ich hatte nichts gegen die 'Frischlinge' auf dem Gang, ich fand es angenehmer, als dieses getrennte Leben nach Jahrgang, so war es viel interessanter", meinte sie lächelnd. Sie griff nach ihrem Glas, als Anna auf die Ecke deutete. "Gerne." Sie sah Anna lächelnd an. Jetzt erinnerte sie sich. Sie hatte vor zwei Tagen ihre Krankenakte gelesen und dort stand etwas von einer Ärztephobie, also sollte sie besser für den Abend schweigen, um der jungen Frau nicht den Abend zu verderben. "Ja, mich hat's jetzt auch endlich auf ein Raumschiff verschlagen, hat ja lange genug gedauert.", meinte sie leicht grinsend, während sie den Weg zur Sitzecke einschlug. Anna schob sich an ihrer Seite durch die Menschen. "Was hast Du denn noch getrieben? Warst Du noch eine Weile auf der Erde oder auf einer Starbase?" Glück gehabt, die Sitzplätze waren noch frei. Anna setzte sich und schlug bequem die Beine übereinander. Lexi ließ sich gegenüber der jungen schwarzhaarigen auf der Bank nieder. "Nun, ich war auf dem Mars, ich wollte nicht wirklich von zu Hause weg, aber dann hat es mich doch auf eines dieser kleinen Raumschiffchen gezogen und nachdem dann das Schiff hier bald fertig gestellt werden sollte, hab ich mich beworben und wurde genommen. Aber nun ja, das übliche halt, bei der Sternenflotte.", meinte Lexi und suchte nach einem anderen Thema. "Und bei dir? Du hattest doch, wenn ich mich recht erinnere, irgendwelche besonderen Urlaubspläne? Hast du die umsetzen können?" "Ja, ich hatte mal mit dem Gedanken gespielt, ein Jahr auszusetzen und mir ein bisschen die Erde genauer anzuschauen, ich lebe ja erst ein paar Jahre dort." Sie nahm kurz eine Schluck von ihrem Saft und fügte dann hinzu: "Nun ja, eigentlich jetzt auch nicht mehr. Aber dann hat mich doch der Weltraum stärker angezogen und ich hab lieber die Akademie schnell hinter mich gebracht." Lexi lächelte. "Na, das läuft ja nicht weg, die Erde wird auch nach unserer Mission noch existieren für eine Expedition.", meinte Lexi und schlürfte großzügig an ihrem Saft. 'Jetzt bring es das Thema nur nicht auf die Arbeit', schoss es ihr durch den Kopf. "Freut mich. Aber deinen Hobbies hast du weiterhin nachgehen können?" "Na wer weiß", kommentierte Anna spielerisch . "Juhraya gibt es auch nicht mehr so, wie es einmal war." Dann ging sie auf Lexis Frage ein. "Naja, während der Akademie kam ich noch des öfteren zum Training, aber wer weiß, wie das hier ist. Das Arbeiten fühlt sich stressiger an als das Studium." Sie fühlte sich langsam etwas ausgefragt und beschloss, den Spieß umzudrehen. "Wie sieht's denn bei Dir aus. Ich weiß schon gar nicht mehr, was Du für Hobbies hattest. Ich glaube, im Sportzentrum habe ich Dich nicht so oft gesehen, oder?" Lexi lächelte. "Ja, jedenfalls nicht in den Bereichen, in denen du dich rumgetrieben hast. Ich bin meist runter an den Strand und bin im Meer geschwommen, so hab ich mich fit gehalten. Ansonsten war ich für ein gutes Buch immer zu haben", erklärte die rothaarige junge Frau verträumt. "Naja, so schlimm waren die Bereiche nicht, in denen ich mich rumgetrieben habe. Manchmal ging's vielleicht härter zur Sache, aber es liegen ja Matten auf dem Boden. Und das beste ist...", hier grinste sie etwas hinterhältig. "... wenn dann die Nahkampfausbildung dran war, waren die Jungs auf einmal ganz leise, wenn sie urplötzlich flach lagen und nicht wussten warum." Lexi lachte auf. "Ja, die lieben Jungs. Ich war immer froh, wenn ich die Nahkampfkurse hinter mir hatte. Ich bin lieber für das ruhigere.", meinte sie lächelnd. "Aber du hast recht, es hat auch Spaß gemacht, die Herren der Schöpfung auf die Matte zu jagen und ihnen zu zeigen, dass wir als Frauen auch oder sogar besser arbeiten können", grinste Lexi etwas hämisch. "Scheinst nicht besonders gut auf sie zu sprechen zu sein.", sie zwinkerte Lexi zu. "Mir können sie auch für die nächsten Jahre gestohlen bleiben." Lexi lehnte sich zurück und lächelte. "Mein Ruf auf der Akademie ist wohl nicht bis zu dir durchgedrungen", meinte sie leicht süffisant lächelnd. "Mir können die Herren gestohlen bleiben." Nein, der Ruf war wirklich nicht bis zu ihr durchgedrungen... und sie war ganz schön überrascht (und das war ihr auch anzusehen). Sie selbst hatte verschiedene Erfahrungen in der Vergangenheit gemacht, die ihre Entscheidung beeinflussten, aber Lexi? Bei ihr hätte sie das nicht erwartet. Für einen Mann müsste Lexi doch außerdem ziemlich perfekt aussehen. "Interessant.", antwortete sie nur. "Irgendwelche Gründe?" Auf ihrem Gesicht breitete sich ein kokettes Lächeln aus. Lexi sah Anna offen an, beobachtete ihre Reaktionen genau, erwiderte schließlich das Lächeln. "Willst du die ganze Story hören?" "Meine nächste Schicht beginnt erst morgen Vormittag...", antwortete sie vieldeutig und lehnte sich bequem nach hinten. Lexi schmunzelte. "So lang ist die Story nun auch wieder nicht", grinste sie zurück. Sie stützte sich mit ihren Armen auf die Tischplatte. "Nun, ich glaube, bei mir war das was 'klassisches', wie man's aus kitschigen Liebesromanen kennt. Ich war 15, er war ein Klassenkamerad, wir haben uns gut verstanden", begann sie. "Alle um mich herum hatten schon Freunde und ich fühlte mich aufgrund des nicht wirklich vorhandenen Gruppenzwangs das Gefühl 'mitziehen' zu müssen", erzählte sie offen heraus. "Und es lief nicht gut?", hakte Anna nach. Dabei wurde sie an ihr 15. Lebensjahr erinnert... keine besonders schöne Erinnerung, die sie schnell versuchte, wieder zu verscheuchen. "Es lief gar nicht", zuckte Lexi mit ihren Schultern. "Wir hielten ein paar Tage Händchen und als wir uns dann küssen wollten, empfand ich nichts als Leere.", erklärte die Marsianerin offen, sah dann zu ihrer Gesprächspartnerin. Ihre Hand schnellte über den Tisch und kam besänftigend auf den Fingern der schwarzhaarigen Frau zum liegen, als sie einen Schatten über deren Gesicht huschen sah und selbst das Leuchten im Grün ihrer Augen hatte für einen Bruchteil nachgelassen. "Alles in Ordnung?" "Ja, alles in Ordnung.", winkte Anna ab. "Nur eine Erinnerung an einen nicht gerade perfekten 15. Geburtstag." Sie zwang sich zu einem Lächeln, dass sogar fast ehrlich wirkte. "Aber erzähl weiter... woher wusstest Du, dass es nicht an ihm liegt, sondern an allen Jungs?" Lexi drückte noch kurz die Hand der OPS-Offizierin und lächelte. "In Ordnung, wenn du reden willst.", bot sie an und ging dann auf ihre Frage ein. "Ich habe es noch ein weiteres Mal mit einem anderen probiert, mit dem gleichen Ergebnis.", erzählte die Ärztin weiter. "Und dann kam eine neue Schülerin in die Klasse und ich war hin und weg von ihr." Anna erwiderte Lexis Händedruck, indem sie kurz ihre Hand ergriff. Aber es war weder ein Thema für eine Bar noch für einen netten Abend. "Und?", fragte sie neugierig. "Wie sah sie aus, wie ging es weiter?" "Sie hatte langes, dunkelbraunes Haar, eisblaue Augen, eine Bilderbuchfigur", zählte Lexi auf, für einen Moment kam der verträumte Blick von damals in ihr Gesicht zurück, bevor sie wieder ins hier und jetzt zurückkehrte. "In den nächsten Ferien waren wir zusammen auf einem Ausflug. Ich wollte ihr ein paar Sehenswürdigkeiten auf dem Mars zeigen. Nur sie und ich." Lexi zuckte mit den Schultern. "Klar, es war ein Plan, ich wollte sie besser kennenlernen. Eines Nachts, es war eine besonders kalte, lagen wir in unserem Zelt und waren dicht zueinander gerückt, um uns zu wärmen. Nun, ich nutzte die Gelegenheit, sie zu küssen. Sie lag danach ruhig und schweigsam neben mir und als ich am nächsten Morgen aufgewacht war, war sie verschwunden." Jetzt war es Anna, die beruhigend Lexis Hand drückte. "So ist das Leben... Sowas steht leider nicht groß und breit jedem auf die Stirn geschrieben. Aber wäre es wirklich besser, wenn es so wäre?" Lexi lächelte, drückte sanft die Hand ihrer Abendbegleitung. "Nein, es wäre langweilig, das macht das Leben aus. So hätte es mir auch mit einem auserwählten Jungen gehen können. Es ist egal, ob es das andere oder das gleiche Geschlecht ist, ist das Interesse nicht da, nutzt einem der beste Vorsatz nichts.", meinte Lexi. "Und sie war nicht meine letzte Erfahrung, die nächsten sind besser verlaufen, wenn auch nicht perfekt. Aber sie hat mir geholfen zu entdecken, was ich fühle und was ich will." "Das ist etwas, das nur wenigen gegönnt ist... zu wissen, was man will. Ich wünsche Dir, dass Deine zukünftigen Begegnungen weniger lehrreich und dafür um so schöner verlaufen.", dabei sah sie ihr tief in die Augen und nur noch ein sanftes Lächeln lag auf Ihren Lippen. "Danke", hauchte Lexi zurück und griff nach ihrem Glas, hob es kurz an, setzte es dann aber wieder ab und lächelte ebenso sanft und dankbar zurück. Die junge Frau ihr gegenüber hatte etwas reizvolles an sich, was ihr jetzt zum ersten Mal aufgefallen war. Sie hatte Anna bisher als das scheue, kleine Mädchen von nebenan erlebt, aber hier, heute Abend zeigte sie eine ganz andere, neue Seite, die Lexi reizte genauer zu entdecken. Sie schloss kurz die Augen und ließ sich für einen Moment auf die Schwärmerei ein, die sich in ihrem Kopf bildete. "Das wünsch ich dir auch.", sagte sie sanft und verlor sich in diesem glänzenden Grün. "Danke." Dabei wurde Anna ein bisschen unruhig. Sie hatte gar nicht mitbekommen, wie das auf einmal Gespräch so ernsthaft wurde, aber sie musste feststellen, dass es ihr nicht widerstrebte. "Jetzt hast Du mir soviel über Dich erzählt, da habe ich das Gefühl, Du solltest auch etwas über mich erfahren dürfen, sonst endet das Gespräch so unbalanciert...", sie ließ ihre Stimme abklingen, dann neigte sie den Kopf etwas zur Seite, abwartend, was Lexi sagen würde. Der rothaarige Lockenschopf der Ärztin neigte sich kurz einen Moment zur Seite und sie sah Anna offen, ehrlich und fasziniert an. "Ein Gespräch ist nie wirklich unbalanciert. Selbst durch Beobachten lernt man viel über sein Gegenüber, auch wenn er verbal schweigt.", antwortete sie schließlich. "Aber ich würde mich freuen, wenn ich mehr über dich erfahren würde." "Welche Momente im Leben interessieren Dich mehr, die schönen oder die traurigen?", erkundete Anna langsam das Terrain. Sie war immer noch auf Lexi fixiert, aber ließ ihren Blick hin und wieder abschweifen. Dabei fiel er auf ihr noch fast volles Glas und mehr an sich selbst gerichtet, fügte sie noch hinzu: "Ich sollte am besten schon mal meine Kehle anfeuchten." Dann griff sie nach dem Saft und trank einen Schluck. Lexi lächelte sanft, folgte weiterhin dem anziehenden Grün in Annas Augen. "Ich will die Momente hören, die dich zu der Person geprägt haben, die heute Abend vor mir sitzt. Dazu gehören sowohl die schönen, als auch die traurigen Momente", meinte sie sanft. "Erzähl mir, was dein Herz sagen möchte", forderte sie Anna heraus, griff ihrerseits zu ihrem Glas und trank einen Schluck. Anna schwieg für einen Moment... Dann nahm sie noch einen letzten Schluck und stellte das Glas wieder ab. "Was meine Person geprägt hat...", sie klang nachdenklich. Bevor sie zu erzählen begann, veränderte sich noch ihre Sitzposition. Sie hatte ihre Beine nicht mehr übereinandergeschlagen, sondern zog eins nach oben und umfasste es, sodass sie ihr Kinn aufstützen konnte. "Stell dir einen Sommertag vor, es ist wunderbar warm, die Sonne scheint und die Luft duftet nach unbekannten Blumen... Du liegst im Gras auf einer Bergwiese, über Dir ziehen ein paar Vögel über den blauen Himmel hin..." Sie zögerte einen Moment. Lexi war fast versucht, die Geste von Anna nachzuahmen, als würde sie an einem Lagerfeuer sitzen, aber sie saß hier in einer Bar. Sie suchte eine Position, wo sie aufmerksam und doch bequem saß, lauschte den Worten der schwarzhaarigen Schönheit ihr gegenüber und beobachtete ihre Reaktionen genau. Als diese dann mit einem Mal stoppte, sah Lexi sie auffordernd an und nickte nur, sie war bereit zu hören, was vorgefallen war. Sie wusste, dass es etwas schlimmes war, man sah es Anna an ihrem jungen Körper deutlich an, es gehörte schon seit Jahren zu ihrem Leben. Als sie sah, dass Lexi ihr ihre volle Aufmerksamkeit schenkte, fuhr sie fort: "Du könntest noch Stunden so daliegen... Irgendwo entfernt hörst Du ein paar Kinder lachen und irgendwo dazwischen mischen sich die Stimmen zweier Erwachsener, lachend und scherzend, unbeschwert, als wären sie auch nur zwei Kinder." Sie wiegte ihren Oberkörper leicht hin und her. "Wie es so ist, Du wirst müde, dein Bauch spannt fast vor lauter leckerer Sachen, die Du gerade noch gepicknickt hast...", ein Lachen huschte über ihr Gesicht. "Weißt Du, wie schön es ist, auf einer Sommerwiese ein bisschen vor sich hin zu dösen?" Sie machte eine kurze Pause... Lexi kannte dieses Gefühl sicher. "Und wie es ist, aufzuwachen, weil Dir dein dummer kleiner Bruder einen Ball auf den Bauch wirft?" Lexi hatte sich während der Worte nach vorne gebeugt und ihren Kopf in eine ihrer Hände gestützt. Obwohl sie nach wie vor aufmerksam den Worten Annas lauschte, sah man deutlich an ihrem Blick, wie sich das Bild einer jüngeren Fassung von Anna vor ihrem geistigen Auge bildete, die auf einer Wiese lag, zufrieden, glücklich lächelnd. Und vor allem unbeschwert, während man selbst neben dran lag und den Geräuschen der Umgebung lauschte. Selbst, wie der Ball auf Annas Bauch klatschte, glaubte Lexi deutlich zu hören. Sie nickte schweigend und suchte wieder das fesselnde Grün von Annas Augen. "Und Dein großer Bruder natürlich nichts besseres zu tun hat, als Dich zu verspotten? Sodass Dir eigentlich gar keine Wahl bleibt, als aufzuspringen und ihn über die Wiese zu jagen, bis Du zu Fall bringst und ihm Drima-Disteln ins Hemd stecken kannst." Wie jedes mal, wenn Anna an diese Szene dachte, durchströmte sie Fröhlichkeit wie prickelndes Wasser. "Nun ja, irgendwann geht auch dieser Tag zu Ende, die Sonne geht unter, und deine Mutter ruft Dich, Du sollst kommen, alle machen sich auf den Heimweg und dass Du, wenn Du noch länger im Gras liegst, dir garantiert eine Lungenentzündung holen wirst ... Das war immer ihre schärfste Drohung, wenn wir abends nicht ins Haus kommen wollten." Lexi lächelte. "Ich kann es förmlich vor mir sehen", meinte sie mit einem verklärten Schmunzeln auf den Lippen. "Bei mir war es immer der Sand, der zu schnell auskühlte.", gab sie kurz ihre Erinnerung preis, sah Anna dann aber wieder auffordernd an. Sie blickte Lexi an - sie sah noch so erwartungsvoll aus. "Ende!", sagte sie spielerisch. "Du hattest noch mehr erwartet, oder? Man sieht es Dir an der Nasenspitze an. Aber ich dachte, ich beginne lieber mit einer schönen Erinnerung." Sie pausierte kurz und sprach dann langsam weiter. "Nun ja, es sind eher Bruchstücke, Erinnerungsfetzen. Ich war damals etwa 10 Jahre alt, da nimmt man noch nicht alle Eindrücke so intensiv in sich auf wie als Erwachsener. Trotzdem ist es diese Erinnerung, die es immer wieder schaffen wird, selbst in der schwärzesten Stunde diesen kleinen Funken Freude zu finden, der irgendwo tief in einem begraben ist und den man längst schon verloren glaubte." Lexi hob ihren Kopf aus ihrer Hand, ließ sie langsam zu Annas Hand sinken und griff nach ihr. "Aber diese Bruchstücke helfen uns auch in den schwärzesten Momenten zu überleben. Man braucht sie einfach ohne sie ist man leer und hilflos.", meinte sie sanft, zog dieses Mal ihre Hand nicht zurück, bot Anna damit einen Halt, wenn sie ihn brauchte und wollte. Sie sah sie weiterhin erwartungsvoll an, sie wollte auch das wissen, was die junge Frau hatte so scheu und zeitweise auch verängstigt gemacht hatte. Anna reagierte im ersten Moment erst einmal nicht. Sie genoss einfach einen Moment lang diesen Augenblick, spürte Lexis Hand und zog Kraft daraus. Ihrem erwartungsvollen Blick begegnete sie nur mit einem sanften Lächeln. "Denn Rest werde ich Dir erzählen, wenn die Zeit dafür gekommen ist... Es ist keine Geschichte für einen schönen Abend wie diesen." Lexi nickte, lächelte und drückte noch mal Annas Hand. "In Ordnung. Sollten wir uns dann nicht gegenüber sitzen, schau einfach vorbei, ich hör dir zu." "Na, ich hoffe, dass wir uns noch öfter gegenübersitzen werden.", scherzte Anna. Sie war jetzt wieder zu ihrem Plauderton zurückgekehrt. Dann griff sie nach ihrem Glas, das inzwischen leer war. "Meinst Du, wir sollten uns was neues organisieren?" Lexi sah auf ihr Glas, zog langsam ihre Hand zurück. "Ich meine, wir sollten uns was Neues organisieren lassen, wozu laufen hier genug Kellner rum?" grinste sie zurück. "Zu irgendwas müssen Männer doch gut sein", setzte sie zwinkernd hinzu. Anna musste lachen. "Volle Zustimmung." Und reckte gleich ihren Hals, um irgendwo einen Kellner zu entdecken. ************************************************************************ * 13052380 * ************************************************************************ --- Deep Space Nine Es war eine freundliche Verabschiedung gewesen. Zum einen war James Harold froh, den Frachter verlassen zu dürfen und zum anderen war die Frachter Crew froh, die Reise ebenso hinter sich zu haben und den Sternenflotten Commander los zu sein. Yates setze nur zu gerne seine Füße auf den Metallboden der ehemals cardassianischen Raumstation. Um sein Gepäck, welches er im Quartier nicht benötigte, kümmerten sich die Leute der Station ebenso sorgfältig wie um seine Pflanzen. Mit dem Be- und Entladevorgang des Frachters und der Victory hatte er nichts zu tun und damit stand nach Wochen in Indien und auf einem Frachter erstmal wieder eine Erholung unter Gleichen auf dem Programm. Englisches Essen, ein paar Stunden in einem Pub und danach betrunken einschlafen taten dem Ersten Offizier sehr gut. --- Quartier Nyberg Anna stand im Bad vor dem Spiegel und rieb sich den Schlaf aus den Augen. Aus alter Gewohnheit griff sie auf das Bord unter dem Spiegel, da fiel es ihr wieder ein... Das Hypospray war leer. Vor 2 Tagen war es ihr ausgegangen, aber es hatte ganz gut ausgesehen, sodass sie auf die Injektionen verzichtet hatte. Jetzt, als sie klar sehen konnte, betrachtete sie sich noch einmal im Spiegel... zu sehen war noch nichts, aber wenn sie über die Haut strich, spürte sie, dass ihre Haut unempfindlicher wurde, und sich etwas taub anfühlte. Kein gutes Zeichen. Heute nach ihrer Schicht würde sie wohl die Krankenstation aufsuchen müssen. --- Gänge der Victory, Schichtende Jetzt, wo es sich Anna noch einmal überlegte, war es noch gar nicht so schlimm. Sie spürte noch immer die sanfte Taubheit, aber das würde noch ein paar Tage halten. Eigentlich könnte sie doch gleich zum Essen gehen, statt auf die Krankenstation. Ein paar Schritte ging es gut, aber dann schalt sie sich selbst. Sie wusste genau, was passieren würde, wenn sie ihre Medikamente 'vergaß'. Es wäre jetzt nicht das erste Mal, und aus den letzten Malen sollte sie eigentlich gelernt haben, dass es wesentlich unangenehmer wurde als ein kurzer Besuch beim Schiffsarzt. Was Ärzte anging, war sie aber nun mal kein Held. Allein der Gedanke genügte, um ihr kalten Schweiß auf die Stirn zu treiben. ... Sie lag da, blickte in helles Licht, jemand beugte sich über sie, sie war ihm ausgeliefert, konnte sich nicht bewegen. Was war es diesmal? Presste sich der kalte Injektor an ihrem Hals, der die Flucht in den Dämmerzustand versprach, oder hielten sie es nicht für notwendig... Anna strengte sich an, diesen Gedanken zu verscheuchen, ihn zu verdrängen, in den hintersten Winkel ihres Denkens. 'Es tut bestimmt nicht weh.' Sie konnte gar nicht mehr zählen, wie oft dieses Versprechen gegeben und gebrochen worden war. Die Gesichter wechselten, aber alle waren sie doch gleich. Egal wann, egal wo. Sie machte auf dem Absatz kehrt. 'Du gehst jetzt zur Krankenstation', sagte sie sich selbst. 'Sofort! Keiner sagt Dir, dass die hier genauso sind.' - 'Genau so? Alle sind sie genau so. Sogar in der Föderation. Und bei Starfleet.', meldete sich eine andere Stimme in ihrem Kopf. 'Du weißt was passiert! Willst Du das wieder? Stunden oder Tage dort verbringen?', erwiderte die erste. Nein, das wollte sie nicht. Ihre Diagnose stand fest, und das Mittel war verordnet, also würde es schnell gehen. Einfach rein, auf die Akte verweisen, ihren Vorrat abholen und schnell wieder raus. 'Das braucht weniger als 5 Minuten.', sagte sie sich. 'Und wenn sie auf die Idee kommen, gleich die scheinbar obligatorische Eingangsuntersuchung zu machen?', meldeten sich wieder die Zweifel. Ihr Weg hatte sie inzwischen vor die Türen der Krankenstation geführt. Noch einen Schritt, sie würden sich öffnen und es gab kein Zurück mehr... Zischend glitten die Türen zur Seite und Anna trat hindurch. --- Krankenstation Sofort schlug ihr der typische Geruch entgegen - auch wenn man ihr schon zigfach erklärt hatte, dass so gut wie keine Chemikalien mehr zur Desinfektion eingesetzt wurden, fand Anna, medizinischen Einrichtungen war ein bestimmter 'Duft' eigen, bei dem sich ihr der Magen umdrehte. Sie schluckte mehrmals trocken, um das Würgegefühl zu unterdrücken. Dabei beschleunigte ihr Herzschlag, es pochte ihr bis zur Kehle und sie hörte das Blut in den Ohren rauschen. Bevor sie weiterging wischte sie noch ihre feuchten Handflächen an der Hose ab. Auf ihrer Stirn fühlte sie kalten Schweiß perlen und die Uniform klebte ihr am Rücken. Lexi kontrollierte gerade die Vorräte der Hyposprays, die eine der jüngeren Schwestern zusammen gestellt hatte. Sie nickte zufrieden und blickte kurz auf, nickte einer der Schwestern mit einem Lächeln zu, bis ihr Blick auf eine Reflektion in der Glasscheibe fiel. Da war Anna wieder. Langsam machte sich das schlechte Gewisssen wieder in ihr breit, dass sie nicht mit offenen Karten gespielt hatte. Sie schloss die Augen und holte tief Luft, bevor sie sich umdrehen wollte. Langsam blickte Anna sich um, ob sie jemanden vom Personal entdecken konnte. 'Vielleicht machten sie auch gerade Mittagspause?', regte sich eine leichte Hoffnung. Doch da fiel ihr Blick auf eine rote Lockenmähne, die sie kannte. Und deren Besitzerin sich gerade umdrehte. "Lexi? Was machst Du denn hier? Geht's Dir nicht gut?" Anna fühlte sich gleich besser, dank dieser Ablenkung. Lexi sah Anna verlegen an. "Hallo Anna.", begrüßte sie die junge Frau und schluckte leicht. "Mir geht's gut, sofern du da auf mein Hiersein anspielst, aber wirklich gut geht es mir gerade wahrlich nicht", seufzte Lexi. Sie hielt sich an der Konsole vor sich fest, versuchte dadurch irgendwie ihre Nervosität runter zu schrauben. "Ich bin hier, weil ich hier arbeite." Wieder schloss sie ihre Augen. "Ich bin hier die stellvertretende Chefärztin.", erklärte sie und öffnete langsam ihre Augen, sah Anna verkniffen und entschuldigend an. Wieder schluckte die rothaarige Ärztin. "Ich... ich nehme an, du bist wegen deiner Injektionen hier?" fragte sie und tippte suchend in ihrem Display rum, bis sie Annas Akte hatte. "Einen Augenblick, ich hol sie eben." "Du bist was?!" Entsetzen klang aus Annas Stimme. Gerade hatte sie angefangen, Lexi sympathisch zu finden, ihr zu vertrauen. Und Annas Akte kannte sie auch! Eigentlich sollte ein Arzt die Akten seiner Patienten kennen, aber soweit konnte Anna gerade nicht denken. Sie fühlte sich verraten. Schwärze stieg auf einmal vor ihren Augen auf und ihr Magen krampfte sich zusammen. Sie tastete nach einer Konsole, irgendetwas, um sich abzustützen, doch schlug dann plötzlich ihre Hand vor den Mund und stürzte panisch zur Seite. Über das Becken an der Wand gebeugt, gab sie würgende Geräusche von sich. Lexi schloss ihre Augen und lehnte sich mit dem Rücken gegen die Scheibe. Warum hatte sie nicht von Anfang an mit offenen Karten gespielt? Andererseits wollte sie Anna nicht den Abend verderben. Es war so frustrierend. Sie wollte ihr helfen, aber mit dem Wissen, dass sie Ärztin war, hätte Anna sich ihr vermutlich nicht geöffnet, aber jetzt bestand noch weniger Hoffnung, dass sie sich anfreunden konnten. "Es tut mir leid. Ich hätte es dir vielleicht sagen sollen", stotterte sie los, schluckte dann aber die restlichen Worte runter, ging zu einem kleinen Schrank und zog ein kleines Frotteetuch hervor, feuchtete es an und hielt es Anna hin. Wie sollte sie ihr erklären, dass sie an dem Abend noch nicht wusste, warum Anna eine Ärztephobie hatte. Sie wußte nur, dass sie sie hatte, ihr wurde von einem Kollegen davon erzählt, aber sie hatte noch keine Zeit gefunden, sich alle Akten anzusehen. Vermutlich würde Anna ihr nicht glauben und sie konnte es verstehen, sie würde es auch nicht glauben wollen, jedenfalls nicht zu Anfang. Lexi schluckte. "Ich... ich werde wohl besser jemand anderen rufen, wenn dir das lieber ist." "Danke.", krächzte Anna, als sie das Tuch entgegennahm. Sie spülte ihren Mund aus und wischte das Gesicht ab. Das kühle Tuch tat gut, mit einem sauberen Zipfel tupfte sie sich auch ihre Handgelenke ab. Langsam richtete sie sich wieder auf und drehte sich zu Lexi um. Ihre Beine fühlten sich wackelig an, deswegen stützte sie sich noch mit einer Hand am Becken ab. Ihr Kreislauf war angeschlagen, aber wenigstens hatte ihr Magen keinen Grund mehr zu rebellieren. Zögernd blickte sie auf und strich sich mit der anderen zittrigen Hand eine Haarsträhne aus dem Gesicht. "Nein... nein, Du brauchst niemanden rufen." Sie blickte Lexi an. Sie sah aus, als ginge es ihr genauso übel wie Anna. "Du hättest es so oder so erfahren. Und schließlich kannst Du nichts dafür...", ihre Augenlider flatterten kurz. "... dafür, was andere verbockt haben... Und dafür, dass Du eine Ärztin bist." Ihr rechter Mundwinkel verzog sich zu einem schwachen Grinsen. "Vielleicht gibst Du mir einfach das Hypospray... andere haben schon schlechte Erfahrungen gemacht, als sie selbst es mir injizieren wollten." Ihr Hirn schien langsam wieder zu funktionieren, sie fügte noch zwei schnelle Sätze an. "Nimm die DHC2-Variante des Regenerativs, die vertrage ich am besten. Und vielleicht noch etwas für meinen Kreislauf und ein paar Mineralien und Traubenzucker, ich hab noch die Bereitschaftszeit vor mir. Und an Essen will ich gerade gar nicht mal denken." Lexi wartete einfach ab, was Anna tun würde, als sie sie schließlich mit einem leichten Grinsen ansah, huschte auch wieder das Lächeln auf ihr Gesicht. "Mach ich.", erwiderte sie und verschwand kurz im medizinischen Lager und kam mit einem Hypo zurück, reichte es Anna. "Und was die Kreislaufstabilisierung angeht", begann sie und hielt Anna einen Arm hin. "Komm mit, ich zeig dir was, dort sieht es nicht aus wie auf einer Krankenstation und dort riecht es auch nicht nach Krankenstation", grinste sie leicht. "Und dazu gibt es einen von mir persönlich aufgebrühten Tee. Richtigen Tee, keine Replikation." Anna nahm das Hypospray und behielt es einige Augenblicke noch in der Hand, sie fand es angenehmer, wenn die Kontaktfläche angewärmt war. Dann fasste sie mit ihrer linken Hand hinter ihrem Nacken vorbei, um die Haare auf der rechten Seite ihre Halses zur Seite zu nehmen und injizierte die Hälfte der Dosis. Dann wiederholte sie das ganze auf der linken Seite. Dabei hatte sie die ganze Zeit den Kopf leicht nach vorne geneigt und blickte auf den Boden. Sie tat zwar nichts besonderes, aber irgendwie war es ihr doch unangenehm und ungewohnt, ihre tägliche Routine unter den Blicken einer anderen durchzuführen. Das leere Hypo gab sie Lexi wieder zurück und massierte mit beiden freien Händen die Injektionsstellen rechts und links an ihrem Hals, damit sich das Mittel besser verteilte. Dann begann sie ihre Finger und Hände zu kneten, um die Durchblutung anzuregen... sie kannte ihre Schwachstellen. Das Gesicht ließ sie diesmal aus, es kam ihr zu privat vor... In Lexis Gegenwart würde sie über kurz oder lang wohl sowieso rot anlaufen, besser konnte man die Durchblutung nicht steigern. Als sie fertig war, ergriff sie Lexis angebotenen Arm. Ihre Stimme war noch ein bisschen zittrig, aber ihr Griff um Lexis Arm schon kräftiger. "Richtigen Tee... wie könnte ich das ablehnen.", antwortete sie und ein schwaches Lächeln umspielte ihre Lippen. Lexi lächelte Anna an und legte ihr kurz ihre freie Hand auf Annas, die auf ihrem Unterarm ruhte. "Na, dann gehen wir mal in das gemütliche Ecklein.", meinte sie lächelnd und führte Anna langsam zu der kleinen Ecke, die für die Patienten eingerichtet worden war, zum einen, dass dort Patienten, die sich in der normalen Krankenstation nicht wohl fühlten, bei leichteren Problemen behandelt werden, aber auch, dass sie dort mit ihrem Besuch sich zusammen setzen konnten. Lexi deutete auf die kleine Sitzgruppe in der Ecke und ging selbst zum kleinen Herd, wo sie Wasser aufsetze und zwei Tassen mit Teezubereitung vorbereitete. Anna ließ sich von Lexi führen. Und sie musste zugeben, für eine Krankenstation konnte man es hier wirklich gemütlich nennen. Während Lexi am Tee-Kochen war, setzte Sie sich auf ein Sofa. Um es etwas bequemer zu haben streifte sie die Schuhe ab und schlug die Beine unter. Lexi werkelte ein paar Minuten, bis sie mit der Teemischung zufrieden war und trug die beiden Tassen zum Sofa rüber, musste etwas schmunzeln, als sie Annas Schuhe auf dem Boden liegen sah. "Ja, genauso hatten wir uns dieses Räumchen gedacht", grinste sie Anna an und reichte ihr die Tasse, bevor sie sich neben sie setzte. Anna schnupperte an den Dämpfen, die von der Tasse aufstiegen. "Riecht gut, was für ein Tee ist es?" "Das ist ein gemischter Früchtetee, nennt sich Früchtetraum und ich weiß, wo er herkommt, das ist mir bei sowas immer wichtig", erklärte Lexi lächelnd und stand dann wieder auf. "Ach halt, ich hab noch was vergessen", erklärte sie, stellte ihre Tasche ab und kam mit ein paar leichten herzhaften Gebäckstücken vom Replikator zurück, damit Anna ihre Mineralien bekam und eine kleine Schale mit Traubenzucker für in den Tee. Anna lächelte. "Danke. So eine fürsorgliche Ärztin hatte ich noch nie.", langsam kehrte auch ihr Humor wieder zurück. Sie nahm sich einen Keks und begann langsam daran zu knabbern. "Mmm... gut.", war kurz zwischen den Krümeln zu hören. Dann, mit einem halben Keks und einem Schluck Tee gestärkte, nahm sie ihren Mut zusammen und sprach das an, was ihr noch auf dem Herzen lag: "Auf der Station vorhin... Du hast in meine Akte gesehen... was weißt Du alles über mich?" Lexi lächelte zufrieden. "Ich möchte meine Patienten schließlich gesund haben, also bekommen sie die Fürsorge, die sie verdienen", meinte sie mit einem sanften Blick auf Anna. Als diese jedoch ihre Akte ansprach, wurde Lexi etwas ernster. "Nun, ich hab sie nur kurz überflogen, was du wohl benötigst, hab das Mittel nachgeschlagen und warum du es bekommst. Es heißt, du hast Hautimplantate, die sich ohne das Mittel abstoßen würden." Anna nahm die Information mit einem Nicken entgegen. "Gut... dann lies sie jetzt durch. Dann weiß ich es sicher..." Sie knabberte weiter an ihrem Keks. Lexi sah Anna für einen Moment fragend an, nickte dann aber und lud sich die Akte auf ein PADD, nahm wieder neben Anna platz und las sich die Informationen genau durch. Sie schluckte trocken, schloss ihre Augen. "Das meintest du also damit, dass dies keine Geschichte für einen schönen Abend wäre.", meinte sie immer noch schluckend. Das Entsetzen über das Geschehene stand ihr ins Gesicht geschrieben, als sie das PADD ablegte und Anna anblickte. "Ja, für einen schönen Abend ist es keine Geschichte. Aber da Krankenstationen für mich so ziemlich das Schlimmste sind, ist das doch ein angemessener Rahmen.", vergeblich versuchte sie zu scherzen. Sie rückte ein Stück näher zu Lexi, die sehr geschockt zu sein schien von Annas Akte. Anna legte vorsichtig einen Arm um Lexis Hüfte als trostspendende Geste. "Ich habe es überlebt und akzeptiert als mein Schicksal." Lexi sah zu Anna auf, war kurz versucht die Augen bei der Berührung zu schließen, sah Anna aber an. "Ich merke es, es ist dennoch im ersten Moment ein Schock.", gestand sie und sah Anna offen an. "Wenn ich irgendwas tun kann, was dir die Behandlung leichter macht, dann werde ich es tun, es gibt sicher einen Weg", meinte sie lächelnd. "Ich kann es nur nicht alleine entscheiden, ich werde es mit meiner Chefin besprechen, wenn sie dann an Bord ist." Anna sah sich für eine Moment im Raum um. "Du könntest hier noch eine Tür einbauen lassen, damit ich nicht durch die Krankenstation kommen muss.", sie lächelte Lexi kurz an. "Ehrlich, ich mache beinahe alles, um nicht in eine Krankenstation zu müssen...", und es klang wirklich ehrlich. Lexi lächelte legte ihrerseits den Arm um Anna. "Ich kann dir vielleicht die bisher häufigen Besuche ersparen, ich kann sie dir aber nicht gänzlich abnehmen. In welchem Intervall, das gilt es zu verhandeln, ich werde so wenig wie möglich vorschlagen." "Einmal jährlich?", fragte Anna mit einer Mischung aus Ironie und Ernsthaftigkeit. Sie fühlte sich, als wäre ihr ein Felsbrocken vom Herzen genommen worden. Vielleicht hätte sie sich schon früher jemandem anvertrauen sollen. Sie lehnte sich an Lexis Seite. Ja, es fühlte sich besser an, wenn man eine Vertraute hatte. "Außer Dir kennt meine Akte jetzt wohl nur noch der Captain und eventuell die Counselor... und Deine Chefin. Bisher habe ich es noch so gut wie niemandem erzählt. Die meisten dachten an einen Shuttle-Unfall oder so..." Lexi lächelte, strich Anna sanft mit ihrer Hand über die Seite, als diese sich an sie lehnte. "Hm.. einmal jährlich dürfte meiner Chefin wohl zu wenig sein, und mir persönlich ist es das auch, wir wollen ja nicht, dass was passiert und am Ende heißt es, wir dummen Ärzte sind es.", meinte sie sanft lächelnd. "Wenn du genauer drüber reden möchtest, mein Angebot von neulich steht nach wie vor.", erklärte die Ärztin mit sanfter Stimme. Anna blieb für eine kleine Weile einfach still an Lexi gelehnt. Sie hatte gar nicht so genau mitbekommen, was sie gerade eben gesagt hatte. Ihr war, als wäre ihr nicht nur eine Last genommen worden, sondern wie eine Quelle auf einmal unter einem Felsen hervorsprudelte, so fühlte sie auf einmal all die Regungen in sich aufsteigen, die sie so lange unterdrückt hatte. Und wie bei einer Quelle, war es erst ein Tropfen, dann zwei, und schließlich ein ganzer Strom an Tränen, der auf einmal seinen Weg bahnte... "Es war so schrecklich...", konnte Lexi noch unter dem Schluchzen hören. Lexi löste sich kurz von Anna, um sie sanft in ihre Arme zu schließen. Sie wiegte Anna fast schon zärtlich in ihren Armen und strich ihr beruhigend über den Rücken, schwieg aber für den Moment. Anna schluchzte noch einige Male, bis sie leiser wurde und still in Lexis Armen lag und ihr die Tränen über die Wangen kullerten. Dann versiegte auch diese und Anna wischte sich mit der Hand die Augen trocken. Sie löste sich etwas aus Lexis Umarmung. "Tut mir leid.", stammelte sie. "Soweit wollte ich eigentlich nicht gehen..." Ihr Blick fiel auf Lexis Uniform. "... Und Du bist dabei ganz nass geworden." Sie wischte sich nocheinmal mit einem Zipfel ihres Ärmels die Augen ab. Lexi lächelte. "Macht nichts. Ich kann sie eh gleich ausziehen oder umziehen, hab jetzt nur noch meine Bereitschaft, aber da kann ich mir die Zeit nehmen.", meinte sie zwinkernd und angelte mit einer Hand nach einem Taschentuch und tupfte Anna die restlichen Spuren vom Gesicht. "Und für das Weinen musst du dich nicht entschuldigen. Schon gar nicht, wenn es dir geholfen hat." "Da bin ich mir nicht so sicher.", antwortete Anna. Sie legte ihre Hände vors Gesicht und strich über ihre Stirn. "Ich krieg vom Weinen immer Kopfweh, und meine Augen sind wie Sandpapier." "Hm... ich glaube, gegen das Kopfweh können wir was tun", überlegte Lexi. "Und gegen die trockenen Augen auch." Anna wischte noch einmal mit ihrem Finger unter ihrem Auge. "Hast Du auch was gegen verschmierte Wimperntusche?" Ihre Stimme klang noch etwas nasal von vorhin. Eigentlich hatte sie ja heute geplant, noch eine Runde Training zu absolvieren, aber so fühlte sie sich jetzt nicht wirklich. Sie ließ ihren Kopf gegen die Lehne des Sofas sinken und schloss die Augen, vielleicht linderte die Dunkelheit das Brummen im Kopf. Lexi nickte. "Ich denke, das lässt sich machen.", grinste sie und stand auf. "Entschuldige mich kurz." Dann verschwand die Ärztin kurz im Büro, brachte Wimperntusche mit, besorgte etwas Wasser zum in die Augen träufeln, eine reichhaltige Creme und einen speziellen Tee, der die Kopfschmerzen der schwarzhaarigen Frau lindern sollte. "So, hier, einmal diese Tropfen in die Augen, die Creme auf die Haut, den Tee gegen die Kopfschmerzen und Wimperntusche und Spiegel für die verschmierte Tusche." Anna musste unwillkürlich grinsen, als Lexi vollbepackt zurückkam. "Du denkst ja wirklich an alles. Wie kann ich das nur wiedergutmachen?" Sie nahm die Dinge nacheinander entgegen, und begann sich langsam wieder in einen normalen Menschen zu verwandeln bis sie nur noch mit der Tasse Tee in der Hand da saß und vorsichtig die heiße Flüssigkeit anpustet, damit sie auf trinkbare Temperaturen abkühlte. "Ich glaube, Du bist die beste Freundin, die mir jemals passiert ist.", sagte sie, während sie vorsichtig ihre freie Hand auf Lexis Schulter legte. Lexi spürte, wie ihr die Röte ins Gesicht schoss. "Danke. Und gut machen... Brauchst du nicht, wenn du willst, fällt dir aber sicherlich was ein." Anna lächelte. Sie rutschte kurz auf dem Sofa hin und her, um sich etwas anders hinzusetzen. Wie sie ihre Hand von Lexis Schulter nahm, um ihre Teetasse zu stabilisieren, fiel ihr wieder das Gespräch ein, das sie beide bei ihrem ersten Treffen in der Bar geführt hatten. Anna lief knallrot an, da hatte sie in der Eile des Gefechts etwas komplett vergessen. "Äh..", stammelte sie. "Ich hoffe, das war gerade okay für Dich... es tut mir leid, ich hatte gar nicht daran gedacht, dass Du ja eigentlich... also ich wollte dich nicht absichtlich irgendwie...", so richtig brachte sie es nicht über die Lippen. .. anmachen? Lexi sah Anna mit Herzensgüte in den Augen an. "Kein Problem. Ich kann unterscheiden. Und Freunde sind doch auch dazu da, sich mal in den Arm zu nehmen, wenn's einem schlecht geht." "Dann bin ich ja froh... ich weiß nicht, was ein Mann bei der Situation gedacht hätte.", antwortete Anna, immer noch mit roten Backen. Vorsichtig nahm sie einen Schluck Tee und sah Lexi über den Rand der Tasse an, beobachtend und ein bisschen, als würde sie einen Gedanken hin- und herwiegen. "Vermutlich hätten die Typen, die ich in der Hinsicht kenne, schon überlegt, wie sie dir am geschicktesten die Kleidung vom Leib reißen.", meinte sie schulterzuckend mit einem Grinsen, erwiderte Annas Blick. Was mochte wohl gerade in ihrem Kopf vorgehen? Anna grinste schräg hinter ihrer Tasse. "Ärzte sagen doch immer: Bitte machen Sie sich frei.. wirkt meistens." Sie drehte ihren Gedanken noch ein bisschen hin und her und betrachtete ihn von allen Seiten. Sie fühlte, als könnte sie sich mit ihm anfreunden. Ungewohnt, aber auch eine Chance... "Och, das gibt es schon lange nicht mehr... Heut zu Tage kann man ja etwas weniger offen behandeln, in den einfacheren Fällen.", grinste Lexi zurück, legte den Kopf schief. "Na, irgendwas scheint dich zu beschäftigen..." Annas Gesichtsfarbe wurde wieder eine Nuance rötlicher. "Naaa, es ist nur so eine Idee... Noch nicht wirklich spruchreif. Ich lass es Dich wissen, wenn es soweit ist." Sie grinste wissend. "In Ordnung", erwiderte Lexi und lehnte sich zurück. "Nun, kriegst du das hin, bis meine Chefin da ist, ab und zu mal hier vorbei zu schauen, bis wir das vereinfachte Verfahren mit deiner Behandlung abgeklärt haben? Ich versuche auch immer höchstpersönlich anwesend zu sein." "Okay." Anna nickte. "Ich werde am besten gleich hierher steuern. Augen zu und durch. Wann hast Du Deine Schicht? Morgens wäre eigentlich praktisch, aber ich hatte schon das Problem, dass mich Schwestern für schwanger hielten, nachdem ich, du weißt schon was..." Sie wollte es nicht unbedingt noch einmal ausführen. "Wegen der Wirkung auf das Medikament?" fragte Lexi. "Keine Sorge, frag einfach nach mir, wenn du nicht durchgelassen wirst, droh ein wenig", grinste sie. "Und ich hab zur Zeit immer die Alphaschicht." "Nein, ich meinte weniger die Wirkung des Medikaments, sondern die Wirkung der Krankenstation. Du weißt ja, Morgenübelkeit.", erklärte Anna. "Wie oft soll ich kommen?" Lexi sah kurz verkniffen drein. "Ähm ja, stimmt, entschuldige.", meinte sie verlegen. "Wie gesagt, versuch einfach zu mir durchzukommen. Mit der Zeit werden sie es ja wohl kapiert haben." Sie überlegte. "Hm... ich könnte die Dosis leicht erhöhen, aber nicht viel, dass du auf jeden zweiten Tag ausweichen kannst." Anna atmete tief ein und einmal geräuschvoll aus. "Jeden zweiten Tag.", wiederholte sie mehr zu sich selbst. "Ich denke, das werde ich schaffen." Sie stellte ihre inzwischen leere Teetasse auf den Tisch. Lexi lächelte. "Ist besser als täglich. Ich kann die Dosis aber nicht noch mehr erhöhen, sonst haben wir nachher den gegenteiligen Effekt." "Verstehe." Sie rieb ihre Stirn. "Das ist ein schönes Gefühl, wenn das Kopfweh wieder nachlässt. Du hast ein Händchen für Tees." Sie lächelte zurück. "Ich nehm lieber einen Tee oder einen Kräutersud, bevor ich die chemische Keule schwinge.", zwinkerte Lexi. "Wir können auch heute noch viel von der Natur profitieren." "Ja, und es wirkt erstaunlich schnell. Fast wie ein Hypospray.", wunderte sich Anna. "Aber ich mache mich jetzt wohl besser auf den Weg, um Dich nicht länger von Deinen restlichen Patienten fernzuhalten." Sie machte Anstalten zum aufstehen. "Solang kein Notfall rein kommt, was ich nicht vermute, hab ich jetzt meine Bereitschaftszeit. Ich hab heute genug Zeit hier verbracht. Wird Zeit fürs Quartier", seufzte sie und blies sich eine Strähne aus dem Gesicht. "Gut. Ich auch. Ich hatte überlegt, noch eine Runde zu trainieren, das Kopfweh hätte mir beinahe einen Strich durch die Rechnung gemacht. Willst Du mitkommen? Eigentlich leg ich ja lieber Jungs auf die Matte, aber ab und zu darf es auch ein Mädel sein." Sie zwinkerte. Lexi wiegte kurz den Kopf. "Mich kriegst du bei meinen Kenntnissen sicher auf die Matte, aber warum nicht, ich sollte meine Kenntnisse wieder etwas auffrischen", zuckte sie mit den Schultern und nickte dann zustimmend. "In Ordnung. Treffen wir uns wo?" Anna überlegte einen Moment. "Deck 11, der Trainingsbereich in einer halben Stunde?" "Abgemacht. Ich bring das Mineralwasser mit", meinte Lexi lächelnd und stand langsam auf, um sich kurz zu strecken. Sie sah Anna mit einem Grinsen an. Jetzt war es an Anna, den Kopf schief zu legen, und Lexi sanft irritiert anzuschauen. "Ich wusste gar nicht, dass dich die Aussicht auf ein bisschen Nahkampf so fröhlich macht.", kommentierte sie. Inzwischen stand sie auch. "Aber das soll mir nur recht sein." Sie grinste ebenfalls. "Dann bis gleich." Lexi schüttelte den Kopf. "Nein, das mein ich nicht, aber du stehst noch gerade und das obwohl du auf der Krankenstation bist. Gratuliere." Anna lachte. "Das liegt wohl an Deiner guten Fürsorge. Jetzt muss ich nur noch das Stück nach der Tür da schaffen." Sie zeigte auf den Ausgang. "Ich komm mit, ist ja eh mein Weg", erwiderte Lexi und öffnete die Tür zum Hauptraum. Anna ging neben Lexi und beschleunigte ihre Schritte merklich, als sie den Raum verließen. Lexi verließ mit einem kurzen Gruß die Krankenstation und vor der Tür sah sie Lexi an. "Also bis gleich und du stehst immer noch.", zwinkerte sie. "Ich hoffe, das bleibt noch eine Weile so.", grinste sie zurück. "Bis gleich.", verabschiedete sie sich. Lexi wiegte ihren Kopf, während sie die andere Richtung einschlug. "Du hast mich schneller auf der Matte, als ich vermutlich gucken kann.", murmelte sie und ging schließlich in ihr Quartier, wo sie schnell duschte, ihre Sachen zusammenpackte und noch zwei Flaschen mit Wasser einsteckte, bevor sie sich auf den Weg nach Deck 11 machte. Anna winkte Lexi noch einmal zu und ging in die entgegengesetzte Richtung. Kurz danach war sie auch schon wieder auf dem Weg nach Deck 11. --- Deck 11, Trainingsbereich, eine halbe Stunde später Lexi hatte sich in die Umkleiden verzogen und stand jetzt vor dem großen Spiegel und versuchte ihre Kleidung zurecht zurücken, als hinter ihr das Zischen der Tür erklang. Lexi war schon da, als Anna eintrat und ihre Tasche auf eine Bank vor die Spinde fallen ließ. "Du bist aber flink.", begrüßte sie Lexi. Dann packte sie ihre Sachen aus und streifte schnell die Uniform ab. "Na, muss ich sein, im Ernstfall kann ich einen richtigen Sprint zur Krankenstation hinlegen", grinste sie Anna an und drehte sich um. Anna schlüpfte gerade in die Hose ihres Gi. "Ich dachte, dafür gibt es Turbolifte. 'Turbo' hört sich schneller an als 'Sprint'." Jetzt zog sie die Jacke über und band den Gürtel fest. Dann faltete sie ihren Hakama auseinander. "Nun ja, ich glaub, ich mach sogar manchmal dem Turbolift noch Konkurrenz" grinste Lexi, um zu zeigen, dass sie es nicht ganz ernst meinte. Dann sah sie Anna an. "Ich glaube, ich hab die falsche Kleidung dabei, wenn ich mir deinen Aufzug ansehe." "Oh nein, das ist eher meine Angewohnheit. Ich mache jetzt schon viele Jahre Aikido. Das hier", sie wies an sich hinab. "ist die traditionelle Trainingskleidung. Ich hab mir angewöhnt sie zu allen Kampfsporttrainings zu tragen, egal ob Aikido oder Starfleet-Nahkampf. " Lexi wiegte den Kopf. "Ok, wenn das hier auch geht, in Ordnung." "Okay, dann nichts wie los! Hast Du bestimmte Vorlieben, was zuerst?", Anna verließ die Umkleiden. "Hau mich einfach nicht zu hart auf die Matte", bat Lexi mit einem leichten grinsen und sah sich um. "Schaut irgendwie viel zu gemütlich für einen Kampfsporthalle aus." "Dein Wunsch sei mir Befehl." Bevor Anna die Matte betrat, verbeugte sie sich. Dann prüfte sie mit dem Fuß kurz den Boden. "Fühlt sich ausreichend gepolstert an." Lexi hatte recht, der Raum war nicht gerade der größte, wenn mehrere hier trainierten, würde es eng werden. Anna schaute sich kurz um. "Vielleicht weichen ja viele auf das Holodeck aus." Sie stellte sich etwa in die Mitte der Mattenfläche und wartete auf Lexi. Die Meditation, die sie normalerweise vor ihrem Training durchführte, ließ sie heute weg. Lexi nickte. "Vermutlich, macht uns das auf der Krankenstation wegen der Sicherheitssysteme aber dann auch weniger Arbeit", schmunzelte sie. "Also, auf was muss ich noch mal achten? Schuhe waren auf jeden Fall aus und beim abrollen nicht auf den Kopf bzw. die Belastung aufs Genick, sondern auf die Schultern. Richtig?" "Ja, genau. Aber vielleicht ist es am besten, wenn Du aus der Übung bist, nochmal die typischen Rollen und Fallbewegungen aufzufrischen. Ist ja auch praktisch, wenn Du beim Sprint zur Krankenstation mal stolperst." Sie ging an ein Ende der Mattenfläche und stellte sich mit dem Rücken zum Raum. "So, eine Mattenlänge rückwärts, dann eine vorwärts und dann eine abwechselnd." Sie machte Lexi noch einmal eine Rolle rückwärts und vorwärts vor, dass sie sehen konnte, wie man über die Schulter und schräg über den Rücken und nicht über den Kopf und die Wirbelsäule abrollte. Lexi besah sich die Rollen, die Anna vollführte, machte es ihr schließlich nach. Erst eine rückwärts, eine vorwärts und im Wechsel. Sie wiederholte das ganze noch ein paar Mal, stand dann aus der Rolle schwunghaft auf und sah Anna abwartend an. "Hey, Du stehst ja noch.", wiederholte Anna Lexis Satz von der Krankenstation. "Sah ja gar nicht so schlecht aus. "Weißt Du noch, wie Du Dich am besten fallen lässt?" Anna beschloss, es lieber gleich vorzumachen. Einen Moment stand sie noch, dann warf sie sich hin, als hätte ihr jemand die Beine weggefegt. Klatsch! Schlug sie sich am Boden ab und lag auf der Seite. Dann sprang sie wieder auf. "Wenn Du noch nicht so sicher bist, machen wir lieber noch Vorübungen." Lexi lachte leise. "Okay, das Rollen krieg ich noch hin, das Fallen sollte ich noch ein paar Mal üben." "Okay, dann machen wir das Training zu einer Auffrischungsstunde für Dich." Anna lächelte Lexi an. "So, Du gehst jetzt so in die Hocke.", begann sie mit der Vorübung. "Jetzt schiebst Du das Bein hier nach vorne und seitlich und lässt dich kippen. Dann liegst Du schon in der richtigen Position." Der Reihe nach bewegte sie ihre Gliedmaßen. "Das untere Bein gestreckt, das andere senkrecht aufgestellt, die untere Hand flach auf den Boden klatschen, die andere auf den Bauch." Sie ging wieder in die Hocke. "Probier's mal.", forderte sie Lexi auf. Lexi bließ kurz ihre Haare aus dem Gesicht, richtete ihr Haarband noch einmal, bevor sie Annas Bewegungen, wenn auch nicht ganz so formvollendet nachahmte. "Autsch!" Anna war sofort bei Lexi. "Lass mal sehen." ... und das sagte sie zu einer Ärztin. "Jetzt ist es noch nicht schlimm, nur nachher solltest Du Deine Finger nicht unter Dein Bein bringen." Sie half Lexi wieder auf. Lexi rieb sich ihren Finger. "Das sagst du mir zu spät", grinste sie. "Na ja, wird nur eine leichte Verstauchung sein, da kann ich mich später drum kümmern." Anna nahm Lexis Hand vorsichtig und schaute sie noch einmal an. "Na, wenn Du es als Ärztin verantworten kannst, soll es mir recht sein.", scherzte sie. "So, nochmal, und jetzt versuchst Du die Hand lieber hier zu halten. " Anna machte noch einmal alles vor. "Und mit der Hand mit Schwung auf den Boden schlagen, genau wenn Du aufkommst. Das vernichtet einen Teil deiner Energie und verhindert dass Deine Finger unter Deinem Bein landen." Sie gab Lexi Hilfestellung. Lexi nickte. "Na, wenn nicht, weiß ich, bei welchem Arzt ich mich heut Abend beschweren werde.", grinste sie und ließ sich noch mal genau zeigen, versuchte es dieses Mal anders, allerdings war der Schlag auf die Matte dennoch leicht schmerzhaft, auch wenn die Finger nicht wieder unter ihrem Bein landeten. Anna sah, dass Lexi kurz das Gesicht verzog. "Wenn's noch weh tut, mach es erst einmal auf die andere Seite." Lexi nickte. "Wäre wohl besser", meinte sie bestätigend. "Sonst muss ich mich morgen noch krank schreiben." Fast hätte sie zugesetzt: 'Kommst du mich dann pflegen?', aber sie schluckte den Satz runter und versuchte weiterhin das Rollen und Fallen wieder zu verinnerlichen. Das waren noch die leichtesten Übungen. "Ha, ich glaube, jetzt hab ich den Dreh wieder raus!" jubelte sie schließlich nach einer ganzen Weile. Anna beobachtete, wie Lexi Fortschritte machte. Als sie in Jubel ausbrach, klopfte sie ihr anerkennend auf die Schulter. "Soviel hast Du ja gar nicht verlernt gehabt. Super." Mit etwas ironischem Unterton fügte sie hinzu: "Willst Du gleich weiter machen oder verschieben wir die grundlegenden Verteidigungstechniken lieber auf nächstes Mal." Sie warf noch einmal einen Blick auf Lexis Hand. "Dann können sich Deine Finger wieder erholen." Lexi sah auf ihren Finger, bewegte ihn kurz. "Vertagen wir das ganze aufs nächste Mal und gönnen meinen Pfötchen Ruhe.", beschloss sie schließlich, auch wenn's nicht mehr so stark wie am Anfang schmerzte, wenn auch das nicht stark war. "Was hältst du von was zu essen? Ich glaube, dein Magen würde sich freuen oder?" Jetzt wo Lexi es erwähnte, ja, ihr Magen war am Knurren und die Ereignisse vorhin waren so gut wie vergessen. "Oh ja... hörst Du ihn etwa auch schon?" Sie gingen zurück zu den Umkleiden. Wie beim Betreten der Matte, so verbeugte sich Anna auch kurz beim Verlassen. Lexi lächelte, deutete ebenfalls eine Verbeugung an und in der Umkleide wickelte sie sich gleich ein Handtuch um die Schultern. "Ich glaube, wenn ich das jetzt ernsthaft angehe, sollte ich mir doch etwas anderes an Kleidung besorgen", meinte sie jetzt doch leicht schlotternd, da der Stoff nicht wirklich die Wärme hielt, so durchnässt wie er war. "Oder wir hängen nächstes Mal noch einen Saunagang dahinter.", schlug Anna vor. "Da wird Dir wieder gut warm." Sie war inzwischen vor ihrem Spind angekommen und begann sich auszuziehen. "Meinem Hunger zuliebe plädiere ich heute nur für eine heiße Dusche." Schnell wickelte sie sich in ein Handtuch und ging hinüber zu den Duschen. Lexi wickelte sich ebenfalls ein, nachdem sie die Kleidung abgestreift hatte und war froh, als das heiße Wasser über ihren Körper rann. Schnell geduscht, abgerubbelt. Und jetzt war sie froh, dass sie einen doch etwas wärmeren Anzug für hinterher mitgenommen hatte. Anna trocknete sich auch ab und schlüpfte dann wieder in Ihre Uniform. Etwas ziviles wie Lexi anhatte, hatte sie vergessen in ihre Tasche zu packen. Bei Starfleet ist man eben immer im Dienst. Sie kämmte noch schnell ihre Haare durch und fixierte sie mit einer Spange. Dann schulterte sie ihre Tasche. "Fertig." Lexi packte ihren Kommunikator wieder an ihre Kleidung und nahm ihre Tasche ebenfalls auf. "Ich auch. So, wo gönnen wir unseren Mägen jetzt was zu tun?" "Im Casino sind wir am schnellsten, das ist auf dem gleichen Deck.", schlug Anna vor. "Nach dir", meinte Lexi und sah sich noch mal um, dass sie auch nichts vergessen hatten. "Schon besondere Wünsche?" Anna startete voraus. "Nein, eigentlich nicht. Das bajoranische Gericht gestern war gut. Was auch immer das war. Kannst Du was empfehlen?", fragte sie während dem Gehen. "Hm.... noch nicht wirklich, ich muss mich erst langsam an die Gerichte des Koches rantasten, ob ich sie vertrage", überlegte Lexi... "Die Gemüsegerichte sind aber auf alle Fälle gut." "Reagierst Du empfindlich auf manche Zutaten?", fragte Anna nach. Lexi nickte. "Ja, auf Milchzucker definitiv und dann noch verschiedene Gemüse, aber zum Glück da nur sehr wenige." "Werd ich mir merken." Erklärend fügte sie hinzu: "...falls ich mal für Dich kochen sollte." "In Ordnung, frag aber vorher noch mal wegen der genauen Gemüsesorten", grinste Lexi zurück und sah sich im Casino um. "Was meinst du zu dem Tisch dahinten?" "Gute Wahl. Das Essen können wir ja gleich mitnehmen. Willst Du schon mal den Platz reservieren, ich kann Dir was mitbringen.", sie steuerte in Richtung der Replikatoren. Lexi nickte. "In Ordnung. Ich nehm einmal Huhn süß-sauer mit Reis nach Welling", bat sie Anna. "Soll ich deine Tasche mitnehmen?" "Ja, danke." Anna reichte ihr die Tasche. Dann ging sie zu den Replikatoren. "Einmal Huhn süß-sauer mit Reis nach Welling.", wiederholte sie Lexis Bestellung. Der Teller materialisierte und sie stellte ihn auf ein Tablett. 'Asiatisch hört sich nicht schlecht an.', überlegte sie. "Und einmal Wokgemüse mit Räuchertofu und Reis.", bestellte sie für sich. Beide Teller passten gerade zusammen auf ein Tablett. Sie legte noch Servietten und Besteck dazu - Messer, Gabel und Stäbchen, da sie nicht wusste, wie Lexi ihr Gericht essen wollte. Vorsichtig balancierte sie das volle Tablett an ihren Tisch. "So, einmal Hühnchen süß-sauer für die Dame, ich wünsche Guten Appetit.", imitierte sie einen Kellner, als sie Lexi ihren Teller reichte. Lexi ging schnurstracks auf den erwählten Tisch zu und wartete darauf, dass Anna nachkam. "Danke schön", erwiderte sie und sog den Duft beider Essen genießend in sich auf. "Köstlich." Anna stellte ihre Teller ebenfalls ab und reichte Lexi einen Satz Besteck und Servietten. Sie setzte sich ebenfalls hin und breitete die Serviette auf ihrem Schoss aus. "Na dann", sie lächelte Lexi an. "Lass uns anfangen. Ich wünsch Dir einen guten Appetit." Sie griff nach den Stäbchen. Lexi griff, ausnahmsweise, mal nach dem 'normalen' Besteck, mit dem verprellten Finger war das doch angenehmer. "Danke, ebenso", erwiderte sie mit einem sanften Lächeln und begann eine kleine Ecke von dem Fleisch mit dem Reis zu vermischen, bevor sie es auf ihre Gabel lud und verspeiste und dies immer wieder wiederholte, bis der Teller geleert war. Anna konnte kaum schauen, wie schnell Lexi ihren Teller leer hatte. Sie war allerdings auch nur ein paar Reiskörner dahinter. Ihr Magen vertrug das Essen erstaunlich gut. Als sie ihre Stäbchen zur Seite legte lehnte sie sich zurück. Sah dann zu Lexis Teller, dann zu Lexi und fragte nur: "Nachtisch?" Lexi lehnte sich leicht gähnend zurück. "Ja, aber dieses mal hol ich ihn, ein wenig Bewegung tut mir gut. Was möchtest du?" "Vanilleeis mit Beeren.", antwortete Anna. "Kriegst du", antwortete Lexi und verschwand in Richtung der Replikatoren. Sich selbst brachte sie eine Schale mit Obstsalat mit, dazu eine leichte Soße aus Soja-Joghurt. "Bitte schön, die Dame", spielte Lexi dieses mal die Kellnerin, nachdem sie mit dem Nachtisch am Tisch angelangt war, bevor sie sich setzte. "Danke." Anna lächelte Lexi an. Sie nahm sich vor das Dessert nicht so schnell herunterzuschlingen, sondern das Eis langsam auf der Zunge zergehen zu lassen. Nach dem ersten Löffel pausierte sie kurz. "Lecker.", das musste einfach gesagt werden. Lexi ließ sich wieder auf ihren Platz sinken und begann die einzelnen Fruchtstücke aufzuspießen und tunkte sie auch noch in die weiße Masse, ließ sich das weiche Stück Obst dann anschließend auf der Zunge zerfallen. "Hm.... jaah. Eindeutig." Anna nahm noch ein paar Löffel. Den letzten zögerte sie noch etwas heraus. "Darf ich Dich mal was fragen?" Nachdem Lexi gerade den Mund voll hatte, sprach Anna einfach weiter. "Wie kommt man eigentlich darauf, einen so gräßlichen Beruf wie Arzt zu ergreifen?" Ihre Augen glitzerten verräterisch, sodass Lexi die Ironie in diesem Satz nicht verfehlen konnte. Lexi blickte Anna ruhig, aber mit einem herausfordernden Blick an, ließ den Bissen besonders lange im Mund. "Nun", begann sie, als sie schließlich nicht mehr umhin konnte, als den Bissen zu schlucken. "Berufung einfach... Ich habe öfters früher im Krankenhaus ausgeholfen, nachdem ich einem Mitschüler erste Hilfe geleistet hatte. Es machte mir Spaß zu sehen, wie die Patienten wieder genesen sind." "Du merkst, ich kann es noch nicht so ganz glauben, dass es auch nette Ärzte gibt.", antwortete Anna. '... und hübsche noch dazu.', fügte sie in Gedanken an. "Derer gibt's in manchen Krankenhäusern oder auf manchen Schiffen, vieel zu wenige", bedauerte Lexi. "Ich habe auch mit einigen ziemlich üblen Gestalten zusammen arbeiten müssen. Einer der Chefärzte war so drauf, dass der Patient nicht entscheiden durfte, welche Behandlung besser wäre, die möglichst am wenigsten invasivste oder die effektivste... Der Patient hätte keine Ahnung, also solle ich ihm nur die effektivste vorstellen, da konnte ich allerdings nicht mit leben. Die Patienten sind wichtig, wir müssen auf ihr Körpergefühl hören, anders geht es nicht, da uns unsere noch so modernen Apparate nicht das geben können, was wir wirklich brauchen: sie können uns nichts über das Wohlbefinden des Patienten aussagen, das kann nur der Patient selbst." Dann lächelte sie Anna an. "Soll ich dich kneifen, dass du es glaubst?" Anna streckte ihr einen Arm hin und grinste verschmitzt. "Ok, wenn du es ernst meinst", zuckte Lexi nur mit den Schultern, kniff dann sanft auf Annas Handrücken, bevor sie lächelte. "Na, glaubst du mir jetzt?" "Mmmm... doch, jetzt glaube ich es...", schmunzelte sie. "Ich dachte zuerst, das ist mein Mega-Fettnäpfchen, dass ich ausgerechnet die stellvertretende Chefärztin kennenlerne, aber es scheint doch so seine Vorteile zu haben." Sie zwinkerte Anna zu. Dann nahm sie ihr Schälchen und kratzte die letzten Reste Eis zusammen. Lexi lehnte sich zurück, zog ein Bein auf die Sitzfläche und schlang ihren Arm darum. "So, was denn für Vorteile?" fragte sie neugierig. "Der Arzt, nun ja, die Ärztin, kennt einen. Man ist nicht nur einer unter der ganzen Besatzung hier auf dem Schiff. Und wenn es mal diese peinliche Stille ergibt, muss man die nicht mit sinnlosem Smalltalk füllen.", begann Anna aufzuzählen. "Und man hat die Chance sich zu revanchieren, wenn man ihre Uniform durchnässt hat." "Hm... schon Vorstellungen, wie und wo die Revanche statt findet?", zwinkerte Lexi, wurde dann wieder ernster. "Stimmt, man ist nicht so anonym, das macht vieles einfacher. Vermutlich kann ich mir meinen Patientenstamm aber nur begrenzt 'aussuchen'." "Ja, das kann natürlich sein. Dann bin ich mal froh, dass ich unter den ersten war, die durch die Tür kamen." Dann grinste sie. "Ja, was die Revanche angeht, mir schwebt da schon was vor... wann hast Du ein paar Stunden Freizeit, die Du genießen willst?" "Oha... Nun, wenn ich wirklich genießen will, dann sollte ich warten, bis die Krankenstation voll besetzt ist, also etwa übernächste Woche, spätestens", überlegte Lexi laut. "Okay, dann also übernächste Woche. Sag mir bescheid, wenn Du weißt, wann Du nach der Arbeit ein paar Stunden Zeit hast." Anna ging im Kopf durch, was sie alles organisieren müsste. "In Ordnung, sobald ich den Dienstplan kenne, sag ich dir bescheid", lächelte Lexi. "Ich bin gespannt, was dir vorschwebt." (c) Spielergemeinschaft des PbEM-RPGs USS Victory http://www.uss-victory.de